Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branchen | Saudi-Arabien | Energiewirtschaft

Saudi-Arabien ist bei erneuerbaren Energien im Verzug

Bis 2030 müssten jährlich Solar- und Windkapazitäten von mehr als 7 Gigawatt hinzukommen, um das Planungsziel zu erreichen. Dies erscheint aber wenig realistisch.

Von Robert Espey | Dubai

Die nationale Entwicklungsplanung (Vision 2030) sieht bei erneuerbaren Energien (EE) bis 2023 eine Steigerung der Kraftwerkskapazitäten auf 27,3 Gigawatt vor. Bis 2030 sind 58,7 Gigawatt anvisiert. Davon sollen 40 Gigawatt auf Fotovoltaik, 16 Gigawatt auf Windenergie und 2,7 Gigawatt auf Concentrated Solar Power (CSP) entfallen. Diese Zielvorgaben schließen die zur Erzeugung von grünem Wasserstoff notwendigen Solar- und Windkraftprojekte nicht ein.

Gegenwärtig sind neben einigen kleineren EE-Anlagen nur das Fotovoltaik-Kraftwerk Sakaka (335 Megawatt) und die Windfarm Dumat al Jandal (400 Megawatt) am Netz. Sakaka produziert seit 2020. Die Anlage Dumat al Jandal ging im Sommer 2021 in den Teilbetrieb, die volle Leistung dürfte aber erst 2023 zur Verfügung stehen.

Die beiden EE-Projekte gehören zur ersten Ausschreibungsrunde des National Renewable Energy Programm (NREP). Das NREP liegt in der Zuständigkeit des zum Energieministerium gehörenden Renewable Energy Project Development Office (REPDO). Alle NREP-Projekte werden mit privaten Investoren auf Basis einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert.

Bild vergrößern

Ausbau der erneuerbaren Energien müsste stark beschleunigt werden

Aktuell beträgt der EE-Anteil an den gesamten Kraftwerkskapazitäten des Königreichs weniger als 1 Prozent. Es ist derzeit unklar, ob oder wie die für 2030 angestrebte EE-Leistung erreicht werden kann. Im Rahmen des NREP sind EE-Projekte der zweiten und dritten Ausschreibungsrunde mit einer Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt im Bau. Für weitere fünf NREP-Projekte (vierte Ausschreibungsrunde) mit einer Gesamtleistung von 3,3 Gigawatt ist der Präqualifizierungsprozess abgeschlossen. Damit summieren sich die Kapazitäten der ersten vier Ausschreibungsrunden auf lediglich 6,7 Gigawatt.

Saudi-Arabien: NREP-Projekte in der Bauphase (Stand: Januar 2023) 1)

Projekt 2)

Investition (in Mio. US$)

Leistung (in Megawatt)

Geplante Fertigstellung (Jahr)

Ar Rass

640

700

2024

Shuaibah

640

600

2025

Jeddah

320

300

2023

Saad

209

300

2023

Qurrayat

200

200

2024

Rabigh

184

300

2023

Wadi Al Dawaser

144

120

2024

Layla

85

80

2024

Madinah

55

50

2023

1 NREP = National Renewable Energy Programm; zuständige Behörde ist das Renewable Energy Project Development Office (REPDO); 2 alle Projekte sind Fotovoltaik-AnlagenQuelle: MEED Projects 2023, Recherchen von Germany Trade & Invest 2023

Es gilt als eher unwahrscheinlich, dass alle EE-Projekte, deren Inbetriebnahme für 2023 vorgesehen ist, plangemäß fertiggestellt werden. Wäre dies der Fall, ergäbe sich Ende 2023 eine EE-Kapazität von rund 1,7 Gigawatt, davon 1,3 Gigawatt Fotovoltaik. Die eigentlich für 2023 angestrebte EE-Leistung von 27,3 Gigawatt sollte sich auf rund 20 Gigawatt Fotovoltaik und 7 Gigawatt Wind verteilen.

Unter den NREP-Projekten der vierten Ausschreibungsrunde befinden sind zwei Solaranlagen mit Leistungen von 1.100 Megawatt (Al Hinakiyah; Fotovoltaik und Combined Solar Power/CSP) sowie 400 Megawatt (Tubarjal; Fotovoltaik). Ferner sind drei Windprojekte ausgeschrieben (Yanbu, 700 Megawatt; Al Ghat, 600 Megawatt; Waad al Shamal, 500 Megawatt). Eine fünfte NREP-Ausschreibungsrunde ist in Planung. Details sind aber noch nicht bekannt.

