Branche kompakt | Ghana | Abfallwirtschaft
Branchenstruktur
Private Unternehmen dominieren den Abfallsektor. Sie entsorgen den Müll meist unsortiert. Hinzu kommt ein hoher Anteil informeller Akteure.
27.05.2026
Der Abfallsektor ist geprägt von einer Mischung aus kommunaler Verantwortung und privater Durchführung. Steuerung, Finanzierung und Verantwortung liegen überwiegend beim öffentlichen Sektor, während der Abfallsektor operativ überwiegend privat organisiert ist. Ein Teil wird über die Erhebung von Gebühren für private Haushalte finanziert.
Auf nationaler Ebene überwacht das Umweltministerium MEST (Ministry of Environment, Science and Technology) den Abfallsektor. Die Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) ist hingegen für Genehmigungen, die Kontrolle der Abfallbehandlung sowie die Festlegung von Standards und Richtlinien zuständig.
Der größte Teil des Abfalls wird in Ghana auf offenen und teilweise wilden Deponien abgelagert. Offiziell gibt es sechs technisch gesicherte Deponien (Sanitary Landfills), etwa 20 kontrollierte Deponien und über 200 Endablagerungsplätze, vor allem rund um große Städte wie Accra, Tema, Takoradi und Kumasi.
Privatsektor spielt entscheidende Rolle
Städte und Kommunen (Metropolitan-, Municipal- und District Assemblies - MMDA) tragen die Hauptverantwortung für das Abfallmanagement. Sie führen bislang die Ausschreibungen und Vergaben von Aufträgen sowie Konzessionen durch und schließen die Verträge mit privaten Unternehmen. Künftig dürften mit den geplanten PROs weitere Akteure hinzukommen, die Leistungen einkaufen und entsprechende Aufträge vergeben werden.
Abfallsammlungs- und Entsorgungsleistungen werden, neben einem hohen informellen Anteil , zum größten Teil von privaten Unternehmen erbracht. Dabei dominieren lokale Unternehmen den Markt, ausländische Unternehmen agieren in erster Linie als Zulieferer und sind nur wenig vor Ort vertreten. Viele Anlagen, Maschinen und Fahrzeuge stammen aus Asien, vor allem aus China. Sind jedoch ausreichend finanzielle Mittel da, werden lieber deutsche Produkte aufgrund ihrer Qualität beschafft.
Informeller Sektor führend bei Mülltrennung
Die Mülltrennung ist bislang schwach ausgeprägt. In den meisten Haushalten erfolgt keine Trennung der Abfälle an der Quelle, sodass Siedlungsabfälle unsortiert abgeholt werden. Vereinzelt gibt es öffentliche Container zur Sammlung von Plastikflaschen. Zwar existieren politische Programme und einzelne Pilotprojekte zur Einführung getrennter Sammelsysteme, diese sind jedoch bislang nicht flächendeckend umgesetzt. Einige wenige Unternehmen bieten zudem gewerblichen Kunden die Sammlung und Abholung von Papierabfall an, der anschließend an die Papierindustrie weiterverkauft wird.
Eine Sortierung von Abfällen findet somit erst nachgelagert, oft durch Akteure des informellen Sektors, statt. Müllsammler konzentrieren sich in erster Linie auf das Sammeln von Altmetallen oder Plastik. Dabei picken sie die Wertstoffe entweder vor der Abholung aus dem Müll oder sammeln diese nach der Abholung von den Deponien. Manche Unternehmen, wie City Waste Management und Nelplast Eco, binden auch Menschen aus dem informellen Sektor bei der Sammlung und Sortierung von Abfällen ein.
Die formelle Recycling- und Sortierinfrastruktur ist demgegenüber noch begrenzt. Vorhandene Anlagen können ihr Potenzial oft nicht ausschöpfen, da die Abfälle unsortiert angeliefert werden. Insgesamt bleibt die Recyclingquote niedrig, während ein Großteil der Abfälle deponiert oder unkontrolliert verbrannt wird.
