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Nachhaltiges Wassermanagement rückt in den Fokus

Um knappe Wasserressourcen effizienter zu nutzen, setzt Saudi-Arabien verstärkt auf Wasserrecycling, Digitalisierung und moderne Infrastruktur.

Corinna Päffgen

Von Corinna Päffgen | Dubai

Wasser zählt zu den strategisch wichtigsten Ressourcen Saudi-Arabiens. Angesichts knapper natürlicher Wasserreserven und eines steigenden Bedarfs modernisiert das Königreich seine Wasserwirtschaft. Die Maßnahmen sind eng mit den Zielen der Vision 2030 verknüpft. Die jährliche Wassernachfrage im Land wächst um rund 7 Prozent.

Die National Water Strategy 2030 sieht als Teil der Vision 2030 vor, die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Dazu soll die Meerwasserentsalzung ausgebaut, aufbereitetes Abwasser stärker wiederverwendet und Wasserressourcen effizienter genutzt werden. Gleichzeitig sollen Investitionen in die Wasserinfrastruktur, Speicher- und Transportkapazitäten sowie die stärkere Einbindung privater Investoren die langfristige Wasserversorgung sichern.

Der Iran-Krieg im Frühjahr 2026 beeinflusste den Wassersektor des Königreichs kaum. Er bestätigte vielmehr die Ziele der National Water Strategy, da diese die Resilienz und Unabhängigkeit stärken sollen. Zudem gab es in Saudi-Arabien, anders als in einigen Nachbarländern, keine offiziellen Angaben zu kriegsbedingten Beschädigungen der Wasserinfrastruktur.

Wasserknappheit treibt Investitionen

Saudi-Arabien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Aufgrund geringer Niederschläge und fehlender dauerhafter Oberflächengewässer ist das Land auf Grundwasser und Meerwasserentsalzung angewiesen.

Nach Angaben der Statistikbehörde GASTAT stammten die Wasserressourcen 2023 zu 62 Prozent aus nicht erneuerbaren Grundwasservorkommen, zu 16 Prozent aus erneuerbarem Grundwasser und zu 22 Prozent aus entsalztem Meerwasser. 

Diese Ressourcen decken den Bedarf aller Verbrauchssektoren. Mit einem Anteil von knapp 80 Prozent am gesamten Wasserverbrauch ist die Landwirtschaft jedoch mit Abstand der größte Wasserverbraucher. Die Saudi Water Authority (SWA), die zentrale Regulierungs- und Aufsichtsbehörde des Wassersektors, setzt umfangreiche Investitionen und Entwicklungsprogramme im Wassersektor um.

Entsalzungskapazitäten werden ausgebaut

Da sich die fossilen Grundwasservorkommen zunehmend erschöpfen, setzt das Königreich vor allem bei der Trinkwasserversorgung auf Meerwasserentsalzung. Mittlerweile stammen mehr als 50 Prozent des benötigten Trinkwassers aus entsprechenden Anlagen.

Mit einer Kapazität von mehr als 16 Millionen Kubikmetern pro Tag verfügt Saudi-Arabien über die meisten Entsalzungsanlagen weltweit. Im Rahmen der National Water Strategy sollen die Kapazitäten bis 2030 um rund 10 Prozent erweitert werden.

Übertragung und Verteilung werden modernisiert und erweitert

Die Pläne für die Transportinfrastruktur sind eng mit dem Ausbau der Entsalzungskapazitäten verknüpft. Die wichtigsten Wasserquellen liegen an den Küsten. Die größten Verbrauchszentren befinden sich dagegen häufig mehrere hundert Kilometer entfernt im Landesinneren. Daher investiert Saudi-Arabien umfangreich in Fernleitungen, Speicher und die Digitalisierung der Netze. 

Saudi-Arabien: Wasserprojekte in der PlanungsphaseAuswahl; Investitionen in Millionen US-Dollar

Projekt

Investitionssumme

Projektstand *)

Wassertransportsystem Al Shuqaiq-Jazan (Phase 4)

2.958

Main Contract (PQ) 

Wassertransportleitung Riad - Qassim

1.970

Bid Evaluation

Wassertransportleitung Südliche Ostprovinz

1.460

Study

Wassertransportleitung Rabigh nach Dschidda

1.300

Study

Wasserreservoir Medina

1.290

Study

Modernisierung und Erneuerung Wasseraufbereitungs- und Entsalzungsanlage Khafj Ostprovinz

1.200

FEED

Wassertransportleitung Rhas al Khair nach Hafr Al Batin

900

Study

* FEED = Front End Engineering Design, PQ = Präqualifizierung.Quelle: MEED Projects 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Mehr aufbereitetes Abwasser wird wiederverwendet

Die Regierungspläne sehen vor, die Abwasseraufbereitung und Wiederverwendung deutlich auszuweiten. Zudem soll eine Kreislaufwirtschaft im Wassersektor entstehen. Pro Tag wurden 2023 etwa 5,3 Millionen Kubikmeter Abwasser behandelt. Davon wurden weniger als 30 Prozent wiederverwendet. Das entsprach 555 Millionen Kubikmetern, wovon 525 Millionen Kubikmeter auf die Landwirtschaft entfielen.

