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Marokkos Kfz‑Industrie investiert in automatisierte Produktion

Die beiden Autobauer Renault und Stellantis modernisieren ihre marokkanischen Montagewerke. Gefragt sind dafür industrielle Ausrüstungen - auch aus Deutschland.

Von Ullrich Umann | Casablanca

Die marokkanische Niederlassung von Renault befindet sich in einer tiefgreifenden industriellen Neuausrichtung. Im Mittelpunkt steht neben organisatorischen Anpassungen vor allem die Modernisierung der Kfz-Montage. Besonders betroffen ist das Werk in Tanger (Melloussa), wo im Zuge der Umstellung auch Personal abgebaut wird. Im älteren, aber kleineren Schwesterwerk Somaca in Casablanca sind die Veränderungen weniger einschneidend.

Renault Maroc benötigt Automatisierungstechnik

Renault erhöht in Tanger schrittweise den Automatisierungsgrad der Fertigung. In diesem Zusammenhang ist mit Ausschreibungen zur Beschaffung der notwendigen Investitionsgüter zu rechnen. Zu einem späteren Zeitpunkt dürften zudem Ausschreibungen für Kfz‑Teile folgen, die für die Montage weiterentwickelter Fahrzeugmodelle benötigt werden.

Die Elektrifizierung der Modellpalette – einschließlich neuer Hybridversionen und künftig rein elektrischer Fahrzeugplattformen – erfordert beispielsweise die Beschaffung moderner Presswerke, hochautomatisierter Montageanlagen sowie leistungsfähiger Batteriemodul‑ und Hochvoltprüfstände.

Daraus ergeben sich Investitionsfelder etwa in der Heißumform‑ und Warmpresstechnologie, in robotergestützten Schweiß‑ und Montagezellen sowie in automatisierten Logistiklösungen wie fahrerlosen Transportsystemen. Das Werk in Tanger entwickelt sich damit zu einer sogenannten "intelligenten Fabrik", in der KI‑basierte Produktionssteuerung, digitale Fertigungsplattformen und autonome Assistenzsysteme eine tragende Rolle spielen.

Investitionen in modernisierte Fahrzeugmodelle

Ein entscheidender Meilenstein erreichte Renault in Tanger im zweiten Quartal 2024 mit dem Dacia Jogger: Er wird seither sowohl als Verbrenner als auch in einer Hybrid-Variante gefertigt – das erste „Made in Morocco“-Modell mit Hybridantrieb überhaupt. Die Produktion ist flexibel die 5- und 7-Sitzer-Varianten ausgelegt. 

Diese Entwicklung will Renault im vierten Quartal 2026 mit dem Dacia Sandero fortsetzen, dessen Hybrid-Version künftig ebenfalls in Tanger vom Band laufen soll. Ziel dieser Expansion ist es, fit für die strengeren Abgasnormen in der EU zu werden und die wachsende Nachfrage nach elektrifizierten Antrieben zu bedienen.

Parallel zur Einführung neuer Antriebstechnologien steht die Zukunftssicherung des bestehenden Modellportfolios im Fokus. So erhielten der Dacia Sandero und der Logan Ende 2025 ein umfassendes „Heavy Facelift“. Neben optischen Anpassungen an der Frontpartie und den Scheinwerfern lag das Hauptaugenmerk auf einer modernisierten Konnektivität und einer erweiterten Sicherheitsausstattung, um den neuen EU-Vorschriften der General Safety Regulation II (GSR II) zu entsprechen. 

Exklusive Fertigung in Tanger

Ergänzt wird das Portfolio durch den Renault Express: Der exklusiv in Tanger gefertigte Hochdachkombi bleibt als technisch aktuell gehaltene und preiswerte Alternative im Segment der leichten Nutzfahrzeuge (LCV) fest eingeplant - sowohl für den europäischen auch für die lokalen Märkte. 

Das lokale Zuliefernetzwerk soll bis 2030 auf mehr als 100 Tier‑1‑Hersteller anwachsen. Grundsätzlich verfolgt Renault das Ziel, die im Werk Tanger infolge der zunehmenden Automatisierung freiwerdenden Arbeitskräfte in neu entstehenden Zulieferbetrieben im näheren Umland zu beschäftigen.

Auch Stellantis Maroc modernisiert

Bei Stellantis in Kenitra zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Konkurrenten Renault. Der Konzern investiert massiv in den Ausbau seines dortigen Montagewerks, steigert damit die Produktionskapazitäten deutlich und führt neue EV‑Plattformen wie die STLA Small ein. Dahinter verbirgt sich eine weiter entwickelte Fahrzeugplattform für Kleinwagen und B‑Segment‑Modelle, darunter künftige Baureihen Peugeot 208, Opel Corsa oder DS 3. 

Besonders markant ist bei Stellantis in Kenitra die entstehende Fertigung für autonome Transportroboter (AGVs). Damit entstehen vollständig neu Beschaffungsbedarfe – von Sensorik und Navigationssoftware, Steuerungstechnik bis zu Spezialmaschinen für die AGV‑Montage. 

Gleichzeitig steigt der Bedarf bei Montagelinien für Elektrofahrzeuge sowie bei Anlagen für die Motorenfertigung. Hinzu kommen Investitionen in Produktionstechnik für Ladeinfrastruktur sowie in roboterbasierte Lösungen für Materialfluss, Karosseriebau und Endmontage.

Deutsche Anbieter mit passgenauem Angebot

Für deutsche Unternehmen mit Kompetenzen in Maschinenbau, in der Robotik, Automatisierung, Prüftechnik und Komponenten der E‑Mobilität ergeben sich sowohl bei Renault als auch bei Stellantis konkrete Liefer- und Geschäftsmöglichkeiten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass deutsche Anbieter über international anerkannte Expertise bei Pressen, Heißumformanlagen, Schweißrobotern, digitalen Fertigungsplattformen sowie Komponenten für autonome Logistiksysteme verfügen. 

Sie führen genau jene Technologien im Portfolio, die an den Standorten Tanger und Kenitra verstärkt nachgefragt werden. Zusätzliches Wachstumspotenzial besteht bei Montagelinien für Batteriemodule, bei Testsystemen für Hochvolt‑Elektronik und bei Ausrüstung für die Produktion moderner Motorenbaureihen.

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