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Indonesischer Pharmamarkt wird zugänglicher

Indonesien öffnet seinen Markt und setzt gleichzeitig Anreize für mehr Entwicklung und Produktion im Land. 

Von Oliver Döhne | Jakarta

Ausblick der Pharmaindustrie in Indonesien

Bewertung:

  • Lifestyle-Erkrankungen nehmen zu, das umfassende öffentliche Gesundheitssystem braucht günstige Medikamente.
  • Einheimische Generika-Hersteller suchen internationale Zusammenarbeit für Forschung und Entwicklung.
  • Zulassung wird effizienter und Freihandelsabkommen bringt Erleichterungen, Umsetzung braucht noch Zeit. 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026

  • Das Abkommen mit der EU dürfte die Bearbeitung des großen Marktes künftig kalkulierbarer machen. Im Trend liegen Markengenerika und Biosimilars. 

    Indonesiens vielversprechender, aber bislang nicht leicht zugänglicher Pharmamarkt könnte durch das Freihandelsabkommen mit der EU (I-EU-Cepa) deutlich interessanter für deutsche Firmen werden. Mit dem Inkrafttreten entfallen die meisten Einfuhrzölle. Zudem soll bei der öffentlichen Beschaffung von Medikamenten kein Mindestanteil inländischer Wertschöpfung mehr nötig sein.

    Noch sehr niedrige Pro-Kopf-Ausgaben

    Das Marktpotenzial ist angesichts von über 283 Millionen Einwohnern, steigendem Gesundheitsbewusstsein und zunehmenden Zivilisationskrankheiten groß. Bislang sind die Arzneimittelausgaben pro Kopf noch sehr gering (unter 20 US-Dollar, genaue Zahlen liegen nicht vor). Angesichts des stabilen Wirtschaftswachstums könnten sie perspektivisch deutlich steigen. Laut Statistikamt machen die Arzneimittelausgaben erst rund 12 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aus. Besonders im privaten Bereich besteht noch viel Spielraum. Das Gesundheitsbudget 2026 erhielt rund 15 Prozent mehr Mittel, sodass der Gesundheitssektor über 6 Prozent des Budgets ausmacht. Explizit für Medikamente waren davon aber nur 3,5 Prozent eingeplant. Insgesamt rechnen Marktbeobachter für die kommenden Jahre mit einem jährlichen Nachfragewachstum über 5 bis 7 Prozent. 

    Über die allgemeine Gesundheitsversicherung JKN stellt der Staat stark subventionierte Medikamente bereit. Er erreicht dadurch mittlerweile über 95 Prozent der Bevölkerung und ist der wichtigste Abnehmer, besonders von Generika. Das JKN umfasst schrittweise immer mehr Therapiearten und damit auch verschreibungspflichte Medikamente. Insgesamt ist der öffentliche Sektor für mehr als die Hälfte des Medikamentenbedarfs verantwortlich, weshalb bei vielen Arzneimitteln ein erheblicher Preisdruck besteht. Viele klassische Generika für das JKN produziert der Staat über eigene Firmen (Kimia, Phapros).

    90 Prozent

    der medizinischen Vorprodukte und pharmazeutischen Wirkstoffe müssen importiert werden.

    Private Haushalte zahlen für Upgrade

    Zudem finanzieren immer mehr private Haushalte Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche. Neben der zahlungskräftigen Oberschicht wächst perspektivisch auch eine Mittelschicht mit zunehmendem verfügbarem Einkommen. Privat kaufen Patienten unter anderem importierte Spezialmedizin und Originalpräparate, besonders solche, die noch nicht oder zurzeit nicht über das JKN erhältlich sind. Arzneimittel für Onkologie, Kardiologie und Atmung sowie generell Biologics sind noch stark auf den privaten Markt konzentriert und unter weniger Preisdruck. 

