Wirtschaftsausblick | Ghana
Ghanas Wirtschaft ist 2026 weiter auf Reformkurs
Ghanas wirtschaftliche Erholung gewinnt an Fahrt. Die Inflation ist deutlich gesunken, der Privatkonsum und Investitionen ziehen an. Für 2026 plant die Regierung weitere Reformen.
07.01.2026
Von Corinna Päffgen | Accra
Top-Thema: Ghana schafft fiskalische Wende
Die restriktive Fiskal- und Geldpolitik Ghanas zeigen Wirkung. Durch Ausgabenkürzung, strikte Ausgabenkontrolle und Erhöhung der Staatseinnahmen wird das Land in 2025 aller Voraussicht nach einen Primärüberschuss von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erzielen. Im Jahr 2024 betrug das Primärdefizit noch 3,9 Prozent des BIP. Insgesamt wird Ghana nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,8 Prozent des BIP erzielen, damit sinkt das Defizit signifikant gegenüber 2024 (7,3 Prozent des BIP).
Die Inflation lag im November 2025 bei 6,3 Prozent. Noch Anfang des Jahres lag die Inflationsrate bei 23,5 Prozent. Die gute Entwicklung hat die Bank of Ghana zu einer leichten Lockerung der Geldpolitik veranlasst: Sie senkte im September den Leitzins um 650 Basispunkte auf 21,5 Prozent.
Ghana befindet sich seit Dezember 2022 im Zahlungsausfall und wird seit 2023 vom IWF im Rahmen einer Extended Fund Facility (EFF) mit 3 Milliarden US-Dollar (US$) unterstützt. Das Programm sieht neben der Schuldenrestrukturierung und Haushaltskonsolidierung wichtige Strukturreformen vor.
Schuldenrestrukturierung fast abgeschlossen
Bislang hat Ghana wichtige Fortschritte erzielt. Die Staatsverschuldung konnte nach Angaben des IWF von 92,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in 2022 auf 59,1 Prozent des BIP in 2025 gesenkt werden. Dies konnte vor allem durch geschickte Schuldenverhandlungen erreicht werden. Mittlerweile sind 93,5 Prozent der Schulden restrukturiert, nur noch die Verhandlungen mit Gläubigern kommerzieller Kredite wie Banken dauern an. Grund ist unter anderem Uneinigkeit bezüglich der Frage, ob multilaterale Banken, die zu kommerziellen Bedingungen Kredite vergeben, den Status eines bevorzugten Gläubigers erhalten und damit von Verlusten ausgenommen sind.
Reformkurs soll beibehalten werden
Neben den im März 2025 verabschiedeten umfangreichen Fiskalreformen zur Haushaltskonsolidierung stehen weitere Neuerungen auf der Agenda. Dazu gehören weitere Steueranpassungen sowie lang überfällige Reformen im hochverschuldeten Energiesektor.
Geplant sind unter anderem (Neu-) Verhandlungen mit unabhängigen Stromerzeugern (Independent Power Producer) über Verträge und bezüglich der Restrukturierung von Verbindlichkeiten. Des Weiteren soll der Ausbau der Infrastruktur und erneuerbaren Energien vorangetrieben werden.
Mit der Umsetzung der "Medium Term Revenue Strategy 2024-2027" möchte die Regierung die Steuerquote von derzeit rund 14 Prozent auf 18 bis 20 Prozent erhöhen. Dies soll durch eine Reihe von Maßnahmen wie durch den Ausbau der digitalen Steuererfassung, Reformierung der Umsatzsteuer, den Abbau von Steuerbefreiungen und der Einführung beziehungsweise Erhöhung von Steuern und Abgaben erreicht werden.
Wirtschaftliche Entwicklung: Konjunktur zieht an
Der IWF erwartet für 2025 ein Wirtschaftswachstum von 4 Prozent; für das Jahr 2026 von 4,8 Prozent. Die Prognosen des IWF könnten für 2025 sogar übertroffen werden: Bereits in den ersten drei Quartalen konnte Ghanas BIP durchschnittlich um real 6,1 Prozent zulegen. Wachstum wird vor allem im Agrar- und Dienstleistungssektor generiert. Expandierende Branchen sind der IKT-Sektor, Logistik sowie Fischerei und Feldfrüchte. Im Industriesektor können vor allem weiterhin die Bauwirtschaft und das produzierende Gewerbe ihren Wachstumstrend fortsetzen.
Auch der ghanaische Cedi hat sich im Vergleich zu den Vorjahren erholt. Nach einer massiven Abwertung in den letzten drei Jahren konnte er in 2025 gegenüber dem US-Dollar um 23 Prozent aufwerten und sich weitgehend stabilisieren. Gestützt wird diese Entwicklung durch die stark gestiegenen Devisen- und Goldreserven der Zentralbank (Bank of Ghana).
Unternehmen sind verhalten optimistisch
Unternehmen und Konsumenten werden vor allem durch die sinkende Inflation entlastet. Der Einkaufsmanagerindex PMI lag im November bei 50,1 Punkten. Damit liegt der Wert seit Anfang 2025 mit Ausnahme des Monats September kontinuierlich über der 50er Marke, was auf positive Geschäftserwartungen hindeutet. Die Anlageinvestitionen werden nach Schätzungen der Analysten der Economist Intelligence Unit (EIU) in 2025 um 3,8 Prozent, in 2026 um 8,1 Prozent zulegen.
Steigender Privatkonsum stützt die Konjunktur
Der Spielraum für staatliche Investitionen ist aufgrund der strengen Fiskalpolitik weiter gering. Begrenzte Mittel stellt die Regierung im Rahmen der Big-Push-Agenda zur Förderung von prioritären Infrastrukturprojekten bereit: In 2026 werden 2,5 Milliarden US$ in den Straßenbau investiert.
Besser sieht es bei den privaten Haushalten aus. Der Privatkonsum soll laut EIU in 2025 mit einem Plus von 4,1 Prozent weiter anziehen und ist damit wichtige Stütze für die Konjunktur. Haupttreiber für das Konsumwachstum sind die sinkende Inflation und die Stabilisierung des Cedi. Die Aussichten für die nächsten Jahre bleiben positiv, so wird der reale Konsum in 2026 nach Schätzungen um 5,4 Prozent und in 2027 um 5,7 Prozent steigen.
Deutsche Perspektive: Exporte nach Ghana dürften deutlich steigen
Das Exportgeschäft nach Ghana zog in 2025 wohl erneut an. Bereits im Jahr 2024 konnten die deutschen Ausfuhren (300,6 Millionen Euro) um 19,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (251,6 Millionen Euro) zulegen. Im 1. Halbjahr 2025 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Exporte um 33,8 Prozent auf 182,2 Millionen Euro im Vergleich zum 1. Halbjahr 2024 gestiegen.
Deutschland exportiert nach Ghana vor allem Maschinen, Nahrungsmittel und Kraftfahrzeuge sowie Fahrzeugteile. Ghana ist nach wie vor für Deutschland ein wichtiger Handelspartner in Westafrika, liegt aber mittlerweile im Ranking hinter Nigeria, Liberia und Côte d'Ivoire.
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