Bis 2030 will das Königreich rund 70 Prozent des gereinigten Abwassers beziehungsweise etwa 1,8 Milliarden Kubikmeter pro Jahr wiederverwenden. Die Kapazitäten sollen dafür auf bis zu 10 Millionen Kubikmeter pro Tag steigen.

Die aufbereiteten Wassermengen sind insbesondere für die Landwirtschaft, die Industrie und die kommunale Bewässerung vorgesehen. Dafür investiert Saudi-Arabien in neue Aufbereitungsanlagen, TSE (Treated Sewage Effluent)-Leitungsnetze und Infrastrukturprojekte zur Wasserwiederverwendung.

Effiziente Bewässerungstechnologien gefragt

Der Agrarsektor weist mit einem Anteil von fast 80 Prozent den höchsten Wasserverbrauch auf. Er steht deshalb im Mittelpunkt der Bemühungen zur Steigerung der Wassereffizienz. 

Die Regierung strebt an, die Bewässerungseffizienz von derzeit etwa 50 Prozent auf internationale Best-Practice-Werte von über 75 Prozent zu erhöhen. Saudi-Arabien fördert die Einführung wassersparender Bewässerungstechnologien wie Tröpfchenbewässerung, Smart Irrigation und Präzisionslandwirtschaft. Ergänzend werden bestehende Pivot-Systeme modernisiert und zunehmend mit Sensorik und digitaler Steuerung ausgestattet.

Federführend bei unterstützenden Maßnahmen ist die Saudi Irrigation Organization. Ihre Hilfsprogramme umfassen Demonstrationsfelder, Schulungen, technische Beratung, wassersparende Geräte sowie den Ausbau digitaler Steuerungs- und Überwachungssysteme. Ergänzend bietet der Agricultural Development Fund Entwicklungsdarlehen und Projektfinanzierungen für landwirtschaftliche Investitionen an.

Dynamischer Markt bietet zahlreiche Beteiligungsmöglichkeiten

Für deutsche Unternehmen ergeben sich Marktchancen entlang der gesamten Wasserwertschöpfungskette. Aussichtsreich sind Technologien für Meerwasserentsalzung, Wassertransport und -verteilung, Abwasseraufbereitung sowie Wasserwiederverwendung. Zudem steigt die Nachfrage nach digitalen Lösungen zur Netzüberwachung und Verbrauchssteuerung sowie nach modernen Bewässerungstechnologien.

Saudi-Arabien: Geschäftschancen nach Marktsegmenten

Marktsegment

Marktchancen

Abwasserbehandlung

Kläranlagentechnik, Schlammbehandlung, biologische und chemische Aufbereitung 

Entsalzung

Membran- und Filtrationstechnik, Pumpen, Armaturen, Energieeffizienzlösungen, Mess- und Regeltechnik

Wassertransport

Großrohrleitungen, Pumpstationen, Druckmanagement, Netzüberwachung, Leckageerkennung

Wassernetze

Smart Metering, Netzautomatisierung, SCADA-Systeme, digitale Leitstandlösungen

Wasserverwendung

Tertiärbehandlung, Membranfiltration, UV-Technologie, Infrastruktur für Wiederverwendungsnetze

Landwirtschaftliche Bewässerung

Tröpfchenbewässerung, Sensorik, Präzisionslandwirtschaft, Smart-Irrigation-Systeme

Digitalisierung

IoT-Lösungen, Datenanalyse, KI-gestützte Verbrauchssteuerung, Digital Twins
Industrie- und ProzesswasserWasseraufbereitung für Industrieparks, Bergbau, Wasserstoffprojekte und Rechenzentren
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten ergeben sich durch die zunehmende Einbindung privater Investoren in Öffentlich-private Partnerschaften (Public-Private-Partnership; PPP). Besonders relevant sind die Bereiche Entsalzung, Abwasseraufbereitung und Wasserwiederverwendung.

Private Akteure übernehmen Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der Anlagen. Staatliche Abnahmeverträge sichern die Erlöse ab. Die wichtigsten Projekte werden von Shakarat (ehemals Saudi Water Partnership Company - SWPC) ausgeschrieben.