Branche kompakt | Israel | Abfallwirtschaft

Israels Abfallreformen eröffnen neue Marktchancen

Investitionen, neue Verwertungsanlagen und regulatorische Reformen erhöhen die Nachfrage nach Recyclingtechnik. Von der Importabhängigkeit profitieren ausländische Anbieter.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Ausblick der Abfallwirtschaft in Israel

 

 

  • Kreislaufwirtschaft soll ausgebaut werden. 
  • Projekte schaffen Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen.   
  • Importnachfrage auf hohem Niveau. 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Deutsche Umwelttechnik genießt in Israel einen hervorragenden Ruf. Importbedarf und geplante Investitionen eröffnen ausländischen Anbietern zusätzliche Lieferchancen. 

    Der Markt für die Gewinnung hochwertiger Sekundärrohstoffe befindet sich in Israel noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die regulatorischen Vorgaben waren bislang begrenzt, entsprechend dominiert die Verwertung mit vergleichsweise geringer Wertschöpfung. Da Israel kaum Umwelttechnik produziert, ist das Land bei Recyclingmaschinen und -anlagen weitgehend auf Importe angewiesen. Die Nachfrage konzentriert sich bislang auf Sortier-, Aufbereitungs- und Komprimierungstechnik.

    Technologien für hochwertiges Recycling, etwa die chemische Umwandlung von Abfällen in neuwertige Rohstoffe, spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Für die Rückgewinnung hochwertiger Metalle kommen vereinzelt anspruchsvolle Verfahren zum Einsatz, darunter sensorgestützte Sortiertechnologien. 

    Rund 300

    Unternehmen sind in der Abfallbranche tätig.

    Mit einem Anfang 2026 gestarteten ressortübergreifenden Reformprozess treibt Israel die Neuausrichtung seiner Abfallwirtschaft voran. Geplant ist ein regulatorischer Rahmen, der den Übergang zur Kreislaufwirtschaft unterstützen sowie die Deponierung reduzieren soll. Weitere Schwerpunkte liegen auf der energetischen Verwertung und den Ausbau der Entsorgungsinfrastruktur. 

    Ausbau der Abfallverwertung lässt höhere Nachfrage erwarten

    Der Importbedarf konzentriert sich derzeit auf Aufbereitungs- und Zerkleinerungstechnik, sensorbasierte Sortiersysteme, Logistik- und Fuhrparkausstattungen sowie Anlagen und Komponenten für das E-Waste- und Schrottrecycling.

    Mit dem geplanten Aufbau eines Netzes von Müllverbrennungsanlagen dürfte die Nachfrage steigen. Gefragt sind insbesondere thermische Kernkomponenten, Rauchgasreinigungs- und Abgasfiltersysteme, Kraftwerkstechnik zur Energieauskopplung sowie Anlagen zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen.

    Auch das geplante Abfallgesetz dürfte die Importnachfrage erhöhen, vor allem für die kommunale Abfallbewirtschaftung und die Vorbereitung des Abfalltransports. Benötigt werden unter anderem intelligente Füllstands- und Meldesensoren sowie digitale Identifikationssysteme, GPS- und Telematiklösungen und automatisierte Rücknahmesysteme. Bei Unternehmen entsteht zusätzlicher Bedarf an Daten- und Wiegetechnik, um die behördlichen Dokumentationspflichten zu erfüllen.

    Zahlreiche Projekte für Siedlungsabfälle geplant

    Bei Siedlungsabfällen verfehlt Israel seine Recyclingziele deutlich: 2025 lag die Quote in diesem Bereich bei nur 21 Prozent. Laut der ursprünglichen Planung von 2020 sollte die Recyclingquote in dieser Kategorie 2030 auf 80 Prozent steigen. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 39 Prozent gesenkt. Die jährliche Gesamtmenge von Siedlungsabfällen liegt bei 6 Millionen Tonnen, Tendenz steigend.

    Ein Programm von 2026 sieht rund 50 neue Sortier-, Recycling- und Verwertungsanlagen vor. Schwerpunkte sind zusätzliche Sortierkapazitäten, Anlagen für organische Abfälle sowie Projekte zur energetischen Verwertung.

    Geplant sind 17 zusätzliche Sortieranlagen. Ihre zusätzliche Gesamtkapazität soll 4,6 Millionen Tonnen jährlich betragen und die bestehenden neun Anlagen ergänzen. Die Investitionskosten liegen je Anlage zwischen 43 Millionen und 60 Millionen US-Dollar (US$). Hinzu kommen zwölf Anlagen für organische Abfälle. Aktuell sind fünf Anlagen in Betrieb. Der Staat will dafür auch das Sammelsystem für organische Stoffe ausbauen. Zudem sind sieben bis zehn Anlagen zur energetischen Verwertung vorgesehen. Sie sollen nicht recycelbare Sortierreste nutzen. Die Kosten betragen rund 500 Millionen US$ pro Anlage.

