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Raumfahrtindustrie in den USA baut Vorsprung aus

Für die geplante Landung auf dem Mond beauftragt die NASA gleichzeitig die Technologieführer SpaceX und Blue Origin. Für ausländische Anbieter ergeben sich Chancen in Nischen.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die USA wollen ihre technologische Führerschaft in Sachen Raumfahrt ausbauen. Eine Exekutivverordnung von Präsident Trump hatte 2025 wichtige Ziele markiert: So soll eine permanente Präsenz auf dem Mond aufgebaut werden. Die zusammen mit europäischen und kanadischen Partnern im April 2026 erfolgreich abgeschlossene Mission Artemis II war ein wichtiger Meilenstein.

Die Astronauten umrundeten den Erdtrabanten und kehrten sicher zur Erde zurück. Im Lauf des Jahres 2027 soll die 3. Mission erfolgen, bei der Andockmanöver trainiert werden. Die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 von 1972 ist im Rahmen von Artemis IV für 2028 terminiert. In den anschließenden Missionen V bis VII sollen dann die Kapazitäten auf dem Mond kontinuierlich ausgebaut werden.

USA überflügeln China

Der zunehmende Vorsprung der USA in Sachen Raumfahrt zeigt sich deutlich in der Anzahl der Raketenstarts. Zwischen 2015 und 2025 sind diese laut Space Stats um mehr als das Zehnfache gestiegen. Das ebenfalls ehrgeizige Raumfahrtziele verfolgende China konnte im vorliegenden Zeitraum nur einen halb so schnellen Zuwachs verzeichnen. Insgesamt waren die USA 2025 für rund 60 Prozent aller weltweiten Starts verantwortlich.

Die Rahmenbedingungen auf dem US-Markt für Raumfahrttechnik haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Private Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin sind technologisch vorgeprescht und geben nun den Ton an. Die NASA will künftig noch stärker auf privates Engagement setzen. Auf der Nachfrageseite bleiben allerdings US-Behörden zu rund 90 Prozent größte Abnehmer.

Steigende Nachfrage von privaten Firmen und Personen 

Nur 10 Prozent der Nachfrage wird von Privatfirmen generiert. Meist handelt es sich um große IKT-Konzerne, die einen Satelliten ins All befördern wollen. Doch zunehmend werden auch Privatleute eine Rolle spielen, prognostiziert das Marktforschungsunternehmen IBIS World. Touristen könnten einen Flug ins All buchen oder die internationale Raumstation besuchen wollen.

Auf den Wartelisten des australischen Weltmarktführers Virgin Galactic sollen 800 Interessenten stehen. In den USA bieten Axiom Space, SpaceX, Blue Origin und Space Adventure entsprechende Flüge an. Die NASA unterstützt und befürwortet offiziell diese Aktivitäten, da sie die Ertragskraft der Raumfahrtfirmen erhöhen und durch Größeneffekte die Kosten senken.

Rückenwind durch steigende Verteidigungsausgaben

Unter der Trump-Administration gab es in der Raumfahrtpolitik Akzentverschiebungen. Mittelkürzungen in der Grundlagenforschung werden durch Ausgabenerhöhungen infolge der Artemis-Mission und militärischer Projekte überkompensiert. Der Aufbau des weltraumgestützten Raketenabwehrsystems "Iron Dome" erfordert laut Schätzungen Investitionskosten in Höhe von 250 Milliarden bis 3.600 Milliarden US-Dollar (US$).

Über die Größe des amerikanischen Raumfahrtmarkts gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Die Aerospace Industries Association kommt für 2025 auf ein Umsatzvolumen von 1.000 Milliarden US$, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von knapp 6 Prozent gleichkam. Insgesamt soll die Branche einschließlich der nachgelagerten Industrien 2,2 Millionen Menschen beschäftigen. Zusätzlich umfassen diese Angaben auch die Bereiche Sicherheit und Verteidigung. In der eigentlichen Raumfahrtsparte arbeiteten hingegen nur gut 150.000 Angestellte.

