Arbeitsmarkt | Portugal

Hohe Beschäftigung erschwert Suche nach Fachkräften

Das Lohnniveau in Portugal fällt im europäischen Vergleich eher niedrig aus. Die Tendenz zeigt jedoch nach oben, auch wegen des zunehmenden Fachkräftemangels.

Von Friedrich Henle, Caroline Cöster Domingues (AHK Portugal) | Madrid, Lissabon

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Weit überdurchschnittliche Fremdsprachenkenntnisse
  • Hoher Anteil naturwissenschaftlich-technischer Studienabschlüsse
  • Unternehmen loben motivierte und flexible Arbeitskräfte

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Brain Drain von Fachkräften ins Ausland
  • Faktische Vollbeschäftigung bedeutet teils knappe Arbeitskräfte
  • Verbreitete Unzufriedenheit mit Gehalt und Entwicklungschancen

  • Portugals Arbeitsmarkt bleibt durch Zu- und Abwanderung in Bewegung. Die Gehälter sind im EU-Vergleich niedrig. Jedoch herrscht erhebliche Konkurrenz um Fachkräfte.

    Der Ausbildungsstand in Portugal wird insbesondere im universitären Bereich immer wieder von Unternehmen gelobt. Einer der Gründe dafür ist, dass viele wirtschaftsrelevante Studienfächer häufig belegt werden. Der Anteil der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) liegt bei etwa 28 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Unternehmen in Portugal schätzen am lokalen Personal neben den reinen Fachkenntnissen die Motivation sowie Flexibilität und Lernbereitschaft. 

    Verfügbarkeit von Fachkräften - zwei Seiten einer Medaille

    Der Statistikdatenbank Pordata zufolge schlossen 2023 rund 95.600 Menschen in Portugal Universitätsstudiengänge ab. Das ist ein Zuwachs von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter befanden sich 21.000 aus dem Spektrum Finanzen/Wirtschaft/Recht und 17.400 aus den Ingenieurwissenschaften. Mathematik, naturwissenschaftliche Fächer und Informations- und Kommunikationstechnologie absolvierten 8.500 Personen.

    Angesichts einer geringen Arbeitslosigkeit und eines hohen Beschäftigungsstands stellt eher die Verfügbarkeit von Arbeitskräften für Arbeitgeber eine Herausforderung dar. Laut einer Umfrage der ManpowerGroup von Februar 2025 sagen 84 Prozent der Arbeitgeber in Portugal, dass sie Probleme beim Recruiting hätten. In den untersuchten 42 Ländern steht Portugal damit auf Platz 3. Nur in Deutschland und Israel gaben Arbeitgeber noch höhere Werte an. Insbesondere in den Bereichen Gesundheitswirtschaft, Schwerindustrie und Materialien sowie Konsumgüter und Dienstleistungen fehlt qualifiziertes Personal. Die befragten Arbeitgeber gaben an, dass sie vor allem durch interne Weiterbildung und Umschulung sowie durch Lohnsteigerungen diesem Mangel begegnen würden. 

    Beispielsweise bei technischem und naturwissenschaftlichem Fachpersonal stehen Unternehmen untereinander im Wettbewerb, aber oft auch mit Konkurrenten im Ausland. Manche technologischen Vorreiter kooperieren mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen und positionieren sich damit als potenzielle Arbeitgeber. So kooperiert Bosch mit der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität Minho.

    Migration in den Arbeitsmarkt und gleichzeitig Braindrain ins Ausland

    Die demografischen Herausforderungen in Portugal und Deutschland ähneln sich sehr. So sind die Geburtenraten vergleichbar niedrig und die Lebenserwartung nahezu gleich hoch. Auf dem Arbeitsmarkt in Portugal herrscht jedoch mehr Bewegung, als die stagnierende Einwohnerzahl und die geringe Arbeitslosigkeit nahelegen.

    Einerseits sorgt Migration dafür, dass neue Arbeitskräfte auf dem portugiesischen Arbeitsmarkt aktiv werden. Insgesamt leben bereits rund 1 Million Migranten in Portugal. Sie stammen laut dem Datenportal der Wirtschaftszeitung Expansión vor allem aus den portugiesischsprachigen Ländern Angola und Brasilien. Häufig sind Zugewanderte in Dienstleistungsjobs tätig. Auch die Landwirtschaft setzt zunehmend auf Arbeitskräfte aus dem Ausland.

