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US-Lebensmittelindustrie fährt 2026 Investitionen hoch
Trumps Migrationspolitik führt zu einer Automatisierungswelle. Deutsche Maschinenbauer können ihre Lieferungen trotz Zöllen stabil halten. Die langfristigen Absatzchancen sind gut.
06.02.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
In der amerikanischen Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie stehen die Zeichen sowohl absatz- als auch investitionsseitig auf Expansion. Der Verbrauch von verarbeiteten Nahrungsmitteln legt stetig zu. Zugleich treibt die strikte Immigrationspolitik der Trump-Administration die Branche zu Produktivitätssteigerungen mittels Robotik und Automatisierungstechnik an. Laut Catena Solution nahm die Investitionstätigkeit 2025 infolge des Handelskonflikts und der damit verbundenen Unsicherheit zwar leicht ab. Für 2026 erwarten die Marktforscher aber eine Wiederbelebung.
Fleisch- und Molkereibetriebe investieren am meisten
Die Liste an neuen Projekten ist lang: Kraft Heinz will 3 Milliarden US‑Dollar (US$) in die Modernisierung von 30 Fabriken investieren. Mars Inc. investiert 2 Milliarden US$ in die Lebensmittelverarbeitung und Produktentwicklung. Die drei Fleischkonzerne Cargill, Tyson und JBS, die einen Großteil des Rindfleischmarktes kontrollieren, kündigten Investitionen im Umfang von zusammengerechnet 600 Millionen US$ an.
Besonders investitionsfreudig sind Molkereibetriebe. Laut der International Dairy Foods Association befinden sich bis 2028 Dutzende Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 11 Milliarden US$ in der Pipeline. Das Unternehmen Chobani beispielsweise will für zusammengerechnet 1,7 Milliarden US$ eine Joghurtfabrik bauen und eine weitere erweitern.
Die Lebensmittelindustrie beschäftigt traditionell viele Migranten. Die entsprechende Quote liege in der Fleischverarbeitung bei 42 Prozent, so Poultry World. Die Hälfe davon soll zudem ohne gültige Dokumente arbeiten. Viele Betriebe verloren 2025 durch Razzien und Ausweisungen Personal. Die Lücke zu füllen ist äußerst schwierig. "Für gebürtige Amerikaner ist es wenig attraktiv, im produzierenden Gewerbe zu arbeiten", konstatiert Tilman Bender, Geschäftsführer der Personalberatung TH Bender, im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Die Nahrungsmittelindustrie gilt dabei als besonders unattraktiv. An einer verstärkten Automatisierung der Betriebe führt damit kein Weg vorbei.
Markt für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen wächst stetig
Das US-Marktvolumen für Nahrungsmittelmaschinen beziffert S&S Insider für 2024 auf rund 9 Milliarden US$. Bis 2032 soll es auf 13,4 Milliarden US$ ansteigen, was einem jährlichen Plus von nominal 5,3 Prozent entspräche. Bei Verpackungsmaschinen für die Lebensmittelindustrie kommen die Analysten für den vorliegenden Zeitraum auf eine Steigerung von 21 Milliarden US$ auf 30 Milliarden US$ beziehungsweise auf ein Wachstum von 4,4 Prozent per annum. Da die Ansprüche an die Nahrungsmittelsicherheit und -haltbarkeit weiter zunehmen, wachse insbesondere der Bedarf an thermischen Geräten wie industriellen Öfen und Trocknern, Pasteurisierungsanlagen sowie Wärmetauschern.
Von der steigenden Investitionstätigkeit können auch ausländische Firmen profitieren. Die USA müssen einen Teil ihres Bedarfs an Fertigungstechnologie importieren. So beliefen sich die Einfuhren an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 2024 auf knapp 6 Milliarden US$, berichtet die U.S. International Trade Commission. In den ersten zehn Monaten 2025 stiegen sie – gegen den allgemeinen Abwärtstrend bei der Einfuhren – leicht an. Ein Teil der Verpackungsmaschinenimporte ist für die Pharma- und Kosmetikindustrie bestimmt.
"Made in Germany" auf Platz 1
Deutschland ist traditionell der wichtigste Lieferant von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen für die Vereinigten Staaten. Im Jahr 2024 summierten sich die entsprechenden Einfuhren auf fast 1,5 Milliarden US$. Zwischen Januar und Oktober 2025 legten sie um 1,4 Prozent zum Vorjahr zu. Derweil mussten Konkurrenten aus China und Kanada Federn lassen, weil ihre Länder besonders stark von den US-Zöllen betroffen waren.
Die meisten Einfuhren aus Deutschland unterliegen im Rahmen der EU-US-Handelsvereinbarung einem Zoll von 15 Prozent. Hinzu kommen anteilige Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Aluminium und Stahl sowie zahlreiche Derivate. Nahezu die Hälfte der deutschen Maschinenlieferungen in die Vereinigten Staaten ist nach Einschätzung des Fachverbands VDMA davon betroffen. Neben den eigentlichen Zollkosten belaste der hohe Bürokratieaufwand. Müssen doch für jede Schraube Metallgehalt und Herkunft ermittelt werden.
Ausländische Maschinenbauer wälzen Zollkosten oft auf Endabnehmer ab
Allerdings gibt es in zahlreichen Sparten in den USA relativ wenige einheimische Konkurrenten. Damit haben die deutschen Lieferanten eine starke Verhandlungsposition. Viele geben die Zusatzkosten größtenteils an ihre Kunden weiter. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) kommt Anfang 2026 in einer Berechnung auf eine Quote von 96 Prozent. Eine Studie der Universitäten Harvard und Chicago spricht von 94 Prozent. Branchenkenner halten diese Zahlen allerdings für zu hoch.
Die Bereitschaft, Fertigungsschritte in die USA zwecks Zollumgehung zu verlagern, fällt recht gering aus. Es fehlen Fachkräfte und die Löhne sind zumeist deutlich höher als in Deutschland. Einfuhren sind oft auch inklusive der Zollkosten günstiger als in den Vereinigten Staaten gefertigte Maschinen und Anlagen. Allerdings gibt es eine Tendenz, verstärkt Wartungs- und Reparaturschritte vor Ort durchführen zu lassen. Die US-Kunden erwarten einen raschen Service, der sich schwer ausschließlich von Deutschland aus erledigen lässt.