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Westbalkan entwickelt Kreislaufwirtschaft mit deutschem Know-how
Beim Recyceln von Abfällen hat der Westbalkan noch Nachholbedarf. Kommunale Betriebe treiben die Müllverarbeitung voran. Das eröffnet deutschen Anbietern von Umwelttechnik Chancen.
27.05.2026
Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad
Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Serbien modernisieren ihre Abfallwirtschaft. Der Bedarf am Auf- und Ausbau der Kreislaufwirtschaft ist hoch, da Kommunal- und Industrieabfälle zum Großteil auf Deponien landen. Steigende Umweltvorgaben sowie ein zunehmendes Bewusstsein für Umweltschutz in der Bevölkerung kurbeln die Entwicklung an. So prägen zum Beispiel sogenannte Recyclomaten immer häufiger das Stadtbild. Diese Automaten trennen Glas- und Plastikflaschen sowie Dosen.
EU-Beitritt forciert Modernisierung der Kreislaufwirtschaft
Die drei Westbalkanstaaten müssen im Zuge des EU-Beitrittsprozesses ihr Abfallrecht an den Acquis Communautaire (Kapitel 27 zu den Themen Umwelt und Klima) anpassen. Zudem integrieren die drei Länder bereits formell EPR-Vorgaben in ihre Rechtssysteme, um der erweiterten Herstellerverantwortung gerecht zu werden. Deutschland unterstützt die Länder beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft und der Harmonisierung mit dem EU-Recht. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) realisiert bis Ende 2027 ein Projekt zur Entwicklung der Kreislaufwirtschaft für die gesamte Region.
"Recycling am Westbalkan kann nur funktionieren, wenn alle Länder die institutionellen und wirtschaftlichen Grundlagen schaffen, um regionale, kreislauforientierte Stoffströme zu etablieren“,
erläutert GIZ-Berater Dejan Vratonjić das Projektziel. Zusätzlich unterstützen GIZ-Experten einzelne Länder bilateral. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert den Bau von Abfallbehandlungs- und Entsorgungsanlagen in der Region. Weitere Fördermittel kommen von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Weltbank. Diese geberfinanzierten Vorhaben werden international ausgeschrieben. Anbieter sollten die Kosten für den Lebenszyklus der Anlagen in den Vordergrund stellen und Finanzierungsvorschläge in das Angebot integrieren.
Weitere Informationen auf GTAI-Webseite
Weiterführende detaillierte Informationen zu Ausschreibungen im Bereich Kreislauf- und Recyclingwirtschaft in Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Serbien finden Sie auf der jeweiligen Länderseite unter dem Reiter "Ausschreibungen".
Kommunale Zusammenarbeit stärkt Abfallwirtschaft in Bosnien und Herzegowina
Das zweitgrößte Westbalkanland arbeitet mit der noch nicht verabschiedeten Umweltstrategie 2032 und sektoralen Aktionsplänen daran, die Grundlage für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Die Recyclingquote von Siedlungsabfällen liegt derzeit bei lediglich rund 2 Prozent. Strategische Zielsetzungen sehen eine deutliche Steigerung auf 20 Prozent vor, unter anderem durch den Ausbau von Sammel- und Sortierkapazitäten. Aktuell landen Haus- und Industrieabfälle häufig in einer der über 1.000 wilden Deponien, wie in Uborak bei Mostar. Boden- und Wasserverschmutzung sind die Folge. Die Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska sowie das Sonderverwaltungsgebiet Brčko haben unterschiedliche Abfallgesetze und fragmentierte Zuständigkeiten, was die Koordination und Umsetzung von Projekten erschwert.
Ausschreibungen für neue Abfallbehandlungsanlagen erfolgen auf Entitäts-, Kantons- und Gemeindeebene. Da viele Ortschaften vergleichsweise geringe Abfallmengen produzieren, gewinnt die interkommunale Zusammenarbeit an Bedeutung: Ziel ist es, die Auslastung und Rentabilität von Sortier- und Recyclinganlagen zu verbessern. Hier setzt das GIZ-Projekt "Grüner Wandel: Förderung der Kreislaufwirtschaft in Städten und Gemeinden von Bosnien und Herzegowina“ bis 2028 an. Es fördert die Verbesserung des Abfallwirtschaftssektors, die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Integration von Kreislaufwirtschaftsprinzipien in nachhaltige Geschäftsmodelle.