    Eine erste Anlage befindet sich bereits im Bau. Den Auftrag erhielt im Februar 2026 ein israelisches Konsortium. Die Anlage soll 200.000 Tonnen organischer Siedlungsabfälle und landwirtschaftlicher Abfälle pro Jahr verarbeiten.

    Bei Bauabfällen dominiert Downcycling

    Laut Angaben des israelischen Umweltministeriums fielen 2024 in der Industrie rund 2,2 Millionen Tonnen Abfälle an. Die Recyclingquote betrug 65 Prozent. Gesetzliche Bestimmungen und der höhere Organisationsgrad der Industrie erklären die vergleichsweise hohe Quote.

    Auch die rund 7,5 Millionen Tonnen Bauabfälle weisen eine Recyclingquote von rund zwei Dritteln auf. Die recycelten Materialien kommen unter anderem im Straßenbau oder bei Verfüllarbeiten (Downcycling) zum Einsatz. Die hochwertige Aufbereitung bleibt dagegen wirtschaftlich wenig attraktiv. 

    Metalle aus Bauabfällen werden effektiv getrennt und recycelt. Verarbeitende Unternehmen fragen vor allem Brech-, Sieb- und Fördertechnik sowie Metallabscheider nach. 

    Abfallrecycling nach Kategorien 2015 bis 2024 (ausgewählte Jahre)in Tausend Tonnen
    Kategorie201520222024
    Insgesamt5.3548.4597881
      Baumüll1.6114.8464930
      Kohleasche 1)1.136560341
      Metalle577727625
      Organische Abfälle871977727
      Papier und Pappe457432428
      Garten- und Holzabfälle365372301
      Schlacke78125135
      Kunststoff63117105
      Öl272523
      Textilien91213
      Andere 2)158264234
    Summen enthalten Rundungsdifferenzen; 1) wegen des rückgängigen Anteils von Kohle an der Stromerzeugung geht auch die anfallende Menge von Kohleasche zurück; 2) Abfälle zur Gewinnung von Ersatztreibstoffen, Batterien, Reifen, Glas und TonerQuelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)

     

    Niedrige Deponiegebühren bremsen Kreislaufwirtschaft

    Niedrige Deponiegebühren begünstigen bislang die verarbeitungsfreie Abfallentsorgung gegenüber dem Recycling. Im Jahr 2026 belief sich die staatliche Deponieabgabe für ungetrennten Mischabfall auf umgerechnet 42 US$ pro Tonne und für Bauabfälle auf 1,40 US$ pro Tonne.

    Höhere Deponiegebühren würden die Recyclingindustrie erst mittelfristig stärken. Kommunen, Wirtschaft und Haushalt jedoch unmittelbar finanziell belastet. Aktuell fehlt dem forcierten Ausbau der Kreislaufwirtschaft die politische Priorisierung.

     

    Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in IsraelAuswahl 2026
    ProjektStadiumAnmerkungenStandort
    Urban Waste-to-Energy Facility - Neot HovavAusschreibungssieger bekanntgegeben/PlanungKapazität: 300.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates ProjektWüste Negev
    "Dia" – Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen (WtE)Ausschreibungssieger bekanntgegeben/PlanungKapazität: 200.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates ProjektWüste Negev
    "Atarot" – Großanlage zur energetischen Verwertung von AbfällenPlanungsphase, Vorbereitung der AusschreibungKapazität: 585.000 bis 650.000 Tonnen Abfälle pro Jahr; öffentlich-privates ProjektIn der Nordjerusalemer Industriezone Atarot; jenseits der international anerkannten Grenzen Israels
     "Zentrum/Süden": Großverwertungsanlage Vorauswahlphase (PQ)Kapazität: 650.000 Tonnen Abfälle pro JahrIm Landeszentrum oder Landessüden
    Biogasanlage AshdodVorbereitung der AusschreibungBehandlung von Zehntausenden Tonnen organischer Abfälle pro JahrIm Süden der israelischen Mittelmeerküste
    "HaMafrid" –  Sortieranlage Ausschreibung abgeschlossen Vollständige Sortierung der im Abfallbehandlungszentrum Hiriya ankommenden AbfälleGroßraum Tel Aviv
    Quelle: Israelisches Umweltministerium 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Die Abfallwirtschaft in Israel ist weitgehend privat organisiert. Staatliche Stellen steuern über Regulierungen und schreiben zentrale Investitionsprojekte aus. 

