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Israel plant Ausbau der Photovoltaik im Milliardenumfang

Israel will die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2035 verdreifachen fast ausschließlich durch Photovoltaik. Deutschen Unternehmen bieten sich Chancen.

Von Wladimir Struminski | Israel

Das israelische Energieministerium hat einen Plan zum beschleunigten Ausbau der Photovoltaik vorgelegt. Demnach soll die installierte Leistungskapazität aus erneuerbaren Energien von 8 Gigawatt Ende 2025 auf 26 Gigawatt im Jahr 2035 steigen.

Allein für den Ausbau der Erzeugungskapazitäten dürfte ein Investitionsvolumen von rund 20 Milliarden US-Dollar (US$) erforderlich sein. Da Israel einen Großteil der benötigten Komponenten importiert, ergeben sich erhebliche Lieferchancen für ausländische Anbieter.

Importbedarf eröffnet Marktchancen

In Israel wird nur ein kleiner Teil der für Photovoltaikanlagen benötigten Komponenten, Systeme und Ausrüstungen hergestellt. Das Programm eröffnet daher Lieferchancen für deutsche Unternehmen, insbesondere für technologisch anspruchsvolle Systemkomponenten. Dazu zählen Hybridwechselrichter für Photovoltaik- und Batteriespeichersysteme, Transformatorstationen sowie Nachführsysteme für Agri-Photovoltaik.

Zudem besteht eine hohe Nachfrage nach intelligenter Software für das Energiemanagement und die digitale Steuerung virtueller Kraftwerke. Auch die für den Netzausbau erforderliche Hochspannungs- und Kabeltechnik bietet deutschen Herstellern Absatzmöglichkeiten. Mehrere deutsche Unternehmen sind bereits erfolgreich im israelischen Photovoltaikmarkt vertreten.

Deutsche Unternehmen auf dem israelischen Photovoltaikmarkt
Unternehmen Leistung
BELECTRIC GmbH (Kolitzheim)Schlüsselfertiger Anlagenbau (als Konsortialpartner / EPC), Betrieb und Wartung (O&M), schwimmende PV-Anlagen
SMA Solar Technology AG (Niestetal)Solar-Wechselrichter, Netzkonformitäts-Software
KACO new energy GmbH (Neckarsulm)String-Wechselrichter, Speicherwechselrichter
Phoenix Contact GmbH & Co. KG (Blomberg)Photovoltaik-Steckverbinder, Generatoranschlusskästen
meteocontrol GmbH (Augsburg)Parkregler, SCADA-Monitoring, Betriebsführung für Investoren
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

09.01.2026 Branche kompakt | Israel | Energiewirtschaft
Israels Energiesektor setzt auf Verlässlichkeit und Sicherheit

Der Energiebedarf steigt rapide. Die Stromerzeugung wird ausgebaut, aber erneuerbare Energien stoßen auf Probleme. Deutschen Unternehmen bieten sich Geschäftschancen.

Energiesicherheit treibt Photovoltaikausbau

Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass Israel das Programm tatsächlich umsetzt. Wichtigster Grund ist das strategische Ziel der Regierung, die Energieversorgung für Konflikt- und Kriegsfälle stärker zu dezentralisieren. Der Luftkrieg gegen Iran im Frühjahr 2026 verlieh diesem Ziel zusätzlichen Nachdruck. Aber auch der steigende Strombedarf und ökologische Ziele spielen eine Rolle.

Hinzu kommen sinkende Stromgestehungskosten. Der größte Teil der bis 2035 zusätzlich installierten Leistung soll ohne staatliche Subventionen entstehen. Einspeisetarife, Zuschüsse und andere finanzielle Anreize sind nur für Dachanlagen und technisch anspruchsvolle Nischenstandorte vorgesehen. Dazu zählen Freiflächen an Straßenkreuzungen, Autobahnkreuzen und Parkplatzüberdachungen. Große Solarparks kommen bereits ohne staatliche Förderung aus. Für Agri-Photovoltaik gilt dies weitgehend ebenfalls.

Die hohe Flächenknappheit begrenzt den Ausbau klassischer Freiflächenanlagen. Lediglich 4,5 Gigawatt der zwischen 2026 und 2035 geplanten erneuerbaren Erzeugungskapazitäten sollen auf diesem Anlagentyp entstehen. Weitere 5 Gigawatt sind für Agri-Photovoltaik vorgesehen. Hinzu kommen 4 Gigawatt auf anderen Doppelnutzungsflächen, vor allem durch Aufdachanlagen. Andere erneuerbare Energietechnologien spielen mit nur 0,5 Gigawatt eine untergeordnete Rolle.

