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Deutsche Discounter treiben ihre US-Expansion voran

Teure Lebensmittel belasten die US-Verbraucher und sorgen für Zulauf bei den deutschen Discountern. Allen voran Aldi baut seine Präsenz in den USA aus.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

US‑Präsident Donald Trump erklärte beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Februar 2026: "Die Inflation ist besiegt." Für viele Verbraucher in den USA stellt sich die Lage jedoch anders dar. Zwar sind die Inflationsraten gesunken, doch vor allem Lebensmittel bleiben teuer. Anfang 2026 lagen ihre Preise 31,5 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie.

1,6 Billionen US$

werden 2026 im US-Lebensmitteleinzelhandel umgesetzt, ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Prognose von Coresight Research

Besonders Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen geraten unter Druck. Volkswirte sprechen von einer k‑förmigen Entwicklung: Wohlhabende Haushalte können ihre Konsumausgaben weiter erhöhen, während das verfügbare Einkommen am unteren Ast des "k" kaum ausreicht, um steigende Kosten für Lebensmittel, Gesundheit, Hypotheken und Versicherungen aufzufangen.

Run auf niedrige Preise – auch Aldi profitiert

Das anhaltend hohe Preisniveau lässt Wahrnehmung und Realität auseinanderdriften. Laut dem Dunnhumby Consumption Trends Tracker lag die gefühlte Inflation im Lebensmitteleinzelhandel im Januar 2026 bei rund 20 Prozent. Tatsächlich fiel der Preisanstieg zuletzt moderat aus: Er lag 2025 bei 2,3 Prozent nach 11,4 Prozent im Inflationsjahr 2022.

Der Preisdruck verändert das Kaufverhalten deutlich. Verbraucher in den USA achten stärker auf Preise und folgen dem günstigsten Angebot. Davon profitieren große Big‑Box‑Retailer. Händler wie Walmart und Costco erhöhen ihre Reichweite. Walmart erreichte Ende 2025 mit einer Marktdurchdringung von 72 Prozent der Bevölkerung einen historischen Höchstwert.

Neben den Einzelhandelsriesen nutzt auch Aldi Süd die Gunst der Stunde. 50 Jahre nach dem Markteintritt setzt der deutsche Discounter klar auf Expansion: Für 2026 sind mehr als 180 neue Filialen geplant. Bis zum Jahresende dürfte das Filialnetz in den USA damit auf rund 2.600 Standorte anwachsen.

Aldi-Konzept trifft den Nerv der Zeit

Aldi Süd punktet vor allem beim Preis. Der Discounter gehört zu den wenigen Händlern in den USA, die preislich mit Walmart konkurrieren können – und den Marktführer in einigen Bereichen sogar unterbieten. Laut dem Verbraucherportal Consumer Reports lagen die Preise bei Aldi im Durchschnitt 8,3 Prozent unter denen von Walmart.

Im Unterschied zu großen Big‑Box‑Retailern mit sehr großen Verkaufsflächen in meist peripheren Lagen setzt Aldi auf kleinere und gut erreichbare Filialen. Mit rund 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie einem Sortiment, das zu etwa 90 Prozent aus Eigenmarken und weniger als 2.000 Artikeln besteht, bleibt das Angebot fokussiert und die Kosten niedrig.

„Jeder dritte US‑Haushalt hat 2025 bei Aldi eingekauft."

Atty McGrath, CEO von ALDI USA

Ein Schwerpunkt der Expansion liegt im Westen der USA, allein in Colorado sind mehr als 50 Neueröffnungen geplant. Hinzu kommen neue Märkte in Arizona sowie im Großraum Las Vegas. Auch im Südosten treibt der Discounter sein Wachstum voran: Nach der Übernahme der Ketten Winn‑Dixie und Harvey’s Supermarket sollen bis 2027 mehr als 200 Standorte in Aldi‑Filialen umgewandelt werden.

Die Pläne sind Teil einer langfristigen US‑Strategie von Aldi. In den kommenden fünf Jahren will die Unternehmensgruppe aus Mülheim an der Ruhr rund 9 Milliarden US‑Dollar (US$) investieren, um das Filialnetz auf mehr als 3.200 Standorte auszuweiten.