    Private Patienten bevorzugen trotz JKN‑Verfügbarkeit häufig Markengenerika und zahlen den Aufpreis selbst. Markengenerika verbinden Vertrauen und Wiedererkennbarkeit mit einem Preisvorteil gegenüber Originalpräparaten. Zudem werden sie von den Branchenfirmen massiv bei Ärzten und Krankenhäuser beworben. Markengenerika sind so zum umsatzstärksten Marktsegment geworden. Für alle Generika erwarten Branchenkenner ein stetiges Wachstum. Der Absatz erfolgt über ein großes und weiter wachsendes Netz an privaten Apotheken. 

    Indonesien gehört zu den südostasiatischen Ländern mit der höchsten Selbstmedikationsrate. OTC-Präparate (Over the Counter) wie Schmerz- und Grippemittel und Vitamine sind omnipräsent in Supermärkten und den vielen kleinen Läden des täglichen Bedarfs (Indomaret, Alfamart etc.) sowie zunehmend online. Diese Marktsegmente werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter stark wachsen. 

    Über Impfstoffe zu mehr lokaler Wirkstoffproduktion

    Die Regierung will mehr inländische Produktion von biologischen Nachahmerprodukten (Biosimilars) als kostengünstige Alternative zu hochpreisigen biotechnologisch produzierten Medikamenten zur Behandlung der zunehmenden onkologischen, immunologischen oder endokrinologischen Erkrankungen. Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie Budgets der lokalen Firmen sind aber meist eng und viele lokale Akteure beschränken sich vorerst auf verbesserte Formulierungen, Fixkombinationen, Fill&Finish sowie Auftragsfertigungen und -vertrieb. 

    Innovative biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe und Gentherapien sind oft noch im Anfangsstadium oder im akademischen Raum. Erste Erfolge gibt es bei Impfstoffen. Pionier auf dem Gebiet der UCMSC-Stammzellenforschung ist Regenic, das mittlerweile zum Marktführer Kalbe gehört. Dexa Medica setzt auf biomolekulare Forschung und will aus der Biodiversität Indonesiens innovative biologische Arzneimittel gewinnen, die sogenannte OMAI (Originale moderne Arznei Indonesiens).  

    Um die lokale Produktion und auch Entwicklung zu stärken, könnte Indonesien ausländischen Firmen in Zukunft weitere Anreize bieten, ins Land zu kommen und Partnerschaften mit einheimischen Firmen für den Technologietransfer einzugehen. Einheimische Firmen sind in der Regel stark daran interessiert, ihr Portfolio mit ausländischem Know-how und Equipment zu erweitern. Kalbe produziert bereits für die chinesische Henlius und die koreanische Genexine fortgeschrittene Biologics. Eine lokale Produktion ist für die Biosimilare Bevacizumab und Trastuzumab vorgesehen. Mit der chinesischen Livzon Pharma will Kalbe auch mehr Inhaltsstoffe produzieren. 

    Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen

    Die genannten Tendenzen könnten die Nachfrage in verschiedenen Marktsegmenten steigern, von Labor- und Testequipment in der Forschungs- und Entwicklungsphase, über Produktionsanlagen (Tablettenpressen, Misch- und Beschichtungsanlagen, Reinräume etc.) bis zu Verpackungs- und Verabreichungsausrüstung. 

    Vor Ort produzieren bereits die deutschen Firmen Schott (Ampullen), B.Braun (Infusionslösungen) und Fresenius (injizierbare Arznei). Uhlmann (Blister) eröffnete Ende 2025 ein Vertriebs- und After Sales-Büro in Jakarta. Romaco belieferte unter anderem Kalbe mit Tablettenpressen und die Firma Pharma Test stattet neben den Branchenfirmen auch die Behörde für Pharmasicherheit (BPOM) mit Testapparaten aus. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in IndonesienInvestitionssumme in Milliarden US-Dollar
    Akteur/Projekt

    Investitionssumme

    ProjektstandAnmerkungen
    Kalbe/Wirkstoff (API)-Produktion in Cikarang, Westjava

    40,1

    Im Bau, Produktionsstart Mitte 2027Kooperation mit chinesischer Livzon, Produktion steriler Antibiotika‑APIs (Vancomycin HCl, Teicoplanin, Colistimethate Sodium)
    Dexa/Ausbau Generikaproduktion und Naturheilmittel, Westjava, Palembang, Bogor

    30,8 

    GeplantNeue Produktionslinien, Modernisierung, Forschung und Entwicklung von Naturheilmitteln und Phytopharmaka
    Kimia/Ausbau Produktion in Bandung und Jakarta

    k.A.

