Branchenbericht Kongo, Demokratische Republik Bergbau und Rohstoffe

Lobito-Korridor gewinnt mit weiterer Bahnkonzession an Dynamik

Mit der Vergabe der Konzession für die Bahnstrecke Dilolo-Sakania konkretisiert sich der Ausbau des Lobito-Korridors in der Demokratische Republik Kongo.

Fausi Najjar

Von Fausi Najjar | Berlin

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und der portugiesische Baukonzern Mota-Engil unterzeichneten am 26. August 2026 eine Konzession über 30 Jahre für die Bahnstrecke zwischen Dilolo an der Grenze zu Angola und Sakania an der Grenze zu Sambia. Die rund 1.000 Kilometer lange Strecke führt über die Städte Kolwezi, Tenke, Likasi und Lubumbashi durch die Provinzen Lualaba und Haut-Katanga. Hier liegen die wichtigsten Bergbau- und Industriegebiete des Landes.

Die Konzession umfasst die Finanzierung, Sanierung, Modernisierung, den Betrieb und die Instandhaltung der in weiten Teilen maroden Strecke. Die kongolesische Regierung beziffert den Investitionsbedarf zunächst auf 1,26 Milliarden US-Dollar (US$). Mota-Engil rechnet über die gesamte 30-jährige Konzessionslaufzeit mit Investitionen von rund 1,8 Milliarden US$. Die DR Kongo soll mindestens 10 Prozent an der Projektgesellschaft halten und 7,5 Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen erhalten. Staatsgarantien oder garantierte Mindesteinnahmen sind nicht vorgesehen.

Der Lobito-Korridor gilt als eines der wichtigsten Projekte im Rahmen des EU-Programms Global Gateway zur Diversifizierung von Rohstoff- und Lieferketten. Nach eigenen Angaben mobilisiert die EU hierfür entlang des Korridors mehr als 2 Milliarden Euro.

Exportachse für Kupfer und Kobalt

Die Transportkapazität soll langfristig auf bis zu 13,7 Millionen Tonnen jährlich gesteigert werden und den Bergbauunternehmen eine zusätzliche Exportoption neben den bestehenden Routen über Durban, Daressalam, Beira oder Walvis Bay bieten. Die Modernisierung der Strecke gilt als wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Korridors.

Auf angolanischer Seite verbindet die Benguela-Bahn seit 1929 die kongolesische Grenze mit dem Hafen Lobito. Während des Bürgerkriegs in Angola zwischen 1975 und 2002 wurde sie stark beschädigt. Nach Reparaturen durch die China Railway Construction Corporation konnte sie 2015 wieder befahren werden. Für die weitere Sanierung stellen die DFC und die Development Bank of Southern Africa (DBSA) zusammen 753 Millionen US$ bereit. Die Transportkapazität soll dadurch deutlich steigen. 

Der Betrieb des angolanischen Abschnitts des Lobito-Korridors liegt seit 2024 bei der Lobito Atlantic Railway (LAR), einem Konsortium aus Mota-Engil, dem schweizerischen Rohstoffhändler Trafigura und dem belgischen Bahnbetreiber Vecturis. Mota-Engil übernimmt dabei vor allem die Infrastrukturentwicklung und hält nach Unternehmensangaben 50 Prozent der Konzession.

Finanzierung noch nicht gesichert

Die Unterzeichnung der Konzession bedeutet nicht, dass die Finanzierung bereits gesichert ist. Eine wichtige Grundlage könnte die U.S. International Development Finance Corporation (DFC) schaffen. Die US-Finanzierungsagentur stellte Ende 2025 Mota-Engil eine grundsätzliche Finanzierung von bis zu 1 Milliarde US$ in Aussicht. Die Finanzierung steht jedoch noch unter dem Vorbehalt einer vollständigen Projektprüfung. Weitere Finanzierungsvereinbarungen, technische Detailstudien und ein verbindlicher Bau- und Investitionsplan bleiben erforderlich. 

Bislang hatten offene Fragen zum Status der staatlichen Eisenbahngesellschaft der DR Kongo SNCC als Betreiber der Eisenbahninfrastruktur die Verhandlungen verzögert. Mit der Konzession geht jedoch keine vollständige Verdrängung der SNCC einher. Nach Angaben der kongolesischen Regierung behält sie das ausschließliche Recht auf den Personenverkehr und kann weiterhin Gütertransporte anbieten. Die Infrastruktur soll zudem weiteren qualifizierten Betreibern zu transparenten und diskriminierungsfreien Bedingungen offenstehen.

