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Kein Durchbruch bei der Automatisierung in Polen
Im internationalen Vergleich verliert Polen bei der Automatisierung an Boden. Vor allem die Automobilindustrie investiert weniger. Doch nicht alle Branchen treten auf die Bremse.
01.10.2026
Polen automatisiert langsamer als internationale Wettbewerber. Zwar nahmen die Unternehmen des Landes im Jahr 2025 rund 2 Prozent mehr Roboter in Betrieb als im Vorjahr. Weltweit legten die Roboterinstallationen mit 15 Prozent jedoch deutlich schneller zu. Das berichtet die Tageszeitung Rzeczpospolita unter Berufung auf neueste Daten der International Federation of Robotics (IFR).
Industrieroboter gelten als Indikator für den Automatisierungsgrad der Industrie. Als Faustregel gilt: Je höher die Automatisierung, desto effizienter die Produktion.
Ein Grund für das verhaltene Wachstum in Polen ist die angespannte Lage der Automobilindustrie. Die Zahl der neu installierten Roboter ging hier 2025 um fast ein Fünftel zurück, berichtet Rzeczpospolita. Dabei ist die Automobilindustrie der wichtigste Abnehmer von Automatisierungslösungen.
Unsichere Märkte und steigende Kosten
Auch das internationale Umfeld wirkt sich auf das Investitionsklima aus. "Hohe Ölpreise, die Zollpolitik der USA und die wirtschaftliche Situation in Polens wichtigstem Handelspartner Deutschland verunsichern die Unternehmen", erklärt die Leiterin der Geschäftsentwicklung bei Siemens Polska, Ewa Mikos-Romanowicz, im Gespräch mit GTAI. Als Folge halten sich Betriebe mit Investitionen zurück.
Doch nicht nur globale Faktoren bremsen den Automatisierungsschub. Nach Ansicht von Marek Łangowski, Geschäftsführer des Automatisierungsdienstleisters TMA Automation aus Danzig, müssen viele Unternehmen lernen, langfristiger zu kalkulieren. "Bei Investitionen in Automatisierung dauert es oft einige Zeit, bis sich die Kosten amortisieren. Solche langfristig angelegten Ausgaben sind für viele Unternehmen, die bislang auf günstige Arbeitskräfte gesetzt haben, eine Neuheit", sagt er gegenüber GTAI.
Gleichzeitig sind steigende Arbeitskosten einer der wichtigsten Treiber der Automatisierung. Zahlen der polnischen Sozialversicherungsanstalt ZUS zufolge stieg der Durchschnittslohn in Polen zwischen 2021 und 2025 um 57,2 Prozent.
Mehr Branchen automatisieren
Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf Branchen, die bislang nur selten automatisieren. Ewa Mikos-Romanowicz nennt ein Beispiel: "Die Investitionen in der Lebensmittelindustrie haben zugenommen, da Arbeitskräfte immer teurer werden", sagt sie. Hinzu komme der demografische Wandel: "Polens Gesellschaft altert schnell. Das bedeutet, dass perspektivisch weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen", stellt sie fest.
Ein zunehmender Automatisierungsdruck entsteht darüber hinaus in der Holz- und Möbelindustrie. Günstige Konkurrenz aus Asien oder Rumänien setzt die Branche unter Zugzwang, sagt Jarosław Michniuk, stellvertretender Leiter der Polnischen Kammer der Möbelhersteller (OIGPM). "Langfristig müssen wir uns in Richtung des Premiumsegments bewegen und in die Automatisierung der Produktionsprozesse investieren", schreibt er auf der Internetseite des Verbandes. Inzwischen setzen die Holzverarbeiter auf neue Technologien. Laut dem von Rzeczpospolita zitierten IFR-Bericht stiegen die Roboter-Investitionen in der Sparte Holzbearbeitung 2025 in Polen um 60 Prozent.
Investitionen bedeuten allerdings nicht zwangsläufig den Aufbau neuer Produktionslinien. "Wir erhalten immer mehr Anfragen zur Modernisierung bestehender Anlagen", berichtet Marek Łangowski von TMA Automation. "Typische Kundenwünsche sind eine höhere Effizienz oder die Anpassung an neue gesetzliche Anforderungen" fügt er hinzu.
Rüstungsfirmen kaufen ein
Weitere Impulse kommen aus der Verteidigungsindustrie. Polen investiert 2026 nahezu 5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und nutzt milliardenschwere Kredite aus dem europäischen SAFE-Programm. Da die geförderten Projekte bis 2030 abgeschlossen sein müssen, bauen Rüstungsfirmen ihre Kapazitäten aus. So macht es auch der staatlich kontrollierte Militärfahrzeughersteller Rosomak. Das Unternehmen will bis 2028 eine robotergestützte Schweißlinie in Betrieb nehmen.
Rosomak ist kein Einzelfall. Laut Ewa Mikos-Romanowicz von Siemens Polska setzen auch in anderen Branchen immer mehr Unternehmen auf Schweißroboter. "Sie arbeiten mit größerer Präzision und gewährleisten eine Qualität, die für Menschen nahezu unmöglich wäre", sagt sie.
Die Expertin verweist zugleich auf die zunehmende Bedeutung der Verteidigungsindustrie als Auftraggeber: "Auf Polens größter Rüstungsmesse MSPO in Kielce haben wir gesehen, dass sowohl im Verteidigungsbereich als auch bei Dual-Use-Anwendungen zahlreiche Investitionsprojekte vorbereitet werden", stellt sie fest.
Ausbaupotenzial bei Förderprogrammen
Die Finanzierung von Investitionen bleibt gerade für die Industrie aber eine Herausforderung. Polen versucht deshalb, mit EU-Mitteln gegenzusteuern. Ab dem 4. Quartal 2026 können Unternehmen bei der staatlichen Agentur für Unternehmensentwicklung PARP zinsgünstige Kredite für Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit beantragen. Förderfähig sind unter anderem Industrieroboter, fahrerlose Transportfahrzeuge (AGV) sowie Software zur Produktionssteuerung.
Grundsätzlich können EU-geförderte Programme der Automatisierung in Polen helfen, meint Marek Łangowski. Doch man sollte sie nicht überschätzen: "Aufgrund der bürokratischen Auflagen müssen Unternehmen oft lange auf eine Förderzusage warten. Das ist problematisch, wenn Investitionen schnell umgesetzt werden sollen. Außerdem besteht immer das Risiko, dass ein Antrag abgelehnt wird", gibt er zu bedenken.
Parallel dazu versucht die Regierung, Investitionen über steuerliche Anreize zu fördern. Das entsprechende Programm soll um weitere zehn Jahre verlängert werden. Unternehmen können hier zusätzliche 50 Prozent ihrer Ausgaben für Roboter steuerlich absetzen.
Doch Ewa Mikos-Romanowicz sieht Verbesserungsbedarf. "Der zusätzliche Abzug bezieht sich auf die jährlichen Abschreibungen und nicht auf die Investitionskosten. Meiner Meinung nach wäre das Programm wirksamer, wenn es sich auf die Kosten beziehen würde", sagt sie.