Eine alternde Bevölkerung und chronische Erkrankungen treiben Kanadas Pharmamarkt. Investitionen und neue Verfahren fördern zudem das Wachstum von Generika und Biopharmaka an.
Kanadas Pharmamarkt wächst dynamisch. Demografie und chronische Erkrankungen treiben die Nachfrage nach innovativen Arzneimitteln. Die jährliche Wachstumsrate bewegt sich in einem breiten, aber kontinuierlich positiven Band zwischen 4 und 7 Prozent, prognostiziert bis 2030.
Kanada hält einen Anteil von etwa 2 Prozent am globalen Pharmamarkt und rangiert – je nach Quelle – als neunt- oder zehntgrößter Markt weltweit.
Um 6 bis 8
Prozent
wird Kanadas Generikamarkt bis 2032 jährlich im Schnitt zulegen.
Zentrale Wachstumstreiber sind die alternde Bevölkerung (2024: 7,9 Millionen Menschen ab 65 Jahren, Prognose 2044: 11,5 Millionen) sowie die steigende Prävalenz chronischer Erkrankungen wie Krebs, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Diabetes. Krebserkrankungen gehören zu den wichtigsten Indikationen; Onkologika machen knapp ein Fünftel des Gesamtmarkts aus.
Auch Impfstoffe und Diabetesmedikamente wachsen dynamisch. Der Impfstoffmarkt lag 2024 bei rund 2,3 Milliarden US-Dollar (US$) und soll bis 2033 jährlich um 6 bis 7 Prozent zulegen. Der Umsatz mit Diabetesmedikamenten belief sich 2023 auf etwa 2,7 Milliarden US$. Zählt man Geräte wie Insulinpumpen und Blutzuckermesssysteme hinzu, wird der gesamte Diabetesmarkt für 2025 auf fast 7 Milliarden US$ geschätzt.
Generika wachsen deutlich stärker als patentgeschützte Arzneimittel
Zwar machten Nachahmerpräparate im Jahr 2024 nur rund 23 Prozent der Gesamtausgaben für verschreibungspflichtige Arzneimittel aus. Doch wurden bereits fast 78 Prozent der eingelösten Rezepte für sie ausgestellt. Laut Prognosen wird der kanadische Generikamarkt bis 2032 jährlich um 6 bis 8 Prozent wachsen – und damit weiterhin etwas dynamischer als der Gesamtmarkt.
Das starke Wachstum wird vor allem durch den anhaltenden Kostendruck im Gesundheitswesen und die alternde Bevölkerung getrieben. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Patienten greifen zunehmend auf preisgünstige Alternativen zu Markenpräparaten zurück. Besonders stark nachgefragt werden Generika zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Arthritis. Impfstoffe und Immuntherapien gewinnen ebenfalls zunehmend an Bedeutung.
Innovative Therapien als Wachstumstreiber
Auch Biopharmazeutika und Biosimilars profitieren in Kanada von einer wachsenden Nachfrage nach innovativen Arzneimitteln. So genehmigte Health Canada Anfang 2025 ein Biosimilar von Formycon/Fresenius Kabi zur Behandlung rheumatischer und entzündlicher Erkrankungen. Die Zulassungsdynamik und gezielte Förderprogramme der kanadischen Regierung stärken die Marktposition von Biosimilars weiter.
Parallel dazu investiert der Staat massiv in die Infrastruktur der biopharmazeutischen Herstellung, um die lokale Produktion moderner Therapien auszubauen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Ein Beispiel ist die im Oktober 2024 eröffnete Anlage von OmniaBio in Hamilton, Ontario, die als größte kanadische Produktionsstätte für Zell- und Gentherapien gilt. Hier kommen hochmoderne Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, um komplexe Herstellungsprozesse effizient und skalierbar zu gestalten.
Auch internationale Unternehmen wie AstraZeneca setzen auf den Standort Kanada und erweitern ihre Forschungs- und Entwicklungs (FuE)-Zentren, um innovative Medikamente für komplexe Krankheiten zu entwickeln. Die jüngsten Investitionen in FuE, biopharmazeutische Produktion und Digitalisierung unterstreichen Kanadas Rolle als attraktiven Innovationsstandort für die nächste Generation biopharmazeutischer Therapien.
Förderung von Forschung und Entwicklung auf Bundes- und Provinzebene
Die Arzneimittelforschung in Kanada wird weiterhin durch gezielte Förderprogramme auf Bundes- und Provinzebene unterstützt. Die Bundesregierung hat mit dem Biosciences Research Infrastructure Fund (BRIF) und dem Canada Biomedical Research Fund (CBRF) insgesamt rund 543 Millionen US$ für die Stärkung der biomedizinischen Forschung bereitgestellt.
