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Branchenstruktur

Oliven, Hartweizen, Baumwolle und Obst sind die Hauptprodukte der griechischen Landwirtschaft. Zahlreiche kleine Agrarbetriebe und Zulieferer prägen die Marktstruktur.

Von Michaela Balis | Athen

Die Landwirtschaft (inklusive Forstwirtschaft und Fischerei) trägt nur knapp 4 Prozent zum griechischen Bruttoinlandsprodukt bei. Rund 15 Prozent der Agrarproduktion werden exportiert, etwa ein Viertel wird im Land selbst industriell verarbeitet, informiert die griechische Denkfabrik Dianeosis.

12,2 %

der griechischen Ackerfläche entfallen auf ökologischen Anbau

Knapp 56 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche entfielen laut dem nationalen Statistikamt Elstat im Jahr 2023 auf einjährige Kulturen. Dauerkulturen nahmen 36,5 Prozent der Fläche ein. Davon wiederum werden rund 43 Prozent bewässert. Rund 12 Prozent der griechischen Ackerfläche wird ökologisch bewirtschaftet.

Oliven und Obst sind wichtige landwirtschaftliche Produkte

Der Anbau von Oliven zur Produktion von Olivenöl ist der wichtigste Zweig der griechischen Landwirtschaft. Auf Olivenhaine entfielen 2023 knapp 48 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Knapp dahinter folgt der Getreideanbau, der auf rund 45  Prozent der Fläche betrieben wird, so Elstat. Zu den wichtigsten Einzelkulturen nach Flächennutzung zählen Hartweizen und Baumwolle. In der Sparte Obst sind neben Weintrauben, Zitrusfrüchte wie Apfelsinen sowie Pfirsiche und Nektarinen gemessen an ihrer Anbaufläche besonders wichtig.

Eckdaten zur Landwirtschaft in Griechenland
Kennziffer

2023

Einwohner (in Mio.) 1)

10,4

Ackerfläche (in Mio. ha)

1,4

Landwirtschaftliche Fläche (in Mio. ha)

4,1

Anteil der Landwirtschaft an der Entstehung des BIP (in %)

4,1

Exporte Agrargüter (in Mrd. Euro) 1) 2)

10,0

1 2025; 2 SITC 0 und 4214.Quelle: Griechisches Statistikamt Elstat 2026; Eurostat 2026

Struktur der Agrarbetriebe in Griechenland im Jahr 2023Größe in Hektar; Anteile an der Gesamtzahl in Prozent
Größe der Agrarbetriebe

Anzahl der Betriebe

Anteil

<5

349.620

71,9

5 bis 29,9

120.080

24,7

30 bis 99,9

15.300

3,2

>100

1.000

0,2

Insgesamt

486.000

100

Quelle: Eurostat 2026

Griechenlands Lebensmittelindustrie ist ausbaufähig

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist die wichtigste Branche des verarbeitenden Gewerbes in Griechenland und trägt fast ein Drittel zur Bruttowertschöpfung bei. In diesen Bereich fallen rund 28 Prozent aller im Land tätigen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes.

Die Chancen für den Ausbau der Lebensmittelindustrie über deutsch-griechische Joint Ventures oder Aufkäufe sind gut. Dabei können traditionelle oder innovative Produkte für den deutschen Markt oder den globalen Handel produziert werden wie beispielsweise die Olivenöle und -produkte des Unternehmens GAEA Products, hinter dem die deutsche Zertus GmbH steht.

Deutsche Unternehmen haben führende Position bei Agrarchemikalien

Düngemittel werden vorrangig aus Ägypten, Deutschland und Norwegen importiert. China steht an vierter Stelle in der Rangordnung der Lieferanten. Die Importe aus Deutschland stiegen im Jahr 2025 um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die größten Mengen Rohdünger stammen aus Jordanien, Libanon und Ägypten. Als Lieferant kam Deutschland 2025 auf Rang 10 ein. Auf dem Markt sind unter anderem die deutschen Produzenten BASF, K+S und Compo vertreten.

