Die Generikaproduktion liegt in Händen lokaler Hersteller. Neuerungen erfolgen meist über internationale Partnerschaften.
Die indonesische Pharmaindustrie ist bislang auf die günstige Produktion von Generika, OTC-Produkten und pflanzlichen Arzneimitteln fokussiert. Auch in der Auftragsfertigung für internationale Branchenfirmen ist sie aktiv. Eigene Forschung und Entwicklung standen bisher nicht im Vordergrund, wird aber durch die Regierung zunehmend gewollt und unterstützt. Laut Industrieministerium gibt es im Land circa 384 größere Pharmaunternehmen. Den Ton geben die einheimischen Konzerne an, besonders Kalbe, Dexa und die Biofarma-Gruppe (Kimia). Internationale Konzerne haben meist Vertriebskooperationen mit lokalen Firmen.
Lokale Firmen dominieren
Kalbe besitzt über 15 Produktionsanlagen, hat circa 16.000 Mitarbeiter im Land und agiert bei verschreibungspflichtigen Medikamenten als Vertriebspartner für AstraZeneca, Interbat, Bernotarm und Taisho.Lotte. Rund 30 Prozent des Umsatzes kommt von verschreibungspflichtigen Medikamenten, davon 30 Prozent Originalpräparate in Lizenz, 25 Prozent Markengenerika und 45 Prozent No-Name-Generika.
Durch die Akquisition des thailändischen Distributeurs Alliance Pharma will Kalbe seine internationale Präsenz ausbauen. Mit der Übernahme der lokalen Tochtergesellschaft von Sanofi, Kalventis, möchte Kalbe im Bereich Kardiovaskular- und Diabetesbehandlung aktiver werden. Offizielle Schwerpunkte sind innovative Biologics, inklusive Insulin und Zelltherapie. Zudem will Kalbe sein Portfolio bei Impfstoffen stärken.
Auch Konkurrent Dexa will die Auslandsaktivitäten intensivieren und hat dabei Europa als Absatzmarkt für günstig produzierte Generika im Blick. Tempo Scan produziert eigene verschreibungspflichtige Schmerzmittel, antiinfektiöse Medikamente und stoffwechselbezogene Arzneimittel und vertreibt darüber hinaus Produkte von Lizenzgebern.
Die staatliche Biofarma unterstützt die Regierung dabei, ausreichend Medikamente für das öffentliche Gesundheitssystem zu produzieren und ist sowohl bei verschreibungspflichtigen Medikamenten als auch bei Generika und OTC-Produkten aktiv.
Bayer produziert in Cimanggis südlich von Jakarta OTC-Präparate wie wasserlösliche Multivitamintabletten und Schmerzmittel, die zu drei Vierteln ins Ausland gehen. Boehringer Ingelheim stellt in Bogor unter anderem Medikamente gegen Diabetes, Herzinsuffizienz, Asthma, Lungenkrebs sowie für die Tiergesundheit her. Merck produziert in Ost-Jakarta unter anderem Medikamente für kardiovaskulare Erkrankungen, Diabetes sowie Hormonpräparate.
Führende Pharmaunternehmen in Indonesien Umsatz in Milliarden US-Dollar; Marktanteil in ProzentUnternehmen | Umsatz (2025) | Marktanteil |
|---|
Kalbe-Gruppe (mit SanBe) | 1,8 | 25,9 |
| Biofarma-Gruppe (mit Phapros, Kimia, staatlich) | 1,4 | 17,3 |
| Dexa-Gruppe (mit Ferron Par) | 1,0 | 13,0 |
| Tempo Scan | 0,7 | 10,0 |
Schätzungen, offizielle Zahlen nicht verfügbarQuelle: Unternehmensangaben, grobe Schätzung (2026)
Finanzierung meist über Anreize
Investitionsanreize in der Pharmaindustrie sind insbesondere Steuervorteile sowie vereinfachte Lizensierungsprozesse, zum Beispiel in speziellen Sonderwirtschaftszonen für die Gesundheitswirtschaft. Es besteht zudem Unterstützung beim Technologietransfer, oft individuell ausgehandelt. Das Health Law (Nr. 17 von 2023) beinhaltet fiskalische und nicht fiskalische Anreize. Dazu zählen Subventionen und Zuschüsse für Forschung und Entwicklung, letztere zum Beispiel in Kooperation mit akademischen Institutionen und privaten Firmen.
