Wirtschaftsstandort | Ghana

Ghana steht am Scheideweg

Ghana muss jetzt die Weichen für eine langfristig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung stellen. Im regionalen Vergleich droht das Land sonst zurückzufallen. 

Corinna Päffgen

Von Corinna Päffgen | Accra

Ghana ist vor allem aufgrund seiner politischen Stabilität ein wichtiger Standort in Westafrika. Das Land ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Gold, Diamanten und Lithium. Zudem verfügt es über eine Vielzahl von Agrarrohstoffen mit Kakao als Topexportgut. Gute Bedingungen für Solar- und Windenergie und das Ziel für Netto-Nullemissionen bis zum Jahr 2070 machen Ghana interessant für grüne Technologien.

Die anhaltende Schuldenkrise und die Verschlechterung des Geschäfts- und Investitionsklimas kratzen derzeit an Ghanas Image als attraktives Einstiegsland. Unternehmen schauen mit zunehmenden Interesse auf den Nachbarn Côte d'Ivoire.

  • Ghana möchte seine Wirtschaft breiter aufstellen. Potenzial gibt es in vielen Bereichen, die derzeitige Schuldenkrise blockiert jedoch die wirtschaftliche Entwicklung.

    Ghana ist die siebtgrößte Volkswirtschaft in Afrika südlich der Sahara, hinter Nigeria, Südafrika, Äthiopien, Kenia, Angola und Tansania (Stand 2022). Ghanas Wirtschaft gilt als relativ offen: Das Land hat neben Côte d'Ivoire ein Interims-Wirtschaftsabkommen mit der EU geschlossen und unterstützt als Mitglied der sogenannten Guided Trade Initiative aktiv die Umsetzung der Freihandelszone AfCFTA. 

    Interesse deutscher Firmen ist groß

    Für Deutschland ist Ghana ein wichtiger Partner in Westafrika, es existieren zahlreiche Hochschulpartnerschaften und eine lange Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten. Ghana ist Mitglied der unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 ins Leben gerufenen Initiative "Compact with Africa".

    Ghana ist für deutsche Unternehmen wichtiger Handelspartner in der Region, auch wenn der bilaterale Handel mit rund 650 Millionen Euro gering ausfällt. Deutschland importiert aus Ghana in erster Linie Kakaoerzeugnisse, Erdöl, Fisch, Früchte und Kupfer. Ghana bezieht aus Deutschland vor allem Maschinen und Anlagen sowie Kraftfahrzeuge.

    Als Standort ist Ghana vor allem für den Vertrieb interessant, eine Produktion vor Ort haben bislang nur wenige deutsche Firmen. Diese sind vor allem in den Bereichen Automotive und Bauwirtschaft aktiv. 

    Ghana ist ein attraktiver Standort in der Region, von dem aus viele Unternehmen auch andere Märkte bedienen. Aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bekommt das Land jedoch zunehmend Konkurrenz durch den Nachbarn Côte d'Ivoire.

    "Ghana gilt für viele deutsche Unternehmen als Stabilitätsanker in Westafrika. Man blickt auf dreißig Jahre stabile Demokratie zurück, die allermeisten Beobachter sind davon überzeugt, dass sich daran auch nichts durch die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2024 ändern wird", sagt Burkhardt Hellemann, Delegierter der deutschen Wirtschaft in Accra. Doch er warnt: "Wenn die ghanaische Regierung nicht bald die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insbesondere für internationale Unternehmen verbessert, läuft das Land Gefahr, seine Rolle als regionale Drehscheibe für Westafrika an die aufstrebende Elfenbeinküste zu verlieren."

    33,74 Mio.

    Personen lebten 2023 im Land.

    Quelle: IWF 2024

    76,63 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023.

    Quelle: IWF 2024

    2.330

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2023 aus.

    Quelle: IWF 2024

    Rang 98

    belegte das Land 2022 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2023

    Rang 72

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2022 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2023

    Rohstoffe bilden Rückgrat der Wirtschaft

    Ghana ist reich an agrarischen und mineralischen Rohstoffen wie Kakao, Mango, Ananas, Gold, Diamanten, Bauxit und Erdöl. Der größte Anteil wird unverarbeitet exportiert mit Rohöl, Gold und Kakao als Topausfuhrgüter. Ghana ist hinter Côte d'Ivoire zweitgrößter Kakaoexporteur der Welt und seit letztem Jahr erneut größter Goldproduzent Afrikas (2. Platz: Südafrika). 