Saudi-Arabien: Solar- und Windprojekte in frühen Planungsphasen (Auswahl; Stand: Januar 2023)

Projekt (Kapazität in Megawatt)

Investition (in Mio. US$)

Projektstand *)

Projektbetreiber

National Renewable Energy Program: Round 5 (n/a)

3.000

ST

Renewable Energy Project Development Office

Al Ula Tourism Development: Solar Power (1.000 MW)

1.000

FEED

Royal Commission for Al-Ula

Maaden Solar 1 Thermal Power (1.500 MW)

900

ST

Ma'aden/Glasspoint

Offshore Floating Wind (500 MW)

500

ST

Plambeck

Jubail Wind (100 MW)

250

ST

Saline Water Conversion Corporation

Haql Wind (100 MW)

120

ST

Saline Water Conversion Corporation

Arabian Cement Captive Solar (50 MW)

60

ST

Arabian Cement Company

Yanbu Industrial City Solar (300 MW)

60

ST

Marafiq/RCJY/SABIC

Buraydah Solar (30 MW)

50

FEED

Qassim Cement Company

* ST = Studie, FEED = Front End Engineering DesignQuelle: MEED Projects 2023, Recherchen von Germany Trade & Invest 2023

Staatlicher Investmentfonds ist im EE-Sektor engagiert

Außerhalb des NREP ist vor allem der staatliche Public Investment Fund (PIF) im EE-Sektor aktiv. Im April 2021 hat der PIF (gemeinsam mit ACWA Power und Saudi Aramco) einen 725 Millionen US$ schweren Auftrag zum Bau einer 1,5- Gigawatt-Fotovoltaikanlage in Sudair (Provinz Riad) an die indische Larsen & Toubro vergeben. Die Fertigstellung wird 2025 erwartet. Am Projektpartner ACWA Power ist der PIF mit 50 Prozent beteiligt.

Im Oktober 2022 hat die PIF-Tochter Badeel gemeinsam mit ACWA Power die China Energy Engineering Corporation beauftragt, in Shoaiba (Provinz Mekka) für 2,6 Milliarden US$ ein 2,1-Gigawatt-Fotovoltaikkraftwerk zu errichten. Die Inbetriebnahme ist für 2026 anvisiert.

Für ein weiteres Projekt von PIF und ACWA Power liegen die Angebote vor. Es handelt sich um eine 300-Megawatt-Fotovoltaikanlage in Rabigh (Provinz Mekka), wo sich derzeit bereits ein ähnliches NREP-Projekt im Bau befindet. Die Vergabe des mit 450 Millionen US$ kalkulierten Bauauftrages soll in Kürze erfolgen.

Zur Versorgung der bestehenden Meerwasserentsalzungsanlage in Jubail (Kapazität: 1 Million Kubikmeter/Tag) lässt die Saline Water Conversion Corporation (SWWC) für 320 Millionen US$ eine 110-Megawatt-Fotovoltaikanlage bauen. Das Projekt soll 2025 abgeschlossen sein.

Weitere konventionelle Kraftwerke werden gebaut

In Saudi-Arabien entfallen derzeit rund 99 Prozent des Energieverbrauchs der Stromerzeuger auf fossile Brennstoffe. Saudi Aramco baut derzeit weitere drei gasbetriebene Kraftwerke für insgesamt 1,3 Milliarden US$. Auch andere Betreiber wollen Milliarden in neue konventionelle Kraftwerke investieren.

Bild vergrößern

Aktuell befinden sich sechs öl- oder gasbetriebene Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 10,8 Gigawatt in der Ausschreibungsphase. Die notwendigen Investitionen werden auf über 11 Milliarden US$ geschätzt.

Die Saudi Power Procurement Company hat zwei Kraftwerke mit jeweils 3,6 Gigawatt an den Standorten Taiba und Al Qassim ausgeschrieben. Die Investitionen sollen sich auf insgesamt 8 Milliarden US$ belaufen. Im Dezember 2022 hat ein Konsortium aus ACWA Power und Abu Dhabi National Energy (Taqa) ein Angebot für das Taiba-Kraftwerk eingereicht.

Die weitere Entwicklung eines von der Saudi Electricity Company (SEC) seit Jahren geplanten – auf 3 Milliarden US$ kalkulierten – Großprojekts (Power Plant 16), erscheint ungewiss. Das Kraftwerk soll in drei Phasen mit einer Kapazität von jeweils 1,2 Gigawatt gebaut werden.

Atomkraft soll Teil des Energiemix werden

Das saudi-arabische Atomprogramm sieht bis 2032 den Bau von 16 Kernreaktoren mit einer Gesamtleistung von 17 Gigawatt vor. Beobachter äußern allerdings Zweifel hinsichtlich der Realisierungschancen. Als Berater wurden Ernst & Young (Financial Advisor, seit 2022) und WorleyParsons (Project Management Consultant, seit 2018) engagiert. Die Korea Electric Power Corporation (KEPCO) übernimmt seit 2016 die technische Beratung.

Die erste Phase des Atomprogramms sollen zwei Reaktoren mit einer Leistung von insgesamt 2,8 Gigawatt stemmen. Ferner sind zwei SMART-Reaktoren mit jeweils 100 Megawatt in Planung. Auf der Arabischen Halbinsel existieren bereits vier Atomkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 1,4 Gigawatt, die ein Konsortium unter Leitung von KEPCO zwischen 2012 und 2022 im Emirat Abu Dhabi errichtet hat.

Neue Regularien für erneuerbare Energien

Die saudi-arabische Water & Electricity Regulatory Authority (WERA) hat im November 2022 einen neuen regulatorischen Rahmen für den Betrieb von EE-Systemen, die vorrangig der Selbstversorgung dienen, genehmigt. Die Vorschriften beziehen sich auf Anlagen mit einer Leistung von mehr als 1 Kilowatt. Erfasst sind sowohl netzgekoppelte Anlagen als auch Off-Grid-Systeme. Die Regularien gelten nicht für Fotovoltaik-Anlagen bis 2 Megawatt, die unter die "Small Scale Solar PV Regulation" fallen.

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.