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Tesla holt in Südkorea zu BMW und Mercedes kräftig auf
Die südkoreanische Automobilbranche zeigt sich 2026 robust. Die volatile US-Zollpolitik bleibt aber herausfordernd. Deutsche Anbieter bekommen zunehmend Konkurrenz.
17.03.2026
Von Katharina Viklenko | Seoul
Südkoreas Kfz-Markt entwickelt sich solide. Der Verband Korea Automobile Manufacturers Association (KAMA) prognostiziert für 2026 ein moderates Wachstum. Die lokale Kfz-Fertigung soll 2026 um 1,2 Prozent zulegen, der Inlandsabsatz um 0,8 Prozent. Allerdings dürfte der Verkauf von Importwagen nach dem Rekordjahr 2025 schrumpfen.
Bei den Kfz-Exporten erwartet KAMA einen leichten Anstieg von 1,1 Prozent auf 2,75 Millionen Stück, bei einem stagnierenden Exportwert in US-Dollar (US$). Dagegen rechnet das Korea Institute for Industrial Economics & Trade für 2026 wertmäßig mit einem leichten Rückgang der Exporte. Dies geht aus einer Prognose von Ende November 2025 hervor.
Im Jahr 2025 erwies sich die Südkoreas Automobilbranche als robust. Dabei trotzte sie sowohl geopolitischem Gegenwind in Form von angedrohten US-Strafzöllen als auch verunsicherten Konsumenten infolge der innenpolitischen Krise nach der kurzzeitigen Ausrufung des Kriegsrechts.
Tesla könnte deutsche Marken bald einholen
Die Produktion der größten Autobauer in Südkorea entwickelte sich 2025 unterschiedlich: Während Kia mehr Kfz herstellte, liefen bei Hyundai, KG Mobility, GM Korea und Tata Daewoo weniger Fahrzeuge vom Band. Die Fertigung von Renault Korea brach sogar um fast ein Viertel ein. Bei den importierten Fahrzeugen gab es 2025 einen Rekord. Ihr Anteil an den Neuzulassungen erreichte fast ein Fünftel.
Der Absatz der deutschen Marken stieg um 3,9 Prozent auf rund 172.500 Einheiten. Porsche und Audi legten zweistellig zu, allerdings vor dem Hintergrund einer niedrigen Vorjahresbasis. Dagegen brach der Absatz der Marke Volkswagen um 38,1 Prozent auf knapp 5.000 Einheiten ein. Noch 2024 waren die Verkäufe deutscher Marken in Südkorea auf den niedrigsten Wert seit 2019 gesunken. Zu schaffen macht den Autobauern der große Wertverfall des Won gegenüber dem Euro.
Dabei dominieren europäische Marken weiterhin den Markt für importierte Pkw. Allerdings rückt Tesla immer näher an die erstplatzierten BMW und Mercedes-Benz heran, nicht zuletzt dank des Erfolgs des Model Y.
Hybridautos bleiben im Trend
Der Inlandsabsatz von Kfz mit alternativen Antrieben legte 2025 um ein Viertel zu. Erstmals entfiel damit fast die Hälfte aller Neuzulassungen auf umweltfreundliche Antriebe. Hybridfahrzeuge blieben am beliebtesten, aber auch vollelektrische Fahrzeuge verkauften sich besser. Ende 2025 waren in Südkorea insgesamt fast 2,6 Millionen Hybridautos und nahezu 900.000 reine E-Autos zugelassen. Damit kamen sie auf einen Anteil von 9,6 beziehungsweise 3,4 Prozent am Gesamtbestand. Der Verkauf von Wasserstoffautos stieg 2025 kräftig, vor allem dank dem neuen Hyundai-Modell Nexo. Ihr Anteil am Gesamtabsatz bleibt aber überschaubar.
