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Schwäche in Mexikos Lebensmittelindustrie nur vorübergehend

Die globalwirtschaftliche Lage macht sich auch in Mexikos Lebensmittelindustrie bemerkbar. Mittelfristig dürften eine wachsende Mittelschicht und Exporte wieder für Dynamik sorgen. 

Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in Mexiko

Bewertung:

  • Als einer der größten Lebensmittelproduzenten weltweit ist Mexiko auch im Export stark, vor allem bei Bier und Agrarprodukten.
  • Kurzfristig entwickelt sich der Absatz von Lebensmitteln eher zäh, aufgrund einer schwachen Wirtschaftslage mit hoher Inflation. Die Fußball-WM sorgt nur vorübergehend für Ablenkung.
  • Mittelfristig dürfte die Lebensmittelindustrie von einer wachsenden Mittelschicht und steigenden Lieferungen in die USA profitieren.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026

  • Eine schwache Wirtschaftslage bei gleichzeitig hoher Inflation wirken sich negativ auf den Lebensmittelabsatz aus. Hersteller erhoffen sich ein Aufatmen durch die Fußball-WM.

    Im Jahr 2025 erreichte der Absatz von Nahrungsmitteln in Mexiko dem Marktforscher Statista Market Insights zufolge rund 220 Milliarden US-Dollar (US$). Damit steht das lateinamerikanische Land im globalen Vergleich auf Rang 8, hinter Indonesien und Nigeria, aber vor Frankreich und Brasilien. Beim Konsum von Getränken belegt Mexiko mit einem Marktvolumen von 70,6 Milliarden US$ im Jahr 2025 sogar Platz fünf weltweit. Dabei entfällt etwas mehr als die Hälfte auf Erfrischungsgetränke, der Rest auf alkoholische Getränke.

    Absatz von Nahrungsmitteln und Getränken wächst stetig

    Statista Market Insights erwartet für den Zeitraum 2026 bis 2031 ein durchschnittliches reales Wachstum des Nahrungsmittelabsatzes von 6,1 Prozent. Bei Erfrischungsgetränken schätzt der Marktforscher die mittelfristige Wachstumsrate auf 2,7 Prozent, für alkoholische Getränke auf 3,9 Prozent. Das Bevölkerungswachstum, eine stetige Anhebung des Mindestlohns und kurzfristig die Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika kurbeln den Konsum von Lebensmitteln an.

    Derzeit gedrückte Stimmung bei mexikanischen Konsumenten

    Aktuell dämpfen jedoch der Zollkonflikt mit dem wichtigsten Handelspartner USA und eine Inflationsrate, die sich hartnäckig über 4 Prozent hält, die Konsumlaune der Bevölkerung. Laut dem Statistikamt INEGI lag der Index des Konsumentenvertrauens im April 2026 bei 44,4 Punkten, so tief wie zuletzt noch zu Pandemiezeiten Anfang 2023. Auch gestiegene Benzinpreise im Zuge des Irankrieges belasten die mexikanischen Konsumenten zusätzlich.

    Erschwerend kommt eine seit Anfang 2026 geltende Erhöhung der Sondersteuer IEPS (Impuesto Especial sobre Producción y Servicios) auf gesüßte Erfrischungsgetränke und Tabakprodukte hinzu. So wurde etwa die IEPS-Steuer auf gezuckerte Getränke von zuvor 1,64 mexikanischen Pesos (mex$) auf jetzt 3,08 mex$ je Liter fast verdoppelt. Der Steuersatz für Zigaretten erhöhte sich von 160 Prozent auf 200 Prozent. 

    Zudem schwächen gesunkene Geldrücksendungen mexikanischer Migranten in den USA den Konsum ihrer Landsleute in der Heimat. Aufgrund der strikten Migrationspolitik der USA unter Donald Trump sanken die "remesas" 2025 um 4,6 Prozent auf 61,8 Milliarden US$ - der erste Rückgang nach elf Jahren stetigen Wachstums.

    Fußball-WM sorgt für Ablenkung

    Zumindest in den Monaten Juni und Juli wird eine Aufhellung der Konsumlaune erwartet. Von den 104 Spielen der Fußballweltmeisterschaft werden 13 in Mexiko ausgetragen (Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey), darunter das Eröffnungsspiel. Jorge Quiroga, Geschäftsführer des Thinktanks Todo Retail, erwartet während der Sommermonate Umsatzzuwächse von 15 bis 30 Prozent bei Snacks, Knabberartikeln und Getränken.