    GeplantUmstrukturierung, neuer Fokus auf Stammzellprodukte, Kooperation mit Samsung Pharm für Nahrungsmittelzusätze
    Kalbe/Logistikausbau, landesweit

    k.A. 

    Bis 2028Ausbau Kühlkette und Distributionsinfrastruktur über Tochterfirma Enseval Putera Megatrading
    Quelle: Unternehmensmeldungen (2026)

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Die Generikaproduktion liegt in Händen lokaler Hersteller. Neuerungen erfolgen meist über internationale Partnerschaften.  

    Die indonesische Pharmaindustrie ist bislang auf die günstige Produktion von Generika, OTC-Produkten und pflanzlichen Arzneimitteln fokussiert. Auch in der Auftragsfertigung für internationale Branchenfirmen ist sie aktiv. Eigene Forschung und Entwicklung standen bisher nicht im Vordergrund, wird aber durch die Regierung zunehmend gewollt und unterstützt. Laut Industrieministerium gibt es im Land circa 384 größere Pharmaunternehmen. Den Ton geben die einheimischen Konzerne an, besonders Kalbe, Dexa und die Biofarma-Gruppe (Kimia). Internationale Konzerne haben meist Vertriebskooperationen mit lokalen Firmen. 

    Lokale Firmen dominieren

    Kalbe besitzt über 15 Produktionsanlagen, hat circa 16.000 Mitarbeiter im Land und agiert bei verschreibungspflichtigen Medikamenten als Vertriebspartner für AstraZeneca, Interbat, Bernotarm und Taisho.Lotte. Rund 30 Prozent des Umsatzes kommt von verschreibungspflichtigen Medikamenten, davon 30 Prozent Originalpräparate in Lizenz, 25 Prozent Markengenerika und 45 Prozent No-Name-Generika. 

    Durch die Akquisition des thailändischen Distributeurs Alliance Pharma will Kalbe seine internationale Präsenz ausbauen. Mit der Übernahme der lokalen Tochtergesellschaft von Sanofi, Kalventis, möchte Kalbe im Bereich Kardiovaskular- und Diabetesbehandlung aktiver werden. Offizielle Schwerpunkte sind innovative Biologics, inklusive Insulin und Zelltherapie. Zudem will Kalbe sein Portfolio bei Impfstoffen stärken. 

    Auch Konkurrent Dexa will die Auslandsaktivitäten intensivieren und hat dabei Europa als Absatzmarkt für günstig produzierte Generika im Blick. Tempo Scan produziert eigene verschreibungspflichtige Schmerzmittel, antiinfektiöse Medikamente und stoffwechselbezogene Arzneimittel und vertreibt darüber hinaus Produkte von Lizenzgebern. 

    Die staatliche Biofarma unterstützt die Regierung dabei, ausreichend Medikamente für das öffentliche Gesundheitssystem zu produzieren und ist sowohl bei verschreibungspflichtigen Medikamenten als auch bei Generika und OTC-Produkten aktiv. 

    Bayer produziert in Cimanggis südlich von Jakarta OTC-Präparate wie wasserlösliche Multivitamintabletten und Schmerzmittel, die zu drei Vierteln ins Ausland gehen. Boehringer Ingelheim stellt in Bogor unter anderem Medikamente gegen Diabetes, Herzinsuffizienz, Asthma, Lungenkrebs sowie für die Tiergesundheit her. Merck produziert in Ost-Jakarta unter anderem Medikamente für kardiovaskulare Erkrankungen, Diabetes sowie Hormonpräparate. 