    Die Rohstoffindustrie dominiert Ghanas Wirtschaft. Insbesondere im Öl- und Gassektor und im Bergbau werden jedes Jahr Milliarden US-Dollar (US$) umgesetzt. Der Kakaoanbau generiert ebenfalls Milliardenumsätze und bildet die Lebensgrundlage vieler Bauern.

    Die Rohstoffgewinnung ist essenziell für die Generierung von Staatseinnahmen und Devisen. Zudem importiert die Rohstoffindustrie teure Anlagen und Maschinen sowie Chemikalien und fragt Dienstleistungen nach.

    15.09.2023 Special | Ghana | LkSG | Umsetzungshilfe Risikoanalyse
    Ghana LkSG - Umsetzungshilfe Risikoanalyse

    Der Länderbericht Umsetzungshilfe Risikoanalyse Ghana unterstützt bei der Ermittlung und Vermeidung menschenrechtlicher Risiken gemäß dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.

    Fertigungssektor braucht Investitionen

    Seit einigen Jahren verfolgt Ghana mit seiner "Industrial Transformation Agenda" ambitionierte Pläne zur Diversifizierung der Wirtschaft und Stärkung der lokalen Wertschöpfung. Dafür wurden im Jahr 2019 zehn sogenannte Ankerindustrien identifiziert, die gezielt gefördert werden sollen. Dazu gehören unter anderem die Lebensmittelverarbeitung, pharmazeutische Industrie,  Automobilbranche, Textil- und Bekleidungssektor sowie die metallverarbeitende Industrie (Aluminium, Eisen und Stahl). Der Erfolg der Agenda ist bislang durchwachsen, auch wenn sich Ghana bemüht, private Investitionen anzuziehen.

    In den letzten Jahren sind ausländische Investitionen in den Bergbau und unter anderem in die Autobranche geflossen. Zudem konnten Fortschritte in der Nahrungsmittelverarbeitung erzielt werden. So haben Verarbeitungskapazitäten von Kakao, Tomaten, Kassava und Zucker zugenommen.

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    SWOT-Analyse Ghana

    S

    Stärken Strengths

    • Stabilitätsanker in der Region
    • Rohstoffreichtum (Öl, Gas, Gold, Kakao)
    • Gute Beziehungen zu Gebern
    • Rohstoffreichtum
    • Schnell wachsende Bevölkerung
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Kleiner Markt und hohe Abhängigkeit von Importen 
    • Wenig finanzielle Mittel der Regierung für Investitionen
    • Korruption und Vetternwirtschaft in der Verwaltung
    • Hohe Kapitalkosten und schwieriger Zugang zu Finanzierung
    O

    Chancen Opportunities

    • Projekte für die Verkehrsinfrastruktur bieten Beteiligungsmöglichkeiten
    • Wachsender Agrar- und Nahrungsmittelsektor mit Zuliefer- und Beteiligungschancen
    • Investitionen in Gesundheitssektor bieten Chancen für Zulieferer
    • Mehrere Freihandelsabkommen in Kraft
    • Wachsende Mittelschicht
    T

    Risiken Threats

    • Zahlungsausfälle sowohl bei Privaten als auch beim Staat
    • Private Unternehmen schieben Investitionen auf
    • Sehr hohe Inflation, vor allem bei Lebensmitteln und Treibstoffen
    • Sinkende Kaufkraft und steigende Arbeitslosigkeit
    • Starke Abwertung der Landeswährung verteuert Importe

    Dienstleistungen bilden stärksten Sektor

    Der Dienstleistungssektor baut seinen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit Jahren kontinuierlich aus. Er ist mit einem Anteil von fast 50 Prozent an der Wirtschaftsleistung der bedeutendste Wirtschaftssektor.