Um Innovationen zu erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken, modernisiert Kanada laufend die regulatorischen Rahmenbedingungen. So hat Health Canada 2025 das "Agile Licensing"-Verfahren eingeführt. Dieses neue Zulassungsverfahren für Biologika soll die Entwicklung und Markteinführung innovativer Arzneimittel beschleunigen, indem es flexiblere und risikobasierte Prüfprozesse ermöglicht. Auch für Biosimilars prüft die Behörde derzeit, ob klinische Vergleichsstudien künftig in vielen Fällen entfallen können – ein Schritt, der die Zulassung neuer Therapien weiter vereinfachen und beschleunigen würde.
Forschungsnetzwerke beschleunigen die Medikamentenentwicklung
Die Zusammenarbeit zwischen Pharmaunternehmen, Auftragsforschungsinstituten (Contract Research Organisation; CROs), Hochschulen und spezialisierten mittelständischen Unternehmen bildet einen wesentlichen Pfeiler der Branche und nimmt in Kanada weiter zu. Roche investiert rund 93 Millionen US$ in den Ausbau seines Global Informatics Hub in Mississauga, Ontario, um dort unter anderem KI-gestützte Datenanalysen und Bioinformatik voranzutreiben. In Alberta fördert die Regierung mit der Canadian Critical Drug Initiative (CCDI) den Aufbau eines integrierten Forschungs- und Produktionsclusters für Arzneimittel, das mit etwa 150 Millionen US$ ausgestattet ist und die Versorgung mit essenziellen Medikamenten sichern soll.
Erfolgreiche Kooperationen wie das Neomed Institute in Québec und das Centre for Drug Research and Development in Vancouver zeigen, wie eng Industrie, Wissenschaft und spezialisierte Dienstleister inzwischen zusammenarbeiten. Besonders gefragt sind dabei spezialisierte Unternehmen, die im Auftrag anderer Firmen die Entwicklung und Herstellung neuer Medikamente übernehmen. Auftragsforschungs- und Auftragsherstellungsdienstleister (CROs und Contract Manufacturing Organizations; CMOs) unterstützen Pharmaunternehmen dabei, innovative Therapien schneller und effizienter auf den Markt zu bringen.
Mit der Verabschiedung des Pharmacare Act im Oktober 2024 und neuen Förder- und Erstattungsmodellen für innovative Therapien setzt Kanada zusätzliche Impulse für die Arzneimittelforschung und verbessert den Zugang zu modernen Therapien.
Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in Kanada Investitionssumme in Millionen US-Dollar| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| AstraZeneca | 586 | im Januar 2025 angekündigt | Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsanlagen in Mississauga und und Verlagerung des kanadischen Hauptsitzes in ein größeres, hochmodernes Bürogebäude |
| Sanofi | 571 | Inbetriebnahme für 2027 geplant | Aufbau einer neuen Produktionslinie für den Hochdosis‑Influenzaimpfstoff Fluzone High‑Dose |
| AbCellera | 500 | Projekt kurz vor Abschluss | neuer Biotech-Campus mit FuE-Labors und pharmazeutischen Produktionsanlagen |
| Aspect Biosystems | 143 | Projekt angekündigt, in Planung | Ausbau der biopharmazeutischen Produktion und therapeutischen Pipeline |
| Entos Pharmaceuticals | 141 | Projekt in Planung, Umsetzung ab 2026 vorgesehen | Aufbau einer Anlage in Edmonton für genetische Arzneimittel (Therapeutika und Impfstoffe) |
| AtomVie Global Radiopharma | 99 | im Dezember 2025 angekündigt | Ausbau der inländischen Produktionskapazitäten |
| Pharmascience | 86 | im Bau, Fertigstellung für 2026 geplant | Erweiterung der Produktionsstätte für Injektionsmittel |
| Eurofins CDMO Alphora Inc. | 46 | in Planung, Fertigstellung für April 2026 geplant | Neue Produktionsanlage für Biologika zur Herstellung von monoklonalen Antikörpern und Proteintherapien für klinische und kommerzielle Anwendungen |
| Northern RNA | 36 | im Bau | Ausbau der Bioproduktionskapazitäten, Errichtung einer Anlage zur Herstellung von Lipiden |
Wechselkurs Jahresdurchschnitt 2025: 1 US$ = 1,40 Kanadische Dollar (can$)Quelle: GTAI-Recherchen
Von Heiko Steinacher
|
Toronto