    Staatliche Stellen, gesetzlich verankerte Rücknahmesysteme und einzelne Organisationen und Verbände prägen die Branchenstruktur in der israelischen Abfallverwertung. Die Chemical, Pharmaceutical and Environmental Industries Association vertritt die Recyclingindustrie als Fachverband. 

    Das Umweltministerium definiert die strategischen Ziele der Branche. Gemeinsam mit dem Finanzministerium schreibt es Großprojekte aus. Dazu zählen Anlagen zur Energiegewinnung, Abfallbehandlung und ‑sortierung. Der Betrieb erfolgt im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften durch private Unternehmen.

    Privatwirtschaft prägt Branchenstruktur

    Die Abfallwirtschaft ist in Israel privatwirtschaftlich organisiert. Das eröffnet auch ausländischen Anbietern Chancen. Anlagen und Ausrüstungen werden ohne staatliche Vergabeverfahren beschafft. Das beschleunigt die Beschaffungsprozesse. Für die Betreiber sind die Lebenszykluskosten ein wichtiges Entscheidungskriterium.

    Für die Sammlung und Entsorgung von Siedlungsabfällen sind rechtlich die Kommunen zuständig. Sie vergeben diese Aufgaben an private Dienstleister und konzentrieren sich auf Regulierung und Kontrolle. Ein zentrales Register der Entsorgungs-, Recycling- und Verwertungsunternehmen existiert nicht. Schätzungen gehen von rund 300 Unternehmen aus.

    Wie meistere ich öffentliche Aufträge in Israel erfolgreich?

    Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserem Bericht Öffentliche Aufträge in Israel: Chancen nutzen, Hürden meistern.

    Laut israelischem Umweltministerium sind landesweit 26 Deponien für Siedlungsabfälle in Betrieb. Hinzu kommen 49 registrierte Anlagen für Bauabfälle. Die Informationsplattform Ensun zählt 82 Recyclingunternehmen, darunter 37 im mechanischen und 36 im chemischen Recycling. Weitere 17 Unternehmen verarbeiten Elektro- und Elektronikabfälle. Zudem existieren rund 20 Anlagen zur Behandlung von Gefahrstoffen. Hinzu kommen etwa 140 bis 160 Übergabestationen für Sammlung und Sortierung, davon rund 60 für gefährliche Abfälle.  Die Endverarbeitung und Entsorgung von Gefahrstoffen erfolgt aber zentral am südisraelischen Standort Neot Hovav. Diese Aufgabe obliegt der staatlichen Environmental Services Company, die zugleich eine Kontrollfunktion des Staates in diesem Segment ausübt.

    Die für Recycling benötigten Anlagen und Ausrüstungen werden von den Betreibern der Anlagen erworben. Daneben betreiben viele Industrieunternehmen eigene Anlagen.

    Zentrale Sammelsysteme für Verpackungen, Elektroabfälle und Reifen

    Für Verpackungen, Glas, Metalle, Elektroabfälle und Reifen bestehen landesweite Rücknahme- und Recyclingsysteme. Hersteller und Importeure sind gesetzlich zur Sammlung verpflichtet, lagern diese Aufgabe jedoch aus. Das Verpackungsrecycling wird zentral von der gemeinnützigen Tamir Recycling Corporation organisiert. Hersteller und Importeure müssen mindestens 60 Prozent der von ihnen in Verkehr gebrachten Verpackungen zurückführen. Im Bereich Elektroabfälle übernehmen dies unter anderem die Firmen M.A.I Electronics Recycling Corporation und Ecommunity. Für Altreifen ist Tyrec Recycling ein zentraler Akteur.

    Veridis Enviroment führt in der Branche mit Abstand

    Mit großem Abstand Marktführer ist Veridis Environment. Das Unternehmen verbuchte 2025 einen Umsatz von rund 790 Millionen US-Dollar (US$) und ist neben der Abfallwirtschaft auch in der Wasserwirtschaft und in erneuerbaren Energien aktiv. 

    Weitere wichtige Anbieter sind Mifat Environmental Service mit einem Umsatz von rund 106 Millionen US$ im Jahr 2025, die Zvi Cohen Ecology Group (67 Millionen US$) sowie Talor Karadi Construction Works (49 Millionen US$). Ein wichtiger Akteur ist die Gadot Ecology Services, die sich auf Kunststoff, Metalle und Batterien spezialisiert. KMM Recycling Industries befasst sich mit dem Recycling von Papier und Reifen.

