Deutsche Umwelttechnik genießt in Israel einen hervorragenden Ruf. Importbedarf und geplante Investitionen eröffnen ausländischen Anbietern zusätzliche Lieferchancen.
Der Markt für die Gewinnung hochwertiger Sekundärrohstoffe befindet sich in Israel noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die regulatorischen Vorgaben waren bislang begrenzt, entsprechend dominiert die Verwertung mit vergleichsweise geringer Wertschöpfung. Da Israel kaum Umwelttechnik produziert, ist das Land bei Recyclingmaschinen und -anlagen weitgehend auf Importe angewiesen. Die Nachfrage konzentriert sich bislang auf Sortier-, Aufbereitungs- und Komprimierungstechnik.
Technologien für hochwertiges Recycling, etwa die chemische Umwandlung von Abfällen in neuwertige Rohstoffe, spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Für die Rückgewinnung hochwertiger Metalle kommen vereinzelt anspruchsvolle Verfahren zum Einsatz, darunter sensorgestützte Sortiertechnologien.
Rund 300
Unternehmen sind in der Abfallbranche tätig.
Mit einem Anfang 2026 gestarteten ressortübergreifenden Reformprozess treibt Israel die Neuausrichtung seiner Abfallwirtschaft voran. Geplant ist ein regulatorischer Rahmen, der den Übergang zur Kreislaufwirtschaft unterstützen sowie die Deponierung reduzieren soll. Weitere Schwerpunkte liegen auf der energetischen Verwertung und den Ausbau der Entsorgungsinfrastruktur.
Ausbau der Abfallverwertung lässt höhere Nachfrage erwarten
Der Importbedarf konzentriert sich derzeit auf Aufbereitungs- und Zerkleinerungstechnik, sensorbasierte Sortiersysteme, Logistik- und Fuhrparkausstattungen sowie Anlagen und Komponenten für das E-Waste- und Schrottrecycling.
Mit dem geplanten Aufbau eines Netzes von Müllverbrennungsanlagen dürfte die Nachfrage steigen. Gefragt sind insbesondere thermische Kernkomponenten, Rauchgasreinigungs- und Abgasfiltersysteme, Kraftwerkstechnik zur Energieauskopplung sowie Anlagen zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen.
Auch das geplante Abfallgesetz dürfte die Importnachfrage erhöhen, vor allem für die kommunale Abfallbewirtschaftung und die Vorbereitung des Abfalltransports. Benötigt werden unter anderem intelligente Füllstands- und Meldesensoren sowie digitale Identifikationssysteme, GPS- und Telematiklösungen und automatisierte Rücknahmesysteme. Bei Unternehmen entsteht zusätzlicher Bedarf an Daten- und Wiegetechnik, um die behördlichen Dokumentationspflichten zu erfüllen.
Zahlreiche Projekte für Siedlungsabfälle geplant
Bei Siedlungsabfällen verfehlt Israel seine Recyclingziele deutlich: 2025 lag die Quote in diesem Bereich bei nur 21 Prozent. Laut der ursprünglichen Planung von 2020 sollte die Recyclingquote in dieser Kategorie 2030 auf 80 Prozent steigen. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 39 Prozent gesenkt. Die jährliche Gesamtmenge von Siedlungsabfällen liegt bei 6 Millionen Tonnen, Tendenz steigend.
Ein Programm von 2026 sieht rund 50 neue Sortier-, Recycling- und Verwertungsanlagen vor. Schwerpunkte sind zusätzliche Sortierkapazitäten, Anlagen für organische Abfälle sowie Projekte zur energetischen Verwertung.
Geplant sind 17 zusätzliche Sortieranlagen. Ihre zusätzliche Gesamtkapazität soll 4,6 Millionen Tonnen jährlich betragen und die bestehenden neun Anlagen ergänzen. Die Investitionskosten liegen je Anlage zwischen 43 Millionen und 60 Millionen US-Dollar (US$). Hinzu kommen zwölf Anlagen für organische Abfälle. Aktuell sind fünf Anlagen in Betrieb. Der Staat will dafür auch das Sammelsystem für organische Stoffe ausbauen. Zudem sind sieben bis zehn Anlagen zur energetischen Verwertung vorgesehen. Sie sollen nicht recycelbare Sortierreste nutzen. Die Kosten betragen rund 500 Millionen US$ pro Anlage.
