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Marokko geht Offshore-Windvorhaben an
Parallel zum Ausbau von Onshore-Windkraftfeldern zeichnet sich in Marokko ein erstes Offshore-Projekt an. Die deutsche Wirtschaft kann sich daran beteiligen.
25.08.2026
Marokko will nach Informationen der staatlichen Agentur für erneuerbare Energie MASEN im Jahr 2029 mit dem Bau seines ersten Offshore-Windparks beginnen. Nach der Fertigstellung soll der Windpark eine Leistung von 1 Gigawatt haben. Er entsteht vor der Küste von Essaouira.
MASEN (Agence Marocaine de Développement Énergie Durable) dient auch deutschen Unternehmen als zentrale Anlaufstelle in Marokko. Die Agentur ist primär für die Umsetzung von Bauplänen zur Erzeugung grüner Energie verantwortlich.
MASEN arbeitet eng mit dem Ministerium für Energietransition und nachhaltige Entwicklung MTEDD (Ministère de la Transition Énergétique et du Développement Durable) zusammen. Speziell für das geplante Offshore-Vorhaben behält sich das Ministerium sowohl die politische Steuerung als auch die Programmleitung vor. Der staatliche Strom- und Wasserkonzern ONEE (Office National de l'Électricité et de l'Eau Potable) wird wiederum das Offshore-Windfeld an das nationale Verteilernetz anschließen.
Internationale Ankündigung erhöht Glaubwürdigkeit
Die marokkanische Regierung hat das Windkraftprojekt vor Essaouira am 10. Juni 2025 auf der UN-Ozeankonferenz (UNOC3) in Nizza das erste Mal öffentlich vorgestellt. Es gehört damit zu den ersten geplanten Investitionen, die durch die Blue Mediterranean Partnership (BMP) kofinanziert werden, ein Fonds mit 22 Millionen Euro Volumen, der zur Unterstützung einer nachhaltigen blauen Wirtschaft im südlichen Mittelmeerraum aufgelegt wurde.
Nachdem die marokkanische Regierung in der Vergangenheit ausnahmslos alle öffentlichen und privaten Investitionen in Onshore-Windkraftanlagen kanalisiert hatte, stellt das angekündigte Offshore-Vorhaben vor Essaouira eine technologische Öffnung der marokkanischen Energiepolitik dar. Damit sendet MASEN und Regierung zusätzlich ein Signal an internationale Entwickler, dass die nordafrikanische Atlantikküste für Offshore-Technologien grundsätzlich geeignet ist.
Stromerzeugung wird um Offshore-Wind erweitert
Marokko verfolgt ehrgeizige energiepolitische Ziele. So soll grüner Strom bis zum Jahr 2030 an allen installierten Erzeugerkapazitäten für Elektroenergie einen Anteil von 52 Prozent erreichen. Studien der Weltbankgruppe aus dem Jahr 2020 identifizierten das marokkanische Offshore-Windpotenzial sogar als eines der umfangreichsten Afrikas, mit einer geschätzten technisch erschließbaren Kapazität von ungefähr 200 Gigawatt, wovon etwa 22 Gigawatt für konventionelle feststehende Turbinen und der Rest für schwimmende Plattformtechnologien geeignet wären.
Land | Status | Potenzial (GW) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
Marokko | Projektplanung | 200 | Erstes Offshore-Projekt (Essaouira, 1 GW) geplant, Baubeginn 2029 |
Südafrika | Aktive Entwicklungen | 1.632 | Führend bei Offshore-Entwicklungen auf dem Kontinent |
Namibia | Planungspipeline | 1.259 | Signifikantes Potenzial identifiziert |
Libyen | Frühe Phase | 585 | Potenzielle Entwicklungsmöglichkeiten |
Somalia | Evaluierung | 447 | Küstenpotential vorhanden |
Geschäftsanbahnung frühzeitig angehen
Die Europäischen Investitionsbank (EIB) hatte MASEN 2023 einen zweckgebundenen Zuschuss von 2 Millionen Euro bewilligt, damit die Agentur Gutachterkosten begleichen kann. Eine entsprechende technische Assistance-Ausschreibung wurde im Oktober 2024 veröffentlicht und an das dänische Consultingunternehmen Ramboll vergeben. Ziel war es, eine umfassende technische und wirtschaftliche Bewertung sowie Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen durchzuführen.
Die eigentliche Projektfinanzierung erfolgt durch mehrere Geldgeber, darunter die erwähnte Blue Mediterranean Partnership als Kerninstrument, während die EIB einen Kredit über 170 Millionen Euro unter dem Sachtitel "Stärkung und Modernisierung des nationalen Stromnetzes mit EU-Garantieunterstützung" bereitstellt. Weitere noch zu erschließende Finanzierungsquellen umfassen EU-Programme, die Afrikanische Entwicklungsbank, die IFC, die EBRD sowie die KfW Entwicklungsbank.
Verschiedene Player gleichzeitig kontaktieren
Interessierte deutsche Firmen sollten je nach ihrem technischen Schwerpunkt verschiedene marokkanische Behörden und Unternehmen kontaktieren. Erster Anlaufpunkt sollte aber in jedem Fall MASEN sein. ONEE fungiert wiederum als Systemmanager, der für die Netzintegration der Offshore-Windgenerierung in das nationale Übertragungssystem verantwortlich ist. Vorgesehen sind unter anderem Hochspannungs-Unterwasserkabel (66 Kilovolt Inter-Array-Kabel) sowie Onshore-Umwandlungsstationen.
Auch sollten deutsche Unternehmen zur Projektvorbereitung Kontakt mit der AHK Marokko aufnehmen, um eine Markteintrittsberatung und B2B-Vernetzung in Anspruch nehmen zu können. Parallel sollten EIB-Ausschreibungen für technische Assistance und Consulting-Dienstleistungen verfolgt werden, die unter anderem auf der GTAI-Internetseite veröffentlicht werden. Zusätzlich empfiehlt sich eine Beteiligung an der Fachveranstaltung Morocco Energy & Sustainability Week (04.07. bis 08.07.2027 in Marrakesch). Diese Veranstaltung gilt als wichtigste regionale Energiekonferenz mit direktem Zugang zu marokkanischen Entscheidungsträgern.
Die ersten Hersteller bringen sich auch schon für die zu erwartenden Ausschreibungen in Position. Darunter befindet sich Siemens Gamesa mit den Fabriken für Rotorblätter und Gondeln in Le Havre. Gondeln könnte der deutsche Konzern wahlweise auch aus Cuxhaven liefern. Der Bau der Fundamente käme für die deutschen Werften Meyer Werft und Lürssen in Frage. GE Renewable Energy fertigt ebenfalls Rotorblätter an, und zwar im französischen Cherbourg sowie Gondeln und Generatoren in Saint-Nazaire. Britische Firmen wiederum verfügen über Spezialschiffe zur Kabelverlegung.