Wirtschaftsumfeld | Polen | Arbeitsmarkt, Lohnkosten
Polen
04.12.2024
Polen gilt nicht mehr als Billiglohnland, denn Arbeit ist teurer geworden. Zwischen 2019 und 2023 kletterte das Durchschnittsgehalt um insgesamt 45,5 Prozent, berichtet die Sozialversicherungsanstalt ZUS. Auch 2024 bleiben die Zuwachsraten zweistellig. Erst 2025 flacht die Dynamik laut Eurostat ab.
Sprünge beim gesetzlichen Mindestlohn treiben das Lohnniveau. Hinzu kommt die Inflation und der Mangel an Fachkräften gepaart mit einer schrumpfenden Bevölkerung. Gleichzeitig eröffnen Unternehmen mehr und mehr Forschungszentren in Polen. Diese Einrichtungen zahlen hohe Gehälter. Arbeitsintensive Produktionswerke mit niedrigen Löhnen schließen hingegen. Fachkräfte aus dem Ausland können den angespannten Arbeitsmarkt nur bedingt entlasten. Verschärfend kommt hinzu, dass Polen internationale Anwerbeprogramme nach einem Korruptionsskandal zurückgefahren hat.
Arbeitgeber zahlen die höchsten Gehälter in den Wirtschaftszentren. Hierzu gehören Warschau, Gdańsk, Poznań und der Süden. Dank schlechterer Anbindung sind der Osten Polens und einige Gegenden im Westen günstiger.
Die Lohnunterschiede zwischen Polen und Deutschland fallen immer noch deutlich aus. Je nach Branche schrumpft der Abstand. Erfahrene Programmierer mit fließenden Deutschkenntnissen verdienen in Polen nur rund ein Viertel weniger. Anders als in Deutschland findet die berufliche Ausbildung in Polen hauptsächlich in den Berufsschulen statt.