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Persönliche Importe bis zu 130 US-Dollar in Israel abgabenfrei
Nach politischem Tauziehen dürfen Israelis ab Ende Februar Waren für bis zu 130 US-Dollar (US$) ohne Mehrwertsteuer und Zölle importieren.
17.03.2026
Von Wladimir Struminski | Israel
Ende Februar 2026 trat in Israel eine Verordnung des Finanzministers für Warenimporte privater Verbraucher in Kraft. Durch die Regelung wurde die Obergrenze der sogenannten persönlichen Importe, die ohne Mehrwertsteuer und gegebenenfalls anfallende Zölle getätigt werden können, auf 130 US$ festgesetzt. Bis Ende 2025 lag dieses Limit bei 75 US$.
Politische Streitigkeiten um die Freistellungsgrenze
Der Festsetzung der Obergrenze von 130 US$ gingen Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungskoalition voraus. Ursprünglich hatte Finanzminister Bezalel Smotrich Ende Dezember 2025 die Freistellungsgrenze per Erlass auf 150 US$ angehoben.
Allerdings fürchtete der Handel einen höheren Preisdruck auf inländischer Anbieter durch die Anhebung des Freibetrags. Demgegenüber begründete Smotrich die Maßnahme mit dem Wunsch, die Lebenshaltungskosten in Israel zu senken und verwies auf die zum Teil hohen Preisunterschiede zwischen Israel und anderen Ländern.
Letztendlich stellte sich das Parlament Ende Februar 2026 gegen die Erhöhung der Freigrenze. Der Minister legte jedoch per Verordnung einen neuen Freibetrag von 130 US$ fest.
Direktbezug aus dem Ausland dürfte Schub erhalten
Die neue Obergrenze dürfte unter anderem die direkte Bestellung von Elektronikprodukten, Haushalts- und Bürogeräten, medizintechnischen Geräten für den Haushaltsgebrauch, Sport- und Freizeitartikeln sowie höherwertigen Kleidungsprodukten und Schuhen aus dem Ausland begünstigen. Auch eine Erweiterung der Produktpalette ist zu erwarten.
Der Mehrwertsteuersatz auf in Israel gekaufte Produkte – ob importiert oder aus der einheimischen Produktion – beträgt 18 Prozent. Daher bedeutet der höhere Freistellungsbetrag einen deutlichen Wettbewerbsvorteil für die preisgünstigeren Importprodukte. Bei Importen, die nicht von Freihandelsabkommen erfasst sind, kommt die Freistellung von einem gegebenenfalls geltenden Zollsatz hinzu. Das gilt hauptsächlich für China, wobei nicht alle Produkte zollpflichtig sind.
Mit der Neuregelung dürfte ein ohnehin bestehender Aufwärtstrend der persönlichen Direktimporte weiter zunehmen. Nach Angaben der Vereinigung der israelischen Handelskammern (Federation of Israeli Chambers of Commerce) wurden 2024 insgesamt 52,8 Millionen Pakete mit Onlinebestellungen aus dem Ausland ins Land gebracht. Hiervon hätten 88 Prozent nur abgabenfreie Waren im Wert von weniger als 75 US$ enthalten. Der Gesamtwert der Online-Importe lag 2024 bei 1,1 Milliarden US$, das entspricht rund 4,4 Prozent der gesamten israelischen Konsumgütereinfuhr.
Damit stieg die Zahl der Pakete 2024 gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent, während der Importwert um 22 Prozent zulegte. Im Vergleich zu 2020 hat sich die Zahl der Pakete, so die Angaben der Handelskammervereinigung, mehr als verdreifacht und der Importwert nahezu vervierfacht.
Keine Änderung für Auslandsreisende
Die Obergrenze für abgabenfreie Direkteinfuhren aus dem Ausland ist von der Regelung für Auslandsreisende zu unterscheiden. Für Letztere gilt, dass sie bei der Rückkehr Waren im Wert von bis zu 200 US$ ohne Steuern und Abgaben zollfrei ins Land bringen können. Israelische Duty-free-Läden am internationalen Ben-Gurion-Flughafen dürfen sogar zoll- und steuerfreie Waren an Kunden vor dem Abflug verkaufen und sie bis zu ihrer Rückkehr aufbewahren. Diese 200-US$-Bestimmung ist von der neuen Verordnung nicht betroffen.