    Der Markt für Sammlung, Transport und Deponierung von Abfällen befindet sich fest in der Hand etablierter lokaler Logistik- und Infrastrukturkonzerne. Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung ausländischer Betreiber ist die schwach entwickelte Struktur des Recyclingmarktes. Eine Ausnahme ist die Beteiligung der europäischen European Recycling Platform, Teil der deutschen Landbell-Gruppe, am israelischen Elektronikschrott-Recycler Ecommunity.

    Wenige Start-ups, hohe Innovationskraft

    Die Entwicklung von Technologien für die Abfall- und Kreislaufwirtschaft spielt in Israels Hightech-Sektor bislang nur eine untergeordnete Rolle. Nach Angaben der Datenbank der gemeinnützigen Innovationsorganisation Start-Up Nation Central (SNC) waren im Juli 2026 insgesamt 40 Unternehmen in diesem Bereich aktiv. Die Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf die Entwicklung neuer Verfahren, Materialien und technologischer Lösungen für Recycling- und Verwertungsprozesse.

    Das größte von SNC erfasste Unternehmen ist Clariter mit 77 Beschäftigten. Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, das Kunststoffabfälle in petrochemische Grundstoffe umwandelt. Diese Technologie vermarktet es international.

    Gemessen an den rund 7.700 Hightech-Unternehmen, die SNC insgesamt erfasst, handelt es sich bei Abfall- und Kreislaufwirtschaftstechnologien um ein Nischensegment. Die dort entwickelten Lösungen können internationalen Unternehmen der Kreislaufwirtschaft, darunter deutschen Anbietern, Kooperations-, Lizenzierungs- oder Anwendungsmöglichkeiten eröffnen.

    Wichtige Branchenunternehmen in der israelischen Abfallwirtschaft
    Unternehmen Funktion
    Veridis EnvironmentIntegrierte Entsorgung, Siedlungs- und Industrieabfälle, organische Stoffe, Gefahrenstoffe
    Mifat Environmental ServicesEntsorgung von Bau- und Industrieabfällen
    Environmental Services Company (ESC)Gefahrstoffentsorgung und -aufbereitung
    Zvi Cohen EcologyPapier, Bauabfälle, Metalle, Glas
    Talor Karadi Construction WorksBauabfallrecycling
    KMM Recycling IndustriesPapier, Reifen
    Gadot Ecology ServicesKunststoff, Metalle, Batterien
    Green Net RecyclingSortieranlagenbetrieb
    UBQ MaterialsChemisches Recycling
    TMIR Recycling CorporationNationale Organisation für Verpackungsrecycling
    Quelle: Dun & Bradstreet Israel 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Israels Abfallwirtschaft basiert auf Einzelgesetzen. Ein umfassender Rechtsrahmen befindet sich erst im Aufbau.

    Die zentrale Rechtsgrundlage der israelischen Abfallwirtschaft ist das Gesetz zur Wahrung der Sauberkeit (Cleanliness Maintenance Law). Es regelt die grundlegenden Pflichten zur Abfallentsorgung und zur Vermeidung von Umweltverschmutzung. 

    Zu den wichtigsten Bestimmungen gehören das Verbot illegaler Abfallablagerungen, die Zuständigkeit der Kommunen für Sammlung und Entsorgung sowie finanzielle Instrumente wie Deponiegebühren. Die Kommunen sind für die Einhaltung der Vorschriften in ihrem Zuständigkeitsbereich verantwortlich. Dies reicht von der Bekämpfung illegaler Müllablagerungen bis zur Überwachung von Betrieben. Auf nationaler Ebene ist das Umweltministerium zuständig.

    In der Praxis werden nur wenige Verstöße aufgeklärt. Hauptgründe sind Personalmangel in den Kommunalverwaltungen und im Umweltministerium. Selbst ertappte Täter kommen meist mit Bußgeldern davon. Vor Gericht werden in der Regel nur schwerwiegende Umweltdelikte verhandelt. Die geringe Aufklärungswahrscheinlichkeit und häufig wenig abschreckende Bußgelder schwächen die Durchsetzung der Vorschriften. Die Gesetzestreue von Bürgern und Gewerbetreibenden bleibt daher ein zentraler Stabilitätsfaktor.

    Dem Staat ist dieses Problem bekannt. Bei Verpackungen und Elektrogeräten setzt er daher auf die erweiterte Herstellerverantwortung. Ein geplantes Abfallgesetz sieht zudem eine stärkere technische Überwachung im gewerblichen Bereich vor. Ohne eine konsequentere Verfolgung von Verstößen auf kommunaler Ebene dürften diese Instrumente jedoch nur begrenzte Wirkung entfalten.