"Interessierte Unternehmen sollten mit lokalen Partnern zusammenarbeiten und deren Geschäftskontakte und Know-how bei Ausschreibungen im Abfallmanagement einbringen“,
rät Mišel Pavlica, Berater des GIZ-Projekts für Kreislaufwirtschaft in Bosnien und Herzegowina. Das deutsche Unternehmen Alba, das in Zenica mit lokalen Partnern eine Abfallbehandlungsanlage nach EU-Standards betreibt, könne als Vorbild dienen.
| Kategorie | Menge in Tonnen |
|---|---|
| Angefallene kommunale Abfälle | 878.955 |
| Vorübergehend gelagert | 113.552 |
| Rückgewonnene Abfälle | 146.355 |
| Entsorgte Abfälle | 4.363 |
| An andere Betreiber zur weiteren Behandlung übergeben | 614.685 |
Nordmazedonien investiert in moderne Umwelttechnik
Nordmazedonien arbeitet an der Verabschiedung seiner nationalen Abfallstrategie bis 2036, die das Land schrittweise zu einer integrierten, EU‑konformen Kreislaufwirtschaft führen soll. Noch dominiert die Deponierung von Haus‑ und Industrieabfällen, da moderne Behandlungs- und Recyclingkapazitäten erst im Aufbau sind. Nur 1 Prozent der kommunalen Abfälle werden recycelt. Systeme zur getrennten Sammlung von Papier, Kunststoffen, Glas und Bioabfällen existieren bislang nur punktuell in größeren Städten wie Skopje, Ohrid oder Tetovo. In der Bauwirtschaft sowie in der Metall‑, Lebensmittel‑ und Textilindustrie fallen erhebliche Mengen an Industrieabfällen an, die bisher kaum in Recyclingströme überführt werden.
Die Modernisierung der Abfallwirtschaft erzeugt einen hohen Investitionsbedarf in Sammlung, Logistik und Vorbehandlung. Die EBRD finanziert mit 55 Millionen Euro ein Modernisierungsprojekt für neue Deponien und Recyclingzentren. Kommunen beschaffen Müllcontainer, Sammelfahrzeuge sowie Sortier- und Aufbereitungsanlagen. Ausländische Anbieter sollten Partnerschaften mit lokalen Entsorgungsunternehmen und Kommunen für den Markteintritt eingehen. Die österreichische Firma Saubermacher ging zum Beispiel eine Kooperation mit der Stadt Tetovo zur Sammlung und Beseitigung von Siedlungsabfällen ein. Die AHK Nordmazedonien begleitet lokale Entsorger mit dem Programm "Learning by Sharing“ bei der Entwicklung der Kreislaufwirtschaft und ressourceneffizienter Lösungen.
| Kategorie | Menge in Tonnen |
|---|---|
| Angefallene kommunale Abfälle | 790.866 |
| Industrieabfälle | 1.200.331 |
| Darunter: Bergbau | 375.985 |
| Darunter: verarbeitende Industrie | 549.994 |
| Darunter: Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft | 102.049 |
Pfandsystem soll Recyclingquote in Serbien weiter erhöhen
Auch in Serbien landet ein Großteil der Kommunal- und Industrieabfälle auf Deponien, wovon nur knapp die Hälfte EU‑konform ist. Obwohl eine Mülltrennung gesetzlich vorgeschrieben ist, lag die Recyclingquote für Siedlungsabfälle 2023 bei nur 15,5 Prozent, berichtet die European Environment Agency. Das 2022 verabschiedete Abfallwirtschaftsprogramm bis 2031 und das im Dezember 2025 in Kraft getretene Abfallwirtschaftsgesetz bilden die Rechtsgrundlagen für die Modernisierung der Branche. Neben der Schließung nicht konformer Deponien gehören der Aufbau einer nachhaltigen Behandlung und Wiederverwertung von Industrie- und Gefahrstoffen sowie die Erhöhung der Recyclingquote bestimmter Abfallströme wie Elektronik oder Verpackungen zu den zentralen Zielen. Weiterhin sehen die Regelungen die Förderung von Pilotprojekten zur Kreislaufwirtschaft und von Investitionen in regionale Sortierzentren sowie die Einführung eines Pfandsystems vor.
Kommunale Abfallbetriebe investieren verstärkt in die Beschaffung von Deponieausrüstung sowie den Bau von Abfallwirtschaftszentren. Doch niedrige Müllgebühren decken die Kosten nicht immer. Staatliche Eingriffe machen kurzfristige Anpassungen am Geschäftsmodell notwendig. So änderte die Stadt Belgrad die Berechnung für Sammlung, Transport und Behandlung von Siedlungsabfällen. Im Januar 2026 schaffte die Regierung Subventionen zur Behandlung und zum Recycling von Sondermüll wie Altreifen, Batterien oder Elektroschrott ab.
Deutschland unterstützt Serbien beim Aufbau der Kreislaufwirtschaft. Die Prevent Waste Alliance hilft lokalen Firmen beim Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten in der Abfallwirtschaft. Das Bremer Unternehmen Rodiek unterstützt mit technischer Beratung und Know-how-Transfer bei der Einführung von Kreislaufwirtschaftsmodellen. Remondis Medison betreibt in Zrenjanin Anlagen zur Behandlung von Abfällen. Die AHK Serbien fördert mit der Green Academy die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern im Bereich Kreislaufwirtschaft.
| Kategorie | Menge in Tausend Tonnen |
|---|---|
| Angefallene Abfallmenge | 211.760 |
| Darunter: Bergbau | 199.533 |
| Darunter: Verarbeitende Industrie | 1.768 |
| Darunter: Strom-, Gas-, Wärmeversorgung | 1.041 |
| Darunter: Bauabfälle | 651 |
| Darunter: Haushaltsabfälle | 2.074 |