Der Bereich Düngemittel umfasst mehr als 2.300 Unternehmen in Griechenland, die als Hersteller oder/und Vertriebsgesellschaft tätig sind. Darunter ist etwa ein Zehntel auf organische Düngemittel spezialisiert. Hersteller mischen in aller Regel importierte Rohstoffe zu verkaufsfähigen Endprodukten. Gemäß den Angaben des Marktberatungsunternehmens Icap Crif produzierten 2025 rund 70 Firmen Düngemittel. Die inländische Düngerproduktion deckt rund die Hälfte des landesweiten Bedarfs ab.

Produktion ausgewählter Erzeugnisse der griechischen Agrarwirtschaft 2025Wert in Millionen Euro; Veränderung in Prozent

Sparte

Wert

Veränderung 2025/2024

Futtermittel

3.829,5

1,7

Landmaschinen, -geräte, -fahrzeuge

2.377,3 1)

8,3 2)

Saat- und Pflanzgut

508,6

5,7

Dünge- und Bodenverbesserungsmittel

476,7

-2,1

Mittel zur Pflanzenbehandlung und Schädlingsbekämpfung

296,3

3,3

1 Angabe für das Jahr 2024; 2 Veränderung 2024/2023Quelle: Eurostat 2026

In der Sparte Pflanzenschutzmittel weist Icap Crif 28 Unternehmen als Produzenten aus. Rund 2.700 Firmen verkauften Pflanzenschutzmittel. Produkte aus Frankreich, Deutschland und Spanien dominieren den Markt. BASF Hellas S.A. ist auf dem Markt für Agrarchemikalien und Saatgut ein führender Anbieter.

Saatgut wird zum größten Teil aus den Niederlanden, Italien und Frankreich importiert. Laut dem Institut für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) waren 2019 etwa 130 Unternehmen im Register für die Produktion von Saatgut eingetragen.

In Griechenland gibt es eine überschaubare, aber durchaus wichtige Fertigung von Landmaschinen. Ihr Sortiment umfasst zum Beispiel Erdverarbeitungsmaschinen, Treibhaustechnik sowie Geräte für den Pflanzenschutz, insbesondere Feldspritzen.

Wichtige Agrarbetriebe in GriechenlandUmsätze im Jahr 2024; in Millionen Euro
Sparte (NACE) / Unternehmen

Umsatz

Nach der Ernte anfallende Tätigkeiten in der pflanzlichen Erzeugung (0163)

 

  Violar

197,4 *)

  Markou K.B.

130,1

  Karagiorgos Cotton Industry

97,9

  Kapa Sigma Vamvakourgia

95,5

  Cotton Giners

54,1

  Avgi

50,3

  Thrakika Ekkokistiria

48,8 *)

Zucht und Haltung von Schafen und Ziegen (0145)

 

  Family Farm

78,2

Haltung von Schweinen (0146)

 

  Mitsopoulos Farm

48,8

Anbau von Gemüse und Melonen sowie Wurzeln und Knollen (0113)

 

  Wonderplant

43,5

* Angaben für 2025Quelle: ICAP CRIF 2026

Mangel an Landarbeitenden hält an

Etwa 11 Prozent aller griechischen Beschäftigten sind in der Landwirtschaft (inklusive Forstwirtschaft und Fischerei) tätig. Die Nachfolgeproblematik verschärft die strukturellen Herausforderungen des Agrarsektors. Immer seltener übernehmen junge Menschen elterliche Betriebe, da Einkommens- und Entwicklungsperspektiven als wenig attraktiv wahrgenommen werden.

Der allgemeine Mangel an Arbeitskräften trifft auch die Landwirtschaft. Weniger Personal bedeutet eine geringere Produktion. Bei der Gewinnung von Arbeitskräften für die Landwirtschaft steht Griechenland in Konkurrenz zu anderen Ländern, die häufig höhere Löhne zahlen und Aufenthaltsgenehmigungen schneller erteilen. Mit der Coronapandemie fielen viele ausländische Landarbeiter weg, da sie in ihre Heimatländer zurückkehrten. Die griechische Regierung arbeitet an Lösungen, um beispielsweise verstärkt Personen aus Ägypten und Indien ins Land zu holen. Traditionell stammen die Landarbeiter aus Ägypten, Albanien oder Bangladesch. Jedes Jahr benötigt Griechenlands Landwirtschaft rund 180.000 Arbeitskräfte.

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