    Dem Zustrom an neuen Arbeitskräften steht andererseits eine massive Abwanderung aus Portugal gegenüber. Insbesondere junge und gut ausgebildete Portugiesinnen und Portugiesen verlassen das Land, wenn ihnen im Ausland teils wesentlich höhere Gehälter winken. Insgesamt leben mehr als zwei Millionen portugiesische Staatsangehörige im Ausland. Die beliebtesten Auswanderungsziele waren im Jahr 2022 Spanien, Frankreich und die Schweiz.

    Arbeitslosigkeit betrifft vor allem junge Menschen

    Die Arbeitslosenquote sank laut portugiesischem Statistikamt INE im 2. Quartal 2025 auf 5,9 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 20 Jahren. Die Anzahl der Beschäftigten stieg auf 5,25 Millionen. Dahinter steckt die gute wirtschaftliche Entwicklung, die vor allem durch die robuste private Nachfrage und den Anstieg der Investitionen getragen wird.

    Die Betrachtung nach Altersgruppen deckt aber große Unterschiede auf. Demnach ist Arbeitslosigkeit in Portugal vor allem ein Jugendphänomen. Bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote bei 18,1 Prozent. In der Altersgruppe ab 25 Jahre sind nur 5 Prozent als arbeitslos gemeldet. 

    Auch bei Teilzeit und Befristungen sind jüngere Arbeitskräfte deutlich stärker vertreten. Der Berufseinstieg ist oftmals schwierig. Mit zunehmender Erfahrung finden Arbeitskräfte ihren Platz im Berufsleben jedoch in großer Mehrzahl, sei es im In- oder im Ausland.

    Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse im internationalen Vergleich

    Portugal nimmt bei den Fremdsprachenkenntnisse im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Das gilt vor allem für Englisch. Im Ranking von Education First belegt das Land weltweit den 6. Platz bei den Englischkenntnissen von Nicht-Muttersprachlern.

    Viele Portugiesinnen und Portugiesen sprechen jedoch auch weitere Sprachen wie Spanisch oder Französisch. Die verbreitete Mehrsprachigkeit ist ein Faktor, der auch die Ansiedlung von Zentren für Unternehmensdienstleistungen in den vergangenen Jahren begünstigt hat.

    Portugal im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

    Quelle: CIA Factbook 2024

     

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Unternehmen spüren den Fachkräftemangel stärker als in früheren Jahren. Sie steuern mit dem Einsatz von Personalvermittlungen und internen Qualifizierungen gegen diesen Trend an.

    Die Mehrheit der Arbeitgeber in Portugal befindet sich auf der Suche nach neuen Arbeitskräften und möchte diese längerfristig an sich binden. Wie im Vorjahr wollen 82 Prozent der von der Personalberatung Hays befragten circa 900 Unternehmen im Jahr 2025 neues Personal einstellen. Sie planen in drei Viertel der Fälle mit Festanstellungen. Die gefragtesten Profile beziehen sich auf Vertriebspersonal, Ingenieurwissenschaften und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Die Umfrage hatte Hays im November 2024 durchgeführt.

    Mit internen Umschulungen und Personaldienstleistern gegen den Fachkräftemangel

    Den Schwierigkeiten bei der Personalsuche begegnen Arbeitgeber mit unterschiedlichen Maßnahmen. Zum Teil behelfen sie sich damit, ihre bestehende Belegschaft umzuschulen oder weiter zu qualifizieren. Zudem weiten Unternehmen den internationalen Fokus ihrer Suche aus und schalten vermehrt Personaldienstleister für die Rekrutierung ein. Von diesen bieten einige auch jährlich aktualisierte Lohn- und Gehaltsstudien an, so etwa Hays, Mercer, oder Page Personnel. Auf Zeitarbeitsverträge spezialisierte Firmen sind zum Beispiel Manpower Group, RHmais und Randstad Portugal.