    Vor allem die Bierhersteller erhoffen sich durstige Kehlen. Heineken entwickelte speziell für das heiße Nordmexiko die Biersorte Tecate ICE Light. Auch andere Hersteller alkoholischer und nichtalkoholischer Getränke bringen anlässlich des Fußballturniers Sondereditionen heraus, darunter Coca-Cola.

    "Nach der Weltmeisterschaft wird der Einzelhandel jedoch vor großen Herausforderungen stehen", erklärt Jorge Quiroga von Todo Retail im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Expansión. Supermarktketten wie Walmart, Soriana, Chedraui oder La Comer bereiten sich darauf vor, indem sie ihre Lagerbestände reduzieren, Lieferanten sorgfältiger auswählen und ihre digitalen Kanäle stärken, so Quiroga.

    Rang 6 weltweit beim Fleischkonsum

    Beim Konsum von tierischen Proteinen lag Mexiko 2024 mengenmäßig im weltweiten Vergleich auf Rang 6, hinter China, den USA, der Europäischen Union, Brasilien und Russland. Von den konsumierten 10,8 Millionen Tonnen (+4,4 Prozent gegenüber 2023) wurden 8,2 Millionen Tonnen lokal hergestellt, so der Branchenverband Consejo Mexicano de la Carne (Comecarne).

    Die Konsumstruktur zeigt eine klare Präferenz für Geflügel auf: Knapp die Hälfte entfällt auf Hühnerfleisch, ein Drittel auf Schweinefleisch und ein Fünftel auf Rindfleisch. Den Pro-Kopf-Konsum von tierischen Proteinen schätzt Comecarne für 2025 auf 83,4 Kilogramm. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2025 bei lediglich 54,9 Kilogramm.

    83,4 Kilogramm

    tierische Proteine aßen Mexikanerinnen und Mexikaner 2025 durchschnittlich.

    Weniger künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln

    Verschiedene Lebensmittelhersteller reduzieren oder streichen ihre Verwendung von synthetischen Farbstoffen, Konservierungsmitteln und Geschmacksstoffen. Der Brot- und Gebäckhersteller Bimbo etwa will ab 2027 keine künstlichen Farbstoffe mehr verwenden.

    Damit reagiert das global tätige Unternehmen nicht nur auf den Trend der Konsumenten zu einer gesünderen Ernährung, sondern auch auf neue Vorgaben im Absatzmarkt USA: Dort verbietet die Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA bis Ende 2026 schrittweise acht synthetische Farbstoffe, darunter Gelborange (E110), Cochinellerot A (E124) sowie die E-Nummern 102, 127, 129, 132, 133 und 143. Auch Lebensmittelhersteller wie Nestlé, PepsiCo, Sabritas und Kraft Heinz, die zum Teil in Mexiko für den US-Markt produzieren, passen sich den neuen Vorgaben an.

    Verpackungsmaschinen werden meist importiert

    Nach Angaben des nordamerikanischen Verbands der Verpackungsindustrie PMMI (The Association for Packaging and Processing Technologies) erreichte der Absatz von Verpackungsmaschinen in Mexiko 2024 mit 1,2 Milliarden US$ einen neuen Rekordwert. Rund 89 Prozent des Bedarfs an Verpackungsmaschinen werden durch Importe gedeckt, die sich 2024 auf 1,1 Milliarden US$ beliefen. Die übrigen 11 Prozent werden von lokalen Herstellern bedient, die meist technologisch einfachere Produkte anbieten.

    Von den Einfuhren von Verpackungsmaschinen waren 2024 laut dem Verband der Verpackungsindustrie rund 28 Prozent für die Getränkeherstellung und 25 Prozent für den Nahrungsmittelsektor bestimmt. Italien, Deutschland und die USA sind die wichtigsten Lieferanten, wobei Italien im Jahr 2024 Deutschland vom ersten Platz verdrängte.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Mexikos Lebensmittelindustrie steht im weltweiten Vergleich weit vorne - so exportiert kein anderes Land mehr Bier. Brauereien erweitern daher kontinuierlich ihre Kapazitäten.

    Mexiko produzierte 2025 Nahrungsmittel (inklusive Tierfutter) im Wert von 76,6 Milliarden US-Dollar (US$) sowie Getränke (inklusive Tabakwaren) in Höhe von 18,5 Milliarden US$. Damit gehört das Land zu den wichtigsten Herstellern weltweit. Inflationsbereinigt stieg die gesamte Produktion des Ernährungssektors 2025 gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent und entwickelte sich damit im Einklang mit der Gesamtwirtschaft (+0,6 Prozent). Auch mittelfristig wird aufgrund der weltwirtschaftlichen Konjunktur nicht viel Dynamik in Mexiko erwartet.

