Eine schwache Wirtschaftslage bei gleichzeitig hoher Inflation wirken sich negativ auf den Lebensmittelabsatz aus. Hersteller erhoffen sich ein Aufatmen durch die Fußball-WM.
Im Jahr 2025 erreichte der Absatz von Nahrungsmitteln in Mexiko dem Marktforscher Statista Market Insights zufolge rund 220 Milliarden US-Dollar (US$). Damit steht das lateinamerikanische Land im globalen Vergleich auf Rang 8, hinter Indonesien und Nigeria, aber vor Frankreich und Brasilien. Beim Konsum von Getränken belegt Mexiko mit einem Marktvolumen von 70,6 Milliarden US$ im Jahr 2025 sogar Platz fünf weltweit. Dabei entfällt etwas mehr als die Hälfte auf Erfrischungsgetränke, der Rest auf alkoholische Getränke.
Absatz von Nahrungsmitteln und Getränken wächst stetig
Statista Market Insights erwartet für den Zeitraum 2026 bis 2031 ein durchschnittliches reales Wachstum des Nahrungsmittelabsatzes von 6,1 Prozent. Bei Erfrischungsgetränken schätzt der Marktforscher die mittelfristige Wachstumsrate auf 2,7 Prozent, für alkoholische Getränke auf 3,9 Prozent. Das Bevölkerungswachstum, eine stetige Anhebung des Mindestlohns und kurzfristig die Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika kurbeln den Konsum von Lebensmitteln an.
Derzeit gedrückte Stimmung bei mexikanischen Konsumenten
Aktuell dämpfen jedoch der Zollkonflikt mit dem wichtigsten Handelspartner USA und eine Inflationsrate, die sich hartnäckig über 4 Prozent hält, die Konsumlaune der Bevölkerung. Laut dem Statistikamt INEGI lag der Index des Konsumentenvertrauens im April 2026 bei 44,4 Punkten, so tief wie zuletzt noch zu Pandemiezeiten Anfang 2023. Auch gestiegene Benzinpreise im Zuge des Irankrieges belasten die mexikanischen Konsumenten zusätzlich.
Erschwerend kommt eine seit Anfang 2026 geltende Erhöhung der Sondersteuer IEPS (Impuesto Especial sobre Producción y Servicios) auf gesüßte Erfrischungsgetränke und Tabakprodukte hinzu. So wurde etwa die IEPS-Steuer auf gezuckerte Getränke von zuvor 1,64 mexikanischen Pesos (mex$) auf jetzt 3,08 mex$ je Liter fast verdoppelt. Der Steuersatz für Zigaretten erhöhte sich von 160 Prozent auf 200 Prozent.
Zudem schwächen gesunkene Geldrücksendungen mexikanischer Migranten in den USA den Konsum ihrer Landsleute in der Heimat. Aufgrund der strikten Migrationspolitik der USA unter Donald Trump sanken die "remesas" 2025 um 4,6 Prozent auf 61,8 Milliarden US$ - der erste Rückgang nach elf Jahren stetigen Wachstums.
Fußball-WM sorgt für Ablenkung
Zumindest in den Monaten Juni und Juli wird eine Aufhellung der Konsumlaune erwartet. Von den 104 Spielen der Fußballweltmeisterschaft werden 13 in Mexiko ausgetragen (Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey), darunter das Eröffnungsspiel. Jorge Quiroga, Geschäftsführer des Thinktanks Todo Retail, erwartet während der Sommermonate Umsatzzuwächse von 15 bis 30 Prozent bei Snacks, Knabberartikeln und Getränken.
Vor allem die Bierhersteller erhoffen sich durstige Kehlen. Heineken entwickelte speziell für das heiße Nordmexiko die Biersorte Tecate ICE Light. Auch andere Hersteller alkoholischer und nichtalkoholischer Getränke bringen anlässlich des Fußballturniers Sondereditionen heraus, darunter Coca-Cola.
"Nach der Weltmeisterschaft wird der Einzelhandel jedoch vor großen Herausforderungen stehen", erklärt Jorge Quiroga von Todo Retail im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Expansión. Supermarktketten wie Walmart, Soriana, Chedraui oder La Comer bereiten sich darauf vor, indem sie ihre Lagerbestände reduzieren, Lieferanten sorgfältiger auswählen und ihre digitalen Kanäle stärken, so Quiroga.
Rang 6 weltweit beim Fleischkonsum
Beim Konsum von tierischen Proteinen lag Mexiko 2024 mengenmäßig im weltweiten Vergleich auf Rang 6, hinter China, den USA, der Europäischen Union, Brasilien und Russland. Von den konsumierten 10,8 Millionen Tonnen (+4,4 Prozent gegenüber 2023) wurden 8,2 Millionen Tonnen lokal hergestellt, so der Branchenverband Consejo Mexicano de la Carne (Comecarne).
Die Konsumstruktur zeigt eine klare Präferenz für Geflügel auf: Knapp die Hälfte entfällt auf Hühnerfleisch, ein Drittel auf Schweinefleisch und ein Fünftel auf Rindfleisch. Den Pro-Kopf-Konsum von tierischen Proteinen schätzt Comecarne für 2025 auf 83,4 Kilogramm. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2025 bei lediglich 54,9 Kilogramm.
83,4
Kilogramm
tierische Proteine aßen Mexikanerinnen und Mexikaner 2025 durchschnittlich.
Weniger künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln
Verschiedene Lebensmittelhersteller reduzieren oder streichen ihre Verwendung von synthetischen Farbstoffen, Konservierungsmitteln und Geschmacksstoffen. Der Brot- und Gebäckhersteller Bimbo etwa will ab 2027 keine künstlichen Farbstoffe mehr verwenden.
Damit reagiert das global tätige Unternehmen nicht nur auf den Trend der Konsumenten zu einer gesünderen Ernährung, sondern auch auf neue Vorgaben im Absatzmarkt USA: Dort verbietet die Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA bis Ende 2026 schrittweise acht synthetische Farbstoffe, darunter Gelborange (E110), Cochinellerot A (E124) sowie die E-Nummern 102, 127, 129, 132, 133 und 143. Auch Lebensmittelhersteller wie Nestlé, PepsiCo, Sabritas und Kraft Heinz, die zum Teil in Mexiko für den US-Markt produzieren, passen sich den neuen Vorgaben an.
Verpackungsmaschinen werden meist importiert
Nach Angaben des nordamerikanischen Verbands der Verpackungsindustrie PMMI (The Association for Packaging and Processing Technologies) erreichte der Absatz von Verpackungsmaschinen in Mexiko 2024 mit 1,2 Milliarden US$ einen neuen Rekordwert. Rund 89 Prozent des Bedarfs an Verpackungsmaschinen werden durch Importe gedeckt, die sich 2024 auf 1,1 Milliarden US$ beliefen. Die übrigen 11 Prozent werden von lokalen Herstellern bedient, die meist technologisch einfachere Produkte anbieten.
Von den Einfuhren von Verpackungsmaschinen waren 2024 laut dem Verband der Verpackungsindustrie rund 28 Prozent für die Getränkeherstellung und 25 Prozent für den Nahrungsmittelsektor bestimmt. Italien, Deutschland und die USA sind die wichtigsten Lieferanten, wobei Italien im Jahr 2024 Deutschland vom ersten Platz verdrängte.
Von Edwin Schuh
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Mexiko-Stadt