    Es gibt eine Vielzahl von Personalberatungsfirmen, sogenannte Consultorias de Recursos Humanos. Unternehmen, die portugiesische oder deutsche Führungs- und Fachkräfte für Aufgaben in Portugal suchen, finden auch in der Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Portugal) einen erfahrenen Ansprechpartner. Zu den Mitgliedern der AHK Portugal gehören zudem mehrere Personalvermittlungsfirmen.

    Von staatlicher Seite ist das Institut für Beschäftigung und Berufsbildung IEFP landesweit mit seinen Zentren für die Vermittlung von Arbeitskräften zuständig. Das dazugehörige Portal net empregos veröffentlicht Stellenangebote. Auch zahlreiche Unternehmen weisen auf ihren Internetseiten auf Stellenangebote hin. Die Suche über Jobportale wie Emprego ist verbreitet.

    Nachhaltigkeitsziele von Unternehmen erfordern passendes Fachpersonal

    "Grüne" Jobs sind in Portugal vor allem ein Thema in der Industrie und der Energiewirtschaft. Die Bedeutung solcher Profile dürfte zunehmen, um die Unternehmensziele im Bereich Nachhaltigkeit in diesen Branchen zu erreichen. 

    Am stärksten trifft das auf Industrieunternehmen, aber auch auf Energiekonzerne und Versorgungsunternehmen zu. In den Sektoren IKT und Handel schlägt sich die Bedeutung der Green Economy weniger deutlich nieder.

    Künstliche Intelligenz verändert Tätigkeiten, aber weniger die Anzahl der Arbeitsplätze

    Der Trend zu generativer künstlicher Intelligenz (KI) erfasst viele Aufgaben in portugiesischen Unternehmen. Für Arbeitskräfte verlagern sich Tätigkeiten von Routineaufgaben zur kritischen Prüfung von KI-generierten Ergebnissen und der Lösung komplexer Probleme. 60 Prozent der von Hays befragten Unternehmen sagen, dass sie ihren Mitarbeitenden bereits Schulungen und Unterstützung für den Einsatz von KI anbieten. Sie erhoffen sich dadurch in 63 Prozent der Fälle eine höhere Produktivität und Effizienz. Zudem setzen 47 Prozent auf mehr Kreativität und Ideenfindung durch KI.

    Bei den befragten Fachkräften machen sich drei Viertel keine oder wenig Sorgen vor den Auswirkungen der KI-Anwendungen auf ihren Job. Auf der anderen Seite geben 21 Prozent von ihnen an, bis Ende 2025 ihren Beruf oder ihr Fachgebiet wechseln zu wollen, als Reaktion auf die Entwicklungen im KI-Bereich.

    Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und niedrige Gehälter 

    Für Unzufriedenheit bei Beschäftigten sorgen vor allem fehlende Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Höhe der Gehälter und Leistungsprämien. Mit Blick auf das Trendthema mentale Gesundheit beklagt die Arbeitnehmerschaft am häufigsten ein allgemein hohes Stresslevel, eine geringe Unterstützung durch das Unternehmen sowie zu viele Arbeitsstunden.

    Aus Sicht des Personals summieren sich einzelne Negativfaktoren häufig auf einem hohen Niveau. So äußerten 68 Prozent der Beschäftigten Interesse an einem Jobwechsel. Dieser Wert hatte allerdings in der letzten Hays-Umfrage noch 77 Prozent betragen. Eine tatsächliche berufliche Veränderung in den letzten zwölf Monaten realisierten 29 Prozent der Beschäftigten. Dabei handelte es sich in 68 Prozent der Fälle um einen Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber, bei 19 Prozent um eine Veränderung innerhalb des Unternehmens und bei 13 Prozent um einen vollständigen Berufswechsel.

    Das Wissen um die Schwachpunkte des Arbeitsmarkts können Unternehmen jedoch in eigene Stärken ummünzen. Wenn sie Entwicklungsperspektiven aufzeigen und Leistung honorieren, können sie sich positiv von Wettbewerbern absetzen. Anstrengungen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung schlagen sich positiv im Engagement der Angestellten sowie in ihrer Loyalität, Leistungsbereitschaft und Produktivität nieder.