Die Indonesische Börse besitzt einen Gesundheitssektor, aber keinen ausgeprägten Biotechmarkt. In den vergangenen Jahren kamen vor allem Generika‑ und konsumorientierte Krankenhausketten und Gesundheitsdienstleister an den Markt; klassische forschungsintensive Biotech‑IPOs sind selten. Wagniskapital bietet unter anderem MDI Ventures (Telkom Indonesia) über einen Bio-Health Fund für Early- und Growth-Stage Start-ups im Bereich Biotech und im Gesundheitswesen. Weitere Venture Capital Funds, die Start-ups in der Pharmaindustrie fördern, sind Convergence Ventures, GDP Venture, Intudo Ventures und Venturra Capital.
Neue Gesundheitscluster im Aufbau
Wichtigstes Branchencluster ist der Großraum Jakarta, mit zahlreichen Firmenzentralen und Forschungs- und Entwicklungszentren. Infrastruktur und Arbeitskräfte sind hier am besten entwickelt. Dank des guten Rufs ihrer Fakultäten sind auch Bandung und Yogyakarta beliebte Standort der Pharmaindustrie, insbesondere in der Biotechnologie. Surabaya punktet mit seiner strategischen Lage und seiner Industriebasis. In Sanur (Bali) und Batam (Riau, nahe Singapur) wachsen Sonderwirtschaftszonen für den Gesundheitstourismus heran.
Import beschränkt sich auf Wirkstoffe und essenzielle Medikamente
Laut Aufsichtsbehörde BPOM kommen immer noch rund 90 Prozent der Wirkstoffe aus dem Ausland, besonders aus Indien und China. Auch Krebsmedikamente, Diabetesmittel sowie Blutverdünner und Blutersatzstoffe führt Indonesien ein. Weitere importierte Produktgruppen sind Psychopharmaka, Medikamente für Atemwegserkrankungen, Sexualhormone und entzündungshemmende Mittel. Deutschland steigerte seine Arzneimittellieferungen gegenüber dem Vorjahr um rund 7,4 Prozent auf 203 Millionen US-Dollar und rückte 2025 auf Platz zwei hinter China vor.
Große Anzahl an Apotheken und Drogerien
Laut Gesundheitsministerium gibt es zurzeit 272 aktive Pharmaproduzenten (weit definiert) im Land, dazu über 60.000 Apotheken und Drogerien. Die größten Apothekenketten sind Kimia Farma, Apotek K-24, AS Watsons Group, Guardian Pharmacy und Century Apotek Healthcare. Dazu kommen eine Vielzahl von OTC-Shops (Toko Obat) und kleine Läden des täglichen Bedarfs mit OTC-Regal. Der staatliche Sektor umfasst über 10.000 kommunale Gesundheitszentren (Puskesmas) und rund 1.000 große öffentliche Krankenhäuser. Weiterhin gibt es rund 1.500 große und 15.000 kleinere private Kliniken (Klinik Pratama). Zu den privaten Krankenhausketten zählen Siloam, Mayapada, Mitra Keluarga, Hermina und Primaya.
Informationen zur Verschreibungspflicht
Die Indonesian Food and Drug Authority (BPOM) ist die zuständige Behörde für Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln (Rx und OTC) sowie die Einstufung der Verschreibungspflicht (Prescription‑only gegenüber OTC). Sie bietet öffentliche Datenbanken zu registrierten Produkten, deren Status, Darreichungsformen und Zugang zur e-Registrierung.
Von Oliver Döhne
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Jakarta