    Führende Pharmaunternehmen in Indonesien Umsatz in Milliarden US-Dollar; Marktanteil in Prozent

    Unternehmen

    Umsatz (2025)

    Marktanteil 

    Kalbe-Gruppe (mit SanBe)

    1,8

    25,9

    Biofarma-Gruppe (mit Phapros, Kimia, staatlich)

    1,4

    17,3

    Dexa-Gruppe (mit Ferron Par)

    1,0

    13,0

    Tempo Scan

    0,7

    10,0

    Schätzungen, offizielle Zahlen nicht verfügbarQuelle: Unternehmensangaben, grobe Schätzung (2026)

    Finanzierung meist über Anreize

    Investitionsanreize in der Pharmaindustrie sind insbesondere Steuervorteile sowie vereinfachte Lizensierungsprozesse, zum Beispiel in speziellen Sonderwirtschaftszonen für die Gesundheitswirtschaft. Es besteht zudem Unterstützung beim Technologietransfer, oft individuell ausgehandelt. Das Health Law (Nr. 17 von 2023) beinhaltet fiskalische und nicht fiskalische Anreize. Dazu zählen Subventionen und Zuschüsse für Forschung und Entwicklung, letztere zum Beispiel in Kooperation mit akademischen Institutionen und privaten Firmen.

    Die Indonesische Börse besitzt einen Gesundheitssektor, aber keinen ausgeprägten Biotechmarkt. In den vergangenen Jahren kamen vor allem Generika‑ und konsumorientierte Krankenhausketten und Gesundheitsdienstleister an den Markt; klassische forschungsintensive Biotech‑IPOs sind selten. Wagniskapital bietet unter anderem MDI Ventures (Telkom Indonesia) über einen Bio-Health Fund für Early- und Growth-Stage Start-ups im Bereich Biotech und im Gesundheitswesen. Weitere Venture Capital Funds, die Start-ups in der Pharmaindustrie fördern, sind Convergence Ventures, GDP Venture, Intudo Ventures und Venturra Capital. 

    Neue Gesundheitscluster im Aufbau

    Wichtigstes Branchencluster ist der Großraum Jakarta, mit zahlreichen Firmenzentralen und Forschungs- und Entwicklungszentren. Infrastruktur und Arbeitskräfte sind hier am besten entwickelt. Dank des guten Rufs ihrer Fakultäten sind auch Bandung und Yogyakarta beliebte Standort der Pharmaindustrie, insbesondere in der Biotechnologie. Surabaya punktet mit seiner strategischen Lage und seiner Industriebasis. In Sanur (Bali) und Batam (Riau, nahe Singapur) wachsen Sonderwirtschaftszonen für den Gesundheitstourismus heran. 

    Import beschränkt sich auf Wirkstoffe und essenzielle Medikamente

    Laut Aufsichtsbehörde BPOM kommen immer noch rund 90 Prozent der Wirkstoffe aus dem Ausland, besonders aus Indien und China. Auch Krebsmedikamente, Diabetesmittel sowie Blutverdünner und Blutersatzstoffe führt Indonesien ein. Weitere importierte Produktgruppen sind Psychopharmaka, Medikamente für Atemwegserkrankungen, Sexualhormone und entzündungshemmende Mittel. Deutschland steigerte seine Arzneimittellieferungen gegenüber dem Vorjahr um rund 7,4 Prozent auf 203 Millionen US-Dollar und rückte 2025 auf Platz zwei hinter China vor. 

    Große Anzahl an Apotheken und Drogerien

    Laut Gesundheitsministerium gibt es zurzeit 272 aktive Pharmaproduzenten (weit definiert) im Land, dazu über 60.000 Apotheken und Drogerien. Die größten Apothekenketten sind Kimia Farma, Apotek K-24, AS Watsons Group, Guardian Pharmacy und Century Apotek Healthcare. Dazu kommen eine Vielzahl von OTC-Shops (Toko Obat) und kleine Läden des täglichen Bedarfs mit OTC-Regal. Der staatliche Sektor umfasst über 10.000 kommunale Gesundheitszentren (Puskesmas) und rund 1.000 große öffentliche Krankenhäuser. Weiterhin gibt es rund 1.500 große und 15.000 kleinere private Kliniken (Klinik Pratama). Zu den privaten Krankenhausketten zählen Siloam, Mayapada, Mitra Keluarga, Hermina und Primaya. 