Das Programm gehört zu den größten Infrastruktur- und Energievorhaben des Landes. Mitte 2026 befanden sich bereits Anlagen mit einer geplanten Leistung von 4 Gigawatt im Bau. Um das Ausbauziel zu erreichen, müssen weitere 14 Gigawatt genehmigt und errichtet werden. Diese Kapazitäten entfallen nahezu vollständig auf Photovoltaik. Im Jahr 2035 sollen 25,5 Gigawatt und damit 98 Prozent der gesamten geplanten Leistungskapazität von 26 Gigawatt auf Photovoltaik entfallen.

Führende israelische Projektentwickler und Anbieter im Photovoltaikmarkt
Unternehmen Leistung
Shikun & Binui Energy (Tel Aviv)Schlüsselfertiger Großanlagenbau, Großprojekte, Freiflächen- und schwimmende PV
Enlight Renewable Energy (Rosh Ha'ayin)Internationale und nationale Projektierung, schlüsselfertiger Bau von Großsolarparks und Windenergieanlagen
Afcon Renewable Energy (Petah Tikva)Schlüsselfertiger Solarparkbau in Israel und Europa, starke Netzanbindungskompetenz
Energix Renewable Energies (Ramat Gan)Großflächige Projektentwicklung, Bau und Betrieb von Solarparks
Nofar Energy (Tel Aviv)Schlüsselfertige gewerbliche Aufdachanlagen, schwimmende PV und Energiespeichersysteme
SolarEdge Industries (Herzliya)PV-Heimanlagen, Komponenten für PV-Großanlagen, Schlüsselfertiger Solarparkbau im Ausland
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Milliardeninvestitionen in Speicher und Netze

Betreiber von Photovoltaikanlagen sind verpflichtet, ausreichende Speicherkapazitäten zu errichten. Nach Berechnungen des staatlichen Stromnetzbetreibers NOGA müssen zu Spitzenzeiten im Sommer 2035 bis zu 10 Gigawatt für bis zu vier Stunden gespeichert werden. Die genauen Investitionskosten hängen von der Preisentwicklung bei Speicheranlagen ab. Der Investitionsbedarf dürfte jedoch mehrere Milliarden US-Dollar betragen. Daraus ergeben sich zusätzliche Absatzmöglichkeiten für Batteriespeicher, Leistungselektronik, Wechselrichter, Netztechnik und Softwarelösungen.

Das israelische Unternehmen Enlight Renewable Energy hat 2025 die Ausschreibung der Strombehörde für die beiden Batteriegroßspeicherprojekte Neot Smadar und Ohad für sich entschieden. Ihre Kapazität soll stufenweise errichtet werden und letztendlich eine Speicherkapazität von bis zu 1.900 Megawattstunden bei einer Netzleistung von 300 Megawatt  erreichen. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Die Speicher sollen den Strom bestehender Photovoltaikanlagen tagsüber aufzunehmen und in den Spitzenzeiten am Abend einspeisen.

Zudem muss das Stromnetz an die neuen Photovoltaik-Kapazitäten angepasst werden. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen eines allgemeinen Programms zum Netzausbau. Technisch steht die Maßnahme jedoch in engem Zusammenhang mit dem Ausbau der Photovoltaik-Kapazitäten. Der Strategieplan sieht vor, den Bau von Solaranlagen und Energiespeichern zeitlich mit dem Ausbau des Stromnetzes zu koordinieren.

Parallel dazu soll das Stromnetz digitalisiert und flexibler gesteuert werden. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören ein modernes Netzmanagement, die Bündelung von Dachanlagen durch Integratoren sowie ein flexibles Einspeisemanagement. Mit wachsendem Anteil dezentraler Erzeugung steigt zudem der Bedarf an Software zur Netzsteuerung und zur Integration virtueller Kraftwerke.

Um den Anschluss von Speichern und Photovoltaikanlagen zu beschleunigen, soll die Israel Electric Corporation (IEC) Netzanschlussarbeiten teilweise an private Dienstleister auslagern. Voraussetzung ist eine ausdrückliche Zulassung und Beauftragung durch die IEC.

Mehrere israelische Dienstleister verfügen bereits über die erforderlichen Kompetenzen. Mit der Vergabe entsprechender Aufträge entstehen für deutsche Zulieferer zusätzliche Absatzmöglichkeiten. Ein Vorteil aus Anbietersicht: Die Beschaffung durch private Auftragnehmer dürfte vielfach schneller erfolgen als das ausschreibungsgebundene Verfahren der IEC.

Ansprechpartner und weitere Informationen

Weitere Beratung und Unterstützung bei der Geschäftsanbahnung und beim Markteinstieg erhalten Sie durch die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer.

Wichtige Organisationen und Verbände für den Photovoltaikmarkt sind die Green Energy Association of Israel (GEA-IL) und die Israel Smart Energy Association.

Brancheninformationen erhalten Sie darüber hinaus beim Israel PV Committee der Internationalen Energieagentur.

05.02.2026 Wirtschaftsumfeld | Israel | Öffentliche Vergaben
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