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Japan will mehr Elektroschrott recyceln

Japan ist ein großer Recycler von Elektroschrott. Die Regierung wünscht sich hier noch mehr Kapazitäten. Ein Zukunftsfeld ist das Recycling von Solaranlagen.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Japan ist beim Recycling von Elektroschrott gut aufgestellt: So ist das Land einer der größten Importeure von Elektroschrott weltweit. Im Jahr 2024 führte Japan laut UN Comtrade Elektroschrott im Wert von 976 Millionen US-Dollar (US$) ein. Das war Rang 1 weltweit und entsprach rund 27 Prozent des Weltimports. Die Importmenge betrug nach Schätzungen von UN Comtrade rund 190.000 Tonnen. Der eingeführten Menge nach lagen Südkorea und Indien noch vor Japan. Japans wichtigste Lieferländer waren 2024 den Mengen nach die EU (43,6 Prozent), die USA (14,4 Prozent), Taiwan (10,6 Prozent), das Vereinte Königreich (5,8 Prozent) und die ASEAN-Staaten (5,0 Prozent).

Verarbeitete Mengen steigen

Insgesamt führte Japan nach Angaben des japanischen Umweltministeriums 2020 (letzte Angaben) rund 340.000 Tonnen Elektroschrott dem Recycling zu. Davon stammten 192.000 Tonnen aus dem Inland und 148.000 Tonnen wurden importiert. Doch dem nicht genug: Nach Plänen von Ende 2024 will Japan seine Verarbeitungskapazitäten von Elektroschrott bis 2030 auf circa 500.000 Tonnen pro Jahr erhöhen. Das wäre ein Zuwachs von etwa 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Dafür förderte das japanische Umweltministerium beispielsweise im Fiskaljahr 2024 (April bis März) Machbarkeitsstudien für Elektroschrott-Hubs und Studien zur entsprechenden Logistik in den Häfen. 

Im August 2023 riefen Japan und die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN eine Partnerschaft für den Ressourcenkreislauf von Elektroschrott und den internationalen Metallkreislauf ins Leben. Die Initiative könnte dazu führen, dass die japanischen Elektroschrottimporte aus den ASEAN-Ländern steigen.

Hohe Recyclingquoten bei Elektrohausgeräten

Die Recyclingquoten bei großen Elektrohaushaltsgeräten waren im Fiskaljahr 2024 laut der Association for Electric Home Appliances (AEHA) hoch. Sie lagen bei Klimaanlagen sowie bei Waschmaschinen und Trocknern bei 93 Prozent. Bei Flüssigkristall-, OLED- und Plasmabildschirmen waren es 85 Prozent, bei Kühlschränken 80 Prozent und bei Fernsehern mit Braunscher Röhre 72 Prozent.

Das Recycling kleiner elektrischer und elektronischer Geräte wird durch den Act on Promotion of Recycling of Small Waste Electrical and Electronic Equipment gefördert. Das Recycling kleiner Akkus koordiniert dabei das Japan Portable Rechargeable Battery Recycling Center (JBRC). Die Recyclingraten betragen laut dem JBRC 77 Prozent bei Nickel-Metallhydrid-Akkus, 76 Prozent bei Nickel-Cadmium-Akkus und 53 Prozent bei Lithium-Ionen-Akkus. 

Japanische Recycler von Elektroschrott expandieren ins Ausland

Mitsubishi Materials vereinbarte im Dezember 2025 den Erwerb von 19 Prozent der stimmberechtigten Anteile am US-amerikanischen Elektroschrottrecycler Elemental USA E-Waste & ITAD. Darüber hinaus hat Mitsubishi Materials die Option, nicht stimmberechtigte Anteile in stimmberechtigte umzuwandeln und damit seinen Anteil an den stimmberechtigten Anteilen auf bis zu 49 Prozent zu erhöhen.

Der japanische Metallspezialist JX Nippon Mining & Metals (heute JX Advanced Metals) erwarb im Jahr 2022 eCycle Solutions, Kanadas größten Recycler für Elektronikschrott. Im Jahr 2023 verkaufte es einen Firmenanteil von 34 Prozent an das japanische Handelshaus Sojitz. Davor hatte JX Nippon Mining & Metals im Jahr 2021 seine Recyclingkapazitäten in Taiwan erweitert.

Auch beim Recycling von kritischen Mineralien aus Halbleitern könnte es in den kommenden Jahren Investitionen geben. In der Halbleiter- und Digitalstrategie von 2023 benennt das Wirtschaftsministerium (METI) auch das Recycling, die Stärkung der Inlandsproduktion, die Bevorratung und die Stärkung des Transportsystems von Halbleiterchemikalien wie gelber Phosphor, Edelgase und Fluorit als Ziel. Dafür will es entsprechende Anlageninvestitionen fördern.

Firmen investieren in Metallrecycling

Auch das Recycling von Metall ist ein Thema. So verwertet der Betreiber des Schnellzugs Shinkansen, JR Central, Aluminium von alten Zügen. Der Aluminium-Spezialist Nippon Light Material erwarb im Mai 2025 einen 20-prozentigen Anteil am indischen Aluminiumschrottverarbeiter CMR Eco Aluminium (heute CMR NLM Eco). Von diesem will es recyceltes Aluminium nach Japan importieren.

Das Handelshaus Mitsubishi vereinbarte im Juni 2025 eine Investition in und eine Kooperation mit dem britischen Start-up DEScycle. Mit dessen Technologie soll eine Rückgewinnung von Metallen bei Raumtemperatur und normalem Druck möglich sein. Im Jahr 2028 soll eine Anlage mit einer Kapazität von 5.000 Tonnen pro Jahr in Betrieb gehen. Danach sollen weitere Anlagen etwa in Nordamerika und in Japan entstehen. Anfang 2026 gab DEScycle eine Finanzierung durch die deutsche Bundesagentur für Sprunginnovationen bekannt.

Im Juli 2025 schloss Toyota Tsusho die Übernahme von Radius Recycling ab, einem größeren Metallrecycler in den USA.

Bisher nur teilweise Pflicht zum Recycling von Solaranlagen 

Eine Pflicht für das Recycling alter Solaranlagen wurde nicht, wie ursprünglich für 2025 geplant, vom Parlament beschlossen. Stein des Anstoßes war die vorgesehene Regelung, dass die Hersteller (und nicht wie bei anderen Elektrogeräten die Besitzer) die Kosten für das Recycling übernehmen sollen. Daher bleibt es in diesem Bereich für private Anlagen zunächst bei Freiwilligkeit. Für größere kommerzielle Anlagen ab 10 Kilowatt, die in den Genuss einer Förderung durch Einspeisetarife kommen, gelten allerdings seit Juli 2022 Regeln. Sie laufen praktisch auf eine Pflicht zum Recycling hinaus.

Japan denkt auch an das Recycling von Permanentmagneten

Langfristig denkt die Japan Automobile Manufacturers Association (JAMA) auch an das Recycling von Permanentmagneten. Zu dem Thema gibt es einen JAMA-Ausschuss, der einmal im Jahr tagt. Mitglieder sind vor allem Motorenhersteller und Recycler. Ziel ist es, in dem Bereich frühestens ab den 2030er Jahren ein international wettbewerbsfähiges Recyclingsystem zu etablieren.

Geschäftsanbahnungsreise

Vom 8. bis zum 12. Juni 2026 findet eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Abfallwirtschaft und Recycling in Japan statt. Diese ist Teil des Markterschließungsprogramms für KMU des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Anmeldeschluss ist am 27. Februar 2026. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des durchführenden Dienstleisters Energiewächter.

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