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Israel genehmigt neuen Gasdeal mit Ägypten
Israel soll in den nächsten 15 Jahren weitere 130 Milliarden Kubikmeter Erdgas an Ägypten liefern. Die dafür nötigen Investitionen bieten auch deutschen Firmen Lieferchancen.
05.01.2026
Von Wladimir Struminski | Jerusalem
Israel treibt den bislang größten Ausbau seiner Erdgasexporte voran und setzt damit ein energiepolitisches Signal mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Die Regierung genehmigte im Dezember 2025 einen Vertrag, der Lieferungen von zusätzlich 130 Milliarden Kubikmetern Gas an Ägypten über die kommenden 15 Jahre vorsieht. Abnehmer ist das ägyptische Energieunternehmen Blue Ocean. Die Vereinbarung ergänzt einen bestehenden Vertrag aus dem Jahr 2019 und bedeutet eine mehr als dreifache Erhöhung der ursprünglich vereinbarten Liefermenge.
US-Konzern Chevron ist Schlüsselakteur
Das Gas stammt aus dem Leviathan‑Feld, dem größten Erdgasvorkommen Israels im Mittelmeer. Betreiber ist der US‑Konzern Chevron, der 40 Prozent der Förderrechte hält. Die israelischen Unternehmen NewMed Energy und Ratio Energies sind mit 45 beziehungsweise 15 Prozent beteiligt. Mit Gesamtreserven von rund 1 Billion Kubikmetern verfügt Israel über stabile Exportperspektiven und beliefert bereits Jordanien mit rund 3 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Gleichzeitig steigt in Ägypten der Gasbedarf kontinuierlich, während die heimische Förderung die Nachfrage nicht deckt.
Die neue Exportvereinbarung stärkt somit nicht nur die Energiesicherheit beider Länder, sondern unterstreicht auch die zunehmende Rolle Israels als regionaler Gasversorger im östlichen Mittelmeer.
Milliarden für Leitungen, Kompressoren und Fördertechnik
Die Ausweitung der Gasexporte zieht umfangreiche Infrastrukturinvestitionen nach sich. Allein für die Erweiterung der Förderkapazitäten im Leviathan‑Feld sind rund 2,4 Milliarden US‑Dollar (US$) vorgesehen, hinzu kommt etwa 1 Milliarde US$ für zusätzliche Transportkapazitäten.
Weitere Projekte umfassen:
- eine neue Pipeline und Kompressorstation zwischen Ramat Hovav und dem Grenzübergang Nitzana mit einem Investitionsvolumen von rund 600 Millionen US$,
- den Bau einer Anschlusspipeline auf ägyptischer Seite für rund 400 Millionen US$, laut Nachrichtenportal Asharq lil Akhbar betrieben durch GASCO.
Damit entstehen über die kommenden Jahre mehrere Großprojekte, die zahlreiche Beschaffungsrunden nach sich ziehen werden.
Lieferchancen für deutsche Unternehmen
Die geplanten Infrastrukturinvestitionen schaffen vielfältige Möglichkeiten für deutsche Technologieanbieter entlang der gesamten Gaswertschöpfungskette. Besonders gefragt sein dürften:
- Gasaufbereitungs- und Verdichtungstechnik,
- Ventile, Armaturen, Mess- und Regeltechnik,
- Automatisierungs-, Leit- und Sicherheitssysteme,
- Kompressoren und zugehörige Steuerungen,
- Rohrleitungssysteme und Spezialkomponenten.
Viele dieser Segmente gehören traditionell zu den Stärken deutscher Hersteller, deren Produkte im internationalen Energieinfrastrukturbau einen hohen Stellenwert genießen.
Wie deutsche Firmen Zugang zu den Projekten erhalten
Chevron verfügt über eigene Engineering-Kapazitäten, wird jedoch spezialisierte Ausrüstung und Systeme zukaufen. Der Einstieg in die Lieferkette erfolgt typischerweise über:
- EPC-Contractors (Generalunternehmer),
- Systemintegratoren,
- Engineering- und Beratungsunternehmen und
- direkte Lieferantenregistrierung bei Chevron.
Da noch offen ist, welche EPCs die bevorstehenden Projekte leiten werden, empfiehlt sich für interessierte Unternehmen eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit Chevron und den israelischen Partnern. Wichtige Aspekte sind Vorqualifikationen und Compliance-Anforderungen.