    Produktion von Nahrungsmitteln und Getränken in MexikoIn Milliarden US-Dollar; Veränderung und Marktanteil in Prozent *)

    Sparte

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Marktanteil

    Tierfutter

    4,0

    5,6

    4,2

    Getreideprodukte und pflanzliche Öle

    6,0

    1,7

    6,3

    Zuckerzubereitungen, Schokoladen und weitere Süßwaren

    4,6

    -4,4

    4,8

    Obst- und Gemüsezubereitungen

    3,6

    1,4

    3,8

    Milch- und Molkereiprodukte

    4,4

    2,6

    4,6

    Fleisch und Geflügel

    23,8

    10,5

    25,0

    Fisch und Meerestiere

    0,4

    15,3

    0,4

    Backwaren und Tortillas

    22,4

    5,1

    23,6

    Sonstige Nahrungsmittel

    7,3

    4,7

    7,7

    Getränke

    16,7

    2,8

    17,7
    Tabakwaren

    1,8

    10,1

    1,9

    Gesamt

    95,1

    5,1

    100

    * reale Werte; Umrechnung mit durchschnittlichem Wechselkurs für 2025 (1 US$ = 19,21 mex$); Veränderung auf mex$-Basis.Quelle: Statistikamt INEGI 2026

    Mexikanisches Bier ist in den USA äußerst beliebt

    Mexiko ist nach China, den USA und knapp hinter Brasilien der viertgrößte Bierproduzent der Welt. Neben dem lokalen Konsum spielen die Ausfuhren von Bier eine bedeutende Rolle: Hier steht das Land weltweit auf Platz 1, mit großem Abstand vor den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Mit einem Wert von 6,5 Milliarden US$ hatte Mexiko 2024 einen Anteil von rund 38 Prozent an den weltweiten Bierexporten. Fast die gesamten Ausfuhren sind für die USA bestimmt. Auch mexikanische Agavenschnäpse wie Tequila und Mezcal erfreuen sich im Ausland zunehmender Beliebtheit.

    Rund 90 Prozent der mexikanischen Bierlieferungen in die USA entfallen auf das US-Unternehmen Constellation Brands. Dieses hält die Lizenz, Biere der mexikanischen Grupo Modelo auf dem US-Markt zu vertreiben. Die Marke Modelo Especial zog 2024 sogar am langjährigen Marktführer Bud Light vorbei und stieg zum meistverkauften Bier (in US$, nicht mengenmäßig) in den USA auf. Corona Extra, ebenfalls im Portfolio von Constellation Brands, steht in den USA auf Platz fünf. Zuletzt klagte das Unternehmen aufgrund der rigorosen Migrationspolitik der Trump-Regierung jedoch über einen nachlassenden Absatz - rund die Hälfte seiner Kunden hat lateinamerikanische Wurzeln.

    Der zuletzt gestiegene Weltmarktpreis für Aluminium sowie die verschiedenen Zölle der USA auf Aluminiumprodukte betreffen auch Mexikos Bierindustrie: Rund 40 Prozent der Lieferungen entfallen auf Bier in Aluminiumdosen. Nach anfänglicher Unklarheit stellte die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP klar, dass der Zoll nur auf den Aluminiumanteil der Bierdosen, nicht aber auf deren Inhalt anfällt. Dennoch setzen mexikanische Bierbrauer im aktuellen Geschäftsumfeld stärker auf Glasflaschen, obwohl deren Transport- und Logistikkosten höher sind.

    Nach aktuellem Stand sind in Mexiko produzierte Nahrungsmittel und Getränke beim Import in die USA nicht von Strafzöllen betroffen, insofern sie die Vorgaben des Handelsabkommens USMCA erfüllen. Über den neuesten Stand der US-Zölle informiert GTAI auf der Sonderseite Handelspolitik unter Trump.

    Wichtige Branchenunternehmen in MexikoUmsatz in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen (Herkunftsland)

    Sparte

    Umsatz 2024*)

    Grupo Bimbo (Mexiko)Backwaren

    22,3

    Coca-Cola FEMSA (Mexiko)Erfrischungsgetränke

    15,3

    Arca Continental (Mexiko)Erfrischungsgetränke

    13,0

    Heineken México (Niederlande)Bier

    12,5

    Sigma Alimentos (Mexiko)Gekühlte Lebensmittel

    8,8

    Grupo Modelo AB-InBev (Belgien)Bier

    7,6

    PepsiCo Alimentos México (USA)Erfrischungsgetränke, Snacks

    6,7

    Gruma (Mexiko)Tortillas und Maismehl

    6,5

    Grupo Lala (Mexiko)Milchprodukte

    5,5

    Industrias Bachoco (Mexiko)Hühnerfleisch und Eier

    5,4

    Nestlé México (Schweiz)Verschiedene Lebensmittel

    5,1

    * Umrechnung mit durchschnittlichem Wechselkurs für 2024 von 1 US$ = 18,30 mex$.Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión 2026

