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Fachkräfte
Griechische Arbeitskräfte weisen ein hohes Bildungsniveau auf. Trotzdem sind insbesondere junge Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Fachkräfte kehren zurück ins Land.
13.01.2026
Von Michaela Balis | Athen
Eine Umfrage des griechischen Dokumentationszentrums EKT und des Exportverbandes SEVE vom September 2024 untersuchte den Personalbedarf von Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitgeber besonders häufig nach Wirtschaftswissenschaftlern suchen. Ebenfalls stark gefragt sind Ingenieure sowie Absolventen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Diese Felder machen nämlich fast die Hälfte aller Suchanfragen aus. Rund ein Drittel entfällt auf ungelernte Fachkräfte.
Vergleicht man die gewünschten Studiengänge mit den tatsächlich gewählten, dann kommt es gerade bei IKT-Absolventen zu einem Engpass. Denn wie eine Befragung aus dem Jahr 2022 zeigt, entschieden sich hier nur knapp 4 Prozent für diesen Studiengang. Von den insgesamt rund 870.000 Studierenden im Jahr 2022, favorisierte nämlich rund ein Fünftel die Studiengänge "Ingenieurwesen" sowie "Wirtschaft und Recht". Nur etwa 9 Prozent wählten ein Studium der "Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik."
Hohes Bildungsniveau, aber wenig Praxis
Knapp ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung und etwa 40 Prozent der Erwerbstätigen verfügten im Jahr 2024 über einen Universitätsabschluss. Häufig liegt dieser auch oberhalb des Bachelorniveaus. Viele Hochschulabsolventen verfügen zusätzlich über Kenntnisse in zwei Fremdsprachen. An erster Stelle steht Englisch, gefolgt von Deutsch oder Französisch. Duale Berufsausbildungsprogramme haben sich bisher nicht durchgesetzt.
Griechische Regierung lockt Rückkehrer mit Anreizen
Der griechische Staat bietet Heimkehrern großzügige Steuererleichterungen. Dazu gehört unter anderem die Halbierung der Einkommensteuer für die ersten sieben Jahre nach der Rückkehr nach Griechenland. Die meisten von ihnen sind Hochschulabsolventen aus den Branchen Gesundheit, Bildungswesen und Informationstechnologien. Insbesondere Letzteres bietet durch das wachsende Start-up-Ökosystem attraktive Chancen für Rückkehrer und internationale IT-Fachkräfte. „Wir beschäftigen 25 Mitarbeitende aus 13 Ländern, die sich in Griechenland niedergelassen haben“, sagt Vassilis Stenos, geschäftsführender Vorstand des griechischen Start-up Solmeyea.
Während der griechischen Wirtschaftskrise in den Jahren 2009 bis 2018 verließen rund 600.000 Fachkräfte das Land, um im Ausland zu arbeiten. Die Arbeitsuchenden waren bevorzugt nach Deutschland, in das Vereinigte Königreich und die Niederlande ausgewandert. Laut Angaben des griechischen Arbeitsministeriums ist inzwischen mehr als die Hälfte dieser Fachkräfte wieder nach Griechenland zurückgekehrt.
Fachkräftemangel macht sich breit
Während der Coronakrise verließen auch viele ungelernte Arbeitskräfte, vor allem aus Nicht-EU-Ländern, Griechenland. Diese waren zuvor in der Landwirtschaft und im Baugewerbe beschäftigt. Die griechische Regierung bemüht sich, Personal durch Verträge mit Drittstaaten ins Land zu holen.
Auf dem Markt fehlen derzeit rund 300.000 Fachkräfte. Besonders betroffen sind das Baugewerbe, der Tourismus, die Gastronomie und die Landwirtschaft. Marktkenner betonen, dass bessere Arbeitsbedingungen helfen könnten, diese Lücke zu schließen. Dazu zählen unter anderem angemessene Unterkünfte, die Einhaltung von Arbeitszeiten, höhere Löhne sowie vereinfachte Reiseverfahren und Arbeitsgenehmigungen für Beschäftigte aus Drittländern.
Griechenland im weltweiten Vergleich |
Jugendarbeitslosigkeit bleibt hoch
In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 lag die Arbeitslosenquote durchschnittlich bei 9,1 Prozent. In der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre war rund ein Fünftel der Erwerbsbevölkerung arbeitslos. Das ist allerdings schon ein großer Fortschritt, denn während der griechischen Wirtschaftskrise lag dieser Anteil bei fast 30 Prozent.
Bei Berufseinsteigern sind Teilzeit- und befristete Arbeitsverhältnisse deutlich verbreiteter als im Durchschnitt. Teilzeit betrifft insgesamt rund 6,5 Prozent der Erwerbstätigen, bei den 20- bis 24-Jährigen jedoch etwa 16,5 Prozent (Stand 2024). Befristete Verträge machen zusätzlich rund 17 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse aus. Der Berufseinstieg gestaltet sich schwierig, da die Unternehmen in der Regel Berufserfahrung voraussetzen. Praktika können hier helfen, auch wenn dieses Modell erst in den letzten Jahren eingeführt wurde und noch nicht flächendeckend etabliert ist.