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Schwache indische Rupie stellt Unternehmen vor Herausforderungen
Die indische Rupie steht unter anhaltendem Abwertungsdruck und zeigt erhöhte Volatilität. Unternehmen sollten dies berücksichtigen und sich absichern.
02.02.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Die gut laufende Konjunktur und der Fakt, dass sich Indien als wichtiges Produktionszentrum für Waren aller Art etabliert, sorgen dafür, dass mehr Unternehmen wirtschaftliche Beziehungen zum Standort auf- und ausbauen. Aber der derzeitige Wechselkurs der indischen Rupie stellt für Unternehmensvertreter branchenübergreifend eine Herausforderung dar.
Indische Rupie im Rekordtief
Im Vergleich zum US-Dollar (US$) sehen viele Volkswirte im Jahresverlauf 2026 eine Abwertung um 2 Prozent als wahrscheinlich an. Zum Jahresende 2026 bekäme man dann 92 indische Rupien für 1 US$ (Prognose mit Stand Anfang Januar 2026). Jedoch bereits am 30. Januar 2026 wurden kurzzeitig 91,99 indische Rupien für 1 US$ gezahlt. Das war bislang der schwächste Wechselkurs für Indiens Währung.
Schon im Jahr 2025 hatte die Rupie gegenüber dem US-Dollar 4,9 Prozent an Wert verloren, deutlich mehr als andere asiatische Währungen wie beispielsweise der Thai Baht. Auch im bisherigen Jahresverlauf 2026 war die indische Währung die am schwächsten abschneidende asiatische Währung.
Während der Dollarkurs in Indien allgegenwärtig ist, spielt für viele deutsche Firmen der Eurokurs die größere Rolle. Hier schwächelte die Rupie 2025 noch stärker. Gegenüber dem Euro verlor die Rupie 2025 rund 19 Prozent an Wert. Das führte dazu, dass viele deutsche Firmen in Indien zwar vielfach Gewinne machten und Wachstum in lokaler Währung verbuchten. Dies wurde aber in Deutschland in Euro nicht sichtbar. Der Januar 2026 brachte weitere Wertverluste – 3,7 Prozent gab die Rupie gegenüber dem Euro ab.
Im Gespräch gehen Experten davon aus, dass die Rupie gegenüber dem Euro auch im weiteren Jahresverlauf weiter abwerten wird. Aufgrund hoher Unsicherheit werden selten konkrete Werte prognostiziert. Die Deutsche Bank geht in ihrem Währungsbulletin vom Februar 2026 davon aus, dass in sechs Monaten für 1 Euro rund 106,8 Rupien gezahlt werden. Dieser Wert wurde bereits überschritten: Am 30. Januar 2026 wurden für 1 Euro laut indischer Zentralbank 109,57 indische Rupien gezahlt.
Absicherung gegen Wechselkursrisiken ist möglich
Der Abwertungsdruck für die indische Rupie wird laut Experten weiter anhalten. Zudem gehen Volkswirte davon aus, dass der Wechselkurs stärker schwanken wird. Die indische Zentralbank hat in den letzten Monaten signalisiert, dass sie bereit ist, größere Volatilität in Kauf zu nehmen.
Deutsche Unternehmen sollten ihr Indiengeschäft daher gegenüber Wechselkursrisiken absichern. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.
Vorsorgemöglichkeiten bei Wechselkursrisiken:
- Zahlung im Voraus
- Zahlung in Eurobeträgen
- Vereinbarung eines festen zukünftigen Wechselkurses
- Vertragliche Klausel zur preislichen Neugestaltung unter Berücksichtigung der Kursbewegung
- Absicherung durch Banken
- Kürzere Zahlungsziele, häufigere Abrechnungen
So können Firmen Zahlungen im Voraus fordern, nicht erst bei erfolgter Lieferung. Eine weitere Möglichkeit ist die Vereinbarung der Zahlung in Eurobeträgen und nicht in Fremdwährung. Zudem kann durch Termingeschäfte ein fester zukünftiger Wechselkurs vereinbart werden.
Es kann sich lohnen, im Vertrag Klauseln aufzunehmen, die bei starken Kursbewegungen eine preisliche Neugestaltung zulassen. Zusätzlich bieten Banken die Möglichkeit, Wechselkursrisiken abzusichern. Allgemein hilfreich können auch kürzere Zahlungsziele und häufigere Abrechnungen sein.
Gründe für die schwache Rupie sind vielfältig
Eine Reihe von Faktoren sorgen für die anhaltende Schwäche der indischen Rupie. Zunächst importiert Indien mehr, als es exportiert. Diese Entwicklung wird derzeit verstärkt, denn Indien ist einer der größten Goldimporteure der Welt. Der Preis des Edelmetalls erklimmt momentan neue Höhen, was Importe teurer macht. Auch benötigt die wachsende indische Wirtschaft viele Inputgüter, die importiert werden müssen.
Die Entwicklung der indischen Exporte ist ungewiss, denn die USA erheben nach wie vor 50 Prozent zusätzliche Zölle auf Einfuhren aus Indien. Solange kein Handelsabkommen zwischen beiden Seiten geschlossen ist, sorgt dies für Druck auf die wirtschaftliche Entwicklung Indiens. Der deutliche Überschuss beim Handel mit Dienstleistungen kann das Defizit beim Warenhandel nur bedingt ausgleichen. So weist Indien ein Leistungsbilanzdefizit aus.
Hinzu kommt, dass der Abfluss von ausländischem Kapital ebenfalls für Druck auf die Rupie sorgt. Im Jahr 2025 zogen ausländische Portfolioinvestoren rund 18,9 Milliarden US$ aus Indien ab. Weil selbst Industrieländer wie die USA oder die Länder der Eurozone derzeit positive Zinsen bieten, sind vielen Investoren die Risiken in Indien zu hoch. Die negativen Kapital- und Leistungsbilanzen sorgen für einen negativen Zahlungsbilanzsaldo. Dieser korreliert häufig mit einer Abwertung der Währung.
Auch das Haushaltsdefizit der Regierung erzeugt Abwertungsdruck. Für das Finanzjahr 2025/2026 (1. April bis 31. März) wird es voraussichtlich bei 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen. Für das Folgejahr sind 4,3 Prozent prognostiziert.
Ein geringeres Defizit verbunden mit dem Abbau der Schuldenlast dürften dabei helfen, die indische Währung zu stabilisieren. So plant die Regierung, die Verschuldung der Zentralregierung zu reduzieren. Das Schuldenniveau von voraussichtlich 56,1 Prozent des BIP im Jahr 2025/2026 soll bis 2030/2031 auf etwa 50 Prozent verringert werden.