    Bierbrauer weiten Produktion aus

    Mitte 2025 kündigte Mexikos Bierbrauer Grupo Modelo im Rahmen einer Pressekonferenz mit Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum Investitionen von 3,6 Milliarden US$ für den Zeitraum bis 2027 an. Damit sollen die Brauereien im Land modernisiert und Recycling gefördert werden. Grupo Modelo gehört zum belgischen AB InBev-Konzern.

    Constellation Brands verschob den Produktionsstart seiner neuen Brauerei in der südöstlichen Hafenstadt Veracruz auf August 2026. Ursprünglich hätte dort schon seit 2025 Bier gebraut werden sollen. Das Unternehmen investiert in Mexiko zwischen 2025 und 2028 rund 3 Milliarden US$, unter anderem in den neuen Standort Veracruz. Von dort aus soll zukünftig die Ostküste der USA per Schiff mit Bier versorgt werden. Nach Brauereien in Nava (Bundesstaat Coahuila) und Ciudad Obregón (Sonora) wird es der dritte Produktionsstandort von Constellation Brands sein, das seine gesamten US-Verkäufe aus Mexiko bezieht.

    Auch Heineken investiert im Süden Mexikos: Mitte 2025 gab das Unternehmen in Anwesenheit von Präsidentin Sheinbaum den Bau einer neuen Brauerei im Bundesstaat Yucatán für 2,75 Milliarden US$ bekannt. Es ist landesweit die achte Brauerei von Heineken neben den Standorten Orizaba, Monterrey, Tecate, Navojoa, Guadalajara, Toluca und Chihuahua.

    Ausländische Lebensmittelkonzerne expandieren in Mexiko

    Ähnlich wie Grupo Modelo und Heineken kündigte auch der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé öffentlichkeitswirksam im Nationalpalast ein Investitionspaket in Höhe von 1 Milliarde US$ für 2025 bis 2027 an. Laut Steve Presley, Leiter von Nestlé Americas, sollen dadurch die Kapazitäten der Produktionsstätten in den Bundestaaten Veracruz, Guanajuato, Querétaro und México erweitert werden. Zudem soll ein neues Distributionszentrum entstehen, um Mexiko als Exporthub von Nestlé zu stärken. Laut Presley ist Mexiko weltweit der viertwichtigste Markt für den Konzern.

    Der mexikanische Lebensmittelkonzern Grupo Herdez - bekannt vor allem für seine Konservendosen - kündigte im Zuge seiner Verschlankungsstrategie im April 2026 den Verkauf der Sparte für Speiseeis Helados Nestlé an. Abnehmer ist der europäische Speiseeiskonzern Froneri. Bereits Ende 2025 spaltete Grupo Herdez sein Joghurteis- und Süßwarengeschäft (Nutrisa) ab. Zuvor veräußerte das Unternehmen die Hälfte seines Anteils am Soßenhersteller McCormick de México für 750 Millionen US$ an das US-Unternehmen McCormick & Company.

    Die US-Supermarktkette Walmart kündigte im Zuge der Investitionskampagne der mexikanischen Regierung sogar Ausgaben im Umfang von 6 Milliarden US$ für 2025 an. Diese dienen allerdings vor allem dazu, neue Läden der Formate Bodega Aurrera, Sam's Club, Walmart Supercenter und Walmart Express zu eröffnen. Zudem will Walmart den nationalen Anteil seines Warenangebots erhöhen, was wiederum die Lebensmittelproduktion in Mexiko fördert. Laut Unternehmensangaben hat Walmart schon jetzt 30.000 lokale Zulieferer und über 80 Prozent rein mexikanische Produkte.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Dank des neuen EU‑Mexiko‑Globalabkommens erhalten deutsche Agrarprodukte und Lebensmittel künftig besseren Marktzugang.

    Das modernisierte Abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Mexiko soll Ende Mai 2026 unterzeichnet werden. Die neuen Handelsregelungen könnten dann bereits 2026 im Rahmen eines interim Trade Agreement (iTA) in Kraft treten. Die weiteren Bestandteile des Globalabkommens (Politik und Kooperation) müssen von den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor das komplette Abkommen in Kraft treten kann.

