Branchen | USA | Aluminiumerzeugnisse
Zölle auf Aluminium belasten die US-Industrie
Die USA müssen 60 Prozent ihres Aluminiumbedarfs importieren. Deutsche Firmen liefern zumeist Spezialprodukte für die Kfz-Industrie. Sie geben die Zölle oft an ihre Kunden weiter.
08.05.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Seit dem 4. Juni 2025 liegen die Zusatzzölle für Aluminiumimporte bei 50 Prozent. Der Satz gilt anteilig auch für bestimmte Derivate. Die Abgaben stellen für viele in den USA produzierende Unternehmen ein großes Problem dar. Die Vereinigten Staaten können nur einen Teil des einheimischen Bedarfs selbst herstellen. Der Rest muss importiert werden. Laut U.S. Geological Survey lag die Nettoeinfuhrquote (Importe abzüglich Ausfuhren, unter Berücksichtigung von Lagerbestandsveränderungen) 2025 bei rund 60 Prozent.
Die Angebotslage hat sich Ende 2025/Anfang 2026 infolge mehrerer Brände in einer Aluminiumfabrik im Bundesstaat New York noch verschärft. Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Ford, dessen großes Pick-up-Modell F 150 überwiegend aus Aluminium besteht, vermeldete im April 2026 immer noch Versorgungsengpässe. Da es zu Importen keine Alternative gibt, will der Konzern Ausnahmegenehmigungen von den Zöllen beantragen.
Exporte gaben viel stärker nach als Importe
Die Importe von Aluminium (rohe und halbfertige Waren, ohne Schrott) sind 2025 laut dem US Geological Survey um 9 Prozent gesunken. Die einheimischen Hersteller fuhren im Gegenzug ihre Ausfuhren stark herunter, da das Inlandsgeschäft attraktiver wurde. Sie gaben um über ein Drittel nach. Die Nettoeinfuhren (Importe minus Exporte) sind 2025 damit sogar um 1 Prozent gestiegen.
Wertmäßig betrachtet fielen die Einfuhren (einschließlich Fertigwaren) um 2 Milliarden US-Dollar (US$) auf 21 Milliarden US$, berichtet die International Trade Commission. Größter Zulieferer ist traditionell Kanada. Dort haben sich zahlreiche Aluminiumwerke angesiedelt in Grenznähe zu den drei großen US-Autoherstellern Ford, General Motors und Stellantis in und um Detroit.
Es bestehen jahrzehntelange Produktionsverbünde. Autos und Teile wechseln im Laufe des Fertigungsprozesses oft mehrmals die Grenze. Im Zuge des teils erbittert geführten Zollstreits zwischen beiden Ländern kam es zu Störungen der Lieferketten. Die Aluminiumeinfuhren aus Kanada gingen 2025 um über ein Fünftel auf gut 8 Milliarden US$ zurück.
Deutsche Lieferungen nur leicht im Minus
Deutschland liefert vor allem Spezialprodukte für die Kfz-Industrie, für die es in den Vereinigten Staaten keine alternativen Hersteller gibt. Dadurch ist die Verhandlungsposition stark: Zollkosten können überwiegend an die US-Kunden weitergeben werden, ohne große Umsatzverluste zu erleiden. Die US-Brancheneinfuhren "made in Germany" gingen 2025 nur um knapp 3 Prozent auf rund 500 Millionen US$ zurück.
Allerdings hatten sich die Zölle 2025 nur teilweise in der Handelsstatistik niedergeschlagen, weil sie erst ab dem Frühsommer galten und die Kunden vor deren Inkrafttreten ihre Lager aufgefüllt hatten. Daher werden die vollen Auswirkungen der Zölle erst 2026 zu spüren sein. Gleichzeitig kündigt sich eine Verschlechterung der Konjunktur in den großen Abnehmerbranchen ab.
2026: Flaute bei wichtigen Abnehmern
Beim wichtigsten Kunden, der Automobilindustrie, sollen die Neuzulassungen 2026 um knapp 3 Prozent zum Vorjahr zurückgehen. Diese Prognose von Cox Automotive wurde vor dem Irankrieg und dem rasanten Anstieg der Spritpreise aufgestellt. Da die Preise an den Zapfsäulen nach Einschätzung von Branchenexperten nur langsam wieder Richtung Vorkrisenniveau sinken werden, könnte der Autoumsatz stärker als erwartet zurückgehen.
| Branche | 2026 |
|---|---|
| Kraftfahrzeuge (einschl. Verteidigung) | 13,4 |
| Verpackung, Transportbehälter | 8,6 |
| Bau | 5,2 |
| Stromsektor | 3,4 |
| langlebige Konsumgüter | 3,0 |
| andere industrielle Anwendung | 3,0 |
| andere Branchen | 0,7 |
| Insgesamt | 37,6 |
Im Tiefbau stehen die Weichen zwar noch auf Wachstum, aber die Impulse aus den Anfangsjahren der unter der Biden-Administration erlassenen großen Konjunkturpakete werden weniger spürbar. Im bereits schwächelnden Hochbau dürfte sich die Investitionslaune eintrüben, weil die Bauzinsen infolge des Nahostkriegs steigen. Entwarnung ist nicht in Sicht: Die noch zu Jahresbeginn 2026 erwarteten Leitzinssenkungen dürften ausbleiben.
Energieministerium fördert neue Aluminiumhütte
Die Trump-Administration verspricht sich von ihrer Handelspolitik eine Ausweitung der Produktionskapazitäten. Doch kein Unternehmen trifft Investitionsentscheidungen allein auf Grundlage der Zölle. Der Bau einer Schmelzhütte dauert Jahre; weitere Zeit verstreicht, bis sie sich amortisiert. Niemand weiß, ob die Zölle nach dem nächsten Amtswechsel im Weißen Haus Bestand haben.
Daher muss der Fiskus manchmal eine Schippe drauflegen. So gewährte das US-Energieministerium 2025 Subventionen in Höhe von 500 Millionen US$ für den Bau einer Aluminiumhütte. Dabei handelt es sich um das erste Neubauprojekt seit 1980. Kapitalgeber ist Emirates Global Aluminium zusammen mit dem US-Partner Century. Die Investitionskosten belaufen sich auf insgesamt 4 Milliarden US$.
| Indikator | 2025 | 2025/24 Veränderung |
|---|---|---|
| Produktionskapazität (in Mio. Tonnen) | 1,3 | 0 |
| Produktion (in Mio. Tonnen) | 0,7 | -2,4 |
| Einfuhren (in Mio. Tonnen) | 4,4 | -9,1 |
| Ausfuhren (in Mio. Tonnen) | 0,9 | -34,6 |
| Einheimischer Verbrauch (in Mio. Tonnen) | 5,7 | -2,2 |
| Lagerhaltung (in Mio. Tonnen) | 1,8 | 6,5 |
| Nettoimportquote (in Prozent) 2) | 60,0 | -2,0 3) |
| Einfuhren (in Milliarden US$) 4) | 21,0 | -8,3 |
Die Anlage soll eine Kapazität von 750.000 Tonnen per annum haben. Das käme einer Steigerung der aktuellen Produktionskapazitäten um mehr als 50 Prozent gleich. Laut U.S. Geological Survey gab es 2025 in den Vereinigten Staaten drei Unternehmen, die zusammen fünf Hütten betrieben. Nur zwei davon waren voll ausgelastet. Insgesamt lagen die landesweiten Kapazitäten bei 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Bauarbeiten sollen im Laufe des Jahres 2026 beginnen.