Branche kompakt | Saudi-Arabien | Medizintechnik

Markttrends

Der Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur sorgt für eine kräftige Expansion des saudi-arabischen Medizintechnikmarktes. Deutsche Anbieter können ihren Absatz deutlich steigern.

Von Heena Nazir | Dubai

Der saudi-arabische Medizintechnikmarkt erreichte im Jahr 2024 ein Volumen von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) und dürfte weiter wachsen. Für 2026 wird ein Marktvolumen von etwa 2,6 Milliarden US$ erwartet.

50 %

der Medizintechniknachfrage auf der arabischen Halbinsel entfallen schätzungsweise auf Saudi-Arabien.

Der Staat bleibt dabei der zentrale Impulsgeber. Im Haushalt 2026 sind für Gesundheit und soziale Entwicklung umgerechnet rund 69 Milliarden US$ vorgesehen. Damit zählt das Gesundheitswesen weiterhin zu den ausgabenstärksten Bereichen der öffentlichen Hand. Die Mittel fließen vor allem in den Neubau und die Modernisierung von Krankenhäusern, in spezialisierte Versorgungszentren sowie in digitale Gesundheitsangebote. Ziel ist es, die medizinische Versorgung landesweit auszubauen und qualitativ weiterzuentwickeln.

Hohe Importabhängigkeit prägt die Marktstruktur

Saudi-Arabien deckt seinen Bedarf an Medizintechnik zu mehr als 90 Prozent über Importe. Die inländische Produktion beschränkt sich bislang weitgehend auf medizinische Verbrauchsartikel wie Spritzen oder einfache Kunststoffprodukte. Die Einfuhren von Medizintechnik erreichten 2024 einen Importwert von rund 2,24 Milliarden US$. Gegenüber 2023 entspricht dies einem Zuwachs von knapp zwölf Prozent. Berücksichtigt sind die SITC-Positionen 774, 872 und 899.6 sowie angrenzende Positionen der SITC-Gruppe 785.

Die anhaltend hohe Importdynamik verdeutlicht, dass das Königreich weiterhin stark auf ausländische Anbieter angewiesen ist. Besonders gefragt sind Produkte für Diagnostik, Labore und chirurgische Anwendungen sowie medizinische Verbrauchsgüter. Neben dem Bevölkerungswachstum treiben steigende Qualitätsanforderungen die Nachfrage. Ziel ist es, die medizinische Versorgung an internationale Standards heranzuführen und zugleich landesweit auszubauen.

USA dominieren, deutsche Anbieter behaupten ihre Position

Im Lieferländervergleich dominieren die Vereinigten Staaten den saudi-arabischen Importmarkt für Medizingüter. Im Jahr 2024 belief sich das Importvolumen aus den USA auf rund 650 Millionen US$. Damit entfällt mehr als die Hälfte des in diesem Länderausschnitt erfassten Importwerts auf amerikanische Anbieter. Deutsche Unternehmen folgen mit Ausfuhren von etwa 290 Millionen US$ auf dem zweiten Platz. China belegt mit rund 190 Millionen US$ Rang drei.

US-Unternehmen sind vor allem im hochpreisigen Segment mit technologisch anspruchsvollen und komplexen Produkten stark vertreten. Deutsche Hersteller positionieren sich erfolgreich als Qualitätsanbieter mit einem breiten Portfolio und hoher Systemkompetenz. Chinesische Unternehmen gewinnen Marktanteile insbesondere über preislich wettbewerbsfähige Produkte und eine hohe Lieferflexibilität.

Für 2025 spricht vieles für eine Fortsetzung des Wachstumskurses, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik als im Vorjahr. Vor dem Hintergrund laufender Investitionsprogramme, neuer Krankenhausprojekte und der steigenden Nachfrage nach moderner Diagnostik dürften die Importe ausgewählter Medizingüter um etwa fünf bis acht Prozent zulegen. Der Importwert könnte damit auf rund 2,35 bis 2,42 Milliarden US$ steigen. Deutsche Anbieter haben gute Chancen, ihr Exportvolumen leicht auszubauen und sich bei etwa 300 bis 320 Millionen US$ zu stabilisieren, sofern sie ihre Stärken bei Qualität, Service und integrierten Systemlösungen konsequent ausspielen.

Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Saudi-Arabien In Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent
SITC CodeProduktgruppe (Kurzbeschreibung)

2024

Veränderung 2024/2023

741.83Pumpen und Kompressoren für medizinische Anwendungen

16,1

12,1

774.1Elektrische Geräte und Apparate, medizinische Nutzung

368,1

6,5

774.2Teile und Zubehör elektrischer medizinischer Geräte

248,5

46,2

872.1Medizinische Instrumente und Apparate

95,6

29

872.25Spritzen, Kanülen und ähnliche Verbrauchsprodukte

68,0

16,2

872.29Sonstige medizinische Instrumente und Geräte

762,4

7,7

872.3Zahnmedizinische Geräte und Instrumente

111,7

2,6

872.4Orthopädische Apparate und Prothesen

91,4

2,5

899.6Medizinische Verbrauchs- und Hilfsartikel

479,0

10,3

Gesamt 

2.240,7

11,9

Quelle: UN Comtrade, Januar 2026

Krankenhausprojekte eröffnen Chancen für Investoren und Zulieferer

Die Nachfrage nach Medizintechnik wird maßgeblich durch den Ausbau des Krankenhausektors bestimmt. Bislang tragen vor allem staatliche Akteure diese Entwicklung. Künftig sollen jedoch private Investoren und Betreiber eine größere Rolle übernehmen und den Ausbau der Kapazitäten vorantreiben. Damit rückt der Gesundheitssektor stärker in den Fokus privatwirtschaftlicher Engagements.

Mit Stand Januar 2026 wird der Gesamtwert laufender und geplanter Krankenhausprojekte auf rund 11,4 Milliarden US$ geschätzt. Projekte im Umfang von etwa 5,5 Milliarden US$ befinden sich bereits im Bau. Der Anteil privater Träger liegt bislang bei rund 2,2 Milliarden US$. Weitere Vorhaben im Wert von rund 5,9 Milliarden US$ befinden sich in der Planungsphase, davon etwa 3,3 Milliarden US$ unter Beteiligung privater Akteure.

Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in Saudi-ArabienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
Projekt (Betreiber verlinkt)Projektstatus

Investitionsvolumen 

Qiddiya Investment Company – Qiddiya Project: Öffentliche Einrichtungen (Masterplan)Im Bau 1.543
King Faisal Specialist Hospital & Research Center – Erweiterung JeddahIm Bau 900
Ministry of Health Saudi Arabia / National Center for Privatization – Allgemein- und Mutter-Kind-Krankenhaus Al AhsaMachbarkeitsstudie470
Ministry of Health Saudi Arabia – King Faisal Medical City Asir, Phase 2Präqualifikation Hauptauftrag450
Specialized Medical Center – SMC 3, Northern Ring RoadPlanung346
Ministry of Health Saudi Arabia – King Saud Medical City: Chirurgieturm und TraumazentrumPräqualifikation Hauptauftrag300
Umm Al Qura Development Company – Masar-Projekt: Krankenhaus (200 Betten)Im Bau 266
Dr. Sulaiman Al Habib Medical Group – Krankenhaus DammamPlanung266
Dr. Sulaiman Al Habib Medical Group – Krankenhaus RiadPlanung264
Specialized Medical Center – SMC 5, Stadtteil Al MalqaPlanung253
Quelle: MEED Projects 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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