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Branchenstruktur
Deutsche Maschinenbauer haben ihre Vertriebs- und Produktionskapazitäten in Mexiko zuletzt ausgebaut. Seit dem Zollkonflikt mit den USA kommen jedoch kaum neue Projekte hinzu.
09.12.2025
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Die Produktion von Maschinen und Anlagen hat in Mexiko eine relativ geringe Bedeutung, mit einem Anteil von unter 1 Prozent am BIP. Insgesamt lag der Produktionswert des Maschinenbaus 2024 bei rund 15,9 Milliarden US-Dollar (US$). Dies berücksichtigt die Sparten nach untenstehender Tabelle. Rund ein Viertel der Produktion entfällt auf die Kategorie Klimaanlagen, Heizungen und Kühltechnik. Ein Fünftel kommt jeweils auf Bau-, Bergbaumaschinen und Landmaschinen sowie Motoren, Triebwerke und Geräte zur Kraftübertragung.
Lokale Produktion von Maschinen ist überschaubar
Die große Mehrheit der verkauften Maschinen wird aus dem Ausland importiert, dies gilt insbesondere für komplexere Maschinen. Die lokale Produktion beschränkt sich häufig auf die Montage importierter Bauteile. Lokal hergestellt wird in den meisten Fällen auch durch ausländische Unternehmen. Die ausländischen Direktinvestitionen im Bereich "Herstellung von Maschinen und Anlagen" lagen im 1. Halbjahr 2025 bei 301,6 Millionen US$ und entsprachen damit knapp 1 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen nach Mexiko.
Das Statistikamt INEGI zählte in seiner monatlichen Umfrage des verarbeitenden Gewerbes (Encuesta Mensual de la Industria Manufacturera) im August 2025 landesweit 316 Unternehmen, die in der Herstellung von Maschinen und Anlagen tätig sind. In dem Bereich waren rund 131.000 Personen beschäftigt. Zum Vergleich: In der Automobilindustrie arbeiteten zu dem Zeitpunkt knapp 840.000 Menschen.
Sparte | 2024 | Veränderung 2024/23 (real) | Marktanteil (2024) |
|---|---|---|---|
Bau- und Bergbaumaschinen, Landmaschinen (NAICS 3331) | 3,51 | -2,9 | 22,1 |
Maschinen für das verarbeitende Gewerbe (NAICS 3332) | 1,06 | 6,8 | 6,7 |
| Maschinen für den Dienstleistungssektor (NAICS 3333) | 0,50 | 8,2 | 3,1 |
Klimaanlagen, Heizungen, Kühltechnik (NAICS 3334) | 3,97 | 4,9 | 25,0 |
Maschinen für die Metallverarbeitung (NAICS 3335) | 0,17 | 1,9 | 1,1 |
| Motoren, Triebwerke und Geräte zur Kraftübertragung (NAICS 3336) | 3,46 | -8,3 | 21,8 |
| Maschinen und Anlagen für sonstige nicht wirtschaftszweigspezifische Zwecke (NAICS 3339) | 3,24 | -0,1 | 20,4 |
Kaum Maschinenbauer unter den größten Unternehmen Mexikos
Im Ranking der 500 größten Unternehmen Mexikos der Wirtschaftszeitschrift Expansión werden für 2024 vier Maschinenbaufirmen aufgelistet: Mit einem Umsatz von 491,8 Millionen (US$) steht der Pumpenhersteller Ruhrpumpen - ein mexikanisches Unternehmen mit deutschen Wurzeln - an erster Stelle. Es verfügt über ein Produktionszentrum im nördlichen Bundesstaat Nuevo León, fertigt aber auch in zahlreichen anderen Ländern, darunter auch in Deutschland. Neben dem Wassersektor ist der Bereich Öl & Gas ein wichtiger Kunde von Ruhrpumpen in Mexiko.
