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Indonesien baut Rohstoffverarbeitung weiter aus

Aluminium, Stahl, Nickel und Kupfer: Indonesien führt seine Rohstoffstrategie in eine neue Phase. Der Staat sucht Technologiepartner für den Ausbau der Wertschöpfung.

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Indonesien hat laut Regierung kaum von hohen chinesischen Investitionen in Nickelschmelzen und dem anschließenden Export von Zwischenprodukten profitiert. Nun tritt Indonesiens seit Längerem angestrebtes Downstreaming, also die tiefere Weiterverarbeitung von Rohstoffen, in eine neue Phase.

Das zeigt sich an der Mitte 2026 dekretierten Übernahme des Exports von Ferronickel durch "Danantara". Der 2025 gegründete Staatsfonds übernimmt zunehmend die Steuerung strategischer Projekte. Künftig konzentrieren sich die ebenfalls durch Danantara koordinierten Staatskonzerne stärker auf Selbstversorgungsprojekte.

Außerdem sollen neue Technologiepartner Indonesien weniger abhängig von chinesischen Konzernen machen. Der so geplante Aufbau von Know-how und nachgelagerten Industrien eröffnet Chancen für deutsche Ausrüster – insbesondere dort, wo chinesische Investoren künftig nicht mehr alleine Beschaffungsentscheidungen treffen, sondern der indonesische Staat stärker involviert ist. 

Indonesien baut Aluminiumwertschöpfungskette aus

Derzeit steht die Aluminiumindustrie im Fokus der Investitionspläne. Laut U.S. Geological Survey entfallen rund 10 Prozent der globalen Bauxitreserven auf Indonesien. Bauxit ist das wichtigste Ausgangsmaterial für die Aluminiumgewinnung. Trotzdem kann das Land seinen Aluminiumbedarf nicht selbst decken. 

Der Engpass liegt bei den Aluminiumhütten. Sie können das Aluminiumoxid nicht weiterverarbeiten, das in den vielen neuen Raffinerien aus Bauxit erzeugt wird. Aluminium ist vor allem als Verpackungsmaterial sowie für Solarpaneele, E-Fahrzeuge, Transmissionsleitungen, Luftfahrt und Verteidigung relevant. 

Neue Aluminiumhütten in West-Kalimantan

Die Regierung hat über Danantara den Bau einer staatlich kontrollierten Aluminiumhütte in West-Kalimantan angestoßen, der Region mit den größten Bauxitreserven. Zudem soll die erst kürzlich fertiggestellte, benachbarte Bauxitraffinerie deutlich ausgebaut werden, um die Abhängigkeit von chinesischen Aluminiumoxidlieferungen zu verringern. 

Ebenfalls in West-Kalimantan ist eine Anlage für Aluminiumoxid (Chemical-Grade-Qualität) geplant. Das Produkt soll für verschiedene industrielle Anwendungen genutzt werden. 

Am Ende der Wertschöpfungskette ist eine integrierte Solarmodulproduktion in Zentral-Java geplant. In diesem Zusammenhang könnten Projekte zur Verarbeitung von Quarzsand (Silica) entstehen. 

Trotz des Exportverbots von Bauxit und der stärkeren Aktivitäten der Regierung halten ausländische Firmen an ihrem Engagement fest. Das malaysische Unternehmen Press Metal baut in West-Kalimantan an einer Aluminiumoxidraffinerie zur Versorgung der Hütten in Malaysia. Die chinesische Firma Hangzhou Jinjiang plant laut Presseberichten im Süden von West-Kalimantan eine neue Hütte. 

Weitere Regionen setzen auf Aluminiumprojekte

Auf der Riau-Insel Bintan erwägt das chinesische Unternehmen Shandong Nanshan eine Weiterverarbeitung von Aluminium mit den dortigen Bauxitreserven. Tsingshan, ebenfalls aus China, will die bestehenden Kraftwerke, Tiefseehäfen und Industrieparks in den Nickelhochburgen Morowali (Sulawesi) und Weda Bay (Nord-Molukken) für die Aluminiumproduktion nutzen, obwohl dafür ein Antransport der Vorprodukte nötig ist. 

Die zum Konzern Adaro gehörende indonesische Firma AlamTri will in Nord-Kalimantan einen Aluminiumcluster errichten. Den Energiebedarf sollen zunächst ein Kohle- und später ein großes Wasserkraftwerk decken. 