Chinesische E-Auto-Anbieter betreten Südkoreas Pkw-Markt
Die Verkaufszahlen des schwedisch-chinesischen E-Autoherstellers Polestar gingen 2025 durch die Decke. Der Absatz in Südkorea stieg um 270 Prozent, vor allem dank des neuen Modells Polestar 4. Renault Korea produziert das Modell inzwischen im Busan-Werk für den US-Markt. Die Produktion soll auf bis zu 10.000 Einheiten jährlich steigen.
Seit April 2025 ist der chinesische Hersteller BYD auf dem Markt aktiv. Trotz verbreiteter Vorbehalte gegenüber chinesischen Marken gelang es BYD 2025 rund 6.100 Autos zu verkaufen – begünstigt vor allem durch attraktive Preise. Weitere Anbieter drängen nach: Für Zeekr, eine Marke der Geely Automobile Group, wird ein Marktstart noch im 1. Quartal 2026 erwartet. XPeng Motors hat bereits im Juni 2025 eine südkoreanische Tochtergesellschaft gegründet und treibt den Aufbau eines Händlernetzes voran.
Südkorea importierte 2025 so viele E-Autos wie noch nie: Dabei stammten sieben von zehn E-Autos aus China. Deutsche Lieferungen wuchsen zwar, blieben aber unterhalb des Rekordwertes von 2023. Damals war Deutschland noch Nummer 1 im Ranking der größten Lieferländer.
Aus den USA kommen seit 2024 fast keine E-Autos mehr nach Südkorea. Im Jahr 2025 änderten sich in den USA zudem die Rahmenbedingungen für E-Mobilität. In der Folge brachen Südkoreas E-Autoexporte in die Vereinigten Staaten um fast 90 Prozent ein.
Autoexporte in die USA unter Druck
Da Südkorea den Großteil seiner Kfz-Produktion exportiert, wirkte das US‑Zollchaos 2025 bremsend auf die Branche. Nachdem 2024 noch etwas mehr als die Hälfte der Pkw‑Exporte in die USA ging, sank der Anteil 2025 auf rund 44 Prozent. Die Einigung auf einen US-Basiszollsatz von 15 Prozent, einschließlich für Kfz, zum Jahresende 2025 sorgte zwar kurzfristig für Stabilisierung.
Die Lage bleibt jedoch angespannt: Zwar hat Seoul hohe Investitionszusagen in den USA gesetzlich freigegeben, zugleich leiteten die USA erneut Untersuchungen gegen einzelne Staaten wie Südkorea ein, die zusätzliche Zölle auf Fahrzeuge nach sich ziehen könnten.
Kirgisistan entwickelte sich 2025 zum drittgrößten Importeur südkoreanischer Kfz- und -Teile. Medien vermuten hinter den seit 2023 rasant gestiegenen Exporten ein Umgehen der Sanktionen gegen Russland.
Elektromobilität und autonomes Fahren im Fokus
Die Regierung in Seoul legt Wert auf den Ausbau der E-Mobilität. Für 2026 erhöht sie das Budget zur Förderung von E-Fahrzeugen auf Basis der Landeswährung um mehr als 30 Prozent auf umgerechnet 660 Millionen US$. Hinzu kommt eine Wechselprämie beim Umstieg vom Verbrenner zum E-Auto. Auch einheimische Player setzen weiter auf den Ausbau der E‑Mobilität. Hyundai Motor Group will von 2026 bis 2030 insgesamt rund 86 Milliarden US$ in Forschung und Entwicklung sowie in die lokale Fertigung in Südkorea investieren, darunter auch in die E-Mobilität.
Zudem beschleunigt sich die Entwicklung des autonomen Fahrens. Die Regierung unterstützt die lokalen Hersteller dabei, ihre Technik von Level 3 auf 4 weiterzuentwickeln und dieses bis 2027 zu kommerzialisieren. Gwangju wurde Anfang 2026 als erste Pilotstadt für umfangreiche Testzwecke ausgewählt.