An zweiter Stelle im Expansión-Ranking steht mit einem Umsatz von 409,8 Millionen US$ der US-amerikanische Hersteller von Eisenbahnwagons Greenbrier. Das Unternehmen unterhält zwei Produktionsstandorte in den Bundesstaaten Hidalgo und Tlaxcala. Als drittgrößter Maschinenbauer wird der schwedische Hersteller von Bergbaumaschinen Epiroc mit einem Umsatz 2024 von 245,5 Millionen US$ aufgeführt. An vierter Stelle kommt das lokale Unternehmen Grupo Hi-Tec (Umsatz 173,6 Millionen US$), das computergesteuerte Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen) verschiedener internationaler Hersteller in Mexiko vertreibt.
In der Kategorie Materialien und Werkzeuge steht im Ranking zudem der schwedische Hersteller Sandvik, der Bergbaumaschinen, Metallbearbeitungsmaschinen und Werkzeugmaschinen anbietet. Sandvik erzielte 2024 in Mexiko einen Umsatz in Höhe von 486,4 Millionen US$.
Deutsche Maschinenbauer produzieren in Mexiko
Als wichtiger internationaler Produktionsstandort zieht Mexiko auch deutsche Maschinenbauer an. Viele Firmen sind mit Produktionen oder Vertriebsniederlassungen präsent. Seit 2010 betreibt beispielsweise Liebherr in Monterrey eine Produktionsstätte für Großwälzlager und Zahnkränze, die unter anderem in Windkrafträder eingebaut werden. Ebenfalls in Monterrey stellt das Unternehmen Güntner Luftkühler für den industriellen Gebrauch her. Ende 2024 eröffnete Güntner dort eine fünfte Produktionshalle. Die Bosch-Tochter BSH Hausgeräte produziert seit 2024 in Monterrey Kühlschränke für den US-Markt.
Siemens betreibt in Mexiko aktuell fünf Werke und fertigt unter anderem Spannungsschalter für die Stromverteilung. Zuletzt eröffnete Siemens 2024 im zentralmexikanischen Querétaro ein Werk mit 400 Angestellten. Bosch Rexroth nahm 2023 ein neues Werk für Hydraulikpumpen, Motoren und Ventile in Querétaro in Betrieb.
Der deutsche Anbieter von Spanntechnik, Greiftechnik und Automatisierungstechnik SCHUNK eröffnete Mitte 2024 in Querétaro einen neuen Standort mit Montage- und Fertigungskapazitäten sowie einem Applikationszentrum (CoLab). Nun könne man "regionalen und lokalen Kunden spezifische Lösungen mit besonders kurzen Lieferzeiten bieten", so SCHUNK in einer Pressemitteilung.
Bereits seit 2006 unterhält das Unternehmen eine Vertriebsniederlassung in Querétaro. Etwa 65 Prozent der Verkäufe gehen in Mexiko an den Automobilsektor, der Rest an die Metallverarbeitung. Der neue Standort in Querétaro ist die dritte Produktionsanlage von SCHUNK außerhalb Europas, neben den USA und China.
Vertriebsniederlassungen haben in Mexiko unter anderem Multivac (Verpackungsmaschinen), Heidelberg, Koenig & Bauer (beide Druckmaschinen) sowie Herrenknecht und Kaeser Kompressoren (Baumaschinen).
Zahlreiche deutsche Anbieter von Automatisierungstechnik vertreten
Weitere deutsche Firmen aus dem Bereich Automatisierung und Werkzeugmaschinen, die in Mexiko aktiv sind, sind: Hermle, Haimer, Zoller, Klingelnberg, Schmalz, Zimmer, Hainbuch, ZwickRoell und EMAG. Die EMAG-Gruppe eröffnete Mitte 2024 ein Montagewerk für Maschinen in Querétaro.
Neben den erwähnten Mittelständlern sind auch die deutschen beziehungsweise ehemals deutschen Branchengrößen Festo und KUKA in Mexiko vertreten. Festo hat im Norden von Mexiko-Stadt eine Produktionsstätte sowie landesweit zehn eigene Vertriebsbüros. Aktuell errichtet Festo für rund 100 Millionen US$ ein neues Werk für Automatisierungslösungen im nördlichen Bundesstaat Nuevo León, das 1.500 Personen beschäftigen soll. KUKA hingegen betreibt im Ort Toluca westlich von Mexiko-Stadt eine Produktionsstätte und hat eine weitere Niederlassung in San Luis Potosí.