Eine erste Anlage befindet sich bereits im Bau. Den Auftrag erhielt im Februar 2026 ein israelisches Konsortium. Die Anlage soll 200.000 Tonnen organischer Siedlungsabfälle und landwirtschaftlicher Abfälle pro Jahr verarbeiten.
Bei Bauabfällen dominiert Downcycling
Laut Angaben des israelischen Umweltministeriums fielen 2024 in der Industrie rund 2,2 Millionen Tonnen Abfälle an. Die Recyclingquote betrug 65 Prozent. Gesetzliche Bestimmungen und der höhere Organisationsgrad der Industrie erklären die vergleichsweise hohe Quote.
Auch die rund 7,5 Millionen Tonnen Bauabfälle weisen eine Recyclingquote von rund zwei Dritteln auf. Die recycelten Materialien kommen unter anderem im Straßenbau oder bei Verfüllarbeiten (Downcycling) zum Einsatz. Die hochwertige Aufbereitung bleibt dagegen wirtschaftlich wenig attraktiv.
Metalle aus Bauabfällen werden effektiv getrennt und recycelt. Verarbeitende Unternehmen fragen vor allem Brech-, Sieb- und Fördertechnik sowie Metallabscheider nach.
Abfallrecycling nach Kategorien 2015 bis 2024 (ausgewählte Jahre)in Tausend Tonnen| Kategorie | 2015 | 2022 | 2024 |
|---|
| Insgesamt | 5.354 | 8.459 | 7881 |
| Baumüll | 1.611 | 4.846 | 4930 |
| Kohleasche 1) | 1.136 | 560 | 341 |
| Metalle | 577 | 727 | 625 |
| Organische Abfälle | 871 | 977 | 727 |
| Papier und Pappe | 457 | 432 | 428 |
| Garten- und Holzabfälle | 365 | 372 | 301 |
| Schlacke | 78 | 125 | 135 |
| Kunststoff | 63 | 117 | 105 |
| Öl | 27 | 25 | 23 |
| Textilien | 9 | 12 | 13 |
| Andere 2) | 158 | 264 | 234 |
Summen enthalten Rundungsdifferenzen; 1) wegen des rückgängigen Anteils von Kohle an der Stromerzeugung geht auch die anfallende Menge von Kohleasche zurück; 2) Abfälle zur Gewinnung von Ersatztreibstoffen, Batterien, Reifen, Glas und TonerQuelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)
Niedrige Deponiegebühren bremsen Kreislaufwirtschaft
Niedrige Deponiegebühren begünstigen bislang die verarbeitungsfreie Abfallentsorgung gegenüber dem Recycling. Im Jahr 2026 belief sich die staatliche Deponieabgabe für ungetrennten Mischabfall auf umgerechnet 42 US$ pro Tonne und für Bauabfälle auf 1,40 US$ pro Tonne.
Höhere Deponiegebühren würden die Recyclingindustrie erst mittelfristig stärken. Kommunen, Wirtschaft und Haushalt jedoch unmittelbar finanziell belastet. Aktuell fehlt dem forcierten Ausbau der Kreislaufwirtschaft die politische Priorisierung.
Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in IsraelAuswahl 2026| Projekt | Stadium | Anmerkungen | Standort |
|---|
| Urban Waste-to-Energy Facility - Neot Hovav | Ausschreibungssieger bekanntgegeben/Planung | Kapazität: 300.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates Projekt | Wüste Negev |
| "Dia" – Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen (WtE) | Ausschreibungssieger bekanntgegeben/Planung | Kapazität: 200.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates Projekt | Wüste Negev |
| "Atarot" – Großanlage zur energetischen Verwertung von Abfällen | Planungsphase, Vorbereitung der Ausschreibung | Kapazität: 585.000 bis 650.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates Projekt | In der Nordjerusalemer Industriezone Atarot; jenseits der international anerkannten Grenzen Israels |
| "Zentrum/Süden": Großverwertungsanlage | Vorauswahlphase (PQ) | Kapazität: 650.000 Tonnen Abfälle pro Jahr | Im Landeszentrum oder Landessüden |
| Biogasanlage Ashdod | Vorbereitung der Ausschreibung | Behandlung von Zehntausenden Tonnen organischer Abfälle pro Jahr | Im Süden der israelischen Mittelmeerküste |
| "HaMafrid" – Sortieranlage | Ausschreibung abgeschlossen | Vollständige Sortierung der im Abfallbehandlungszentrum Hiriya ankommenden Abfälle | Großraum Tel Aviv |
Quelle: Israelisches Umweltministerium 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von
Wladimir Struminski
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