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Beschaffungsvolumen der US-Luftwaffe soll sich verdoppeln
Der Irankrieg und das Projekt "Golden Dome" lassen die Ausgaben für Raketen exponentiell ansteigen. Die USA investieren zugleich in Kampfjets der fünften und sechsten Generation.
08.05.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Im Nahostkrieg konnte die US-Luftwaffe ihre große militärische Überlegenheit unter Beweis stellen. So vermeldete das Pentagon Ende März 2026 rund 2.000 Einsätze. Dabei verloren die Vereinigten Staaten nur zwei Maschinen. Außerdem konnten ihre Raketenabwehrsysteme einen Großteil der vom Iran abgefeuerten Geschosse erfolgreich abfangen.
Doch die hohen Abschussquoten haben eine Kehrseite: Die Kosten pro Abfangrakete sind sehr hoch. Zudem sind die ohnehin durch Lieferungen an die Ukraine verringerten Bestände weiter gesunken. Laut dem Center of Strategic Studies haben die USA während des siebenwöchigen Krieges 50 Prozent ihres Vorrats an Patriot- und THAAD-Abfangraketen verbraucht. Für alle US-Raketen insgesamt ergebe sich ein Wert von minus 45 Prozent.
Es wird angesichts der vorhandenen Produktionskapazitäten lange dauern, bis die Lager wieder das Vorkriegsniveau erreicht haben. Laut einem Bericht der New York Times vom April 2026 gehen Experten von bis zu fünf Jahren aus.
Weißes Haus beantragte massive Erhöhung des Verteidigungsbudgets
Der Irankrieg und die Wiederbeschaffungsaktivitäten lassen das Verteidigungsbudget kräftig ansteigen. Laut dem Pentagon werden im (am 30. September 2026 endenden) Fiskaljahr 2026 die entsprechenden Ausgaben um 17 Prozent auf 1.000 Milliarden US-Dollar (US$) wachsen. Für 2027 hat das Weiße Haus einen Anstieg auf 1.450 Milliarden US$ beim Kongress beantragt.
Die Abgeordneten dürften an der einen oder anderen Stelle auf die Kostenbremse treten. Anfang November 2026 stehen wichtige Wahlen ("midterms") an und das kostspielige militärische Engagement in Nahost ist bei der amerikanischen Bevölkerung unbeliebt. Jedoch haben sich die Abgeordneten in der Vergangenheit zumindest in Sachen Beschaffung von der großzügigen Seite gezeigt. In den Fiskaljahren 2024 und 2025 überstiegen die vom Kongress genehmigten Mittel sogar die vom Weißen Haus beantragten Summen.
Hälfte aller militärischen Beschaffungen für Luft- und Raumfahrt
Im Fiskaljahr 2025 beliefen sich die gesamten Beschaffungsausgaben im Bereich Verteidigung auf rund 186 Milliarden US$. Auf die Sparten Fluggeräte, Raketen und Raumfahrttechnologie entfielen dabei 88 Milliarden US$, berichtete im April 2026 das US Department of War. Für 2026 rechnet die Behörde mit einem Anstieg auf über 100 Milliarden US$.
Für 2027 wird eine Summe von mehr als 170 Milliarden US$ veranschlagt. Das käme einer Verdoppelung gegenüber 2025 gleich. Dabei sollen die Beschaffungskosten für Raketen um den Faktor 3,5 steigen. Bei militärischer Weltraumtechnik ergibt sich sogar eine Zunahme um das Fünffache. In diesen Zahlen spiegeln sich auch die immensen Kosten für den Aufbau des weltraumgestützten Raketenabwehrsystems "Golden Dome" wider.
Golden Dome: Ehrgeiziges Vorhaben mit ungewissem Ausgang
Laut Trumps Ankündigungen soll das Gesamtvorhaben noch vor dem Ende seiner Amtszeit Anfang 2029 in Betrieb gehen, was Analysten aber anzweifeln. Auch das finanzielle Engagement dürfte sich als deutlich umfangreicher herausstellen, als es der US-Präsident darstellt. Er spricht von einer Investitionssumme von 175 Milliarden US$. Todd Harrison vom Think Tank American Enterprise Institute taxiert sie auf bis zu 3,6 Billionen US$, verteilt auf 20 Jahre.