    Informationen zur Verschreibungspflicht

    Die Indonesian Food and Drug Authority (BPOM) ist die zuständige Behörde für Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln (Rx und OTC) sowie die Einstufung der Verschreibungspflicht (Prescription‑only gegenüber OTC). Sie bietet öffentliche Datenbanken zu registrierten Produkten, deren Status, Darreichungsformen und Zugang zur e-Registrierung

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Das Freihandelsabkommen mit der EU verbessert das Umfeld. Die anstehende Halal-Pflicht für Medikamente könnte für Komplikationen sorgen. 

    Indonesien gilt im Vergleich zu anderen größeren ASEAN-Staaten als schwieriger Standort in punkto Marktöffnung, Bürokratie, Importverfahren oder Rechtssicherheit. Das I-EU-Cepa-Abkommen könnte hier deutliche Verbesserungen bringen. Das Abkommen soll bis Ende 2026 ratifiziert sein und Anfang 2027 in Kraft treten.

    Besserer Marktzugang durch Freihandelsabkommen

    Mit Inkrafttreten entfallen die meisten Einfuhrzölle, einige Ausnahmen bilden HIV-Medikamente, pflanzenbasierte Präparate und Kontrastmittel (zur Übersicht der Zolltarifpositionen und Zollsenkungen). Außerdem wird in der öffentlichen Beschaffung von Medikamenten kein Mindestanteil inländischer Wertschöpfung mehr gelten. Die Umsetzung bleibt jedoch abzuwarten. 

    Kritisch sehen viele Marktbeobachter weiterhin das Patentgesetz, das für einen effektiven Patentschutz einen "meaningful benefit" für Indonesien voraussetzt. Das heißt in der Regel: Technologietransfer, lokale Wertschöpfung, industrielles Upgrading und Zugang zu günstiger Medizin. Diese Regel wird auch durch das Freihandelsabkommen nicht aufgehoben. 

    Staatliche Krankenversicherung kostspielig aber bislang ein Erfolg

    Das öffentliche Gesundheitssystem gilt als große Errungenschaft, ist aber zunehmend ein Kostenfaktor. Es deckt unter anderem Gratis-Medikamente gemäß nationaler Arzneimittelliste ab. Als Beitrag fallen im formellen Sektor für angestellte Personen in der Regel 1 Prozent des Bruttolohns an, der Arbeitnehmer übernimmt weitere 4 Prozent. Für die Mehrzahl der Bevölkerung übernimmt der Staat alle Kosten einer Grund- und Notfallversorgung. Wohlhabendere schließen private Zusatzversicherungen ab. 

    Viele Medikamente kosten in Indonesien noch immer ein Vielfaches der Preise von beispielsweise Malaysia. Wirkstoffe und Vorprodukten kommen zu einem großen Teil aus dem Ausland, entsprechend anfällig ist Indonesien gegenüber Preisanstiegen. Hohe Logistikkosten und eine defizitäre Kühlkette sind in Indonesien noch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Produktfälschungen, komplexe Regulierung und Preisdruck des öffentlichen Gesundheitssystems auf die Produzenten tun ein Übriges. 

    Zähes regulatorisches Umfeld könnte sich verbessern

    Neben dem Wegfall der meisten Einfuhrzölle bei Inkrafttreten sind unter anderem folgende Punkte vorgesehen: Gleichbehandlung ausländischer Hersteller in der öffentlichen Beschaffung (Wegfall local content), mehr Schutz und Durchsetzung von geistigem Eigentum, vertrauliche klinische und regulatorische Daten und eine einheitliche Ausschreibungsplattform. 

