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Verschärftes Einreiseregime gefährdet Lieferketten vom Westbalkan
Die elektronische Einreisekontrolle von Lkw-Fahrern vom Westbalkan beeinträchtigt den Warenhandel mit der EU. Mittelfristig droht deutschen Firmen der Verlust ihrer Lieferanten.
06.02.2026
Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad
Ende Januar 2026 blockierten Spediteure in Serbien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro Grenzübergänge in die EU. Im Zentrum der Kritik steht eine EU-Verordnung, die die Einrichtung des elektronischen Ein- und Ausreisesystem (EES) zur Erfassung der Reisen von Drittstaatlern in den Schengenraum vorsieht. Seit Mitte Oktober 2025 wird die Verordnung schrittweise eingeführt und soll bis April 2026 vollständig umgesetzt sein.
Von der Regelung betroffen sind auch Berufskraftfahrer aus dem Westbalkan, die sich als Subauftragnehmer für deutsche Logistikfirmen innerhalb von 180 Tagen 90 Tage visafrei in der EU aufhalten dürfen. Mit der minutengenauen Erfassung sämtlicher Ein- und Ausreisen und deren zentraler Speicherung werden Verstöße strenger geahndet. Fahrern, die ihr Kontingent ausgereizt haben, wird die Einreise verweigert. Als Abhilfe kündigte Brüssel eine Sonderregelung in Form eines verlängerten Kurzzeitaufenthalts für Lkw-Fahrer an.
Vielschichtige Folgen für deutsche Wirtschaft
Kurzfristig kommt es zu Lieferverzögerungen und Bandstillständen. Die Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer schätzt, dass die deutsche Wirtschaft durch die Blockade täglich rund 100 Millionen Euro verliert. Mittelfristig benötigen Speditionen mehr Fahrer, die visafrei in die EU einreisen dürfen. Diese sind bereits heute Mangelware. Eine Marktkonsolidierung und steigende Preise wären die Folge. Im Worst Case droht deutschen Firmen das Wegbrechen bewährter Zulieferer aus dem Westbalkan.