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Branchenstruktur

Die Slowakei hat zu wenig Kapazitäten für die Behandlung einiger Abfallarten. Deponien stoßen an ihre Grenzen. In der Branche sind viele ausländische Unternehmen engagiert.

Von Gerit Schulze | Bratislava

In der Slowakei gibt es laut aktueller Abfallstrategie 76 Mülldeponien, davon 61 für nicht gefährliche Abfälle aus Haushalten und Industrie. Sie hatten Ende 2024 noch ein freies Fassungsvermögen von rund 7 Millionen Tonnen. 

Sortierte kommunale Abfälle, die der erweiterten Herstellerverantwortung unterliegen, dürfen nicht mehr auf Deponien gebracht werden. Ebenso ist die Einlagerung von Küchenabfällen sowie von Biomüll aus Parks und Gärten verboten. 

Neue Deponien für ungefährliche Abfälle werden in der Slowakei nicht mehr genehmigt. Es ist nur noch möglich, freie Kapazitäten bestehender Deponien auszubauen, zum Beispiel für Industrieabfälle.

Gefahrstoffe oft im Ausland entsorgt

Für gefährliche Abfälle stehen sieben Deponien zur Verfügung. Einige werden von den Betreibern für eigene Zwecke genutzt. In den Regionen Žilina und Trnava gibt es gar keine Standorte. Laut Abfallstrategie ist die Erweiterung der Deponiekapazitäten für Gefahrenstoffe unverzichtbar. Dabei setzt das Land vor allem auf den Ausbau bestehender Anlagen. 

Jährlich entstehen in der Slowakei knapp 500.000 Tonnen gefährliche Abfälle wie Asbest, Lacke, Batterien, Krankenhausmüll und gefährlicher Bauschutt. Die Entsorgungskapazitäten sind unzureichend und Anlagen für die Endverwertung fehlen. Häufig werden die Gefahrenstoffe ins Ausland gebracht, was zu Umweltrisiken führt.

 

Abfallmengen in der Slowakei nach den größten AbfallartenAufkommen in 1.000 Tonnen, Veränderung in Prozent
Abfallart (EU-Abfallverzeichnis-Code) 

2023

2024

Veränderung 2024 / 2023 *)

Insgesamt, darunter

13.566

12.730

-6,2

Bau- und Abbruchabfälle (17)

5.153

4.509

-12,5

Siedlungsabfälle (kommunale Abfälle) (20)

2.561

2.649

3,5

Abfälle aus Kläranlagen (19)

1.698

2.120

24,8

Abfälle aus der Bearbeitung von Metallen und Kunststoffen (12)

765

709

-7,4

Abfälle, die bei der Wärmegewinnung entstehen (10)

1.235

568

-54,0

Abfälle der Land- und Forstwirtschaft sowie der Nahrungsmittelindustrie (02)

588

560

-4,8

Abfälle aus der Holz- und Papierindustrie (03)

558

495

-11,3

Verpackungsabfälle (15)

230

242

5,0

* Berechnung aufgrund der nicht aufgerundeten Werte.Quelle: Slowakisches Statistikamt – Datenbank DATAcube, Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Infrastruktur zur Abfallbehandlung in der Slowakei

  • Müllverbrennungsanlagen für ungefährliche Abfälle: 2 (Gesamtkapazität: 315.000 Tonnen pro Jahr)
  • Abfallmitverbrennung in Industriebetrieben wie Zementwerken: 5 Standorte für 410.000 Tonnen pro Jahr
  • Verarbeitung von biologisch abbaubarem Abfall: ca. 188 Kompostierbetriebe und 34 Biogasanlagen (1,4 Millionen Tonnen pro Jahr)
  • Kunststoffabfälle: 53 Anlagen
  • Papier und Pappe: 4 Anlagen
  • Glas: 4 Anlagen
  • Textil: 9 Anlagen (Kapazität 70.000 Tonnen pro Jahr)
  • Elektroabfälle: 22 Anlagen (Kapazität 60.000 Tonnen pro Jahr)
  • Metallschrott: 22 Anlagen

Quelle: Strategie der Abfallwirtschaft der Slowakei bis 2035, 2026

Auch deutsche Firmen gut im Geschäft

Umsatzstärkstes Unternehmen der slowakischen Entsorgungswirtschaft ist die Remondis-Tochter TSR Slovakia. Sie ist im Segment Schrott- und Metallverwertung unterwegs. Weitere ausländische Dienstleister am Markt sind die dänische Gruppe Marius Pedersen, die österreichische Brantner und die spanische FCC. Marius Pedersen sucht derzeit einen Käufer für das Geschäft in Tschechien und in der Slowakei. Bis Mitte 2026 sollen die Aktivitäten übertragen werden.

Auch Unternehmen aus den Nachbarländern Polen und Tschechien engagieren sich in der Entsorgungswirtschaft. Unter den einheimischen Akteuren ist Kosit eines der umsatzstärksten Unternehmen. Es war ursprünglich auf die Hausmüllentsorgung in Košice fokussiert, expandiert aber auch in andere Regionen. In Prešov will Kosit ein großes Verarbeitungszentrum zur Abfallaufbereitung bauen.

Wichtige Entsorgungsunternehmen in der Slowakei (Auswahl)Umsatz in Millionen Euro, Veränderung in Prozent
UnternehmenSparte

2024 1) 

Veränderung 2024/23

TSR Slovakia (Remondis)Eisenschrott- und Buntmetallverwertung

135

29,0

Bio Oil DevelopmentBearbeitung der Abfallöle und -fette, Biodieselproduktion

129

0,1

ŽP EKO QeletMetallschrottbearbeitung (Tochter der Železiarne Podbrezová)

101

6,4

Kosit 2) Abfallsammlung, -verwertung, Verbrennungsanlage

79

15,3

Marius PedersenAbfallsammlung, -verwertung, ökologische Sanierung

73

12,8

Brantner 2) Sammlung und Entsorgung von Abfällen, Deponiebetrieb, Sortier-, Kompostanlagen

72

20,8

FCC Slovensko 2)Abfallsammlung, -verwertung, -verbrennung, Deponiebetrieb

50

14,5

Odvoz a likvidácia odpadu (OLO)Siedlungsabfälle (Tochtergesellschaft der Stadt Bratislava)

47

2,6

General PlasticWiederverwertung von PET-Materialien

33

67,1

HMSKWiederverwertung von PET-Flaschen und Papierverpackungen (Tochtergesellschaft von Hyundai)

32

23,7

1 Umsatz insgesamt (Umsätze aus eigenen Erzeugnissen und Dienstleistungen und aus Warenverkauf); 2 Umsatz der Gruppe mit Tochtergesellschaften. Quelle: Finstat.sk, Firmenangaben, Register der Jahresabschlüsse, Wirtschaftsmagazin Trend, Verband der Abfallwirtschaft, Recherchen und Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Großraffinerie steigt in Müllverbrennung ein

Ein neuer Akteur in der Abfallwirtschaft könnte die zum ungarischen MOL-Konzern gehörende Raffinerie Slovnaft werden. Sie plant in Bratislava eine Müllverbrennungsanlage (MVA) für kommunale und Industrieabfälle aus der Autoindustrie sowie für Klärschlämme. Nach heftiger Kritik an den Dimensionen wurden die avisierten Kapazitäten auf 220.000 Tonnen pro Jahr reduziert. Slovnaft strebt eine Zusammenarbeit mit dem Metallverarbeiter Heneken zur stofflichen Verwertung der Asche an. Dabei sollen wertvolle Rohstoffe wie Aluminium in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden. 

Häufig zu wenig Kapazitäten

Für viele Abfallarten reichen die Verwertungskapazitäten in der Slowakei nicht aus. Das gilt für Kunststoffe (außer PET-Flaschen), Alttextilien, Gefahrenstoffe und Abfälle aus der Gesundheitswirtschaft.

Da die Deponierung von medizinischen und veterinärmedizinischen Abfällen verboten ist, wird vor allem Wärmebehandlung genutzt. Dafür gibt es aber zu wenig Anlagen. Die neue Abfallstrategie regt an, defizitäre Aktivitäten aus öffentlichen Mitteln zu unterstützen, darunter die Behandlung von Abfällen aus dem Gesundheitswesen. Davon fallen jährlich durchschnittlich 10.000 Tonnen an. 

Zwei Anlagen zur Dekontaminierung von medizinischem Abfall wurden in Považská Bystrica (Nordwestslowakei) und in Bratislava angekündigt. Kritik gibt es dabei an der geplanten Technologie Sterilwave, die nicht für hochinfektiöse Abfälle geeignet sein soll.

Verwertung von Alttextilien wird zur Pflicht

Wie schon bei Elektroabfällen werden Hersteller auch bei Alttextilien stärker zur Verantwortung gezogen, um die Verwertungsquoten zu erhöhen. Auf Textil- und Bekleidungsabfälle entfallen etwa 4 Prozent des slowakischen Hausmüllvolumens. Bereits seit 2025 müssen Alttextilien getrennt vom Hausmüll gesammelt werden. Ab 2027 gilt die erweiterte Herstellerverantwortung. 

Da Textilabfälle dann nicht mehr auf die Deponie dürfen, fallen große Mengen an, die verwertet werden müssen. Die slowakische Textilindustrie ist finanziell nicht in der Lage, größere Investitionen zu stemmen. Der Einsatz von Rezyklaten steht für sie nicht im Fokus. Größter Abnehmer von recyceltem Textilmaterial soll laut Abfallstrategie die Bauwirtschaft sein.

Ein wichtiger Dienstleister für die Sammlung von Alttextilien ist Ekocharita, das mehr als 1.500 Sammelcontainer im Land unterhält. Jährlich sammelt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 4.000 Tonnen Alttextilien ein. Ekocharita ist Gründungsmitglied des Branchenverbands Satex, bei dem Modehändler wie CCC, Reserved und Decathlon Mitglied sind.

Es gibt in der Slowakei bereits einige Anlagen zur Verwertung von Textilabfällen. Hoveba betreibt eine Zerfaserungslinie für knapp 5.000 Jahrestonnen. Humana, Jura Terra, Textila SK und Textile House bereiten Textilien für die Wiederverwendung auf. Lykotex stellt Vliesstoffe her. 

Das Unternehmen Tribtex will in Chorvátsky Grob bei Bratislava eine Anlage zur Wiederverwendung von Textilabfällen bauen. Probleme bei der Verarbeitung sind die schlechte Sortierung, fehlende Recyclingkapazitäten und schwierige Absatzmöglichkeiten. Hier bestehen gute Geschäftschancen.

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