Wirtschaftsausblick | Indonesien

Krieg im Nahen Osten schafft Unsicherheit in Indonesien

Die Entwicklung der Ölpreise beeinflusst die Konjunktur in Indonesien. Ein baldiges Freihandelsabkommen mit der EU und Marktöffnungen machen deutschen Unternehmen Hoffnung.

Von Oliver Döhne, Frank Malerius | Jakarta, Bangkok

Top-Thema: Nahostkrieg trifft die Wirtschaft, bietet aber auch Chancen

Indonesiens Wirtschaft ist von der Steigerung der Ölpreise als Folge des Nahostkriegs betroffen. Die Regierung muss Benzin und Diesel mit noch höheren Summen als zu Normalzeiten subventionieren, um breiten Teilen der Bevölkerung Mobilität und die Teilnahme am Wirtschaftsleben weiterhin zu ermöglichen. Traditionell führen Preiserhöhungen für Treibstoff zu Unmut in der indonesischen Bevölkerung. Deshalb werden insbesondere zu Krisenzeiten erhebliche Summen aus dem Staatshaushalt zur Preisstützung verwendet. Die Gelder fehlen dann an anderer Stelle.

Gleichzeitig hat der Archipel unter den Staaten der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) die geringste Abhängigkeit von direkten Öl- und Gaslieferungen aus Nahost. In manchen Wirtschaftsbereichen verspricht die Krise sogar Chancen: Alle Länder der Region haben ihre Kohlekraftwerke hochgefahren, um Gas zu sparen. Indonesien gehört zu den weltgrößten Kohleexporteuren und liefert riesige Mengen nach China, Indien, Japan sowie in die ASEAN.

Darüber hinaus ist Indonesien Nettoexporteur von einfachem Harnstoffdünger, der durch den Nahostkrieg in vielen Ländern zur Mangelware geworden ist. In diesem weitgehend staatlich regulierten Sektor hat die Regierung die geplante Schließung mehrerer Produktionsstätten widerrufen und zapft nun neue Märkte an. 

Wirtschaftsentwicklung: Bangen um das Fünf-Prozent-Wachstum 

Die indonesische Wirtschaft folgt seit zweieinhalb Jahrzehnten einem soliden Wachstumspfad. Die reale Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) übertraf 2025 mit 5,1 Prozent sogar leicht das Vorjahresniveau. Für 2026 und 2027 lagen die meisten Prognosen vor Ausbruch des Nahostkrieges bei ebenfalls etwa 5 Prozent.

Investitionen legen auf breiter Front zu

Die Zentralbank senkte 2025 den Leitzins in mehreren Schritten auf 4,75 Prozent und hält ihn seitdem stabil. Damit wurde Fremdkapital für Investitionen günstiger. Experten halten weitere Zinssenkungen für möglich. Ausländische Firmen müssen seit 2025 zudem weniger Mindestkapital bei der Gründung einer Firma aufbringen.

Investoren aus dem In- und Ausland zielen insbesondere auf den Inlandsmarkt und weniger auf Produktionen für den Export. Sie wollen ihre Kapazitäten in den Sektoren Metallerzeugung, Bergbau, Chemie, Pharma und Logistik erweitern.

Die öffentlichen Investitionen, insbesondere die der Staatskonzerne, bleiben robust. Der Mitte 2025 gegründete Staatsfonds Danantara mit einem milliardenschweren Grundstock soll unter anderem in die Verarbeitung von Rohstoffen im eigenen Land investieren.

Solider Arbeitsmarkt stärkt den Konsum

Der private Konsum, der das BIP zu mehr als der Hälfte trägt, dürfte 2026 real um 5 Prozent zulegen. Allerdings drängen jedes Jahr mehr als 2 Millionen Menschen auf den indonesischen Arbeitsmarkt, viele finden keine adäquate Beschäftigung. Die offizielle Arbeitslosenrate wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds 2026 unter 5 Prozent liegen. Da aber mehr als die Hälfte der Bevölkerung informell beschäftigt ist, hat diese Zahl nur eine begrenzte Aussagekraft. 

Außenhandel wächst

Globale Spannungen belasten den Außenhandel und setzen den Wechselkurs unter Druck. Die schwache Rupiah verbilligte 2025 die Exporte, verteuerte jedoch gleichzeitig Importe. Die Ausfuhren legten 2025 um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu und die Einfuhren um 2,9 Prozent. Der Ausbau der Inlandsproduktionen wird die Nachfrage nach Kapitalgütern aus dem Ausland auch 2026 stützen.

Deutsche Perspektive: Exporte nach Indonesien sinken erneut

Deutsche Unternehmen unterhalten hauptsächlich Vertriebsbüros in Indonesien; vor Ort produzieren nur wenige. Das Land hat viel Potenzial, verlangt aber Geduld und Aufmerksamkeit, um das notwendige Vertrauen aufzubauen. Firmen, die einmal die kulturellen und bürokratischen Eintrittshürden genommen haben, berichten von guten Geschäften.

Der Ausbau der Inlandsproduktionen wird die Nachfrage nach Kapitalgütern aus dem Ausland künftig erhöhen. Maschinen machen rund ein Drittel der deutschen Exporte nach Indonesien aus.

Bosch investiert in eine modulare Anlage, die ab dem Jahr 2027 unter anderem elektronische Steuereinheiten und Batteriesysteme für Kfz herstellen wird. Investitionen in diese Schlüsselbranche lohnen sich, schließlich ist Indonesien in den meisten Jahren der größte Kfz-Absatzmarkt in Südostasien.

Handelsabkommen mit EU ist ein Meilenstein

Das Freihandelsabkommen zwischen Indonesien und der EU kann voraussichtlich Anfang 2027 in Kraft treten. Es ist ein großer Schritt, denn Indonesien galt bislang als ein schwieriger Markt. Die Übereinkunft wird Exporte aus der EU erleichtern, aber nicht alle Handelshemmnisse beseitigen. Bei knapp vier Fünfteln aller Zolltarifpositionen werden mit Inkrafttreten des Abkommens die Zölle abgeschafft. Für weitere 20 Prozent erfolgt dieser Schritt im Verlauf von 3 bis 15 Jahren. Welche Zolltarifpositionen genau betroffen sind, wird Ende 2026 nach der Ratifizierung des Abkommens bekannt geben.

Das Abkommen schafft auch Fortschritte bei der Anerkennung internationaler Standards, dem Schutz geistigen Eigentums, der Gleichbehandlung ausländischer Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen, der zeitlich begrenzten Einreise von Fachkräften sowie bei der Streitbeilegung. Indonesien reduziert zudem Vorgaben zum Mindestanteil lokaler Wertschöpfung bei öffentlichen Beschaffungen von Elektronik, Elektroautos, Pharmazeutika sowie Ausrüstungen für erneuerbare Energien. Wie wirksam das Abkommen tatsächlich ist, wird sich erst zeigen, wenn die Vereinbarungen in nationales Recht überführt und angewendet werden.