Korridor soll nicht nur Rohstoffe transportieren

Die DR Kongo gehört zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Kupfer und Kobalt. Dennoch erfolgen die Raffination und die Herstellung vieler Batterievorprodukte weiterhin überwiegend außerhalb Afrikas. Der Lobito-Korridor wird zunehmend als Entwicklungskorridor betrachtet. Ziel ist nicht allein der Transport von Rohstoffen, sondern auch die Förderung zusätzlicher Wertschöpfung in der Region.

Bergbauprojekte DR Kongo (Auswahl)
Projekt / MineStand Betreiber / EntwicklerBeschreibung
Kamoa-KakulaProduktion; weiterer HochlaufIvanhoe Mines, Zijin Mining, Crystal River Global sowie kongolesischer StaatIm Februar 2026 begann Kamoa Copper mit dem Export von Kupferanoden aus dem neuen Schmelzer von Kamoa-Kakula über die Lobito Atlantic Railway. Die erste Lieferung war für die Weiterverarbeitung durch Aurubis in Europa bestimmt.
Tenke Fungurume, TFMProduktion; Erweiterung umgesetztCMOC, GécaminesEiner der weltweit größten Kupfer-Kobalt-Produktionskomplexe
Kisanfu, KFMPhase 1 in Betrieb; Phase 2 in EntwicklungCMOC und strategische PartnerKupfer-Kobalt-Projekt mit laufender Erweiterung
Mutanda MiningProduktion; OptimierungGlencoreEine der weltweit größten Kobaltminen. Möglicher Minderheitseinstieg eines vom Orion Critical Mineral Consortium geführten Konsortiums in Prüfung
Kamoto Copper Company, KCCProduktionGlencore, GécaminesEiner der größten integrierten Bergbau- und Verarbeitungskomplexe des Landes
SicominesProduktion; ErweiterungChinesisches Konsortium, GécaminesGroßmine und finanzielle Grundlage des chinesisch-kongolesischen „Rohstoffe gegen Infrastruktur“-Abkommens
Manono NortheastPhase 1 in Betrieb; Phase 2 im BauZijin Mining, Cominière, kongolesischer StaatErstes großes industrielles Lithiumprojekt des Landes 
KipushiProduktion; HochlaufIvanhoe Mines, GécaminesHochgradige Zinkmine; das Erz enthält unter anderem Kupfer, Blei und Germanium.
MutoshiProduktion; HochlaufChemaf / Virtus MineralsFortgeschrittenes Projekt für jährlich rund 50.000 Tonnen Kupfer und 16.000 Tonnen Kobalt. 
Quelle: GTAI-Recherche 2026

Der Ausbau der mineralischen Weiterverarbeitung stößt jedoch weiterhin auf erhebliche Hindernisse. Die Herstellung von Kobaltsulfat, Kathodenvorprodukten und anderen Batteriematerialien erfordert hochreine Chemikalien, spezialisierte Anlagen, qualifiziertes Personal und eine zuverlässige Stromversorgung. Gerade bei der Stromversorgung bestehen erhebliche Defizite. Nach einer Unternehmensbefragung der Weltbank berichteten 77 Prozent der Unternehmen in der DR Kongo von Stromausfällen. Für energieintensive Schmelz- und Raffinerieprozesse stellt dies ein wesentliches Investitionsrisiko dar. 

Gute Voraussetzungen für eine regionale Arbeitsteilung 

Eine regionale Arbeitsteilung zwischen der DR Kongo und Sambia könnte beim Aufbau einer eigenen Verarbeitungsindustrie an Bedeutung gewinnen. Die DR Kongo verfügt über große Rohstoffvorkommen und könnte ihre minennahe Verarbeitung ausbauen. Sambia bietet mit bestehenden Schmelzen, metallurgischem Know-how und Industriegebieten günstige Voraussetzungen für weitere Verarbeitungsstufen. Nach Einschätzung des britischen Growth-Gateway-Programms beläuft sich das Investitionspotenzial der sambischen Kupfer- und Kobaltverarbeitung auf umgerechnet 5,5 bis 7,6 Milliarden Euro.

Geschäftschancen für deutsche Unternehmen

Für die deutsche Wirtschaft ist die Entwicklung sowohl mit Blick auf die Versorgung mit kritischen Rohstoffen als auch auf mögliche Nachfrage nach Industrie-, Energie- und Umwelttechnik relevant. Geschäftsmöglichkeiten können insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Netztechnik, Automatisierung, Wasseraufbereitung sowie bei Technologien für Schmelzen und Raffinerien entstehen. Ob der Lobito-Korridor jedoch über eine Exportfunktion hinaus zusätzliche industrielle Wertschöpfung anzieht, dürfte wesentlich von Finanzierung, Energieversorgung und regionaler Zusammenarbeit abhängen.