Das derzeit im Gesetzgebungsprozess befindliche neue EPR-Gesetz wird direkte und indirekte Auswirkungen auf die Mülltrennung und Sortierung haben. Durch die stärkere Inanspruchnahme der Hersteller und einen neuen Finanzierungsmechanismus dürften mehr organisierte Systeme für die Sammlung bestimmter Abfallarten entstehen.
Organischer Abfall dominiert bei Abfallaufkommen
Biomüll ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent am Abfallaufkommen der größte Abfallstrom. Pro Jahr entspricht das 3,95 Millionen Tonnen. Es existieren einige Abfallsortier- und Kompostieranlagen in Ghana, wie die Accra Compost and Recycling Plant, die über eine Kapazität von 600 Tonnen täglich verfügt. Insgesamt wird aber nur ein kleiner Anteil des Biomülls kompostiert, obwohl sowohl die Kompostierung als auch die energetische Nutzung großes Potenzial bieten.
Die Gründe für die geringe Verwertung liegen vor allem in der fehlenden Mülltrennung an der Quelle, der begrenzten Infrastruktur und der (noch) geringen Nachfrage nach Kompost.
Die energetische Verwertung von biogenen Abfällen bewegt sich mit einer Verwertungsquote von 5 bis 10 Prozent noch auf geringem Niveau, nimmt an Bedeutung jedoch zu. Bislang betreibt Ghana mit der Safisana-Anlage eine vergleichsweise kleine Waste-to-energy-Anlage mit rund 100 kW elektrischer Leistung. Auch der Markt für Biogasanlagen ist noch unterentwickelt.
Abfallart | Anteil an Gesamtabfallmenge |
|---|---|
| Bioabfälle | 48,6 |
| Plastik | 20 |
| Papier | 7,1 |
| Textilien | 4,2 |
| Metalle | 1,2 |
| Glas | 1,0 |
| Inertabfälle (Sand, Asche, Steine) | 5,6 |
| Sonstige Abfälle | 11,9 |
Unternehmen, die recycelten Kunststoff in einem industriellen Prozess verarbeiten, gibt es bislang wenig. Dazu gehören unter anderem Nelplast Eco, das Bau- und Gehwegblöcke aus recyceltem Kunststoff herstellt. Zudem konnten sich einige kleinere Unternehmen in den letzten Jahren auf dem Markt etablieren, die sich vor allem auf das Aufbereiten von Plastik für den Weiterverkauf an große Unternehmen im In- und Ausland spezialisiert haben.
In Zukunft wird das geplante EPR-Gesetz deutliche Auswirkungen auf die Verwertung von Abfällen haben, da es erstmals Verpflichtungen und wirtschaftliche Anreize für Recycling und andere Verwertungsformen schafft.
Für deutsche Unternehmen bieten sich vielfältige Chancen
Chancen für deutsche Unternehmen bieten sich vor allem bei der Entsorgung und Verwertung von Abfällen. Diese reichen von der Abfallwirtschaftsplanung über den Bau und die Planung von Recycling-, Sortier- und Kompostieranlagen bis hin zur Deponiewirtschaft. Dafür werden Maschinen und Anlagen sowie entsprechende Technologien benötigt. Der Bedarf an Beratungsleistungen und Schulungen für Fachpersonal wird ebenfalls steigen. Internationale Geber stellen regelmäßig Gelder für Projekte im Abfallsektor bereit.
Unternehmen | Sparte |
|---|---|
| Accra Compost & RecyclingPlant | Kompostieranlage, Kunststoffsortierung und -recycling |
| City Waste Mangement | Recycling von Kunststoffen und Elektroschrott |
| Coliba Ghana | Kunststoffsammlung und -recycling |
| Integrated Compost & Recycling Plant | Kompostieranlage, Kunststoffsortierung und -recycling, Papierrecycling |
| Jekora Ventures | Kunststoffrecycling, Textilrecycling und Verwertung organischer Abfälle |
| Mohinani Group | Recycling, Tochterfirma ist Polytank |
| Nelplast Eco Ghana | Kunststoffrecycling |
| J. Stanley Owusu Group | Abfallentsorgung und Betreiber von Deponien |
| Waste Landfills Company | Betreiber und Konstrukteur von Deponien |
| Zoomlion Ghana | Abfallentsorgung und Betreiber von Deponien |