Solche Summen könnten selbst die USA überfordern. Die Verwirklichung des Golden Domes, zumindest im gesamten Planungsumfang, steht damit in den Sternen. In der Politik sind zwei Jahrzehnte ein langer Zeitraum; bereits beim nächsten Amtswechsel im Weißen Haus könnte ein neuer Präsident die Reißleine ziehen – und das Vorhaben beerdigen oder nur stark abgespeckt umsetzen.
Zusätzlich zu den Investitionen in weltraumgestützte Systeme fließen größere Summen in "traditionelle" Raketenverteidigungsanlagen wie PATRIOT oder Aegis sowie in die Entwicklung und Verbesserung der Abwehr von Hyperschallwaffen. Zugleich wird weiter in Kampfflugzeuge investiert. Der Mehrzweckjet F-35 und der Bomber A-21 stellen dabei die größten Einzelposten dar.
Zukunftsprojekte: Kampfjets F-47 und F/A XX
Während der F-35 seit Jahren seinen Dienst in der Luftwaffe beziehungsweise Marine leistet und auch bei Verbündeten zum Einsatz kommt, steht der A-21 erst kurz vor der Einführung. Er soll ältere Bomber (B-1, B-2 und B-52) ersetzen. Für den Kampfflieger F-22 wird aktuell ein Nachfolgemodell entwickelt: Der F-47 soll ein Jet der sechsten Generation werden und die Luftüberlegenheit der USA für die kommenden Jahrzehnte sichern. Der Jungfernflug soll 2028 stattfinden. Allerdings sind auch in der US-Rüstungsindustrie Termin- und Kostenüberschreitungen an der Tagesordnung.
| Systemname | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| F-35 | Mehrzweckjet (5. Generation) | 13,1 |
| MW/MT | Weltraumgestützte Raketenabwehr | 13,0 |
| GMD, THHAD, Aegis, PATRIOT, PAC-3, IFPC, MRIC | "traditionelle" Raketenabwehrsysteme | 11,7 |
| B-21 | Strategischer Bomber (in Erprobung) | 10,3 |
| SATCOM | Satellitenkommunikation | 5,9 |
| LGM-35 A Sentinel | Ballistische Raketen (in Entwicklung) | 4,7 |
| F-15 und F-18 | Kampfflugzeuge (4. Generation) | 4,4 |
| F-47 | Kampfflugzeug (6. Generation, in Entwicklung) | 3,8 |
| LRHW, CPS, HACM | Systeme zu Abwehr von Hyperschallwaffen | 2,7 |
Die Vereinigten Staaten werden auf absehbare Zukunft auf Flugzeugträger und Marineflieger setzen. Bis 2054 sind der Bau und die Anschaffung von insgesamt sechs neuen Carriern geplant. Daher wird auch ein Nachfolger für die von der Marine eingesetzten F-35 beziehungsweise F-18 notwendig: Das Kampfflugzeug F/A XX befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium.
Pentagon sucht alternative Anbieter
Das Pentagon ist mit dem allgemeinen Beschaffungsprozess und den angestammten Zulieferern unzufrieden. Im Prinzip kontrolliert eine Handvoll von Konzernen das Rüstungsgeschäft. Nach Ansicht des Ministeriums ist das System zu langsam, zu teuer und reformunwillig. Ein pensionierter General bestätigte im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI), dass die Behörde auf der Suche nach alternativen Anbietern wie Start-ups sei.
Jedoch erfordere das Geschäft mit dem Militär ganz spezielle Erfahrungen in Bezug auf Ausschreibungsregeln, Zertifizierung oder Sicherheitskontrollen. Zudem gebe es hohe lokale Wertschöpfungsanteile, die in Zukunft weiter steigen dürften. Diese könne man nur durch Investitionen vor Ort oder eine Partnerschaft mit einem US-Unternehmen meistern. Grundsätzlich stehe für Unternehmen aus einem Nato-Partnerland wie Deutschland der Markt aber offen, bestätigte ein für die Beschaffung zuständiger Pentagon-Mitarbeiter der GTAI.