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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Medizintechnik

Medizintechnikmarkt in Saudi-Arabien wächst kräftig

Im saudi-arabischen Medizintechniksektor setzt sich der Wachstumstrend auch 2026 fort. Vor allem der Bereich Digital Health entwickelt sich dynamisch.   

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Medizintechnik in Saudi-Arabien

Bewertung:

 

  • Deutsche Medizintechnikausfuhr nach Saudi-Arabien weiterhin stark gefragt.
  • Ausbau des Gesundheitswesens sichert mittelfristig hohen Medizintechnikbedarf.
  • Ausländische Hersteller müssen sich auf verschärfte "Local Content" Vorschriften einstellen. 

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Der Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur sorgt für eine kräftige Expansion des saudi-arabischen Medizintechnikmarktes. Deutsche Anbieter können ihren Absatz deutlich steigern.

    Der saudi-arabische Medizintechnikmarkt erreichte im Jahr 2024 ein Volumen von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) und dürfte weiter wachsen. Für 2026 wird ein Marktvolumen von etwa 2,6 Milliarden US$ erwartet.

    50 %

    der Medizintechniknachfrage auf der arabischen Halbinsel entfallen schätzungsweise auf Saudi-Arabien.

    Der Staat bleibt dabei der zentrale Impulsgeber. Im Haushalt 2026 sind für Gesundheit und soziale Entwicklung umgerechnet rund 69 Milliarden US$ vorgesehen. Damit zählt das Gesundheitswesen weiterhin zu den ausgabenstärksten Bereichen der öffentlichen Hand. Die Mittel fließen vor allem in den Neubau und die Modernisierung von Krankenhäusern, in spezialisierte Versorgungszentren sowie in digitale Gesundheitsangebote. Ziel ist es, die medizinische Versorgung landesweit auszubauen und qualitativ weiterzuentwickeln.

    Hohe Importabhängigkeit prägt die Marktstruktur

    Saudi-Arabien deckt seinen Bedarf an Medizintechnik zu mehr als 90 Prozent über Importe. Die inländische Produktion beschränkt sich bislang weitgehend auf medizinische Verbrauchsartikel wie Spritzen oder einfache Kunststoffprodukte. Die Einfuhren von Medizintechnik erreichten 2024 einen Importwert von rund 2,24 Milliarden US$. Gegenüber 2023 entspricht dies einem Zuwachs von knapp zwölf Prozent. Berücksichtigt sind die SITC-Positionen 774, 872 und 899.6 sowie angrenzende Positionen der SITC-Gruppe 785.

    Die anhaltend hohe Importdynamik verdeutlicht, dass das Königreich weiterhin stark auf ausländische Anbieter angewiesen ist. Besonders gefragt sind Produkte für Diagnostik, Labore und chirurgische Anwendungen sowie medizinische Verbrauchsgüter. Neben dem Bevölkerungswachstum treiben steigende Qualitätsanforderungen die Nachfrage. Ziel ist es, die medizinische Versorgung an internationale Standards heranzuführen und zugleich landesweit auszubauen.

    USA dominieren, deutsche Anbieter behaupten ihre Position

    Im Lieferländervergleich dominieren die Vereinigten Staaten den saudi-arabischen Importmarkt für Medizingüter. Im Jahr 2024 belief sich das Importvolumen aus den USA auf rund 650 Millionen US$. Damit entfällt mehr als die Hälfte des in diesem Länderausschnitt erfassten Importwerts auf amerikanische Anbieter. Deutsche Unternehmen folgen mit Ausfuhren von etwa 290 Millionen US$ auf dem zweiten Platz. China belegt mit rund 190 Millionen US$ Rang drei.

    US-Unternehmen sind vor allem im hochpreisigen Segment mit technologisch anspruchsvollen und komplexen Produkten stark vertreten. Deutsche Hersteller positionieren sich erfolgreich als Qualitätsanbieter mit einem breiten Portfolio und hoher Systemkompetenz. Chinesische Unternehmen gewinnen Marktanteile insbesondere über preislich wettbewerbsfähige Produkte und eine hohe Lieferflexibilität.

    Für 2025 spricht vieles für eine Fortsetzung des Wachstumskurses, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik als im Vorjahr. Vor dem Hintergrund laufender Investitionsprogramme, neuer Krankenhausprojekte und der steigenden Nachfrage nach moderner Diagnostik dürften die Importe ausgewählter Medizingüter um etwa fünf bis acht Prozent zulegen. Der Importwert könnte damit auf rund 2,35 bis 2,42 Milliarden US$ steigen. Deutsche Anbieter haben gute Chancen, ihr Exportvolumen leicht auszubauen und sich bei etwa 300 bis 320 Millionen US$ zu stabilisieren, sofern sie ihre Stärken bei Qualität, Service und integrierten Systemlösungen konsequent ausspielen.

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Saudi-Arabien In Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent
    SITC CodeProduktgruppe (Kurzbeschreibung)

    2024

    Veränderung 2024/2023

    741.83Pumpen und Kompressoren für medizinische Anwendungen

    16,1

    12,1

    774.1Elektrische Geräte und Apparate, medizinische Nutzung

    368,1

    6,5

    774.2Teile und Zubehör elektrischer medizinischer Geräte

    248,5

    46,2

    872.1Medizinische Instrumente und Apparate

    95,6

    29

    872.25Spritzen, Kanülen und ähnliche Verbrauchsprodukte

    68,0

    16,2

    872.29Sonstige medizinische Instrumente und Geräte

    762,4

    7,7

    872.3Zahnmedizinische Geräte und Instrumente

    111,7

    2,6

    872.4Orthopädische Apparate und Prothesen

    91,4

    2,5

    899.6Medizinische Verbrauchs- und Hilfsartikel

    479,0

    10,3

    Gesamt 

    2.240,7

    11,9

    Quelle: UN Comtrade, Januar 2026

    Krankenhausprojekte eröffnen Chancen für Investoren und Zulieferer

    Die Nachfrage nach Medizintechnik wird maßgeblich durch den Ausbau des Krankenhausektors bestimmt. Bislang tragen vor allem staatliche Akteure diese Entwicklung. Künftig sollen jedoch private Investoren und Betreiber eine größere Rolle übernehmen und den Ausbau der Kapazitäten vorantreiben. Damit rückt der Gesundheitssektor stärker in den Fokus privatwirtschaftlicher Engagements.

    Mit Stand Januar 2026 wird der Gesamtwert laufender und geplanter Krankenhausprojekte auf rund 11,4 Milliarden US$ geschätzt. Projekte im Umfang von etwa 5,5 Milliarden US$ befinden sich bereits im Bau. Der Anteil privater Träger liegt bislang bei rund 2,2 Milliarden US$. Weitere Vorhaben im Wert von rund 5,9 Milliarden US$ befinden sich in der Planungsphase, davon etwa 3,3 Milliarden US$ unter Beteiligung privater Akteure.

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in Saudi-ArabienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Projekt (Betreiber verlinkt)Projektstatus

    Investitionsvolumen 

    Qiddiya Investment Company – Qiddiya Project: Öffentliche Einrichtungen (Masterplan)Im Bau 1.543
    King Faisal Specialist Hospital & Research Center – Erweiterung JeddahIm Bau 900
    Ministry of Health Saudi Arabia / National Center for Privatization – Allgemein- und Mutter-Kind-Krankenhaus Al AhsaMachbarkeitsstudie470
    Ministry of Health Saudi Arabia – King Faisal Medical City Asir, Phase 2Präqualifikation Hauptauftrag450
    Specialized Medical Center – SMC 3, Northern Ring RoadPlanung346
    Ministry of Health Saudi Arabia – King Saud Medical City: Chirurgieturm und TraumazentrumPräqualifikation Hauptauftrag300
    Umm Al Qura Development Company – Masar-Projekt: Krankenhaus (200 Betten)Im Bau 266
    Dr. Sulaiman Al Habib Medical Group – Krankenhaus DammamPlanung266
    Dr. Sulaiman Al Habib Medical Group – Krankenhaus RiadPlanung264
    Specialized Medical Center – SMC 5, Stadtteil Al MalqaPlanung253
    Quelle: MEED Projects 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Saudi-Arabien treibt die Digitalisierung seines Gesundheitswesens voran. Politische Programme, hohe Investitionen und starkes Marktwachstum prägen den Digital-Health-Sektor.

    Laut dem Marktforschungsunternehmen Grand View Research erreichte der saudi-arabische Digital-Health-Markt 2024 ein Volumen von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) und dürfte 2025 auf etwa 2,8 Milliarden US$ wachsen. Für den Zeitraum von 2025 bis 2033 prognostiziert das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Wachstum von knapp 19 Prozent. Damit könnte der Markt bis 2033 ein Volumen von rund 11,1 Milliarden US$ erreichen.

    Starkes Marktwachstum mit langfristigem Potenzial

    Noch dynamischer fallen die Prognosen des Marktforschungsanbieters Research and Markets aus. Dessen aktuelle Analyse geht davon aus, dass der Digital-Health-Markt von rund 2,5 Milliarden US$ im Jahr 2024 auf etwa 16,9 Milliarden US$ bis 2033 anwächst. Dies entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von knapp 24 Prozent. Auch andere Marktbeobachter rechnen für die frühen 2030er Jahre mit einem Marktvolumen im hohen einstelligen bis mittleren zweistelligen Milliardenbereich.

    Trotz unterschiedlicher Abgrenzungen und Methodiken zeichnen die Studien ein einheitliches Bild eines stark expandierenden Marktes. Übereinstimmend gehen sie davon aus, dass digitale medizinische Dienstleistungen den größten Beitrag zum Wachstum leisten werden. Parallel dazu steigen die Investitionen in IT-Infrastruktur, Softwarelösungen und datenbasierte Anwendungen deutlich, um die zunehmende Nachfrage technisch abzusichern.

    Staatliche Programme beschleunigen die Digitalisierung

    Getragen wird diese Entwicklung maßgeblich durch staatliche Reformprogramme. Ein zentrales Vorhaben ist das Health Sector Transformation Program, eines der Kernprogramme der nationalen Entwicklungsstrategie Vision 2030. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung effizienter, stärker präventiv auszurichten und digital zu vernetzen.

    Eine Schlüsselrolle spielt dabei die elektronische Patientenakte. In den vergangenen Jahren wurden mehrere nationale Plattformen für den standardisierten Austausch medizinischer Informationen aufgebaut. Dazu zählt insbesondere das staatliche Gesundheitsdatennetz NPHIES (National Platform for Health and Insurance Exchange Services), das Behandlungs-, Abrechnungs- und Versicherungsdaten miteinander verknüpft. Eine vollständig einheitliche nationale Patientenakte befindet sich jedoch weiterhin im Ausbau. Vor allem die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen IT-Systemen sowie die Harmonisierung von Datenstandards bleiben zentrale Entwicklungsfelder.

    NPHIES – Kurzüberblick

    • Über 6.400 Gesundheitseinrichtungen angebunden
    • 25 Versicherer und mehr als 60 Softwareanbieter integriert
    • Mehrere hundert Millionen Transaktionen pro Jahr
    • Über 75 Prozent der privaten Leistungserbringer angeschlossen
    • Versichertenprüfungen in unter fünf Sekunden
    • 94 Prozent der Leistungsautorisationen innerhalb von 30 Minuten

    Stand: 1. Quartal 2025

    Konkrete Projekte zeigen den praktischen Nutzen

    Wie der strategische Ansatz praktisch umgesetzt wird, zeigt das im Oktober 2025 vorgestellte Digital Diabetes Command Center. Das digitale Steuerungszentrum bündelt Gesundheitsdaten von Diabetespatienten in Echtzeit und ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung sowie frühzeitige medizinische Interventionen. Ziel ist es, chronische Erkrankungen systematisch und präventiv zu managen, Behandlungsverläufe stärker zu personalisieren und die Versorgungsqualität bei gleichzeitig sinkenden Kosten zu verbessern.

    Umsetzung realistisch, aber schrittweise

    Die Umsetzung digitaler Gesundheitsprojekte in Saudi-Arabien gilt insgesamt als realistisch. Die Digitalisierung ist politisch klar priorisiert und institutionell verankert. Zugleich verfügt das Gesundheitssystem bereits über grundlegende digitale Strukturen, auf denen neue Projekte aufsetzen können. Die Einführung erfolgt überwiegend modular, sodass Erfahrungen aus Pilotprojekten in spätere Ausbaustufen einfließen.

    Gleichzeitig bleibt die vollständige Integration digitaler Lösungen anspruchsvoll. Die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen aus öffentlichen und privaten Einrichtungen erfordert klare Standards, definierte Zuständigkeiten sowie belastbare Datenschutz- und Sicherheitskonzepte. Verzögerungen ergeben sich weniger aus finanziellen Restriktionen als aus organisatorischen und regulatorischen Abstimmungsprozessen.

    Thematisch klar abgegrenzte Projekte wie das Digital Diabetes Command Center weisen vor diesem Hintergrund eine höhere kurzfristige Umsetzungswahrscheinlichkeit auf. Sie dienen zugleich als Testfelder für datenbasierte Steuerungsmodelle, die perspektivisch auf weitere Versorgungsbereiche übertragen werden können. Insgesamt spricht die Kombination aus politischer Priorisierung, vorhandener digitaler Basisinfrastruktur und schrittweiser Implementierung für ein kontinuierliches Voranschreiten der digitalen Transformation im saudi-arabischen Gesundheitswesen.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Der Staatssektor ist im Gesundheitswesen der dominierende Akteur. Aber private Investoren sollen übernehmen. Eine Ausweitung der lokalen Medizintechnikproduktion wird angestrebt.

    Der Staat trägt weiterhin den überwiegenden Teil der Gesundheitsausgaben. Nach Angaben der World Bank lag der staatliche Finanzierungsanteil im Jahr 2022, den zuletzt verfügbaren Zahlen zufolge, bei rund 76 bis 77 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. Auf private Krankenversicherungen entfielen etwa 13 Prozent, während die Eigenanteile der Patienten, sogenannte Out-of-Pocket-Zahlungen, bei rund 10 Prozent lagen. Die Finanzierungsstruktur hat sich damit gegenüber den Vorjahren nur geringfügig verändert.

    Staat dominiert, Privatisierung schreitet langsam voran

    Nach den Plänen der Regierung soll das Gesundheitssystem bis 2030 weitgehend privatisiert sein. Viele bestehende staatliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren sollen schrittweise von privaten Betreibern übernommen werden. Neue Vorhaben sollen möglichst von privaten Investoren umgesetzt oder auf Basis von Public-Private-Partnership-Modellen (PPP) realisiert werden.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Saudi-Arabien

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2025, in Millionen) *)

    34,6

    Bevölkerungswachstum (2025, in Prozent) *)

    1,7

    Altersstruktur der Bevölkerung (2025)*)

     

     Anteil der unter 15-Jährigen (in Prozent)

    23,6

     Anteil der über 64-Jährigen (in Prozent)

    3,1

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2024, in Jahren, nur Einheimische)

    78

    Durchschnittseinkommen (2025, in US-Dollar, Schätzung)

    35.231 

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2022, in US-Dollar)

    1.593

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2022, in Prozent)

    5

    Ärzte/100.000 Einwohner (2024)

    368

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2024)

    96

    Pflegepersonal/100.000 Einwohner (2024)

    695

    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2024), davon

    240

     privat

    55

     öffentlich

    185

    * Schätzungen.Quelle: General Authority for Statistics, Ministry of Health, World Bank (World Development Indicators); Januar 2026

    Privatisierungserfolge bislang noch begrenzt

    Saudi-Arabien treibt im Rahmen der Vision 2030 und des Health Sector Transformation Program den Umbau seines Gesundheitssystems voran. Ein zentrales Ziel ist es, private Investitionen zu mobilisieren, Effizienzgewinne zu erzielen und die staatlichen Haushalte langfristig zu entlasten. Der Krankenhaussektor spielt dabei eine Schlüsselrolle, da er den größten Kostenblock im Gesundheitswesen darstellt.

    Trotz ambitionierter Zielvorgaben sind die Privatisierungserfolge bislang begrenzt. Der Staat finanziert weiterhin den Großteil der Gesundheitsausgaben und bleibt auch operativ der dominante Akteur. Öffentliche Krankenhäuser bilden nach wie vor das Rückgrat der stationären Versorgung. Private Anbieter sind vor allem in urbanen Zentren präsent und konzentrieren sich dort überwiegend auf rentable Spezialleistungen. Eine umfassende Übertragung des Krankenhausbetriebs an private Betreiber ist bislang die Ausnahme.

    In der Praxis setzt Saudi-Arabien vor allem auf Public-Private-Partnerships sowie selektives Outsourcing. Private Unternehmen übernehmen zunehmend nicht-klinische Dienstleistungen wie Gebäudemanagement, IT, Labordiagnostik oder Wartung. Modelle, bei denen private Investoren den vollständigen Betrieb öffentlicher Krankenhäuser verantworten, befinden sich dagegen überwiegend noch in der Planungsphase.

    Ein zentrales Beispiel ist das Projekt General Hospital and Maternity & Children Hospital in Al Ahsa. Es zählt zu den bedeutendsten geplanten Gesundheitsvorhaben in der Ostprovinz Saudi-Arabiens. Bauherr ist das Ministry of Health. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem National Center for Privatization & PPP im Rahmen eines Build-Operate-Transfer-Modells. Das Investitionsvolumen beträgt 470 Millionen US$. Vorgesehen ist der Neubau eines 400-Betten-Krankenhauses für Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin. Ergänzend entstehen Labore, Service- und Unterbringungsgebäude sowie weitere medizinische und technische Nebenanlagen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Studienphase, die Ausschreibung des Hauptvertrags ist für 2027 vorgesehen.

    Projektträger (öffentliche Seite)
    Ministry of Health (MoH), Saudi-Arabien
    Zuständig für Planung, Umsetzung und medizinische Versorgung

    PPP- und Privatisierungspartner
    National Center for Privatization & PPP (NCP)
    Zentrale Anlaufstelle für öffentlich-private Partnerschaften, Investoren- und Betreiberbeteiligungen

     

    Krankenversicherungspflicht im Privatsektor

    Für Beschäftigte des Privatsektors besteht eine Krankenversicherungspflicht. Nach Angaben des staatlichen Council of Cooperative Health Insurance waren Mitte 2024 im Privatsektor 12,7 Millionen Beschäftigte und ihre Angehörigen versichert. Der Anteil der Ausländer lag bei 8,4 Millionen. Für nicht pflichtversicherte Personengruppen, vor allem im Staatssektor beschäftigte Saudi-Araber sowie die relativ wenigen staatlich beschäftigten Ausländer und deren Angehörige, übernimmt der Staat die Gesundheitskosten.

    Auf den Staat entfallen rund 19 Prozent der Gesamtbeschäftigung des Landes. Im öffentlichen Sektor arbeiten etwa 49 Prozent der einheimischen Erwerbstätigen, während der Anteil bei ausländischen Beschäftigten unter 3 Prozent liegt.

    Lokale Medizintechnikproduktion soll steigen

    Der Markt für medizintechnische Geräte und Ausrüstungen wird bislang weitgehend durch Importe versorgt. Zu den wichtigen ausländischen Anbietern zählen unter anderem GE Healthcare, Siemens Healthineers, Philips Healthcare, Roche, Medtronic, Abbott Laboratories, Boston Scientific, Johnson & Johnson, Fresenius Medical, Gambro und Beckman Coulter.

    Nach Angaben der für den Industriesektor zuständigen staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Industrial Investment Attraction & Industrial Development Organization, auch als Industrial Clusters bekannt, gab es 2023 etwa 45 lokale Medizintechnikhersteller mit einem geschätzten Marktanteil von rund 6 Prozent.

    Rund 40 Prozent der saudi-arabischen Medizintechnikproduktion entfallen demnach auf medizinische Verbrauchsartikel aus Kunststoff. Weitere Produkte sind unter anderem chirurgische Instrumente, Reinigungsmittel und Lösungen, In-vitro-Diagnostika, Krankenhausmöbel sowie Erzeugnisse für die Dentalmedizin und die Ophthalmologie.

    Führende lokale Branchenunternehmen in Saudi-Arabien

    Unternehmen

    Produkte (Auswahl)

    Saudi Mais Company for Medical Products

    Verbrauchsartikel

    National Medical Products Company (DAMAD)

    Verbrauchsartikel

    United Medical Industries Company (Unimed)

    Verbrauchsartikel

    Arabian Medical Products Manufacturing Company (Enaya)

    Verbrauchsartikel

    Al Shifa Medical Syring Manufacturing Company

    Spritzen, Verbrauchsartikel

    Jamjoom Medical Solutions

    Verbrauchsartikel

    Kol Alhemaya Factory for Medical Products

    Desinfektionsmittel, Infektionsschutzprodukte

    Saudi Pharmaceutical Industries & Medical Appliances Corporation (SPIMACO)

    Verbrauchsartikel, Pharmazeutika

    Pharmaceutical Solutions Industry

    Lösungen, Verbrauchsartikel

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Januar 2026

    Die saudi-arabische Strategie, die heimische Medizintechnikproduktion schrittweise auszubauen, könnte mittelfristig auch bei technologisch anspruchsvolleren Geräten zu einer steigenden lokalen Wertschöpfung führen. Ausländische Hersteller müssen sich darauf einstellen, dass ein reines Liefergeschäft zunehmend schwieriger wird und durch verschärfte Local-Content-Vorgaben zusätzlicher Anpassungsdruck entsteht.

    Das Ministerium weist darauf hin, dass als Vorstufe zur lokalen Herstellung eine Montage in Saudi-Arabien erfolgen kann. Im Land produzierte Medizintechnik wird bei staatlichen Ausschreibungen bevorzugt. Die Produkte dürfen dabei vielfach bis zu 10 Prozent teurer sein als vergleichbare Importware.

    Investitionsprojekte im Medizintechnikbereich 

    Nach Angaben des Ministry of Investment of Saudi Arabia (MISA) konzentrieren sich die vorgeschlagenen Investitionsprojekte im Medizintechnikbereich insbesondere auf den Aufbau lokaler Produktionskapazitäten in folgenden Segmenten:

    • Ultraschalldiagnosegeräte
    • Prothesen und orthopädische Apparate
    • Infusionssysteme und -pumpen
    • Glukose-Überwachungsgeräte
    • Anästhesieausrüstungen
    • Spektroskopiegeräte
    • Defibrillatoren
    • Ophthalmoskope
    • Transfusionsgeräte
    • Intravenöse Katheter
    • Zahnarztstühle und Zahnfüllmaterialien
    • Kontaktlinsen
    • Spritzen
    • Krankenhausmöbel

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Zulassung medizintechnischer Produkte erfordert die Erfüllung spezifischer lokaler Bedingungen. Im öffentlichen Sektor sind die Ausschreibungen zentralisiert.

    Die 2008 erlassenen "Medical Device Interim Regulations" (MDIR) sind 2021 durch die "Medical Devices and Supplies Regulation" (MDSR) ersetzt worden. Die neuen Regularien haben einen Großteil der bisherigen Vorschriften übernommen. Es besteht für alle medizintechnischen Ausrüstungen und Geräte eine Zulassungspflicht.

    Marktzulassung ist komplizierter geworden

    In- und ausländische Anbieter/Hersteller müssen vor der Markteinführung ihrer Produkte bei der 2003 gegründeten Saudi Food & Drug Authority (SFDA) eine "Market Authorisation" beantragen. Ausnahmen gelten jedoch für niedrig klassifizierte Medizinprodukte (Class A), die von der SFDA als risikoarm eingestuft werden und vereinfachten Registrierungsverfahren unterliegen. 

    Bis Ende 2021 war Voraussetzung für die Erteilung der Marktzulassung vor allem der Nachweis, dass die Geräte auf einem Markt eines GHTF-Gründungsmitglieds (Global Harmonization Task Force) zugelassen sind und zusätzlich spezifische Anforderungen der MDIR beziehungswiese der MDSR erfüllen. Zu den fünf GHTF-Gründern gehören die Europäische Union, die USA, Kanada, Japan und Australien.

    Statt der bisherigen "GHTF Reference Market Registration" ist nun ein eigenes saudi-arabisches Zulassungssystem (Technical File Assessment; vergleichbar mit den European Medical Device Regulation) eingeführt worden. Damit ist der Zulassungsprozess aufgrund der notwendigen Vorlage zusätzlicher Dokumente aufwendiger geworden.

    Für Medizintechnikprodukte, die als "High Risk" eingestuft sind, ist die Ernennung eines in Saudi-Arabien ansässigen autorisierten Repräsentanten verpflichtend. Die Einstufungen orientieren sich an den EU-Klassifikationen.

    Importzölle und Mehrwertsteuer mit Ausnahmen

    Der Einfuhrzollsatz liegt in den GCC-Ländern (Gulf Cooperation Council) für die meisten Waren bei fünf Prozent. In Saudi-Arabien gibt es allerdings einige Ausnahmen. Einige Produkte sind vom Zoll befreit. Dazu gehören beispielsweise Rollstühle oder Teile von Sterilisierungsapparaten.

    Anfang 2018 hat Saudi-Arabien eine Mehrwertsteuer (MwSt.) in Höhe von fünf Prozent eingeführt, die grundsätzlich auch bei der Einfuhr von Medizintechnik erhoben wird. Im Juli 2020 wurde die MwSt. auf 15 Prozent angehoben. Für verschiedene medizintechnische Produkte gelten Ausnahmenregelungen. Entsprechende Informationen erteilt die SFDA.

    Zentralisiertes Ausschreibungssystem für öffentlichen Sektor

    Die Medizintechnikbeschaffungen für den domminierenden staatlichen Sektor werden in der Regel ausgeschrieben. Ein wichtiger Akteur ist die National Unified Procurement Company (NUPCO), die dem staatlichen Public Investment Fund gehört.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest/Saudi-Arabien

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Saudi-Arabien/Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft.

    Ministry of Health

    Federführendes Ministerium

    Saudi Food & Drug Authority

    Zulassungsbehörde für Medizintechnik

    National Unified Procurement Company (NUPCO)

    Staatliche Beschaffungsorganisation

    Ministry of Finance: Customs Authority

    Zollbehörde

    Arab Hospital Magazine

    Fachzeitschrift

    Middle East Economic Digest (MEED)

    Fachzeitschrift

    Global Health Exhibition

    Fachmesse (jährlich; 26.-29.10.2026 in Riad)

    Arab Health

    führende regionale Fachmesse (jährlich; 9.-12.02.2026 in Dubai)

    Dubai Derma - Messe für Dermatologie und Kosmetik

    Fachmesse (jährlich; 31.03 -02.02.2026 in Dubai)

    AEEDC -Internationale Fachmesse für Dentalmedizin

    Fachmesse (jährlich; 19.-21.01.2026 in Dubai)

    ARAB LAB Technologien und Dienstleistungen für Laboratorien

    Fachmesse (jährlich; 26.-28.10.2026 in Dubai)

     

    Von Heena Nazir | Dubai

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