    Wichtige Wirtschaftszweige sind der Einzelhandel, Transport und Logistik, Finanzdienstleistungen, IT und Telekommunikation, Bildungswesen und die öffentliche Verwaltung. Wachstumspotenzial hat vor allem der IKT-Sektor. Ghana treibt den Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Digitalisierung von öffentlichen Dienstleistungen voran. Auch als Standort für die Auslagerung von Geschäftsprozessen (Business Process Outsourcing, BPO) rückt das Land zunehmend in den Fokus.

     

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Ghana (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2021

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    21,0

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    9,9

    Verarbeitendes Gewerbe

    11,4

    Energieversorgung (inklusive  Wasserversorgung)

    2,0

    Baugewerbe

    6,8

    Dienstleistungen

    48,9

    Quelle: Statistical Service Ghana 2022

    Mehr grüne Energie für Klimaschutz 

    In dem "National Energy Transition Framework" legt Ghana die Rahmenbedingungen und Klimaziele bis 2070 fest. Das erklärte Ziel der Netto-Nullemissionen soll bis dahin mit dem Einsatz von mehr grünen Technologien, vor allem Solar- und Windenergie, erreicht werden. Zudem wurde im letzten Jahr ein ghanaisch-deutsches Forschungsprojekt im Bereich Wasserstoff mit Akteuren aus den Bereichen Wasserstofftechnik, Energieversorgung und der Mobilitätsbranche ins Leben gerufen.

    Großraum Accra ist Wirtschaftsmotor des Landes

    Der Großraum Accra/Tema bildet das Handels- und Wirtschaftszentrum des Landes. In der Hauptstadt Accra haben die meisten Unternehmen und sämtliche ausländische Geberorganisationen ihren Sitz. Der im etwa 30 Kilometer entfernten Tema befindliche Hafen ist wichtigster Warenumschlagplatz des Landes. Dort unterhalten auch die großen Logistikdienstleister ein Büro.

    Neben Accra sind die Städte Kumasi, Takoradi und Tamale von wirtschaftlicher Bedeutung.

    Corinna Päffgen

    Von Corinna Päffgen | Accra

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  • Ghana galt bislang dank seiner politischen Stabilität als attraktiver Standort in der Region. Zuletzt waren Investoren aufgrund wachsender Unsicherheiten zurückhaltend.

    Ghana ist für Deutschland wichtiger Partner in der Region. Dies gilt in wirtschaftlicher sowie in politischer Hinsicht. Eine gute Zusammenarbeit bei entwicklungspolitischen Projekten, zahlreiche Hochschulpartnerschaften, ein eigenes Partnerschaftsabkommen zwischen Ghana und Nordrhein-Westfalen sowie die Investition von Volkswagen in ein neues Werk in Tema belegen dies.

    Investitionsklima hat sich verschlechtert

    Ghana verfügt über eine relativ gut funktionierende Demokratie mit friedlichen Regierungswechseln und einem vergleichsweise hohen Maß an Rechtsstaatlichkeit. Das Land belegt nach dem WJP Rule of Law Index 2023 Rang 61 und ist damit auf Rang 7 im afrikanischen Vergleich. Ghana gilt noch als einer der zugänglichsten Märkte Afrikas.

    Im Zuge der aktuellen Wirtschafts- und Schuldenkrise sind die Herausforderungen jedoch gewachsen. Dazu gehören die Abwertung der lokalen Währung, Konsumzurückhaltung, Korruption und Zahlungsausfälle. Für viele Unternehmen ist es zudem trotz eines großen Angebots an günstiger Arbeitskraft nicht einfach, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Beim Umgang mit Behörden klagen Unternehmen über zunehmende Schwierigkeiten mit der Steuerbehörde GRA (General Revenue Authority). 

    Fraglich ist auch der weitere Umgang mit der Schuldenkrise und der Einleitung entsprechender Reformen. Im Rahmen des IWF-Hilfspakets hat sich Ghana zur Haushaltskonsolidierung und Erhöhung der Staatseinnahmen verpflichtet. Außer Steuer- und Abgabenerhöhungen ist bislang wenig passiert. Vor allem fehlt ein Konzept, um die Wirtschaft anzukurbeln, Rahmenbedingungen zu verbessern und das Vertrauen von Investoren wiederzugewinnen.