    Besserer Marktzugang für Agrarprodukte und Lebensmittel aus der EU

    Aus europäischer Sicht soll vor allem der Agrar- und Lebensmittelsektor von dem neuen Vertrag profitieren. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission wird in einer Pressemitteilung wie folgt zitiert: "EU-Unternehmen und der EU-Agrar- und Ernährungssektor werden unmittelbar von niedrigeren Zöllen und geringeren Kosten profitieren und so zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung beitragen." Viele andere Wirtschaftssektoren können bereits seit dem EU-Mexiko-Handelsabkommen aus dem Jahr 2000 zollfrei nach Mexiko liefern. Zu den wichtigsten Änderungen des neuen Abkommens zählen:

    • Mexiko hebt seine Einfuhrzölle von bis zu 100 Prozent auf eine Vielzahl europäischer Agrarprodukte auf. Dazu zählen unter anderem Hähnchenfleisch (derzeit noch bis zu 100 Prozent Einfuhrzoll), Schweinefleisch (bis zu 45 Prozent), Schokolade (bis zu 20 Prozent plus 0,36 US$ pro Kilogramm) sowie Nudeln, Schimmelkäse, Äpfel und Pfirsiche in Konserven (jeweils bis zu 20 Prozent).
    • Für einige Produkte wird eine jährliche Maximalmenge gelten, die zollfrei nach Mexiko eingeführt werden kann. Dies betrifft etwa Milchpulver (50.000 Tonnen), Rindfleisch (30.000 Tonnen) und frischen Käse (5.000 Tonnen).
    • Die Anzahl geografisch geschützter Herkunftsangaben von Lebensmitteln und Getränken aus der EU (Parmaschinken, bayerisches Bier usw.) wird auf 568 Produkte erhöht.
    • Umgekehrt sollen rund 86 Prozent der mexikanischen Agrarprodukte unmittelbar zollfreien Zugang zur EU erhalten. Weitere strategische Produkte (unter anderem Orangensaft, Bananen, Honig, Fisch und Meerestiere) erhalten zollfreie Kontingente.

    Kein Junkfood mehr an Schulen

    Für die Risikobetrachtung und Gesundheitskontrolle von Lebensmitteln ist in Mexiko die Behörde SENASICA (Servicio Nacional de Sanidad, Inocuidad y Calidad) zuständig. Die Zulassung und Überwachung von Lebensmittelchemikalien und Zusatzstoffen obliegt der Stelle Cofepris (Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios).

    Seit März 2025 ist der Verkauf verarbeiteter Lebensmittel in mexikanischen Schulen verboten (Gesetz DOF 30/09/2024). In Schulcafeterias dürfen nur noch frische Lebensmittel sowie Wasser angeboten werden. Dies soll die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler fördern. Branchenberichten zufolge verloren Hersteller wie Bimbo, Sabritas, PepsiCo und Mars dadurch einen Markt von rund 36 Millionen Kindern und 2 Millionen Lehrkräften während der Schulzeiten.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Da Mexiko ein großer Markt ist, kann eine eigene Niederlassung Sinn machen, anstatt ausschließlich mit lokalen Vertriebspartnern zu arbeiten.
    • Als Standort bietet sich neben Mexiko-Stadt auch das bei deutschen Firmen beliebte Querétaro im Landeszentrum an.
    • Viele mittelständische Unternehmen decken von Mexiko aus ganz Lateinamerika (ohne Brasilien) ab.
    • Aufgrund des starken Andrangs ausländischer Firmen nimmt der Fachkräftemangel zu - Unternehmen müssen sich teilweise selbst um die Ausbildung kümmern.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • AHK Mexiko

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Secretaría de Agricultura y Desarrollo Rural

    Landwirtschaftsministerium

    Servicio Nacional de Sanidad, Inocuidad y Calidad (Senasica)

    Behörde für Risikobetrachtung und Gesundheitskontrolle

    Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios (Cofepris)

    Zulassungsstelle u.a. für Lebensmittelchemikalien

    Consejo Nacional Agropecuario (CNA)

    Verband der landwirtschaftlichen Produzenten

    Asociacion Nacional de Tiendas de Autoservicio y Departamentales (ANTAD)

    Einzelhandelsverband

    Expo Agroalimentaria 

    Messe der Nahrungsmittelindustrie in Guanajuato; 10.-13. November 2026

    Expo Pack

    Messe für Verpackungstechnologie; wechselweise in Mexiko-Stadt (02.-05. Juni 2026) und in Guadalajara (08.-10. Juni 2027)

    Expo ANTAD & Alimentaria

    Messe des Einzelhandels in Guadalajara; 19.-21. Mai 2026

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt