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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Abfallwirtschaft

Wachsender Abfallmarkt erzwingt strukturellen Umbau

Über 100 Millionen Tonnen Abfall jährlich beschleunigen den Umbau der Abfallwirtschaft und schaffen neue Chancen für Recycling- und Umwelttechnik.

Von Heena Nazir, Lucie Käppner | Dubai, Riad

Ausblick der Abfallwirtschaft in Saudi Arabien 

Bewertung:

  • Staatliche Investitionen, neue Vorgaben und wachsendes Abfallaufkommen treiben den Markt.
  • Ausbau von Recycling-, Sortier- und Waste-to-Energy-Kapazitäten belebt Nachfrage und Investitionen.
  • Fehlende Mülltrennung, lange Vergaben und Local-Content-Vorgaben bremsen die Umsetzung.
  • Kurzfristig überwiegen die positiven Impulse trotz bestehender Risiken.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026 

  • Saudi-Arabien treibt den Umbau seiner Abfallwirtschaft voran. Hohe Investitionen, neue Gesetze und ein wachsendes Abfallaufkommen eröffnen Chancen für moderne Recyclinglösungen.     

    Saudi-Arabien zählt zu den volumenstärksten Abfallmärkten der Region. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde General Authority for Statistics (GASTAT) stieg das insgesamt erfasste Abfallaufkommen aus Haushalten und sämtlichen Wirtschaftssektoren im Jahr 2024 um rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 135,1 Millionen Tonnen. Das dynamische Wachstum verdeutlicht den zunehmenden Handlungsdruck, Entsorgungs- und Verwertungsstrukturen an eine wachsende Bevölkerung, die hohe Bautätigkeit sowie den Ausbau industrieller Aktivitäten im Zuge der wirtschaftlichen Diversifizierung anzupassen.

    90 %

    des Abfallaufkommens will Saudi-Arabien bis 2040 von Deponien weglenken.

    Marktgröße vorhanden, Verwertungsstrukturen im Aufbau

    Die sektorale Zusammensetzung zeigt, dass die Abfallwirtschaft in Saudi-Arabien weit über die klassische kommunale Entsorgung hinausgeht. Den größten Anteil am Abfallaufkommen hatten 2024 die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie die Bauwirtschaft, gefolgt von privaten Haushalten und dem verarbeitenden Gewerbe. Diese Struktur prägt die Nachfrage nach differenzierten Sammel-, Sortier- und Verwertungslösungen und erhöht die Bedeutung spezialisierter Entsorgungs- und Recyclingkonzepte entlang verschiedener Wertschöpfungsstufen, betonen saudi-arabische Regierungssprecher. 

    Abfallaufkommen nach Sektoren 2024In Millionen Tonnen
    Sektor

    Abfallmenge 

    Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft46,9
    Bauwirtschaft32,2
    Private Haushalte20,5
    Verarbeitende Industrie18,3
    Sonstige Wirtschaftsaktivitäten17,2
    Gesamt135,1
    Quelle: General Authority for Statistics Januar 2026

    Neben der sektoralen Herkunft ist die Zusammensetzung der Abfälle nach Materialarten entscheidend für die Marktentwicklung. Organische Abfälle bildeten 2024 mit 61,7 Millionen Tonnen den größten Einzelposten und standen für knapp 46 Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Bau- und Abbruchabfälle sowie Kunststoffe prägen die Struktur zusätzlich. Insgesamt schafft diese Zusammensetzung günstige Voraussetzungen für Recycling, Kompostierung und die energetische Nutzung verbleibender Reststoffe, so Einschätzungen von Recyclingexperten der International Renewable Energy Agency (IRENA).

    Trotz dieses Potenzials dominiert in der Praxis weiterhin die Deponierung. Zwar stieg die wiederverwendete oder recycelte Abfallmenge 2024 auf 33,9 Millionen Tonnen, was einer Verwertungsquote von 25 Prozent entspricht. Gleichzeitig wurden 38,5 Prozent der Abfälle weiterhin auf Deponien entsorgt, während der verbleibende Anteil auf alternative Behandlungs- und Entsorgungswege entfiel.

    Im regionalen Vergleich hat Saudi-Arabien bei der Abfallverwertung zuletzt spürbar aufgeholt. Mit einer Verwertungsquote von rund 25 Prozent liegt das Königreich inzwischen über dem Niveau der Vereinigte Arabische Emirate (VAE), deren Recyclingquote im nationalen Durchschnitt auf etwa 20 Prozent geschätzt wird. Gleichwohl gelten die VAE unter Fachleuten weiterhin als der am weitesten entwickelte Markt der Golfregion. Ihr Vorsprung liegt weniger in der reinen Verwertungsquote als vielmehr in der technischen Reife und der institutionellen Verankerung der Abfallwirtschaft.

    Während Saudi-Arabien seine Verwertungsleistung vor allem durch erste großskalige Projekte sowie den wachsenden Anteil industrieller Abfallströme steigert, verfügen die VAE über weiterentwickelte Sammel-, Sortier- und Waste-to-Energy-Strukturen sowie über klarere regulatorische Vorgaben. In der Praxis bleiben jedoch beide Länder deutlich hinter etablierten Recyclingmärkten wie der Europäischen Union zurück, wo im Durchschnitt rund 50 Prozent der Abfälle stofflich oder energetisch verwertet werden.

    Neue gesetzliche Vorgaben und institutioneller Rahmen

    Vor diesem Hintergrund hat die Regierung die Abfallwirtschaft zu einem zentralen Handlungsfeld der Vision 2030 erklärt. Mit dem seit 2021 geltenden Abfallwirtschaftsgesetz wurden erstmals landesweit einheitliche Standards für Sammlung, Behandlung und Verwertung eingeführt. Für die Umsetzung und Marktaufsicht ist das National Center for Waste Management zuständig, das Lizenzen vergibt, regulatorische Vorgaben durchsetzt und den Ausbau privater Aktivitäten steuert.

    Darauf aufbauend verfolgt das Königreich das strategische Ziel, Abfälle zunehmend als wirtschaftliche Ressource zu nutzen. Bis 2040 sollen bis zu 90 Prozent des Abfallaufkommens von Deponien umgeleitet werden. Der Schwerpunkt liegt auf Recycling und Kompostierung, ergänzt durch Waste-to-Energy-Lösungen zur energetischen Verwertung nicht recycelbarer Reststoffe. 

    Milliardeninvestitionen schaffen Marktchancen

    Zur Umsetzung dieser Ziele plant Saudi-Arabien Investitionen von rund 112 Milliarden US-Dollar (US$). Vorgesehen ist der Aufbau von mehr als 800 Abfallbehandlungsanlagen, die langfristig eine Verarbeitungskapazität von über 1,2 Milliarden Tonnen erreichen sollen. Bereits heute sind mehr als 1.300 Unternehmen im Abfall- und Recyclingsektor lizenziert. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die staatliche Saudi Investment Recycling Company, die als strategischer Investor den Ausbau wichtiger Wertschöpfungsstufen vorantreibt.

    Der Investitionsrahmen zielt dabei weniger auf den Ausbau einfacher Entsorgungskapazitäten als auf den Aufbau industrieller Verwertungs- und Recyclingstrukturen. Gefragt sind technisch anspruchsvolle Lösungen zur Sortierung, Aufbereitung und Verwertung heterogener Abfallströme sowie integrierte Anlagenkonzepte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Damit eröffnet der Marktausbau insbesondere für international erfahrene Technologieanbieter neue Geschäftsmöglichkeiten.

    Ein Beispiel für den wachsenden Fokus auf energetische Verwertung ist das ORC-Abwärmekraftwerk der Riyadh Cement Company in Riad. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 35 Millionen US$ nutzt Abwärme aus der Zementproduktion zur Stromerzeugung und erreicht eine Leistung von 12,6 Megawatt. Der EPC-Vertrag wurde Ende 2023 vergeben, der Baubeginn ist für 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2028. 

    Ausgewählte Projekte in der Abfall- und Recyclingwirtschaft in Saudi-ArabienIn Millionen US-Dollar
    Projekt, AnlageUnternehmenStandortArt des ProjektsInvestitionsvolumenKapazitätStatus, Zeitrahmen
    Hazardous-Waste-WtE-AnlageVeoliaJubailVerbrennung industrieller und gefährlicher Abfälle mit Energierückgewinnung100 121.000 t/JahrProjektvorbereitung, Umsetzung
    Integriertes Abfallwirtschaftszentrum Red Sea Project (Phase 2)Averda InternationalRotes MeerSortierung, Recycling, Kompostierung, energetische Verwertungöffentlich nicht ausgewiesenöffentlich nicht ausgewiesenUmsetzung laufend
    Lieferung weiterer RecyclinganlagenKivercoMehrere StandorteSortier- und Recyclingtechnik20 projektabhängigNeue Aufträge seit 2024
    Ausbau Kunststoff- und E-Schrott-RecyclingNational Environment Recycling Company (Tadweer)RiadErweiterung Recyclinglinien 16  >14.000 t/Jahr KunststoffErweiterung seit 2024
    ORC-Abwärmekraftwerk Riyadh CementRiyadh Cement Company, Sinoma Energy ConservationRiadWaste-to-Energy (Abwärmenutzung aus Zementproduktion, ORC-Technologie) 35 12,6 MWEPC-Vertrag vergeben; Bau ab 2026; Inbetriebnahme 2028
    Strategische Partnerschaft Veolia – SIRCVeolia, Saudi Investment Recycling CompanyLandesweitAufbau integrierter Recycling- und Entsorgungskapazitätenöffentlich nicht ausgewiesenöffentlich nicht ausgewiesenKooperationsvereinbarung seit 2024
    Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest Januar 2026

    Von Heena Nazir, Lucie Käppner | Dubai, Riad

  • Die Abfallbranche wird von Unternehmen dominiert, die Müll unsortiert entsorgen. Die Saudi Investment Recycling Company soll den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft forcieren.  

    Die Abfallwirtschaft in Saudi-Arabien befindet sich in einer Übergangsphase von einer deponieorientierten Entsorgungsstruktur hin zu einem stärker industrialisierten Recycling- und Verwertungsmarkt. Trotz klarer politischer Zielvorgaben prägen Sammlung, Transport und Deponierung weiterhin den Sektor, während geschlossene Stoffkreisläufe bislang nur in Ansätzen existieren.

    Nach Angaben des National Center for Waste Management, der staatlichen Regulierungs- und Aufsichtsbehörde für Abfallwirtschaft, sind mehr als 1.300 Unternehmen im saudischen Abfallsektor lizenziert. Der überwiegende Teil ist in der kommunalen und gewerblichen Abfallsammlung tätig. Häufig erfolgt die Entsorgung unsortiert, die Abfälle gelangen direkt auf Deponien. Im Jahr 2024 entfielen 38,5 Prozent des gesamten Abfallaufkommens auf Deponierung, was die weiterhin zentrale Rolle dieser Entsorgungsform unterstreicht.

    Ein erheblicher Teil der bestehenden Deponien entspricht noch nicht internationalen Umwelt- und Technikstandards. Neben technisch ausgestatteten Anlagen existieren weiterhin einfache Ablagerungsstätten, insbesondere für Bau- und Abbruchabfälle. Auch illegale Müllkippen spielen regional noch eine Rolle, vor allem außerhalb der Metropolregionen. Zwar verfolgt die Regierung eine schrittweise Schließung solcher Standorte, der Modernisierungsgrad unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen urbanen Zentren und peripheren Regionen.

    Recycling wächst, scheitert aber oft an fehlender Mülltrennung

    Der Recyclingsektor befindet sich im Aufbau und bleibt bislang fragmentiert. Zwar wurden 2024 rund 33,9 Millionen Tonnen Abfälle wiederverwendet oder recycelt, dies entspricht jedoch lediglich 25 Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Viele bestehende Verwertungsanlagen arbeiten unter ihrer technischen Kapazität, da die Zuführung sortenreiner Stoffströme bislang unzureichend organisiert ist.

    Die Mülltrennung an der Quelle ist nur punktuell etabliert. In einzelnen Stadtteilen großer Metropolen wie Riad oder Dschidda existieren Pilotprojekte mit getrennten Sammelsystemen für organische und sonstige Abfälle. Flächendeckende Systeme fehlen bislang. Wertstoffe werden daher weiterhin in nennenswertem Umfang aus gemischten Abfallströmen gewonnen, insbesondere Kunststoffe, Metalle und Papier. Mechanische Sortier- und Aufbereitungsanlagen konzentrieren sich bislang auf Ballungsräume, etwa an der Deponie Al-Sulay in Riad, die als Referenzprojekt für weitere Anlagen dient.

    Staatliche Investoren strukturieren den Markt neu

    Eine Schlüsselrolle beim Ausbau des Recyclingmarktes spielt die Saudi Investment Recycling Company, eine Tochter des staatlichen Public Investment Fund, des zentralen Staatsfonds des Königreichs. Das Unternehmen fungiert als strategischer Investor und Projektentwickler entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Abfallverwertung. Ziel ist es, bis 2030 jährlich rund 35 Millionen Tonnen Abfälle einer Verwertung zuzuführen und die Abhängigkeit von Deponien deutlich zu reduzieren.

    Zu den frühen Investitionen zählt die Übernahme von Global Environmental Management Services mit Sitz in Dschidda, einem führenden Anbieter für industrielle und gefährliche Abfälle aus der Öl-, Petrochemie- und Bergbauindustrie. Im Segment der Bauabfälle betreibt die Gesellschaft nördlich von Riad eine Anlage mit einer Verarbeitungskapazität von rund 600 Tonnen pro Stunde, deren Output überwiegend im Straßen- und Hochbau wiederverwendet wird. Weitere großskalige Sortier- und Recyclingprojekte befinden sich in Planung und werden zunehmend als Public-Private-Partnerships umgesetzt.

    Wettbewerb internationalisiert sich, Kooperationen gewinnen an Bedeutung

    Neben staatlichen Akteuren prägen zunehmend lokale und internationale Unternehmen die Marktstruktur. Während bislang vor allem einheimische Firmen einfache Entsorgungsdienstleistungen dominierten, treten mit dem Ausbau von Recycling- und Verwertungsprojekten verstärkt internationale Anbieter in den Markt ein. In technologieintensiven Segmenten wie High-Tech-Recycling oder der energetischen Abfallverwertung existieren bislang kaum leistungsfähige lokale Akteure, wodurch Importkonkurrenz unvermeidlich wird.

    Unternehmen aus Europa, ebenso wie Anbieter aus Asien, vor allem aus China, die weltweit in vergleichbaren Projekten aktiv sind, konkurrieren zunehmend um Aufträge. Gleichzeitig steigt das Kooperationspotenzial, da viele lokale Entsorger gezielt nach Technologie- und Know-how-Partnern suchen. Joint Ventures und Projektpartnerschaften gewinnen an Bedeutung, um internationale Expertise mit lokaler Marktkenntnis zu verbinden. Insgesamt entwickelt sich der Markt schrittweise von einem fragmentierten, deponieorientierten Sektor hin zu einer stärker konsolidierten Struktur, in der wenige kapitalstarke Akteure und staatliche Steuerungsinstanzen den Ausbau moderner Verwertungsinfrastrukturen vorantreiben.

    Ausgewählte Unternehmen der Abfallwirtschaft in Saudi-Arabien
    UnternehmenSegmentRolle im Markt
    Saudi Investment Recycling Company (SIRC)Strategischer Investor, Recycling, Bauabfälle, SonderabfälleZentrale staatliche Plattform zum Aufbau einer landesweiten Recycling- und Kreislaufwirtschaft; initiiert Großprojekte, häufig über Public-Private-Partnership-Modelle
    National Center for Waste Management (MWAN)Regulierung, Lizenzierung, MarktaufsichtStaatliche Steuerungsinstanz; setzt Standards, vergibt Lizenzen und prägt die Marktstruktur maßgeblich
    AverdaKommunale Sammlung, Bauabfälle, RecyclingEiner der größten privaten Betreiber; landesweit aktiv, stark in Großprojekten und Stadtentwicklungen
    Global Environmental Management Services (GEMS)Industrielle und gefährliche AbfälleMarktführer bei Sonderabfällen, insbesondere für Öl-, Petrochemie- und Bergbauindustrie; Teil der SIRC-Gruppe
    Saudi Arabia Gulf Environmental Protection Company (SEPCO)Industrielle Entsorgung, UmweltservicesEtablierter lokaler Anbieter mit Fokus auf Industrie- und Spezialabfälle
    Seder EnvironmentSammlung, Transport, EntsorgungRegional bedeutender Dienstleister, Schwerpunkt kommunale und gewerbliche Abfälle
    National Environment Recycling Company TadweerElektronik- und KunststoffrecyclingSpezialanbieter für E-Waste; Ausbau der Recyclingkapazitäten geplant
    Refal Environmental Services CompanyPapier- und KartonrecyclingTeil der Obeikan-Gruppe; profitiert von wachsendem Verpackungs- und Handelsaufkommen
    Middle East Waste Management CompanyKunststoffrecyclingSpezialanbieter mit Fokus auf industrielle Kunststoffabfälle
    VeoliaIndustrielle Entsorgung, SonderabfälleInternationaler Anbieter; aktiv in Industrieclustern wie Jubail, langfristige Verträge mit Großkunden
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Januar 2026

    Von Heena Nazir, Lucie Käppner | Dubai, Riad

  • Eine eigene Behörde soll die Abfallwirtschaft fördern. Hohe lokale Wertschöpfung wird bei der Vergabe abfallwirtschaftlicher Projekte entscheidend sein. 

    Mit dem steigenden Projektvolumen entwickeln sich auch die Vergabeprozesse im Abfallsektor weiter. Öffentliche Aufträge werden zunehmend transparent und wettbewerblich vergeben. Die Verfahren orientieren sich an internationalen Standards und beginnen häufig mit einem Aufruf zur Interessenbekundung, gefolgt von einer Präqualifikation und einer begrenzten Angebotsphase. Der Weg bis zur Zuschlagserteilung bleibt jedoch oft zeitintensiv und erfordert Geduld sowie administrative Erfahrung. Planung und Projektsteuerung liegen regelmäßig bei internationalen Ingenieurbüros, was ausländischen Beratungs- und Engineering-Dienstleistern frühzeitige Einstiegsmöglichkeiten eröffnet.

    Ausschreibungen werden professioneller - Local Content entscheidet

    Ein zentrales Zuschlagskriterium ist der Local-Content-Anteil. Maßgeblich zuständig ist die Local Content & Government Procurement Authority (LCGPA), die sektorübergreifende und projektspezifische Vorgaben zur lokalen Wertschöpfung definiert. Der Import schlüsselfertiger Komplettanlagen verliert an Attraktivität, wenn keine lokalen Fertigungs-, Montage- oder Ausbildungsanteile vorgesehen sind. Angebote mit Joint Ventures, lokaler Produktion oder Qualifizierungsprogrammen für saudische Arbeitskräfte verfügen über deutlich bessere Erfolgsaussichten. Auch Saudisierungsvorgaben, also der Einsatz lokaler Beschäftigter, spielen bei der Projektvergabe eine wachsende Rolle. Persönliche Kontakte und ein belastbares Netzwerk vor Ort bleiben trotz formalisierter Verfahren ein entscheidender Erfolgsfaktor.

    Markteintritt erfordert regulatorische Vorbereitung und lokale Präsenz

    Neben den Local-Content-Anforderungen bestehen weitere Hürden für ausländische Unternehmen. Zwar ist ein saudischer Agent rechtlich nicht zwingend erforderlich, in der Praxis erleichtert ein lokaler Partner jedoch den Umgang mit Behörden, Normen und Genehmigungsverfahren erheblich. Vorschriften ändern sich mitunter kurzfristig, und die Navigation durch Import- und Testregulationen erfordert Erfahrung. Verhandlungen und Vertragsabschlüsse erfolgen häufig zweisprachig in Englisch und Arabisch, was den Aufbau lokaler Kompetenzen begünstigt.