    Bei geeigneten Tätigkeiten kann auch das Homeoffice ein Faktor für Zufriedenheit sein. Unter den von Hays befragten Unternehmen bieten 43 Prozent das mobile Arbeiten an. Meistens bedeutet das ein hybrides Modell mit jeweils zwei bis drei Tagen Präsenz beziehungsweise Homeoffice. Angebot und Nachfrage treffen in diesem Punkt gut zusammen. Für Berufstätige stellt das Homeoffice in 52 Prozent der Fälle einen Pluspunkt dar.

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Löhne und Gehälter in Portugal zogen 2024 stark an. 2025 wollen die meisten Unternehmen die Vergütungen um bis zu 5 Prozent anheben.

    Im Umfeld von Fachkräftemangel und Wechselbereitschaft ging der Trend 2024 zu kräftigen Lohnzuwächsen. Der durchschnittliche Monatslohn stieg gegenüber dem Vorjahr nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation um 10,6 Prozent auf 1.171 Euro.

    Rund 65 Prozent der circa 900 von der Personalberatung Hays befragten Unternehmen in Portugal wollen 2025 die Gehälter um maximal 5 Prozent anheben. Weitere 18 Prozent stellen sich auf Steigerungen oberhalb dieses Wertes ein. Rund 17 Prozent rechnen nicht mit Gehaltserhöhungen.

    Die gesamten Arbeitskosten in Portugal bleiben im europäischen Vergleich niedrig. Eine Arbeitsstunde kostete 2024 inklusive Sozialabgaben laut Eurostat 18,20 Euro, gegenüber 25,50 Euro im Nachbarland Spanien und 43,40 Euro in Deutschland. Der EU-Durchschnitt betrug im selben Jahr 24,70 Euro. 

    Höhere Gehälter in Lissabon und Porto

    In den beiden größten Städten Portugals, Lissabon und Porto, erhalten Arbeitskräfte meistens mehr Gehalt als in den anderen Landesteilen. Die Großräume beider Städte bilden die wirtschaftlichen Hotspots Portugals. Den regionalen Spitzengehältern stehen allerdings auch entsprechende Lebenshaltungskosten gegenüber, insbesondere für das Wohnen. 

    Für Arbeitgeber sind die Großräume Lissabon und Porto auch wegen der Bildungs- und Forschungsinfrastruktur und der Vernetzung mit anderen Unternehmen interessant. Zudem treffen sie auf einen zahlenmäßig großen Pool von potenziellen Arbeitskräften.

    Manche Unternehmen siedeln sich allerdings im Umland der großen Städte an und fahren so günstiger. Einige Business Service Centres haben kleinere Universitätsstädte als Standorte gewählt. Dort können sie Personal rekrutieren und von geringeren Kosten profitieren. Wenn Tätigkeiten für mobiles Arbeiten geeignet sind, können auch günstige Standorte in der zweiten Reihe eine Alternative als Unternehmensstandort sein. 

    Mindestlohn steigt 2025 um 6 Prozent

    Der Mindestlohn wird in Portugal schwerpunktmäßig im Hotel- und Gaststättengewerbe gezahlt. Die Höhe beträgt 2025 monatlich 870 Euro bei 14 vorgeschriebenen Monatszahlungen. Auf zwölf Monatszahlungen umgerechnet entspricht das 1.015 Euro pro Monat. Gegenüber 2024 wurde diese Untergrenze um 6,1 Prozent angehoben. Die beiden monatlichen Zusatzgehälter werden in der Regel im Juli/August (Urlaubsgeld) sowie im Dezember (Weihnachtsgeld) mit ausgezahlt.

    Die portugiesische Statistik unterscheidet zwei verschiedene Bruttodurchschnittsverdienste: den monatlichen Grunddurchschnittsverdienst (Remuneração de base média mensal, RBMM) und den monatlichen Durchschnittsverdienst (Ganho médio mensal, GMM), der auch Überstunden und Variablen wie Essens- oder Transportkostenzuschüsse einschließt.

    In den Bereichen Energiewirtschaft und Finanzwesen zahlten portugiesische Unternehmen laut den neuesten verfügbaren Daten die höchsten Gehälter. Hotellerie und Gastronomie bildeten das Schlusslicht der Statistik.

     

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro
    Branche

    2024 

    Veränderung 2024/2023

    Durchschnittslohn

    1.171,4

    10,6

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    933,8

    7,0

    Verarbeitendes Gewerbe

    1.112,2

    13,1

    Energiewirtschaft

    1.602,7

    4,2

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    1.110,9

    8,5

    Baugewerbe

    1.096,9

    10,2

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    1.053,1

    9,7

    Transport und Lagerung

    1.377,3

    12,6

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    916,6

    8,8

    Informations- und Kommunikationsdienstleistungen

    1.682,8

    12,0

    Finanz- und Versicherungswesen

    1.567,1

    4,6

    Quelle: ILO 2025

    Führungskräfte erzielten laut den neuesten Angaben für 2024 gut die Hälfte mehr als der Durchschnittslohn sowie etwa das zweieinhalbfache Einkommen verglichen mit Hilfskräften.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro
    Position

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Durchschnittslohn

    1.171

    10,6

    Führungskraft

    1.827

    9,8

    Personal mit akademischer Ausbildung

    1.596

    10,2

    Techniker:in

    1.238

    9,7

    Unterstützende Bürokraft

    992

    9,0

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    910

    9,2

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    868

    9,7

    Handwerker:in

    996

    10,0

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    1.028

    7,8

    Hilfskraft

    728

    6,6

    Quelle: ILO 2025

    Weitere Lohnbestandteile

    In den Arbeitsverträgen nimmt die Aufteilung in eine Basisentlohnung und eine erfolgsabhängige Komponente zu. Bei den circa 2.800 von der Personalberatung Hays befragten Fachkräften erhalten 55 Prozent einen Bonus. Wer eine variable Vergütung bekommt, erhält sie meist für gute Ergebnisse des Unternehmens (31 Prozent der Befragten), für persönliche Leistungen und Ziele (28  Prozent) oder für die Arbeit im Team oder in der Abteilung (21 Prozent). Diese drei Varianten sind am weitesten verbreitet.

    Über das Gehalt hinausgehende Leistungen sind auch in Portugal ein wirksames Mittel, um die Arbeitnehmerschaft zu binden. Weit verbreitet ist hierzulande eine private Krankenzusatzversicherung. Diese deckt die Kosten von Krankenhausaufenthalten, Geburten, Arzneimitteln, Zahnarztbehandlungen, Brillen oder Prothesen ab (der sogenannte Plano Médico). Diese Leistung gewähren laut Hays-Umfrage 73 Prozent der Unternehmen.

    Rund die Hälfte der Firmen bietet als Anreiz zusätzliche Urlaubstage über die vorgeschriebenen 22 Tage hinaus an. Weitere typische Leistungen sind beispielsweise privat nutzbare Firmenhandys (von 47 Prozent der befragten Unternehmen angeboten), privat nutzbare Dienstlaptops (46 Prozent) oder Essensgutscheine (46 Prozent).

    Sozialversicherungsbeiträge 

    Die anteiligen Sozialversicherungsbeiträge sind seit einigen Jahren unverändert. Zur Anwendung kommt ein Einheitssatz, die sogenannte "taxa única" in Höhe von 34,75 Prozent auf den Bruttomonatslohn. Der Arbeitgeberanteil beläuft sich auf 23,75 Prozent. In diesem Satz sind unter anderem Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, aber auch Elternzeit eingeschlossen. Der Arbeitnehmer entrichtet einen Anteil von 11 Prozent.

    Die Arbeitsunfallversicherung trägt allein der Arbeitgeber. Sie wird bei einer privaten Versicherungsgesellschaft abgeschlossen. Die Kosten schwanken je nach Berufsgruppe zwischen 2 und 7 Prozent der gezahlten Gesamtjahresvergütung, wobei das jeweilige Berufsrisiko ausschlaggebend ist.

    Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Einheitlicher Satz zur Sozialversicherung (Arbeitgeberanteil)

    23,75

    Einheitlicher Satz zur Sozialversicherung (Arbeitnehmeranteil)

    11,0

    Gesamter Beitragssatz "taxa única"

    34,75

    Quelle: Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer 2025

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Das Arbeitsrecht unterscheidet bei befristeten Verträgen zwischen zeitlich bestimmten und zeitlich unbestimmten. Kündigungen sind an strenge Formvorschriften gebunden.

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: freie Vereinbarung möglich
    Mindestlohn: 870 Euro bei 14 Monatszahlungen, 1.015 Euro bezogen auf 12 Monate
    Arbeitsstunden pro Woche: 39/40
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: 2 pro Tag
    Bezahlte Feiertage: 14
    Bezahlte Urlaubstage: 22
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Höhe je eines Monatsgehalts
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: (von der Sozialversicherung bezahlt) maximal 3 Jahre
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: keine *)
    Probezeit: abhängig von der Position 
    Quelle: AHK Portugal 2025

     

    *) ab dem vierten Tag hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Krankengeld von der Sozialversicherung; die Sozialversicherung zahlt gestaffelt nach Dauer der Arbeitsunfähigkeit folgende Prozentsätze des Lohns als Krankengeld: bis 30 Tage: 55 Prozent; zwischen 31 und 90 Tagen 60 Prozent; zwischen 91 und 365 Tagen 70 Prozent; über 365 Tage: 75 Prozent. Die Arbeitnehmer sind demzufolge die ersten drei Krankheitstage ohne Einkommen. Aus diesem Grund zahlen viele Arbeitgeber während der ersten drei Krankheitstage (was die überwiegende Zahl der Krankheitsfälle ausmacht) das Gehalt weiter und ab dem vierten Krankheitstag die Differenz zwischen Krankengeld und Gehalt.

    Insgesamt ist die Zahlung von 14 Monatsgehältern gesetzlich vorgeschrieben. Tarifverträge sehen ferner die Zahlung eines Essenszuschusses vor. Viele Arbeitgeber zahlen diesen Zuschuss auch freiwillig ohne tarifvertragliche Pflicht, da dieser bis zu einer gewissen Höhe steuer- und sozialabgabenfrei für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist.

    Rechtsgrundlagen

    Die Basis des Arbeitsrechts ist der Código do Trabalho (Arbeitsgesetzbuch), wie er am 17. Februar 2009 in seiner Neufassung in Kraft trat. Er fußt auf dem tiefgreifenden Reformwerk vom 1. Dezember 2003 mit entsprechenden Änderungen und Anpassungen.

    Der rechtliche Rahmen für den Sozialschutz bei eventueller Arbeitslosigkeit für Arbeitnehmer ist im Gesetzesdekret Nr. 220/2006 vom 3. November festgelegt. Das Arbeitslosengeld ist eine Geldzahlung, die von der Sozialversicherung an Arbeitnehmer gezahlt wird, die unfreiwillig ihren Arbeitsplatz verloren haben und soll den Einkommensausfall ausgleichen.

    Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach dem Einkommen des Arbeitnehmers und entspricht 65 Prozent des Referenzentgelts, wobei es Mindest- und Höchstgrenzen gibt. Die Anspruchsdauer richtet sich nach dem Alter des Leistungsempfängers und der Anzahl der Monate, in denen seit der letzten Arbeitslosigkeit Sozialversicherungsbeiträge geleistet wurden.

    Vertragsabschluss 

    Der schriftliche Vertragsabschluss ist üblich. Bei einem normalen, unbefristeten Arbeitsverhältnis hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine schriftliche Fixierung der wesentlichen Vertragsbedingungen. Befristete Arbeitsverträge müssen in jedem Fall schriftlich geschlossen werden. Wird ein befristeter Arbeitsvertrag mündlich abgeschlossen, liegt rechtlich ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vor.

    Das portugiesische Arbeitsrecht unterscheidet zwischen zwei Arten von befristeten Verträgen, zeitlich bestimmten (Datum des Beginns und der Beendigung sind genau geregelt) und zeitlich unbestimmten (das Ende ist an ein Ereignis geknüpft, beispielsweise Beendigung eines Projekts).

    Die maximale Dauer von befristeten Arbeitsverträgen beträgt inklusive Verlängerungen zwei Jahre. Der Vertrag darf bis zu dreimal verlängert werden, wobei die Gesamtdauer der Verlängerungen die Dauer der ersten Vertragslaufzeit nicht überschreiten darf. Die maximale Laufzeit des zeitlich unbestimmten, befristeten Arbeitsvertrags beträgt vier Jahre.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    In den Arbeitsverträgen werden die Hauptpflichten beider Parteien festgehalten. Die Parteien müssen weiter Neben- und Fürsorgepflichten beachten. So hat der Arbeitgeber beispielsweise eine Fürsorgepflicht in Bezug auf den Gesundheitsschutz des Mitarbeiters an seinem Arbeitsplatz. Vom Arbeitnehmer dagegen wird ein pfleglicher Umgang mit den zu bearbeitenden Materialien und den eingesetzten Maschinen erwartet, sowie Kollegialität gegenüber den anderen Mitarbeitern.

    Der Arbeitgeber muss Gewerkschaften in seinem Betrieb zulassen. Die Gründung von Betriebsräten ist von der jeweiligen Mitarbeiterzahl des Unternehmens abhängig. Bestimmte Formen der Mitbestimmung und Arbeitnehmervertretung über Betriebsräte sind erlaubt. Eine gerichtlich durchsetzbare Mitbestimmung gibt es in Portugal nicht, es besteht lediglich ein Mitwirkungsrecht.

    Dem Gesetz zufolge muss der Arbeitgeber die Arbeitnehmer für Weiterbildungsmaßnahmen von 40 Stunden pro Jahr freistellen.

    Vertragsbeendigung 

    Die in Deutschland bekannte ordentliche Kündigung mit Fristsetzung gibt es in Portugal nicht. Es bestehen grundsätzlich zwei Arten der Kündigung, die zu einem Ausscheiden des Mitarbeiters führen: verhaltensbedingte Kündigung und betriebsbedingte Kündigung (Kündigung aus betrieblichen, strukturellen und technologischen Gründen). In beiden Fällen muss eine tragfähige Begründung zugrunde gelegt werden.

    Alle Kündigungen sind an strenge Formvorschriften gebunden. Generell wird versucht Kündigungen zu vermeiden, weil die Durchführung schwierig ist und in der Regel eine Kündigungsschutzklage nach sich zieht, also oft viel Zeit in Anspruch nimmt. Aus diesem Grund wird häufig eine gegenseitige Übereinkunft bevorzugt. Die gesetzlichen Abfindungsansprüche richten sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Sie lag grundsätzlich bei 30 Tagen Gehalt pro geleistetem Arbeitsjahr. Bei späteren Einstellungsdaten ist es durch die Gesetzesreformen zu deutlichen Einschnitten gekommen.

    Seit dem 1. November 2011 hat der Gesetzgeber die Abfindung in Schritten auf die bis zuletzt geltenden 12 Tage Gehalt pro geleistetem Arbeitsjahr gekürzt. Im Rahmen der als Agenda für menschenwürdige Arbeit bekannten Arbeitsrechtsreform, die darauf abzielt, prekäre Arbeitsverhältnisse zu bekämpfen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu fördern, wurde die Höhe des Ausgleichs auf 14 Tage Gehalt pro geleistetem Arbeitsjahr erhöht.

    Liegt eine gegenseitige Übereinkunft vor, verliert der Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld - es sei denn, es handelt sich um den Wegfall des Arbeitsplatzes oder um einen Fall kollektiver Entlassung.

    Von Caroline Cöster Domingues (AHK Portugal) | Lissabon

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  •  

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK PortugalDeutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer
    Ministério do Trabalho, Solidariedade e Segurança SocialMinisterium für Arbeit, Solidarität und Soziale Sicherheit
    Ministério da EconomíaMinisterium für Wirtschaft
    Instituto do Emprego e Formação ProfissionalStaatliche Arbeitsagentur
    HAYS Portugal Personaldienstleister
    ManpowerGroup PortugalPersonaldienstleister
    Mercer PortugalPersonaldienstleister 
    AdeccoPersonaldienstleister 
    Michael PagePersonaldienstleister