    Im Auge haben sollten ausländische Unternehmen die bevorstehende Halal-Pflicht für Medikamente. Produktion, Lagerung und Vertrieb von Medikamenten müssen von den zuständigen Stellen (LPH beziehungsweise akkreditierte Stelle im Ausland) entsprechend geprüft und zertifiziert werden. Ansonsten ist eine Etikettierung als "Nicht-Halal" verpflichtend. Ab Oktober 2026 soll diese Pflicht für pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel gelten. OTC-Produkte, verschreibungspflichtige sowie biotechnologisch hergestellte Medikamente sollen zwischen 2027 bis 2030 folgen.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Lokalen Partner suchen für Registrierung und Vertrieb
    • Bald anstehende Halal-Vorschriften im Auge behalten
    • Für Premiumprodukte ist der Markt noch begrenzt aufnahmefähig
    • Der Staat ist der wichtigste Abnehmer und sucht günstige Alternativpräparate

    Zulassung verbessert, aber immer noch zeitaufwändig

    Pharmaprodukte müssen vor dem Import bei BPOM registriert werden. Dies konnte in der Vergangenheit leicht zwei bis drei Jahre dauern. Die Regierung hat sich aber mehrfach dafür eingesetzt, Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen, zum Beispiel über das Single-Window-Verfahren (s. Tabelle). Von der Weltgesundheitsorganisation erhielt BPOM Anfang 2026 den Reifegrad 3. Die Institution gilt damit als stabil, funktional, integriert, eine schnelle Genehmigung gewährleistend und auf effizienten Prozessen basierend. Der so anerkannte Qualitätsstandard könnte zu mehr internationalen Partnerschaften und Investitionen führen. 

    Für die Zulassung braucht der in Indonesien ansässige Antragsteller grundsätzlich eine schriftliche Genehmigung des ausländischen Herstellers. Registriert für den Import werden bevorzugt Produkte für öffentliche Gesundheitsprogramme, neuentwickelte Pharmazeutika sowie solche Arzneimittel, die als wichtig eingestuft und nicht im Land hergestellt werden. 

    Nationale Anlaufstellen für Pharmahersteller und -lieferanten in Indonesien

    AnlaufstelleAnmerkung
    AERO (Registrierungsbehörde BPOM)Elektronische Registrierung von Medikamenten 
    PIO Nas (Registrierungsbehörde BPOM)Informationsplattform für den Medikamentengebrauch und wissenschaftliche Studien
    Indonesia National Single Window (INSW)Plattform zur Integration der In- und Exportabwicklung

    Logistikprobleme bewirken hohe Kosten und Preise

    Der flächendeckende Vertrieb von Medikamenten im Archipel mit seinen 6.000 bewohnten Inseln bleibt eine große Herausforderung. Die logistischen Netzwerke können die Produktsicherheit am Verkaufsort nicht durchgehend gewährleisten. Der Großhandel gilt als schwächstes Glied der Kette. Der in der Regel mehrstufige Distributionsprozess mit jeweils abgesteckten, inoffiziellen Zuständigkeitsgebieten bestimmter Akteure treibt die Preise zusätzlich in die Höhe. Der Anteil gefälschter und minderwertiger Arzneimittel liegt bei schätzungsweise 10 bis 15 Prozent und ist laut Marktexperten ein Anlass zur Sorge. 

    Die genauen Anteile der Absatzkanäle sind zahlenmäßig nicht verfügbar. Viele Arzneimittel gehen über die staatlich finanzierten Pukesmas (Health Community Centers) an die Patienten des JKN. Es folgen Apotheken. Zunehmende Marktanteile gewinnt der E-Commerce mit Apps wie, Halodoc, Alodokter, SehatQ, and GoApotik. In Drogerien, Mini- und Supermärkten finden auch viele OTC-Präparate ihre Käufer. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Oliver Döhne | Jakarta

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Indonesien (Ekonid)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft.

    Pengawasan Obat dan Makanan (Badan POM)

    Aufsichts- und Registrierungsbehörde für Medikamente und Nahrungsmittel
    Asosiasi Apotek Seluruh Indonesia (APSI)Verband der Apotheken

    Gabungan Perusahaan Farmasi Indonesia (GP Farmasi)

    Vereinigung der pharmazeutischen Industrie
    International Pharmaceutical Manufacturers Group (IPMG)Interessenvertretung ausländischer Pharmaunternehmen in Indonesien

    Indonesia Pharmaceutical Expo (IPEX)

    Zweijährliche Messe für Inhaltsstoffe, Auftragsproduktion, Prozess- und Verpackungstechnologie

    Von Oliver Döhne | Jakarta