Special | Brasilien | Rohstoffsicherung

Kritische Rohstoffe kommen zunehmend aus Brasilien

Brasilien ist der wichtigste Lieferant von Niob. Auch bei seltenen Erden, Grafit, Nickel und Lithium wird das Land zukünftig noch stärker zur Rohstoffsicherung beitragen.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Niob, Eisenerz, Bauxit – Brasilien zählt zu den wichtigsten Bergbauländern weltweit. Das größte strategische Potenzial des Landes liegt jedoch bei seltenen Erden sowie Grafit, Lithium und Nickel. Ob Brasilien zu einem Schlüsselpartner für internationale Lieferketten wird, hängt aber nicht nur vom Ausbau der Förderung ab. Entscheidend ist, ob es gelingt, auch die Weiterverarbeitung auszubauen und damit entlang der Wertschöpfungskette aufzusteigen.

Vorkommen: Einer der vielversprechendsten Standorte der Welt

Obwohl weite Teile des Landes geologisch noch nicht ausreichend erfasst sind, zählt Brasilien bereits heute zu den rohstoffreichsten Staaten der Welt. Mit dem PlanGeo 2026-2035 will der Geologische Dienst (Serviço Geológico do Brasil, SGB) die Kartierung vorantreiben. Derzeit sind lediglich 48 Prozent des Landes im Maßstab 1:250.000 und 27 Prozent im Maßstab 1:100.000 erfasst.

Hohes Potenzial bei seltenen ErdenRohstoffvorkommen in Brasilien (Stand 2022)
Rohstoff

Vorräte (in 1.000 t)

Weltanteil (in %)

Niob 

16.000

89,8

Graphit

74.000

22,9

Seltene Erden

21.000

16,7

Mangan

270.000

15,7

Nickel

16.000

15,7

Bauxit

2.700.000

8,6

Quelle: DERA Rohstoffinformationssystem 2025

Erschließung: Hohe Investitionen in neue Projekte

Die Investitionen in den Bergbau steigen, besonders in die Gewinnung seltener Erden sowie von Lithium, Gold, Kupfer, Grafit und Nickel. Brasilien positioniert sich als verlässlicher Partner der globalen Energiewende und möchte ausländische Investoren für Projekte im Bereich kritischer Mineralien gewinnen. In ihrem 2026 veröffentlichten Leitfaden Brazil's Critical Minerals: A Guide for Foreign Investors bewirbt die Regierung 38 Projekte zur Gewinnung von Kupfer, seltenen Erden, Lithium, Nickel, Titan, Kobalt, Grafit, Vanadium und Niob.

Die Weiterverarbeitung vor Ort steht dabei besonders im Fokus. Ein eigener Rechtsrahmen für kritische Rohstoffe soll die Voraussetzungen für Investitionen verbessern. Doch der Gesetzgebungsprozess droht im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Oktober 2026 ins Stocken zu geraten.

Der Run auf brasilianische Mineralien läuft

Brasilien kann eine wichtige Rolle bei der Diversifizierung von Lieferketten spielen. Bei Magnetmetallen wie Neodym ist die globale Industrie bislang vollständig von China abhängig. Vor diesem Hintergrund bemühen sich viele Staaten um den Aufbau alternativer Wertschöpfungsketten. Brasilien gewinnt an Bedeutung. Die strategische Rolle des Landes für die Rohstoffversorgung unterstreicht die EU-Kommission in einem Factsheet zum EU-Mercosur-Abkommen.

Bei sechs kritischen Rohstoffen zählt Brasilien bereits zu den relevanten FörderländernRohstoffförderung in Brasilien (Stand 2022)
Rohstoff

Förderung (in t)

Weltanteil (in %)

Niob

75.600

88,2

Tantal

350

21,5

Beryllium

1.000

12,8

Bauxit

33.157.000

8,3

Magnesit

2.000.000

8,0

Vanadium

7.249

6,6

Quelle: DERA Rohstoffinformationssystem 2025

Hauptakteure in Brasiliens Bergbau sind traditionell brasilianische und westliche Firmen. Doch chinesische Konzerne spielen eine immer wichtigere Rolle und sichern sich seit Jahren den Zugang zu brasilianischen Rohstoffen:

  • CMOC fördert seit 2016 Niob und Phosphat in Brasilien.
  • CNMC schloss 2025 die Übernahme von Mineração Taboca ab, einem Förderer von Zinn, Niob und Tantal.
  • MMG kündigte 2025 den Kauf der brasilianischen Nickelsparte von Anglo American an; die Übernahme wird noch von den EU-Wettbewerbsbehörden geprüft.
  • Anfang 2026 übernahmen Chinalco und Rio Tinto die Mehrheitsbeteiligung des brasilianischen Zementherstellers Votorantim (68,6 Prozent) an der Companhia Brasileira de Alumínio (CBA).

Deutsche Unternehmen setzen auf Brasiliens Rohstoffpotenzial

Seltene Erden stehen derzeit besonders im Fokus. Hauptakteure neben dem Pionierunternehmen Serra Verde sind Aclara (Chile, Kanada) sowie vier Bergbaubetreiber aus Australien: Meteoric, Viridis Mining, St. George Mining und Brazilian Rare Earth.

Auch Deutsche E-Metalle (DEM) will aktiv werden. Im Juli 2026 kündigten die Dresdner an, noch im laufenden Jahr ein Projekt für seltene Erden im Bundesstaat Goiás auf den Weg bringen zu wollen.