Mit der Kette Trader Joe's ist auch der Schwesterkonzern Aldi Nord in den USA erfolgreich. Bei den Kunden ist die deutsche Tochter wegen ihrer trendigen Produkte beliebt. Nachdem 2025 fast 40 Trader-Joe's-Märkte eröffnet haben, umfasst das Filialnetz inzwischen mehr als 630 Geschäfte in 43 Staaten. "Wir prüfen aktiv Hunderte Standorte im ganzen Land und hoffen, jedes Jahr mehr neue Filialen eröffnen zu können", erklärte das Unternehmen.

Private Labels: die neuen Stars im Supermarkt

Inflation und hohe Lebensmittelpreise sorgen dafür, dass insbesondere Eigenmarken stärker nachgefragt werden. Sie können rund 20 Prozent günstiger sein als Markenprodukte. Laut der Private Labels Manufacturers Association (PLMA) erzielten Eigenmarken in den vergangenen fünf Jahren ein Umsatzplus von etwa 30 Prozent. Ihr Marktanteil erreichte 2025 knapp 21 Prozent.

Prognosen zufolge könnte er in den nächsten zehn Jahren auf 25 bis 30 Prozent steigen. Discounter wie Aldi, Trader Joe's oder Lidl, deren Sortiment hauptsächlich aus Eigenmarken besteht, profitieren besonders von diesem Trend. Aber auch andere Handelsketten bauen ihre Private Label aus: Albertsons will den Eigenmarkenanteil von derzeit rund 25 auf 30 Prozent erhöhen. Walmart zielt mit der Marke Bettergoods auf einkommensstärkere Kunden, die Wert auf Qualität und Innovation legen.

Lidl verdichtet das Filialnetz

Der Discounter Lidl aus Neckarsulm ist seit 2017 in den USA vertreten. Branchenkennern zufolge verläuft die Expansion jedoch langsamer als beim Markteintritt erwartet. Anfang 2026 verließ mit Joel Rampoldt bereits der fünfte CEO seit dem US‑Start das Unternehmen. Die knapp 200 Filialen befinden sich bislang ausschließlich in neun Ostküstenstaaten. Die US‑Märkte von Lidl sind meist fast doppelt so groß wie die Filialen von Aldi. Gleichzeitig liegt der Eigenmarkenanteil mit 80 Prozent niedriger.

Um die Position auf dem US-Markt zu stärken, arbeitete Lidl zuletzt an der Neuausrichtung seiner Marke. Das Kernsortiment wurde von rund 4.500 auf etwa 3.250 Artikel reduziert und stärker an die Kundenwünsche angepasst. In den kommenden Jahren dürfte Lidl weiter moderat wachsen und das Filialnetz gezielt in Regionen verdichten, in denen das Unternehmen bereits vertreten ist. Für 2025 werden 15 bis 20 Neueröffnungen erwartet, darunter Standorte in New York und New Jersey. Dadurch steigt die Reichweite, auch wenn laut Placer AI die durchschnittlichen Besuche pro Filiale langsamer zunahmen als im Branchendurchschnitt.

Auch amerikanische Discounter expandieren

Das Wachstum der Discounter geht zulasten der Vollsortimentketten. Landesweit zählen dazu vor allem Kroger mit mehr als 2.700 Filialen und Albertsons mit mehr als 2.200 Standorten. Beide bieten ein breites Sortiment mit in der Regel 30.000 bis 40.000 Artikeln, haben jedoch in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren. Eine geplante Fusion von Kroger und Albertsons scheiterte 2024.

Die Vollsortimenter geraten zudem durch die ehrgeizigen Expansionspläne der US‑Discounter unter Druck. Grocery Outlet strebt langfristig ein landesweites Netz von rund 4.000 Filialen an – fast das Siebenfache der rund 560 Märkte Ende 2025.

Auch die "Dollar Stores" von Ketten wie Dollar General und Dollar Tree erweitern ihr Lebensmittelangebot. Dollar General plant, seine Präsenz längerfristig von derzeit rund 20.000 Geschäften auf 30.000 Standorte auszubauen. Parallel dazu will Marktführer Walmart in den kommenden fünf Jahren 150 Standorte eröffnen oder modernisieren.

Marktanteil der Top-10-Lebensmitteleinzelhändler Anteil in Prozent
Unternehmen

2023

2025

Walmart

21,0

21,0

Kroger

9,1

8,5

Costco Wholesale

7,6

8,2

Albertsons

5,2

4,9

Publix

4,1

4,1

Ahold Delhaize

4,3

4,0

Sam's Club

3,8

3,8

Aldi

2,6

2,8

Target

2,5

2,3

H-E-B

2,0

1,9

Quelle: Numerator 2026

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