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Deutsche Rohstoffsicherung: Australiens Potenziale und Grenzen
Australien positioniert sich als wichtiger Akteur auf dem Weltmarkt für kritische Mineralien. Für die deutsche Rohstoffsicherung ist das Land ein enger Partner.
06.03.2026
Von Daniel Lenkeit | Sydney
Australien zählt zu den führenden Rohstoffproduzenten und ‑exporteuren weltweit. Das Land ist vor allem für Steinkohleexporte, Eisen‑ und Bauxitförderung sowie große Uran‑ und Erdgasreserven bekannt. Australien ist zudem der weltweit größte Lithiumförderer und erschließt zunehmend Vorkommen seltener Erden. Der Bergbau trägt mit rund 10 Prozent wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Ausländische Technologien gefragt zum Ausbau lokaler Wertschöpfung
Die im Mai 2024 unterzeichnete Vereinbarung zwischen der Europäischen Union und Australien zu kritischen und strategischen Mineralien gilt als wichtiger Schritt. Sie soll Australien als Beschaffungsmarkt für deutsche Industrie‑ und Technologieunternehmen etablieren. Im Rahmen des EU Critical Raw Materials Act (CRMA) hat die EU‑Kommission zwar im Juni 2025 strategische Projekte außerhalb der EU aufgenommen, bislang jedoch keine in Australien.
Die europäisch-australische Partnerschaft umfasst die gesamte Wertschöpfungskette kritischer und strategischer Rohstoffe. Angeregt durch Interessensbekundungen aus Partnerländern will Australien seinen lokalen Rohstoffsektor weiterentwickeln.
Der Ausbau des Bergbausektors und der Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten erfordern in den kommenden Jahren hohe Investitionen. Dadurch dürfte der Bedarf an Technologien und Zulieferprodukten steigen. Deutsche Unternehmen mit Expertise in nachhaltigen, energieeffizienten Bergbautechnologien oder umweltschonenden Verarbeitungstechnologien sollten den australischen Markt im Blick behalten.
Vorkommen: Australien ist reich an Rohstoffen
Kritische Rohstoffe sind über den australischen Kontinent verteilt. In Westaustralien finden sich beispielsweise Lithium, Tantal, Kobalt, seltene Erden und Vanadium. Darüber hinaus ist der Bundesstaat vor allem für die Eisenerzförderung in der nördlich gelegenen Pilbara Region bekannt. Zusätzlich werden neben etablierten Goldlagerstätten verstärkt Kupfervorkommen in Westaustralien erkundet und entwickelt. Die Kernregion für den Kupferbergbau ist jedoch Südaustralien.
Vorkommen von seltenen Erden sind in ganz Australien zu finden. Die Chancen neue Vorkommen zu entdecken sind groß. Denn in ihrer "Critical Minerals Strategy 2023-2030" gibt die Regierung an, dass 80 Prozent der Fläche des Kontinents unerforscht sind.
Zu den wichtigsten Lagerstätten gehören etwa Mount Weld in Western Australia und Nolans Bore Project im Northern Territory. Hier sind unter anderem die für kommerzielle NdFeB‑Magneten wichtigen leichten Erden Neodym und Praseodym vorhanden. Schwere seltene Erden sollen in wenigen Jahren unter anderem die Vorhaben Dubbo und Browns Range fördern.
Etwa 75 Prozent der in Australien geförderten seltenen Erden gehen nahezu unverarbeitet als Konzentrate in den Export nach China und Malaysia. Der Rest sind fast immer etwas höherwertige gemischte Karbonate (MREC), die überwiegend nach Malaysia exportiert werden.
Erst die nächste Verarbeitungsstufe, getrennte oder gemischte Seltenerdoxide, haben eine realistische Absatzchance in der EU. NdPr‑Oxide oder Dy- und Tb‑Oxide etwa sind definierte Chemikalien mit klarer Zusammensetzung und treffen in Europa auf eindeutige – wenn auch bisher geringe – Nachfrage für Metallisierung, Legierung oder Magnetfertigung. Seltenerdoxide, ob gemischt oder getrennt, werden bisher jedoch kaum in Australien produziert.
Australian Critical Minerals Prospectus
Die australische Regierung hat im Januar 2024 ein neues Verzeichnis mit 52 investitionsreifen Projekten zu kritischen Mineralien veröffentlicht. Diese Projekte umfassen Bergbau-, Verarbeitungs- und Wertschöpfungsmöglichkeiten entlang der Lieferkette für kritische Mineralien.