Milliarden für Downstream-Projekte in Indonesien Downstream-Projekte (Mineralien) mit Prioritätsstatus bei Staatsfonds Danantara
Projekt / Ort

Investitionssumme in Milliarden US$

ZeitplanAnmerkungen / Unternehmen
Borneo Aluminium Indonesia, Aluminiumhütte und Aluminiumoxidraffinerie in Schmelzqualität / Mempawah, West-Kalimantan

3,0

Ankündigung Februar 2026600.000 Tonnen Aluminium pro Jahr, 1 Mio. Tonnen Aluminiumoxid pro Jahr / MIND ID, Inalum, Antam, Bukit Asam, Danantara
Edelstahl-Brammen-Produktion / Morowali, Zentral-Sulawesi

2,3

Ankündigung Februar 2026500.000 bis 1 Mio. Tonnen pro Jahr / PT Krakatau, SAIL, Danantara
Hydrometallurgie-Anlage / Morowali, Zentral-Sulawesi

1,4

GeplantDanantara, Vale, GEM
Kupferprodukte / Gresik, Ost-Java

1,1

Ankündigung Februar 2026Walzdraht, Kupferdraht, Kupferrohre / Freeport, Danantara
Eisensand / Sarmi, Papua

1,1

GeplantFörderung und -Verarbeitung
Aluminiumoxidraffinerie (Chemical Grade) / Kendawangan, West-Kalimantan

~1,0

Geplant Danantara, evtl. Hongqiao, evtl. Antam
Kohlenstoff-Brammen-Produktion / Cilegon, West-Java

k. A.

Frühe Planungsphase3 Mio. Tonnen pro Jahr / Pt Krakatau, Danatara 
Quelle: Presse- und Unternehmensmeldungen 2026, Danantara-Monitor 2026

Indonesien stärkt seine Stahlindustrie

Ein weiteres strategisches Produkt für Indonesien ist Stahl, unter anderem für Infrastruktur und Industrieanlagenbau. Bislang ist Indonesien stark importabhängig bei Eisenerz, Stahl und verarbeitetem Stahl. Mit Unterstützung von Danantara soll der indonesische Staatskonzern Krakatau eine neue Kohlenstoff-Brammen-Produktion in Cilegon errichten. 

Künftig soll ein Teil des benötigten Eisenerzes aus eisenhaltigen Sandvorkommen in Papua gewonnen werden, einem weiteren strategischen Projekt von Danantara. 

Des Weiteren schloss Krakatau im Juli 2026 ein Joint Venture mit der Steel Authority of India für den Bau einer nickelbasierten Edelstahlbrammenproduktion, voraussichtlich in Morowali. 

Batteriewertschöpfungskette kommt weiter

Zentrales Ziel der Downstreaming-Strategie ist die Komplettierung der Batteriewertschöpfungskette auf Basis von Indonesiens großen Nickelreserven. Mehr als 40 Prozent der weltweiten Reserven liegen in dem Archipel. Besonders in den chemischen Zwischenstufen bestehen noch Lücken. Beim Aufbau einer integrierten Upstream- und Downstream-Wertschöpfungskette für E-Batterien kooperiert Danantara mit der französischen Eramet. 

Mit der brasilianischen Vale und der chinesischen GEM plant der Staatsfonds eine neue Hydrometallurgie-Anlage in Morowali. Dazu ist Danantara international auf der Suche nach Investoren und Technologien für weitere Produktionsschritte, wie Kathodenvorläufermaterial (pCAM) und Mischhydroxid-Niederschlag. 

Die australische Firma Pure Battery Technologies kündigte bereits eine Investition über 350 Millionen US-Dollar in eine pCAM-Anlage an. Danantara will sich zudem an einer Mangan-Sulfat-Anlage in Kupang in West-Timor beteiligen. 

Auch an der Batterieproduktion hat Indonesien großes Interesse. Das Land will eigenes Know-how aufbauen und sich an europäischen Standards orientieren. Es besteht die Befürchtung, dass die starke Präsenz ausländischer Großkonzerne kaum positive Übertragungseffekte auf das indonesische Batterieökosystem entfaltet. 

Kupfer-Cluster Surabaya wächst

Verarbeitete Kupferprodukte plant die Regierung in der ost-javanischen Sonderwirtschaftszone Gresik nahe der neuen Kupferschmelze des Staatskonzerns Freeport.

Mehrere neue Anlagen sollen dort zum einen Kupferkonzentrat in Kathoden, Messinghalbzeuge und Patronenhülsen verarbeiten und zum anderen Kupferwalzdraht, -folien und -rohre für Bauindustrie, Lüftungs- und Kühltechnik sowie Energiewirtschaft produzieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Goldgewinnung und -verarbeitung aus Kupferkonzentrat.