Dienstleistungen dominieren den Markt

Das Marktvolumen der Raumfahrtbranche im engeren Sinne dürfte wesentlich geringer ausfallen. Das Bureau of Economic Analysis kommt für 2023 auf einen Industrieausstoß der "space economy" von gut 240 Milliarden US$. Davon entfielen über 190 Milliarden US$ auf private Firmen. Eine Untergliederung der einzelnen Sparten zeigt, dass Handels- und Informationsdienstleistungen den höchsten Output erzielen. 

Dienstleistungen dominieren in der "Space Economy"US-Raumfahrtmarkt nach Sektoren und Sparten (2023, Ausstoß in Milliarden US-Dollar, Angestellte in 1.000) *)
 AusstoßAngestellte
Bau

1,5

2

Industrie, davon

59,9

109

  Elektronik und Elektrotechnik

30,8

48

  Fahrzeuge

26,7

52

Dienstleistungen, davon

131,0

262

  Handel, Logistik

56,5

85

  Information und Kommunikation

51,1

70

  Wissenschaft, Technik, Ausbildung

19,6

93

Insgesamt

192,4

373

*) nur private Unternehmen. Sie sind für rund 80 Prozent des Gesamtausstoßes der Branche verantwortlich.Quelle: Bureau of Economic Analysis 2026

Die Sparte Raumfahrzeuge kommt hingegen nur auf einen Wert von knapp 27 Milliarden US$. Das Marktforschungsunternehmen IBIS World taxiert die beiden Bereiche Raumfahrzeuge und Antriebssysteme für 2025 auf zusammengerechnet 19 Milliarden US$. Die teils sehr unterschiedlichen Zahlen zeigen: In der Raumfahrt gibt es keine einheitliche Branchendefinition. Ebenso lassen sich zivile und militärische Sphären nicht immer klar trennen. 

SpaceX und Blue Origin sind die treibenden Kräfte in der zivilen US-Raumfahrtindustrie. Die Unternehmen wurden von den beiden Tech-Milliardären Elon Musk und Jeff Bezos gegründet. Aktuell hat SpaceX technologisch die Nase vorn, da es mit Falcom 9 das einzige wiederverwertbare System besitzt. Im Rahmen des Artemis-Programms sind sie harte Konkurrenten. Die NASA hat beide Unternehmen parallel mit der Entwicklung eines Mondlandesystems beauftragt. 

Astrobotics setzt auf unbemannte Mondlandungen

Eine weitere Firma arbeitet an einer Mondlandung: Astrobotics will den Flug zum Erdtrabanten mit Robotersonden bewerkstelligen. Die Firma versteht sich als Transportunternehmen, das auch ungewöhnliche Wünsche berücksichtigt. Im Gespräch mit Germany Trade & Invest berichtete eine Mitarbeiterin, dass einige Kunden sterbliche Überreste – sprich Asche – zum Mond bringen möchten. Bisher waren die Landeversuche allerdings noch nicht von Erfolg gekrönt.

Auch wenn amerikanische Raumfahrtunternehmen insgesamt betrachtet über einen technologischen Vorsprung verfügen, gibt es in einzelnen Sparten und Nischen Zulieferchancen für deutsche Unternehmen. Mögliche Bereiche sind innovative Materialien, KI-Anwendungen, Software, Elektrotechnik, optische Geräte, Laborausrüstung, Robotik sowie Test-, Mess- und Regeltechnik. Da es sich um öffentlich geförderte oder Verteidigungsprojekte handelt, gelten "made in America"-Regeln. Ausländische Firmen müssen einen zunehmenden Teil der Wertschöpfung vor Ort erbringen oder eine Partnerschaft mit einem US-Anbieter eingehen, um ins Geschäft zu kommen.

Weiterführende Informationen und Kontaktadressen
Behörden/Verbände 
NASAWeltraumagentur
Pentagon (Ministry of War)Verteidigungsministerium (Informationen zu Weltraumstrategie und Raketenabwehr)
Aerospace Industries Association (AIA)Branchenverband
Bureau of Economic Analysis (BEA)Statistikbehörde, Zahlen zum US-Raumfahrtmarkt
Unternehmen 
IBIS WorldKostenpflichtige Sudie zur Raumfahrzeugen und Raketen
SpaceXFührendes Raumfahrtunternehmen
Blue OriginPrivates Raumfahrtunternehmen
AstroboticsStart-up (robotergesteuerte Mondlandung)