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Indiens Staatshaushalt mit neuen Schwerpunkten

Priorität hat der Ausbau der Infrastruktur in Indien. Auch die Wirtschaft erhält mehr Fördergelder. Ratingagenturen würdigen die Qualität der Ausgaben und die Haushaltsdisziplin.

Von Florian Wenke | Mumbai

Indiens Finanzministerin Nirmala Sitharaman hat am 1. Februar 2026 den Staatshaushalt für das Finanzjahr 1. April 2026 bis 31. März 2027 vorgestellt. Der neue Haushalt fällt in eine Zeit, in der die indische Wirtschaft stark wächst.

Für das Finanzjahr 2026/2027 geht der Internationale Währungsfonds von einem realen Wirtschaftswachstum von 6,4 Prozent aus. Um die Vision von einem entwickelten Indien bis 2047 zu erreichen ("Viksit Bharat 2047"), werden Wachstumsraten oberhalb von 8 Prozent benötigt. Die Regierung versucht, mit dem neuen Haushalt entsprechende Impulse zu setzen.

Zweistelliger Zuwachs bei Investitionen

Bereits seit Jahren steigen die öffentlichen Investitionen. Im Finanzjahr 2026/2027 wird die Regierung diese voraussichtlich erneut um 11,5 Prozent im Vergleich zu den investiven Ausgaben 2025/2026 erhöhen. Etwa 135 Milliarden US-Dollar (US$) stehen damit für öffentliche Investitionen bereit.

Öffentliche Investitionen legen zweistellig zuIndischer Staatshaushalt in Milliarden US-Dollar 1)
Position

Finanzjahr 2025/2026 2)

Finanzjahr 2026/2027 3)

Ausgaben, darunter:

547

589

   Investitionsausgaben

121

135

   Zinszahlungen

140

155

Einnahmen 4)

368

389

Fiskaldefizit (in % des BIP)

4,4

4,3

1 Angaben für Finanzjahre vom 1. April bis 31. März; Umrechnungskurs Januar 2026 laut Bundesbank: 1 US-Dollar = 90,8 indische Rupien; 2 vorläufig; 3 Prognose; 4 Steuereinnahmen und sonstige Erlöse, etwa Gewinne von Staatsunternehmen oder Dividenden.Quelle: Ministry of Finance 2026

Ein Großteil wird weiterhin in den Ausbau der technischen Infrastruktur fließen. Ein besseres Straßennetz, moderne Schienenwege für Überlandschnellzug- und innerstädtische Bahnverbindungen, zusätzliche Flughäfen und Seehäfen sollen helfen, die Konnektivität zu verbessern und die Logistikkosten zu senken.

Zudem hofft die Regierung, mit staatlichen Infrastrukturausgaben einen privatwirtschaftlichen Investitionszyklus in Gang zu setzen. Bereits jetzt profitiert die Baubranche von den kontinuierlich wachsenden staatlichen Investitionen. Auch angrenzende Bereiche ziehen daraus Vorteile, etwa die Stahlindustrie.

Ein Schub für die Verteidigung

Der Haushalt sieht für Verteidigung Investitionen von circa 21 Milliarden US$  vor, fast 18 Prozent mehr als 2025/2026. Indien dürfte vor allem in seine Luftstreitkräfte und die Marine investieren. Unter anderem werden Anschaffungen von modernen Drohnen und Material für die Luftverteidigung erwartet.

Indien kann nur einen Teil des Bedarfs an Rüstungsgütern durch eigene Produktionen bedienen und kauft im Ausland zu. Indien war nach Angaben des internationalen Forschungsinstituts SIPRI von 2020 bis 2024 mit einem Anteil von 8,3 Prozent der weltweit zweitgrößte Importeur von Rüstungsgütern, direkt hinter der Ukraine.

Wachstumsbranchen werden gestärkt

Durch Förderprogramme und Subventionen unterstützt die Regierung im Haushalt Industriebereiche und will damit Indien als Produktionsstandort stärken. Ziel ist eine höhere Wertschöpfung und mehr Wachstum im verarbeitenden Gewerbe.

Ein Erfolgsbeispiel ist die wachsende Elektronikfertigung. Um die dynamische Entwicklung fortzusetzen, hat die Regierung die Förderung im Rahmen des "Electronics Components Manufacturing Scheme" im Haushalt von rund 2,6 Milliarden auf rund 4,4 Milliarden US$ aufgestockt. Das bis 2031 laufende Programm hat bereits zahlreiche Elektronikhersteller angezogen, vor allem für Smartphones. Aufgestockte Förderungen dürften noch mehr Zulieferer und Komponentenproduzenten nach in Indien locken.

Das Wachstum im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt zu einem steigenden Bedarf an entsprechender Infrastruktur. Der Haushalt gewährt bis 2027 Steuerbefreiungen für Rechenzentren, sofern deren Betreiber den globalen Markt bedienen und gleichzeitig einen indischen Vertriebspartner haben. Die Steuerbefreiungen dürften das Wachstum der Branche noch einmal beschleunigen.

Die Förderung für die Halbleiterbranche beträgt 2026/2027 circa 110 Millionen US$. In einer ersten Förderphase wurde unter anderem Ansiedlungen von hochspezialisierten Fabriken (Fabs) unterstützt. Die "Semiconductor Mission 2.0" soll nun die Forschung und Entwicklung im Halbleiterbereich vorantreiben und dafür sorgen, dass mehr Zulieferprodukte für die Chipproduktion lokal produziert werden, unter anderem Spezialchemikalien. Außerdem liegt der Fokus auf einer Stärkung der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften für die Halbleiterbranche.

Indien entwickelt sich damit zu einem interessanten Absatzmarkt von Maschinen und Anlagen für die Chipindustrie. Zudem entsteht ein relevanter Beschaffungsmarkt von Halbleitern, der sich für eine Diversifizierung von Lieferketten anbietet.

Haushaltsdisziplin wird nun anerkannt

Das Fiskaldefizit schrumpft leicht. Im letzten Finanzjahr lag es bei 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Für 2026/2027 strebt die Regierung einen Wert von 4,3 Prozent an. Die Schuldenquote auf zentralstaatlicher Ebene vergleichbar mit der Schuldenquote des Bundes in Deutschland geht weiter zurück. Von einem geschätzten Wert von 56 Prozent des BIP im Jahr 2025/2026 soll die Verschuldung bis 2031 auf etwa 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung sinken.

Internationale Ratingagenturen hatten in der Vergangenheit kritisch auf die Verschuldung geblickt. Im Jahr 2025 gab es jedoch Heraufstufungen der Länderbonität, unter anderem vom Ratingschwergewicht S&P. Aus indischer Sicht wurden zuvor die Bemühungen um fiskalische Disziplin und die gute Verfassung der Wirtschaft zu wenig gewürdigt.

Die Heraufstufung der Ratings ermöglicht es Indien, sich günstiger zu verschulden. Das Land kann bei Kreditaufnahmen mit geringeren  Risikoaufschläge rechnen, was Mittel für Investitionen oder den Schuldenabbau freimacht. Ein besseres Rating stärkt auch das grundsätzliche Vertrauen von Investoren, die sich für den Wirtschaftsstandort Indien interessieren. Zudem hilft es, den Druck auf eine Abwertung der indischen Währung zu mildern.

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