Erschließung: Bei elf mineralischen Rohstoffen Top 3 der globalen Produktion
In Australien sind viele ausländische Unternehmen im Bergbau aktiv, vor allem in der Exploration und Förderung. Eine investitionsfreundliche Politik ermöglicht es ausländischen Unternehmen, im Rohstoffsektor zu investieren und Abbaukonzessionen zu erhalten. Allerdings schaut die Regierung mittlerweile genauer auf ausländische Investitionen in strategisch wichtigen Bergbauprojekten. Direktinvestitionen seien weiterhin willkommen, "solange sie Australiens Interessen nicht entgegenstehen", sagte Finanzminister Jim Chalmers mit Blick auf China.
Bei der Förderung von Lithium, Bauxit, Titan, Mangan und seltenen Erden ist das Land bereits Weltspitze. Bei Tantal, Kupfer, Antimon, Kobalt und Platinmetallen gehört es zum erweiterten Kreis.
Der australische Nickel- und Lithiumbergbau geriet in den letzten Jahren jedoch ins Stocken, da der Weltmarkt vor allem mit großen Mengen an indonesischem Nickel und Lithium anderer Anbieter geflutet wird. Das führte zu deutlichen Preisrückgängen. Die Lithiumraffinade zu Lithiumhydroxid etwa wurde zuletzt aus Kostengründen wieder eingestellt. Ein Rückschritt, der die Risiken für Downstream-Rohstoffprojekte in Australien aufzeigt.
Rohstoffverarbeitung: Ambitionen versus Hürden
Australien hat lange wenig in die erforderliche Infrastruktur für die Mineralienverarbeitung investiert. Der Schwerpunkt lag auf Abbau und Export der Rohstoffe und weniger auf dem Bau von Raffinerien und Verarbeitungsanlagen. Dies soll sich aus Sicht Australiens und wichtiger Verbündeter ändern. Das Land ist bestrebt, seinen Platz in der globalen Lieferkette für kritische Mineralien zu veredeln. Raffinerien und eigene Produktionen von Batteriekomponenten nennt die Regierung als Ziel. Hier bleiben erhebliche Zweifel.
Engagements in Australien erfordern einen langen Atem, hohe Risikotragfähigkeit und realistische Annahmen zur Wirtschaftlichkeit – politische Zielsetzungen allein ersetzen keine belastbaren Marktbedingungen.
Downstream‑Investitionen in Australien haben nur dann strategischen Wert, wenn sie auf reale Nachfrage in Europa oder bei ausgewählten Partnern ausgerichtet sind. Ohne diese Marktbasis bleibt der Aufbau einer ex‑China‑Lieferkette ein theoretisches Konstrukt.
Zudem stößt Australiens De‑Risking-Strategie, sich als alternativer Lieferant kritischer Rohstoffe zu China zu positionieren, auch in der Umsetzung auf Grenzen. Der Aufbau neuer Förder‑, Verarbeitungs‑ und Wertschöpfungskapazitäten ist durch hohe Investitions‑ und Lohnkosten kapitalintensiv. Die bisherigen staatlichen Anreize gelten als erster Schritt, reichen aber nicht aus, um kurzfristig wettbewerbsfähige Alternativen zu etablieren.
Hinzu kommt, dass Australien seine Screening‑Mechanismen im Bergbausektor verschärft und insbesondere chinesische Investitionen in kritische Rohstoffprojekte zunehmend blockiert. Das erhöht aus politischer Sicht die Kontrolle über strategische Assets, verengt aber zugleich den Kreis potenzieller Kapitalgeber und kann Projekte verzögern oder verteuern.
ESG: Bei der Rohstoffförderung hat Nachhaltigkeit hohe Bedeutung
Mit ihrer "Critical Minerals Strategy" will die Regierung das Land als globalen Vorreiter nachhaltiger Rohstoffförderung etablieren. Zusammen mit Deutschland ist Australien Mitglied der "Sustainable Critical Minerals Alliance", in der alle beteiligten Staaten freiwillig an einer nachhaltigen und integrativen Bergbaupraxis arbeiten.
Die Expansion des Sektors erfordert daher strenge Umweltprüfungen und nachhaltige Praktiken. Gefragt sind Unternehmen mit Expertise in Umweltverträglichkeitsprüfungen, Nachhaltigkeitsberatung, Lieferketten‑Rückverfolgung, Sanierungsdiensten sowie Lösungen im Abfallmanagement. Deutsche Unternehmen können hierfür Technologien und Dienstleistungen zur Bewirtschaftung von Abfällen und Nebenprodukten aus Bergbau und Verarbeitung anbieten.
Von der Umsetzung der ESG‑Ziele hängt unter anderem die Akzeptanz des Bergbausektors in Australien ab. Ebenso wichtig ist der erwartete Vorteil, ESG‑sensiblen Kunden auf dem Weltmarkt nachhaltig produzierte Produkte zu höheren Preisen anbieten zu können.
| Stärken | Schwächen | |
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| Ökologie |
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| Soziales |
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| Governance |
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