Wirtschaftsausblick | Slowenien

Sloweniens neue Regierung setzt auf Wirtschaftsreformen

Die slowenische Wirtschaft steuert auf stärkeres Wachstum zu. Bei Industrie und Exporten mehren sich Stabilisierungssignale. Unternehmen hoffen auf bessere Rahmenbedingungen.

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

Top-Thema: Reformpläne versprechen Entlastungen für Unternehmen

Slowenien steht vor einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel: Nach langwierigen Koalitionsverhandlungen trat im Juni 2026 die neue, rechtskonservative Regierung unter Führung von Ministerpräsident Janez Janša ihr Amt an. Sie löst die linksliberale Regierung von Robert Golob ab. Deren Wirtschaftspolitik hatte zuletzt Kritik geerntet. Unternehmen bemängelten staatliche Eingriffe und steigende Arbeitskosten, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigten und das Geschäftsklima belasteten.

Die neue Regierung will die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Der Koalitionsvertrag sieht steuerliche Entlastungen, den Abbau bürokratischer Hürden und schnellere Genehmigungsverfahren vor. Zudem soll der Arbeitsmarkt flexibler werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Weitere Maßnahmen schaffen Anreize für Investitionen in F&E, Digitalisierung und Automatisierung und sollen Infrastruktur- sowie Energieprojekte beschleunigen.

Bereits vor Regierungsantritt waren einzelne Themen durch die neue Parlamentsmehrheit in einem sogenannten Interventionsgesetz adressiert worden. Das beschlossene, aber noch nicht in Kraft getretene Gesetz ist allerdings umstritten. Kritiker warnen vor Risiken für die öffentlichen Finanzen und erwarten eine verfassungsrechtliche Überprüfung. In der Wirtschaft überwiegt gleichwohl Optimismus. 

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur zieht an, bleibt aber unter Erwartungen

Sloweniens Wirtschaft dürfte 2026 wieder stärker wachsen. Die Europäische Kommission rechnet in ihrer Frühjahrsprognose mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,9 Prozent. Das sind zwar 0,5 Prozentpunkte weniger als in der Herbstprognose erwartet, aber deutlich mehr als das Wachstum von 1,1 Prozent im Vorjahr. Für 2027 prognostiziert die Kommission ein Plus von 2,3 Prozent.

Die Binnennachfrage wird 2026 zum wichtigsten Konjunkturtreiber. Der private Konsum bleibt robust, gestützt durch hohe Beschäftigung und weiter steigende Löhne. Der zuletzt gestiegene Preisdruck dürfte die Kaufkraft zwar belasten, aber vorerst nicht spürbar schmälern. Die slowenische Zentralbank erwartet für 2026 eine Inflation von 3,6 Prozent; zu Jahresbeginn lag die Schätzung noch deutlich niedriger. Bei nominalen Lohnzuwächsen von knapp 7 Prozent bleiben die Realeinkommen im Plus. Auch der Staatskonsum dürfte weiter steigen, vor allem wegen höherer Lohnkosten im öffentlichen Sektor und der vollständigen Umsetzung der neuen Pflegeversicherung.

Zurückhaltung bei privaten Investitionen

Investitionen bleiben eine wichtige Konjunkturstütze, entwickeln sich jedoch uneinheitlich. Die öffentlichen Infrastrukturausgaben dürften hoch bleiben, weil weiterhin Projekte aus EU-Mitteln und dem Wiederaufbaufonds nach der Flutkatastrophe von 2023 finanziert werden. Bis zum Ende der laufenden EU-Haushaltsperiode 2027 stützen diese Mittel vor allem den Tiefbau und andere öffentliche Infrastrukturvorhaben. Die Privatwirtschaft bleibt zurückhaltend: Höhere Risiken, steigende Kosten und verschlechterte Standortbedingungen bremsen die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Bei den Ausrüstungs- und Anlageinvestitionen ist 2026 kaum mit Zuwächsen zu rechnen. 

Gleichwohl zeigen Industrie und Exportwirtschaft Anzeichen einer Stabilisierung. In den ersten vier Monaten 2026 lag die Produktion des verarbeitenden Gewerbes 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders kräftig fiel das Wachstum in Branchen des mittleren bis niedrigen Technologiesegments aus. Parallel stiegen die Warenexporte um 2,8 Prozent. Die Ausfuhren nach Deutschland legten dagegen lediglich um 0,3 Prozent zu. Besonders stark wuchsen die Exporte von Pharmazeutika, Fahrzeugen sowie elektrischen Maschinen und Ausrüstungen.

Industrie bleibt unter Wettbewerbsdruck

Für das Gesamtjahr erwartet das nationale Wirtschaftsforschungsinstitut IMAD ein Exportwachstum von 2 Prozent. Damit dürfte auch die Industrieproduktion nach dem Rückgang im Vorjahr wieder zulegen. Impulse kommen aus Schlüsselbranchen: Der Pharmasektor profitiert von laufenden Investitionen, etwa durch Novartis und Sandoz. Im Fahrzeugbau soll der Produktionshochlauf des E-Twingo im Renault-Werk Novo mesto die Auslastung stützen.

Die Erholung bleibt jedoch fragil. Die Auslandsnachfrage entwickelt sich volatil, höhere Energiepreise verstärken den Kostendruck, und die kräftigen Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre wurden nicht durch Produktivitätszuwächse ausgeglichen. Dadurch verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Der Chefökonom der slowenischen Industrie- und Handelskammer warnt bereits, dass internationale Hersteller Produktionsverlagerungen an kostengünstigere Standorte prüfen könnten.

Deutsche Perspektive: Schlechte Noten für den Investitionsstandort

Auch deutsche Unternehmen leiden unter den eingetrübten Standortbedingungen. Ein prominentes Beispiel ist der Kfz-Zulieferer Mahle, der seine Produktion seit 2025 schrittweise nach Ungarn und Bosnien-Herzegowina verlagert. Betroffen sind mehr als 600 Arbeitsplätze. Weitere Produktionsverlagerungen sind nicht ausgeschlossen. Denn die Stimmung deutscher Unternehmen in Slowenien hat sich deutlich eingetrübt.

In der Frühjahrsumfrage der AHK Slowenien gaben nur noch 59 Prozent der befragten Unternehmen an, Slowenien erneut als Investitionsstandort wählen zu wollen. Ein Jahr zuvor waren es noch 80 Prozent. Im Vergleich mit den Ländern Mittel- und Osteuropas ist das der niedrigste Wert. Knapp ein Drittel der Unternehmen würde stattdessen anderswo investieren, alternativ vor allem in Kroatien und Ungarn.

An der Spitze der Geschäftsrisiken stehen seit Jahren die Lohnkosten. Der steigende Lohndruck wurde in der AHK-Befragung auch mit der Politik der Vorgängerregierung in Verbindung gebracht. Mit deren Wirtschaftspolitik waren 81 Prozent der Unternehmen unzufrieden. Von der neuen Regierung erwarten deutsche Investoren nun vor allem verlässlichere und wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen. 

Slowenien verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreicher Investitionsstandort zu sein. Die Herausforderung besteht darin sicherzustellen, dass unsere politischen Rahmenbedingungen ebenso wettbewerbsfähig sind wie unser Potenzial.

Andrej Šafarič Head of Legal and Compliance, Bayer d.o.o. Slovenia