Interview | Ghana | Abfallwirtschaft
"Die Zukunft liegt in der Kreislaufwirtschaft"
Der Markt für Abfallwirtschaft wächst, gleichzeitig bestehen große Herausforderungen bei Sammlung, Recycling und Finanzierung. Ein Branchenkenner ordnet Trends und Chancen ein.
27.05.2026
Ghana entwickelt seine Abfallwirtschaft schrittweise zu einem moderneren und stärker privatwirtschaftlich geprägten Sektor. Neben kommunalen Entsorgern engagieren sich zunehmend internationale Technologieanbieter und Beratungsunternehmen im Markt. FIMA Africa ist auf nachhaltige Infrastruktur- und Industrieprojekte spezialisiert.
Egya-Boi Awoonor ist bei FIMA verantwortlich für die Bereiche Geschäftsentwicklung und strategische Partnerschaften. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt auf der Entwicklung und Finanzierung von Projekten der Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Er begleitet die Einführung europäischer Umwelttechnologien in afrikanischen Märkten und unterstützt die Umsetzung von Recycling-, Sortier- und Verwertungsanlagen.
Herr Awoonor, wie schätzen Sie die Entwicklung der Abfallwirtschaft in Ghana in den nächsten zehn Jahren ein?
Die Abfallwirtschaft in Ghana befindet sich im Wandel, weist jedoch weiterhin strukturelle Schwächen auf. Bisher lag der Fokus vor allem auf Sammlung und Entsorgung, doch künftig werden Recycling, Kompostierung und Abfallbehandlung an Bedeutung gewinnen.
"Eine zentrale Herausforderung bleibt die nachhaltige Finanzierung des Sektors."
Unzureichende Gebührenerhebung und Kostendeckung erschweren Investitionen in Infrastruktur und die Verbesserung der Dienstleistungen. Daher sind eine stärkere Regulierung, klare Finanzierungsmechanismen sowie die Förderung öffentlich-privater Partnerschaften erforderlich.
Gleichzeitig wurden bereits wichtige Fortschritte erzielt. Unternehmen wie Zoomlion haben in moderne Anlagen für Recycling, Kompostierung und Abfallbehandlung investiert. Dies zeigt, dass die Zukunft der Branche nicht nur in der Abfallsammlung, sondern vor allem in der Wertstoffrückgewinnung, der Reduzierung von Deponieabfällen und der Schaffung grüner Arbeitsplätze liegt.
Welche Chancen und Herausforderungen werden diese Entwicklung prägen?
In den kommenden Jahren dürfte der Sektor stärker technologie- und datenbasiert sowie stärker an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet sein. Mit besseren Finanzierungsmodellen, staatlicher Unterstützung und weiteren Investitionen kann die Abfallwirtschaft zu einer bedeutenden wirtschaftlichen und ökologischen Chance für Ghana werden.
Was sollten Unternehmen beachten, die im Abfallsektor in Ghana tätig werden möchten?
Mein Rat wäre, sich auf die größten Herausforderungen und Marktlücken zu konzentrieren. Ghanas Bevölkerung wächst rasch, die Städte expandieren kontinuierlich, und damit wird auch der Bedarf an effizienten Abfallwirtschaftslösungen in den kommenden Jahren weiter steigen.
"Die größten Chancen werden nicht darin liegen, bestehende Dienstleistungen zu kopieren, sondern darin, konkrete Probleme zu lösen."
Dies kann beispielsweise durch den Einsatz von Daten zur Verbesserung der Abfallsammlung, durch Technologien zur Optimierung von Betriebsabläufen oder durch Investitionen in Recycling-, Kompostierungs- und Abfallbehandlungslösungen geschehen, anstatt sich ausschließlich auf die Sammlung und Entsorgung von Abfällen zu konzentrieren.
Erfolgreich werden vor allem diejenigen Unternehmen sein, die praxisnahe und technologiegestützte Lösungen anbieten, welche die Effizienz des Sektors steigern, seine Nachhaltigkeit verbessern und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sind. Unternehmen, die Innovation mit einem klaren geschäftlichen Nutzen verbinden, werden am besten positioniert sein, um vom Wachstum des Abfallwirtschaftssektors in Ghana zu profitieren.