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Exportboom befeuert Kambodschas Logistiksektor

Die Diversifizierung der Exportindustrie erfordert mehr Transportlogistik. Die Hafenstadt Sihanoukville plant ein Großprojekt. Ausländische Logistiker haben Chancen am Markt.

Von Frank Malerius | Bangkok

Kambodschas Logistiksektor brummt, denn die Im- und Exporte des Landes haben sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Immer mehr Waren werden aus den zahlreichen Sonderwirtschaftszonen zum einzigen Tiefseehafen des Königreichs in Sihanoukville transportiert. Oder die Güter werden mangels einer eigenen logistischen Infrastruktur nach Vietnam und Thailand geliefert, die sie dann in den Weltmarkt verschiffen. 

Um die Transportkosten zu verringern und unabhängiger von den Logistikhubs der Nachbarländer zu werden, muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Zu den größten Logistikprojekten gehört der sogenannte Sihanoukville Logistics Complex (SHL-LC), der zwischen 80 und 100 Millionen US-Dollar (US$) kosten wird. Er soll 25 Kilometer östlich des Tiefseehafens entstehen und ein Dock für beladene Container (Full Container Load), eine Containerabfertigung (Container Freight Station), eine Lagerhaltung (Warehousing) sowie ein Depot für leere Container enthalten.

Die International Finance Corporation (IFC) der Weltbank koordiniert das Public-private-Partnership-Projekt und veranstaltete im März 2026 Investorenkonferenzen in Sihanoukville und Singapur. Eine IFC-Vertreterin berichtete auf GTAI-Anfrage von einer regen Teilnahme an beiden Events. Der Zeitplan mit der Aufforderung zur Präqualifikation zwischen Juni und September 2026 und der Projektvergabe im Januar 2027 solle eingehalten werden.

Deutsche Logistiker vor Ort aktiv

Auch jenseits des Flagship-Projekts SHL-LC braucht der Logistiksektor dringend Investitionen. Er ist der Flaschenhals für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Ziele werden im "Comprehensive Master Plan on Cambodia Intermodal Transport and Logistics System 2023-2033" aufgelistet und zeigen Vorhaben zum Ausbau der Transportwege im Wert von 36,7 Milliarden US$ auf. Davon entfällt 1 Milliarde US$ auf 15 Logistikprojekte. Viele davon dürften im vorgesehenen Zeitraum nicht umgesetzt werden, denn das Land mit seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 50 Milliarden US$ kann nur einen geringen Anteil der Investitionen selbst beisteuern.

Im kambodschanischen Logistikmarkt sind deutsche Anbieter bereits aktiv und in der deutschen Sektion der Europäischen Handelskammer organisiert. Inzwischen hat sich die kambodschanische Exportwirtschaft diversifiziert. Sie stellt nicht nur Schuhe und Bekleidung her, sondern produziert auch Elektronikgüter, Kfz-Elektronik oder Autoreifen in großem Stil und bietet damit wachsende Geschäftschancen für Logistiker. Zudem müssen Investitionsgüter und Vorprodukte oft eingeführt werden, überwiegend aus China. 

Der Marktzugang ist vergleichsweise leicht

Kambodscha gilt in der Logistik als offener Markt, insbesondere im Vergleich mit anderen Ländern der Region. Ausländische Unternehmen dürfen eine Gesellschaft gründen und entsprechende Dienstleistungen erbringen.

Es bestehen keine sektoralen Beschränkungen, die ausländische Investoren von der Gründung oder dem Betrieb eines Logistikunternehmens ausschließen. Daher ist eine 100-prozentige Auslandsbeteiligung erlaubt, anders als etwa in Indonesien, Malaysia, Thailand oder Vietnam. Dies umfasst insbesondere Transport, Lagerhaltung, Spedition, Supply-Chain-Management und E-Commerce-Logistik.

Markus Schlüter Leiter ASEAN-Desk in Deutschland, Rödl

Die Logistik ist zudem ein prioritärer Sektor, daher ist sogar Investitionsförderung möglich. "Kambodscha verfolgt hier eine offene Investitionspolitik, um durch effiziente ausländische Unternehmen eine bessere Integration in globale Lieferketten zu erreichen und die Infrastruktur zu verbessern", sagt Schlüter. "Im Gegensatz zu anderen ASEAN-Ländern verfügt Kambodscha kaum über starke lokale Anbieter, hat geringere Gewerkschafts- und Lobbystrukturen und eine Wirtschaftspolitik, die ausländische Direktinvestitionen als zentralen Wachstumsmotor sieht." Deshalb sind im Markt bereits globale Logistikunternehmen aus Singapur, Thailand, Vietnam, China, Japan und auch aus der EU aktiv.