    Neues Bauabfallgesetz verschärft die Kontrolle    

    Ergänzend bestehen mehrere sektorale Regelungen, darunter das Verpackungsentsorgungsgesetz sowie Vorschriften für Elektroabfälle und Gefahrstoffe. Für Getränkeverpackungen gilt ein Pfandsystem.

    Im Juli 2026 wurde ein neues Bauabfallgesetz verabschiedet. Es tritt Anfang 2028 in Kraft. Das Gesetz führt umfassende Kontrollen für Transport und Entsorgung von Bauabfällen ein, einschließlich der elektronischen Überwachung von Transport-Lkw. Um das Recycling zu erleichtern, schreibt es die Trennung und Aufbereitung der Abfälle bereits auf den Baustellen vor. Dadurch entsteht bei Bauunternehmen zusätzlicher Bedarf an mobilen Sortier- und Aufbereitungsanlagen für Bauschutt.

    An der tatsächlichen Recyclingmenge dürfte dies zunächst jedoch wenig ändern, da das Gesetz die offiziellen Recyclingziele unberührt lässt. Um die neuen Dokumentations- und Kontrollpflichten zu erfüllen, benötigen Transport- und Entsorgungsunternehmen digitale Wiege- und Trackinglösungen.

    Der bestehende Rechtsrahmen konzentriert sich bislang vor allem auf die Organisation der Entsorgung und weniger auf den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Das übergreifende Abfallgesetz wird derzeit vorbereitet. Es soll erstmals eine einheitliche Systematik für den Sektor einführen und Prioritäten entlang der Abfallhierarchie festlegen: Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling, Verwertung und Entsorgung. Geplant sind unter anderem die Ausweitung der erweiterten Herstellerverantwortung, der Ausbau der getrennten Sammlung sowie strengere Kontrollen. Zeitpunkt und Umsetzung sind jedoch noch offen.

    Das geplante Klimagesetz befindet sich seit mehreren Jahren im Gesetzgebungsverfahren. Nach den Wahlen im Oktober 2026 muss es jedoch erneut eingebracht werden. Wann eine Verabschiedung erfolgt, ist derzeit offen. Der bisherige Gesetzentwurf enthält allgemeine Grundsätze, aber keine konkreten Vorgaben für die Kreislaufwirtschaft.

    Die bislang niedrigen Deponiegebühren lenken Abfallströme auf Deponien und erschweren den Aufbau einer stärker kreislauforientierten Abfallwirtschaft.

    Für den Import von Recyclinganlagen und entsprechender Ausrüstung bestehen keine grundsätzlichen Beschränkungen. Die Produkte müssen jedoch die technischen und regulatorischen Anforderungen erfüllen. Diese ergeben sich aus den Genehmigungen der Betreiber sowie aus baurechtlichen Vorschriften.

    Förderung für Recycling, Reformen noch offen

    Die israelische Regierung fördert Investitionen in die Recyclingwirtschaft durch Zuschüsse für den Bau von Recycling- und Verwertungsanlagen. Das wichtigste Förderinstrument ist der Abfallwirtschaftsfonds (Maintenance of Cleanliness Fund), der sich aus den Deponieabgaben speist. Die Verwendung der Mittel ist jedoch umstritten. Dem Umweltministerium wird seit Jahren vorgeworfen, Teile des Fonds nicht ausschließlich für Umwelt- und Recyclingprojekte einzusetzen, sondern auch allgemeine Ausgaben von Kommunen und Ministerium zu finanzieren.

    Ergänzend unterstützt die staatliche Innovationsbehörde (Israel Innovation Authority) junge Technologieunternehmen. Gefördert werden unter anderem Start-ups aus den Bereichen Klimatechnologie und Kreislaufwirtschaft, einschließlich des chemischen Recyclings. Der Schwerpunkt liegt auf der Finanzierung früher Entwicklungs- und Pilotphasen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • BezeichnungAnmerkungen
    AHK IsraelAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    German RETech Partnership e.V.Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
    Ministry of Environmental ProtectionUmweltschutzministerium, federführend für die Abfallwirtschaft zuständig
    Ministry of Economy and IndustryFördert Recycling in der Industrie
    Association of Chemical, Pharmaceutical, and Environmental IndustriesFachverband im Rahmen der Industriellenvereinigung (Israel Manufacturers' Association), der unter anderem die Recyclingbranche vertritt
    Union for Environmental DefenseUmweltschutzorganisation inkl. rechtlicher Aspekte
    Arava Institute for Environmental StudiesAkademische Umweltschutzorganisation
    Society for the Protection of Nature in Israel (SPNI)Naturschutzorganisation