AMG Lithium mit Hauptsitz in Frankfurt am Main betreibt im Bundesstaat Minas Gerais eine eigene Mine. Mibra war ursprünglich eine Zinn- und Tantalmine und wurde erst ab 2018 zum Lithiumprojekt. Das Spodumenkonzentrat stammt zum Teil aus Abraumhalden und wird daher sehr kostengünstig gewonnen. Im Jahr 2024 erweiterte AMG die Produktion von 90.000 auf 130.000 Tonnen im Jahr. Das Konzentrat geht direkt nach Bitterfeld-Wolfen, wo AMG die erste Lithiumraffinerie Europas betreibt.

Verarbeitung: bislang nur vereinzelte Aufbereitung vor Ort

Brasilien exportiert seine Rohstoffe bislang überwiegend als Erze. Eine wichtige Ausnahme ist Niob: Bei der Verarbeitung des Metalls gehört das Land zur Weltspitze. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die Companhia Brasileira de Metalurgia e Mineração (CBMM).

Das Vorzeigeunternehmen investiert kontinuierlich in neue Anwendungen und Technologien. Anfang 2026 patentierten Forscher eine neuartige Niob-Titanoxid-Batterie. Toshiba und Volkswagen Caminhões e Ônibus testeten die ersten Musterzellen bereits in einem E-Bus-Prototypen und schätzen deren Lebensdauer auf rund 15.000 Ladezyklen.

Neben Niob verfügt Brasilien nur bei wenigen Mineralien über Kapazitäten zur Aufbereitung und Raffination (Midstream) oder zur Verarbeitung in Zwischen- oder Endprodukte (Downstream):

  • Aluminium: Alcoa, Hydro und CBA verarbeiten Bauxit zu Aluminiumoxid. Mit einer Jahresproduktion von über 11 Millionen Tonnen ist Brasilien nach China und Australien der drittgrößte Produzent weltweit. Bei Primäraluminium erreicht das Land dagegen nur Rang 9.
  • Nickel: Mehrere Projekte zielen auf eine stärkere lokale Wertschöpfung. Das britische Unternehmen Brazilian Nickel plant im Bundesstaat Piauí die Herstellung von batterietauglichem Nickelsulfat. Zudem unterstützt die EU ein Vorhaben des australischen Unternehmens Jervois. In der Aufbereitungsanlage São Miguel Paulista sollen ab 2027 jährlich 10.000 Tonnen Nickel und 2.000 Tonnen Kobalt produziert werden.
  • Lithium: Bislang stellt nur Companhia Brasileira de Lítio (CBL) batteriefähiges Lithiumkarbonat her. Sigma Lithium und AMG konzentrieren sich dagegen auf die Produktion von Spodumenkonzentrat.
  • Vanadium: Largo Resources verarbeitet in Maracás (Bahia) Vanadiumerz zu Vanadiumpentoxid, das unter anderem in Batterien und Speziallegierungen eingesetzt wird.

ESG gewinnt an Stellenwert

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in Brasilien verfassungsrechtlich verankert. Dennoch treffen Firmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien auf Herausforderungen.

ESG-Standards Stärken und Schwächen in Brasilien
 StärkenSchwächen
Ökologie

Es gelten strikte Umweltauflagen. Nach Dammbrüchen in zwei Rückhaltebecken im Bundesstaat Minas Gerais – in Mariana 2015 und Brumadinho 2019 – wurden die Auflagen verschärft. 

Große Bergbauunternehmen investieren in Dekarbonisierung, nachhaltige Verfahren und Renaturierung.

 

Bei der praktischen Durchsetzung der Gesetze hapert es. Laut der Regulierungsbehörde ANM weisen derzeit 3.943 genehmigte Minen Anzeichen auf, dass die Aktivitäten eingestellt wurden, ohne dass das Gelände renaturiert wurde. Außerdem schädigen illegale Goldschürfarbeiten den Amazonas-Regenwald.

Sehr lange Bearbeitungszeiten von Umweltlizenzen sorgen immer wieder für Kritik. Im Kongress wurde ein neues Gesetz verabschiedet, doch Präsident Lula legte 63 Vetos ein, über die der Kongress nun abschließend entscheiden wird. 

Soziales 

Große Bergbauunternehmen achten auf den Schutz und die Einhaltung der Rechte ihrer Arbeitnehmer. 

Die aktive Einbeziehung der Gemeinden wird wichtiger. Die lokalen Verwaltungen erhalten Royalties. Bei unvorhergesehenen Beeinträchtigungen werden Unternehmen zu Entschädigungszahlungen an die betroffene Bevölkerung verurteilt. 

Bei ausgelagerten Dienstleistern und in kleineren Unternehmen in abgelegenen Regionen herrschen in der Regel deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen.

Diversität bei der Stellenbesetzung ist immer noch eine Herausforderung.

Es fehlen Mechanismen zur transparenten Überwachung der Zuwendungen, die die Gemeinden in Zuge der Bergbauaktivitäten einnehmen. Dies kann zu Konflikten innerhalb der Gemeinden führen. 

Die mit Abstand meisten Konflikte drehen sich um die Land- und Wassernutzung. Gesundheitliche Probleme oder arbeitsrechtliche Konflikte wurden zwischen den Jahren 2020 bis 2023 wesentlich seltener registriert.

GovernanceTransparenz in der Unternehmensführung steigt. Außerdem integrieren immer mehr Unternehmen globale Nachhaltigkeitsziele in ihre Pläne.Brasilien verzeichnet einen Boom bei Fusionen und Übernahmen im Bergbau. Im Jahr 2024 waren es 30 Transaktionen, ergab eine Erhebung des Beratungsinstituts KPMG. Es ist unklar, wie sich die strukturellen Veränderungen auf die Transparenz und geplante Vorhaben auswirken.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest