Wirtschaftsausblick | Portugal

Portugals Wirtschaftswachstum verliert an Dynamik

Privater Konsum und Investitionen stützen zwar weiterhin die Konjunktur. Die EU-Kommission hat ihre Prognose aber nach unten revidiert.

Friedrich Henle

Von Friedrich Henle | Madrid

Top-Thema: Portugal stärkt Luftfahrtindustrie durch Großinvestitionen 

Neue Unternehmensinvestitionen stärken die Position Portugals als europäischer Luftfahrt- und Wartungsstandort. Lufthansa Technik hat Ende Juni 2026 mit dem Bau eines neuen Wartungs- und Reparaturzentrums in Santa Maria da Feira südlich von Porto begonnen. Die 55.000 Quadratmeter große Anlage soll 2028 in Betrieb gehen und auf die Reparatur von Triebwerksteilen sowie Flugzeugkomponenten spezialisiert sein. Das Investitionsvolumen liegt im dreistelligen Millionenbereich. Geplant sind bis zu 700 neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze.

In der südportugiesischen Region Alentejo will der brasilianische Flugzeughersteller Embraer ein Werk für 200 Millionen Euro errichten. Laut einer Absichtserklärung mit der portugiesischen Regierung sollen dort Militärflugzeuge des Modells A‑29N Super Tucano hergestellt werden. Im portugiesischen Verteidigungssektor steht voraussichtlich im Jahr 2027 eine Entscheidung darüber an, welche neue Generation von Kampfjets die portugiesische Luftwaffe anschafft. Im Rennen ist auch der schwedische Hersteller Saab, der eine lokale Teileproduktion für sein Modell Gripen verspricht.

Wirtschaftsentwicklung: Solide Werte im europäischen Vergleich

Die EU-Kommission hat im Mai 2026 ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Portugal gegenüber der Herbstprognose gesenkt. Die Kommission rechnet nun mit einem realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Jahr 2026 in Höhe von 1,7 Prozent. Im November 2025 hatte sie noch einen Anstieg von 2,2 Prozent erwartet. Die EU-Kommission begründet die niedrigere Prognose mit den schweren Stürmen zu Jahresbeginn, die erhebliche Schäden verursachten, sowie mit den infolge des Irankriegs gestiegenen Energiekosten.

Für das Jahr 2027 gehen die EU-Experten von einem Plus von 1,8 Prozent aus. Mit diesen Werten bewegt sich das Wachstum in Portugal weiterhin oberhalb des prognostizierten EU-Durchschnitts von 1,1 und 1,4 Prozent für die Jahre 2026 und 2027.

Die Regierung hat in den letzten Jahren Haushaltsüberschüsse erzielt. Den gestiegenen Handlungsspielraum hat sie für die Schuldentilgung sowie für Absenkungen bei der Einkommen- und der Körperschaftsteuer für Unternehmen genutzt. Für 2026 wird jedoch mit einem leichten Defizit gerechnet. Grund ist unter anderem, dass die Regierung den von größeren Sturmschäden betroffenen Haushalten und Unternehmen finanzielle Unterstützung angeboten hat.

Investitionen: Fördermittel sorgen für Anstieg

Im Jahr 2026 sollen die Investitionen um 3,9 Prozent steigen. Unterstützt wird diese Entwicklung durch den Endspurt bei den NextGenerationEU-Fonds der aktuellen Finanzperiode 2021 bis 2026. Von den 21,9 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten, mit denen Portugal Unternehmen und Infrastrukturprojekte unterstützen konnte, sind bis Anfang Juli 2026 etwa 68 Prozent bei der EU abgerufen worden.

Insbesondere bei den Bauinvestitionen rechnet die EU-Kommission mit einem größeren Plus von rund 5 Prozent. Hier sorgen Projekte im Infrastrukturbereich für Impulse. So laufen beispielsweise Arbeiten an der Schnellzugstrecke zwischen Évora und Elvas. Die Trasse ist ein wichtiges Verbindungsstück für die künftige Direktverbindung zwischen Lissabon und Madrid, und damit ein Puzzlestück für den Ausbau der europäischen Verkehrskorridore im Schienenbereich (Atlantikkorridor). 

Konsum: Ausblick für die private Nachfrage bleibt positiv

Ein Wachstumstreiber für die portugiesische Wirtschaft bleibt der private Konsum. Ihn stärkt ein weiterer Anstieg der Beschäftigung, auch wenn der Zuwachs etwas nachlässt. Insgesamt fallen die Aussichten für die Nachfrage der Haushalte mit einem Plus von 1,9 Prozent für 2026 und 2,3 Prozent für 2027 positiv aus. 

Problematisch bleibt jedoch das immer teurere Wohnen. Laut nationalem Statistikamt haben die Mieten bei Neuverträgen im 1. Quartal 2026 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt. In der Hauptstadt Lissabon ist die Miete für eine Zweizimmerwohnung mittlerweile höher als das monatliche Durchschnittseinkommen in Portugal.

Außenhandel: Prognose nach unten revidiert

Die Prognose der EU-Kommission vom Mai 2026 sieht beide Seiten der Außenhandelsbilanz zwar im Plus. Gegenüber der vorangegangenen Prognose hat sie den Zuwachs bei den Exporten für das Jahr 2026 aber von 1,5 auf 0,6 Prozent gesenkt. Grund dafür ist vor allem die größere Unsicherheit im Welthandel, unter anderem durch die Zollpolitik von US-Präsident Trump. Die Dienstleistungsexporte wiederum profitieren vom anhaltenden Tourismusboom. Die Importe sollen 2026 um 2 Prozent zunehmen.

Deutsche Perspektive: Portugal als Beschaffungsmarkt immer wichtiger

Deutschland importierte 2025 laut Eurostat Waren im Wert von 10,8 Milliarden Euro aus Portugal, ein Plus von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber waren vor allem mehr Kfz-Importe, aber auch eine signifikante Zunahme der Einfuhren von Maschinen und Haushaltsgeräten.

Ein wichtiger Teil der Einfuhren aus Portugal ist auf die lokale Präsenz deutscher Unternehmen zurückzuführen. Laut Angaben der Deutschen Bundesbank hatten Ende 2024 insgesamt 389 deutsche Unternehmen, die eine Bilanzsumme von mindestens 3 Millionen Euro aufweisen, in Portugal investiert. Diese beschäftigten 87.000 Mitarbeitende und erzielten einen Jahresumsatz von rund 30 Milliarden Euro im Land.

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