    Ausländische Direktinvestitionen sind gesunken

    Der Bestand ausländischer Investitionen hat seit Jahren kontinuierlich zugenommen. Betrugen diese im Jahr 2000 gerade einmal 1,5 Milliarden US-Dollar (US$), so beläuft sich der Bestand mittlerweile auf rund 42 Milliarden US$ (Stand 2022). Allerdings sind die Zuflüsse im Jahr 2022 um 39 Prozent auf 1,5 Milliarden US$ stark gesunken.

    Auch im 1. Halbjahr 2023 waren Investoren zurückhaltend. So verzeichnete die ghanaische Investitionsbehörde (Ghana Investment Promotion Centre, GIPC) ausländische Investitionen in Höhe von gerade einmal 270 Millionen US$. Das Kapital stammt in erster Linie aus China, USA, den Niederlanden, Australien und Mauritius. Investiert wurde in den Bereichen Zementproduktion, Stahlbau, Konsumgüter (Kosmetik), Pharma und Bergbau.

    Deutsche Unternehmen sind zurückhaltend 

    Etwa 70 deutsche Unternehmen sind in Ghana vertreten. Eigene Produktionen sind bislang die Ausnahme, die meisten deutschen Unternehmen bearbeiten den Markt – auch über Ghana hinaus in der Region – über eigene Vertriebsgesellschaften. 

    In den vergangenen Jahren gab es wenig deutsche Investitionen. Der Schokoladenhersteller fairafric investierte 2020 rund 2 Millionen Euro in eine eigene Fabrik und Volkswagen weihte im letzten Jahr ein neues Montagewerk in Tema ein, hier investierte der Automobilhersteller 8 Millionen US$.

     

    Auswahl deutsche Investoren in Ghana (Stand: April 2023)

    Unternehmen

    Branche

    DHLLogistik
    GHACEMBaustoffe
    KronesMaschinen- und Anlagenbau
    LiebherrMaschinenbau
    VolkswagenAutomobil
    Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest; Firmenwebsites

    Hemmschuh ist oft Zugang zu Finanzierung

    Die Investitionstätigkeit ghanaischer Unternehmen wird durch den schweren Zugang zu Finanzierung und durch hohe Zinsen gehemmt. Der Leitzins liegt bei derzeit 29 Prozent. Dazu kommen steigende Produktionskosten, viele Produkte und Vorprodukte müssen importiert werden.

    Auch die Fixkosten für Miete (40 bis 70 US$ pro Quadratmeter) und Strom sind immens, vor allem Accra ist teuer. Die Lebenshaltungskosten, insbesondere für Transport und Miete sind auch für Private stark gestiegen. Viele Arbeitnehmer müssen deshalb am Stadtrand leben und haben lange Arbeitswege.

    GIPC ist Anlaufstelle für Investitionsförderung

    Das staatliche Ghana Investment Promotion Centre ist zentrale Anlaufstelle für Investoren. GIPC soll dabei als "One-stop-Shop" fungieren. In der Praxis gibt es allerdings noch Herausforderungen bei der Umsetzung aufgrund unklarer Zuständigkeiten weiterer beteiligter Behörden.

    Für bestimmte strategische oder umfangreiche Investitionen werden eine Reihe von Anreizen gewährt. Dazu gehört die Befreiung vom Einfuhrzoll landwirtschaftlicher und industrieller Anlagen, Maschinen und Ausrüstungen, die für Investitionszwecke eingeführt werden. Für einige prioritäre Sektoren wie Energie, Infrastruktur, Häfen sowie Informations- und Kommunikationstechnik werden zudem reduzierte Steuersätze und Steuerbefreiungen für bestimmte Zeiträume gewährt. In sogenannten Freizonen existieren ebenfalls eine Reihe von Zoll- und Steuererleichterungen. Das Freizonenprogramm ist auf die Förderung der Herstellung und Verarbeitung von Waren gerichtet, die für den Export bestimmt sind.

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Corinna Päffgen

    Von Corinna Päffgen | Accra

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  • BezeichnungAnmerkung
    Delegation der deutschen Wirtschaft in Ghana (AHK)Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Botschaft der Bundesrepublik DeutschlandDiplomatische Vertretung Deutschlands
    Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)DEG ist eine Tochtergesellschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und unterstützt den Privatsektor
    Ghana Investment Promotion CentreNationale Investitionsbehörde