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Rumänien investiert in neue Krankenhäuser und digitalisiert das Gesundheitswesen. Für diese Vorhaben verspricht die Regierung Fördergelder in Höhe von 5,7 Milliarden Euro.
01.12.2025
Von Dominik Vorhölter | Bukarest
Die rumänische Regierung ist entschlossen, die medizinische Versorgung von Krebspatienten, Schlaganfallbetroffenen sowie von Menschen mit schweren Verbrennungen zu verbessern. Der Staat investiert in den kommenden fünf Jahren rund 5,7 Milliarden Euro in die Modernisierung und in den Bau neuer Krankenhäuser. Für eine Kooperation ist jetzt ein guter Zeitpunkt, weil die Regierung erwartet, im Jahr 2026 weitere EU-Fördermittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität abrufen zu können. Diese EU-Fördermittel sichern Investitionsvorhaben ab.
Neue Krankenhausprojekte versprechen Wachstum
Aus dem Förderinstrument Aufbau- und Resilienzfazilität werden einzelne Krankenhausprojekte finanziell mit rund 535 Millionen Euro unterstützt. Weitere 2,5 Milliarden kann Rumänien über die Kohäsionspolitik der EU erhalten. Damit stellt die EU im Rahmen des mehrjährigen Finanzplans für den Zeitraum 2021 bis 2030 Fördermittel für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in strukturschwachen Regionen bereit. Davon werden die geplanten Projekte außerhalb der großen Wirtschaftszentren Bukarest, Timisioara und Cluj-Napoca profitieren. Neben den EU-geförderten Projekten plant das Gesundheitsministerium, rund 2,7 Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt zu investieren. Hier liegt der Fokus auf Neubauten.
Der gesamten Importe medizinischer Ausrüstung nach Rumänien kommen aus Deutschland, dem größten Handelspartner Rumäniens in der Branche.
Quelle: UN Comtrade 2025
Die geplanten Projekte bieten Chancen für deutsche Unternehmen, Krankenhausausstattung, Hygieneprodukte aber auch Sicherheitstechnik und Digitalisierungslösungen anzubieten. Das Gesundheitsministerium benötigt etwa Geräte für Diagnostik, etwa Röntgensysteme, Computertomografen, Magnetresonanz- oder Ultraschallgeräte. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht eine Karte mit allen öffentlichen medizinischen Einheiten, die derzeit in Betrieb sind. Die meisten Krankenhäuser beschaffen Ausrüstung und Technik über Vertriebsgesellschaften.
Private Dienstleister expandieren
Neben dem öffentlichen Gesundheitssektor bestimmen private Krankenhausbetreiber sowie Haus- und Zahnärzte die Nachfrage. Die größten Wettbewerber sind Sanador, MedLife, Regina Mariaund Leventer Centre. Diese Einrichtungen bestellen überwiegend Verbrauchsgüter wie Desinfektionsmittel, Spritzen, Handschuhe, Zahnersatz und so weiter. Beispielsweise kündigte MedLife im Oktober 2025 an, 3,1 Millionen Euro in eine Klinik in Pitești zu investieren. Das Unternehmen plant, neben 21 Sprechzimmern und 13 Tagesbetten einen kleinen Operationssaal mit CO2-Laser und modernen Geräten für minimalinvasive Eingriffe einzurichten.
Die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und nach medizinischer Ausrüstung wird in Rumänien innerhalb der kommenden drei bis vier Jahre um 5,4 Prozent zunehmen. So prognostiziert der Marktanalyst Statista Markets Insights für das Jahr 2030 ein Marktvolumen von insgesamt 2,3 Milliarden Euro. Zu den führenden Unternehmen gehören Siemens Healthineers, B.Braun sowie Karl Storz.
Digital Health läuft überwiegend per WhatsApp
Die Regierung fördert den Ausbau der Telemedizin. Besonders in den ländlichen Regionen haben nicht alle Einwohner einen Hausarzt in der Nähe. Dabei ist landesweit die Verbindung mit Breitband gut, sodass Ärztinnen und Patienten Sprechstunden immer häufiger per Video durchführen, etwa mit WhatsApp oder anderen Videochat-Anwendungen.
Gleichzeitig nutzen nur 20 Prozent aller Hausärzte im Land digitale Systeme, die über eine Schnittstelle mit der Nationalen Krankenkasse verfügen, berichtet die Zeitung Economica. Die meisten Ärzte führen noch Krankenakten offline und verschreiben Medikamente auf Papier.
Die Nationale Krankenkasse arbeitet daran, ein neues integriertes digitales System zu schaffen, mit Schnittstellen für die Kommunikation und den Datenfluss zwischen Praxis und Krankenkasse sowie zwischen Erkrankten und Ärzten. Dafür stellt die Regierung bis 2027 mehr als 400 Millionen Euro zur Verfügung.
| Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Neubau der Klinik Fundeni, in Bukarest | 530 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2030 |
| Neuer Standort des Unfallkrankenhauses des Innenministeriums "Prof. Dr. Dimitrie Gerota" Bukarest | 125 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2030 |
| Bau eines Krankenhauses für Infektionskrankheiten und Pneumophthysiologie in Oradea | 120 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2030 |
| Regionales Institut für Onkologie Timișoara | 102 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2030 |
| Erweiterung des Krankenhauses Nr. 2 Vaslui | 73 | in Planung | geplante Fertigstellung: 2027 |
| Bau eines neuen Notfallkrankenhauses des Landkreises Giurgiu – neues Krankenhaus, Phase I | 55 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2027 |
| Pitesti Polytrauma-Zentrum und Radiotherapie-Labor | 25 | in Planung | Projektstudie liegt vor, geplante Fertigstellung: 2027 |
Gesundheitsministerium startet mit Smart Health
Das Gesundheitsministerium will ab 2026 die 207 öffentlichen Krankenhäuser im Land digitalisieren. Ziel dabei ist, Kosten bei der Diagnostik und Verwaltung einzusparen. Angesichts des größer werdenden Personalmangels spielen digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle für das behandelnde Personal. Ziel ist es, Krankheiten präziser zu diagnostizieren und Therapien schneller einzuleiten, ermöglicht durch einen verbesserten Zugriff auf die Patientenhistorie.
Rund die Hälfte der Fördermittel ist dafür vorgesehen, Praxen und Krankenhäuser bei der Anschaffung von Computern, Netzwerktechnik und Software zu unterstützen – Voraussetzung für ihre Teilnahme am integrierten digitalen Gesundheitssystem.