    Der Import von Maschinen und Anlagen unterliegt strengen Regeln. Zuständig für Zoll- und Einfuhrverfahren ist die Zakat, Tax and Customs Authority (ZATCA), die auch Leitfäden für Industrieimporte bereitstellt

    Technische Produkte müssen vor der Einfuhr über das SABER-System der Saudi Standards, Metrology and Quality Organization (SASO) registriert und zertifiziert werden
    Für Anbieter von Entsorgungs- und Recyclingtechnik ist zusätzlich eine Lizenz des National Center for Waste Management (MWAN) erforderlich, das als zentrale Regulierungsbehörde für den Abfallsektor fungiert. Die Verfahren sind weitgehend digitalisiert und bei vollständiger Dokumentation gut handhabbar, Verzögerungen entstehen jedoch häufig bei unvollständigen Unterlagen, erzählen Branchenkenner in Gesprächen mit Germany Trade & Invest.

    Für den Markteintritt empfiehlt sich ein kontinuierliches Projektmonitoring. Öffentliche Ausschreibungen bündelt das staatliche E-Vergabeportal Etimad, das auch kommunale Entsorgungs- und Recyclingprojekte veröffentlicht. Ergänzend informiert das National Center for Privatization (NCP) über anstehende Privatisierungs- und Public-Private-Partnership-Projekte, darunter auch Vorhaben in der Abfallwirtschaft.
    Staatliche Akteure wie die Saudi Investment Recycling Company (SIRC) kündigen eigene Projekte und Partnerschaften im Recycling- und Waste-to-Energy-Bereich an
    Unterstützung bei Markteinstieg und Projektanbahnung bietet zudem die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien (AHK Saudi-Arabien)

    Eintrittspunkte für deutsche Technologieanbieter in Saudi-Arabiens Abfallwirtschaft

    • Projektpartnerschaften mit der staatlichen Recyclingplattform Saudi Investment Recycling Company (SIRC)
      SIRC initiiert großskalige Recycling- und Verwertungsprojekte und sucht internationale Technologie- und Betriebspartner, häufig im Rahmen von Public-Private-Partnerships.
       
    • Technologielieferung an große Entsorgungs- und Betreiberunternehmen
      Internationale und regionale Betreiber wie Averda oder Veolia integrieren ausländische Technik in laufende Projekte, insbesondere bei Sortierung, Recycling und industriellen Abfällen.
       
    • Ausrüstung von Industrie- und Sonderabfallprojekten in Industrieclustern
      Industrieparks in Jubail, Yanbu und Ras Al-Khair benötigen spezialisierte Technik für gefährliche Abfälle, Klärschlamm und industrielle Reststoffe; regulatorischer Ansprechpartner ist das National Center for Waste Management.
       
    • Einbindung in langfristige PPP- und BOT-Projekte mit lokaler Präsenz
      Viele neue Anlagen werden als Build-Operate-Transfer-Modelle umgesetzt; Anbieter mit lokaler Repräsentanz, Servicekapazitäten und langfristigen Performancegarantien haben deutliche Vorteile; Überblick Investitionsrahmen

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir, Lucie Käppner | Dubai, Riad

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Saudi-Arabien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    German RETech Partnership e.V.

    Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung

    Ministry of Investment

    Zuständig für die Förderung ausländischer Investitionen

    Ministry of Municipal and Rural Affairs

    Zuständig für kommunale Entwicklung

    Ministry of Environment, Water and Agriculture

    Zuständig für nachhaltige Entwicklung                       

    Saudi Investment Recycling Company

    Staatliches Unternehmen zur Entwicklung der Recyclingindustrie

    National Center for Waste Management

    Regulator und zuständig für Förderung der Abfallwirtschaft

    National Center for Environmental Compliance

    Kontrolle von Umweltstandards 

    IFAT Saudi Arabia 2026

    Regionale Fachmesse (in Riad; jährlich im Januar)

     

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