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Kfz-Teile-Markt expandiert in Marokko
Der marokkanische Kfz-Aftermarket wächst 2026 dynamisch – geprägt von wachsender Nachfrage, hoher Importabhängigkeit und fortschreitender Digitalisierung des Vertriebs.
28.01.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Marokkos Aftermarket für Kfz‑Ersatzteile und Werkstattausrüstungen entwickelt sich 2026 dynamisch. Der Markt profitiert von einem wachsenden Fahrzeugbestand von rund 5 Millionen Pkw sowie von einem hohen Durchschnittsalter von über zehn Jahren, was den Bedarf an Wartung und Verschleißteilen weiter nach oben treibt.
Werkstätten – freie Betriebe und Vertragswerkstätten – modernisieren ihre Ausstattung, um komplexere Fahrzeuggenerationen bedienen zu können. Besonders gefragt sind Hebebühnen, Diagnosesysteme und Spezialwerkzeuge.
Konventionelle Antriebe dominieren weiterhin klar: Elektro- und Hybridfahrzeuge machten 2025 bei den Neuzulassungen 12,5 Prozent aus, davon entfielen 0,9 Prozent auf reine E‑Autos. Der Großteil des Teileumsatzes entfällt damit weiterhin auf klassische Komponenten. Zwar startet 2026 die industrielle Batteriezellfertigung eines chinesischen Konsortiums, doch setzt der strukturelle Wandel hin zu Elektrofahrzeugen auf dem marokkanischen Kfz-Markt erst allmählich ein.
Aftermarket ist global vernetzt und heiß umkämpft
Freie Werkstätten bilden mit Abstand die wichtigste Kundengruppe für deutsche Hersteller von Kfz-Teilen und Werkstattbedarf: tausende unabhängige Betriebe decken Wartungen und Reparaturen sämtlicher Marken ab und benötigen kontinuierlich Ersatzteile sowie robuste Werkstattausrüstung. Qualität, Lieferfähigkeit und Markenvertrauen gewinnen dabei an Bedeutung.
Werkstattketten wie „Bosch Car Service“ bauen ihre Präsenz weiter aus und setzen einheitliche Standards. Auch Flottenbetreiber – etwa Taxi‑, Mietwagen- und Logistikunternehmen – zählen zu den großen Kunden und bevorzugen aufgrund hoher Einsatzzeiten Markenprodukte mit hoher Zuverlässigkeit. Vertragswerkstätten spielen im unabhängigen Aftermarket eine geringere Rolle, da sie vor allem Fahrzeuge innerhalb der Garantie betreuen. Der Direktkauf durch Endkunden bleibt marginal.
Der Markt ist stark importabhängig. Rund 90 Prozent der Ersatzteile und nahezu alle Maschinen, Apparaturen, Geräte und Spezialwerkzeuge stammen aus dem Ausland. Eine zentrale Rolle übernehmen daher marokkanische Importeure und Großhändler wie Copima, Autoplus oder Kaufmann (Bosch Maroc).
Unternehmen | Standort | Rolle | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
Copima | Casablanca | Importeur & Distributor (Premiumteile) | Exklusiver Bosch‑Partner seit 1971; über 60.000 Artikel; beliefert 1.500 Werkstätten landesweit |
Maghreb Accessoires (Autoplus) | landesweit | Größter freier Teilegroßhändler | 75 Jahre am Markt; ca. 40.000 Lagertitel; eigenes 24h‑Liefernetz; breit aufgestellt mit deutschen Marken |
Kaufmann (Bosch Maroc) | Casablanca | Teile- und Ausrüstungsanbieter | Bosch‑Vertretung seit 1929; führend bei Werkstattausrüstung; 500 Kundenstandorte; One‑Stop‑Sortiment |
Ihssan Pièces Auto | landesweit | Distributor | Portfolio von etwa 50 Marken; Qualitätsanbieter |
Soulaymane Pièces | Agadir | Regionaler Großhändler | Starke Rolle in Südmarokko |
AD Maroc | landesweit | Händlerverbund | Ergänzt das Vertriebsnetz über ein kooperatives Modell |
Sie versorgen Werkstätten landesweit über zentrale Lager und regionale Filialen, häufig per 24‑Stunden‑Lieferung. Deutsche Hersteller arbeiten in der Regel mit mehreren Distributoren zusammen, da kein Anbieter den gesamten Markt abdeckt. Langjährige Partnerschaften und persönliche Beziehungen sind entscheidend, da Vertrauen im marokkanischen Geschäftsverkehr ein zentraler Erfolgsfaktor ist.
Deutsche Anbieter genießen einen ausgezeichneten Ruf. Marken wie Bosch, ZF, Continental, Schaeffler, Mahle oder Mann+Hummel stehen für Zuverlässigkeit und werden besonders bei sicherheitsrelevanten Komponenten bevorzugt. Einige deutsche Hersteller sind sogar mit eigenen Vertriebsbüros vertreten und bieten Schulungsprogramme an, was die Kundennähe stärkt. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu: Anbieter aus der Türkei, China und Taiwan gewinnen Marktanteile, vor allem im preisorientierten Segment.
Der Trend zur Qualitätssicherung – etwa durch ISO‑Zertifizierungen, Brancheninitiativen oder das Anti‑Fälschungs‑Label „Salamatouna“ – spielt deutschen Herstellern jedoch in die Karten. Zudem sind europäische Modelle im Premiumbereich stark vertreten, was die Nachfrage nach kompatiblen Teilen deutscher Hersteller stützt.
Regulierung und Digitalisierung bestimmen Marktregeln
Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind für europäische Anbieter günstig. Das Freihandelsabkommen mit der EU ermöglicht zollfreie Einfuhren – ein Vorteil gegenüber Ländern ohne Präferenzabkommen. Marokko orientiert sich technisch weitgehend an europäischen Normen, sodass für Teile, die von europäischen Originalherstellern stammen, keine separate Zulassung erforderlich ist.
Das Importverbot für Gebrauchtfahrzeuge älter als fünf Jahre verbessert langfristig die Qualität des Fuhrparks und lenkt die Teilenachfrage auf neuere Modelle sowie auf hochwertige Werkstattausrüstung.
Auch die Digitalisierung prägt den Aftermarket: Große Distributoren setzen auf Online‑Bestellsysteme, Apps und Echtzeit‑Verfügbarkeitsprüfungen. Händler wie Autoplus ermöglichen Bestellungen von Teilen per Foto. Werkstätten nutzen ihrerseits digitale Teilekataloge, Diagnosesysteme und vernetzte Prüfgeräte. Parallel bereitet sich die Branche ernsthaft auf die steigende Bedeutung alternativer Antriebe vor – etwa durch Schulungen in Hochvolttechnik und erste Investitionen in Lade- und Batterieprüfgeräte.