Arbeitsmarkt | Slowenien

Slowenien braucht ausländische Arbeitskräfte

Der Fachkräftemangel treibt Sloweniens Löhne in die Höhe. Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte im Land steigt. Unternehmen kritisieren das wenig flexible slowenische Arbeitsrecht.

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

Wir haben die Reihe "Lohn- und Lohnnebenkosten" in "Arbeitsmarkt" umbenannt.

Die slowenische Wirtschaft wächst stabil, das Land gilt als attraktiver Standort für Produktion, Handel, Logistik und Tourismus. Dank eines leistungsfähigen Bildungssystems und hochqualifizierter Arbeitskräfte bietet Slowenien gute Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass es in weiten Teilen der Wirtschaft sowohl an Fachkräften als auch an einfachen Arbeitskräften mangelt. Immer häufiger greifen Unternehmen auf ausländische Beschäftigte zurück, um offene Stellen zu besetzen. Hinzu kommt, dass die vergleichsweise hohen Lohnkosten den Druck auf den Arbeitsmarkt zusätzlich erhöhen.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Hohes Bildungsniveau und gute Sprachkenntnisse
  • Starke Mitarbeiterbindung und geringe Mitarbeiterfluktuation
  • Arbeitskräftegewinnung und -erhalt werden staatlich gefördert

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Branchenübergreifender Fachkräftemangel
  • Stark ansteigende Lohn- und Arbeitskosten
  • Starres Arbeitsrecht, Überregulierung der Arbeitswelt

  • Rekordbeschäftigung und steigende Realeinkommen erschweren die Suche nach Arbeitskräften. Viele Unternehmen sind auf Bewerber aus dem Ausland angewiesen.

    Seit der Coronakrise ist die Zahl der Erwerbstätigen in Slowenien kontinuierlich gewachsen. Die Beschäftigung erreichte Ende 2023 laut slowenischem Wirtschaftsforschungsinstitut (IMAD) mit 1,1 Millionen Erwerbstätigen ein Rekordhoch. Seither hat sich die Dynamik deutlich verlangsamt. Im 4. Quartal 2024 registrierte IMAD sogar einen Rückgang der Beschäftigung um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Slowenien im weltweiten Vergleich

    Slowenien im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Weiter sinkende Arbeitslosenquote 

    Ein Teil des Beschäftigungsrückgangs ist auf saisonale Effekte zurückzuführen. Er ist aber auch Folge der aktuell schwierigen Lage im verarbeitenden Gewerbe. Allein der Kfz-Zulieferer Mahle baute 2024 bereits 170 Stellen ab, für 2025 sind 600 Kürzungen angekündigt. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank 2024 laut nationalem Arbeitsamt dennoch auf 4,6 Prozent – der niedrigste Wert seit 2001. Dieses Niveau könnte nach IMAD-Prognosen auch in den kommenden Jahren stabil bleiben.

    In Slowenien ist der Arbeits- und Fachkräftemangel seit Jahren ein strukturelles Problem. Sinkende Arbeitslosenzahlen bei gleichzeitigem Beschäftigungsrückgang deuten darauf hin, dass Unternehmen Stellenkürzungen vorrangig über Rentenabgänge bewältigen. Zudem arbeitet die Regierung an einem Kurzarbeitsgesetz. Die Aussicht darauf trug sicher auch dazu bei, dass es zu keinen größeren Entlassungswellen in der Industrie kam. Der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse ist rückläufig. Nur 10,6 Prozent aller Beschäftigungen basierten 2024 auf Zeitverträgen (2017: 17,6 Prozent).

    Leiharbeit ist in der Industrie weit verbreitet

    Auf der Suche nach Arbeitskräften greifen slowenische Unternehmen vermehrt auf Angebote der Arbeitnehmerüberlassung zurück. Laut Eurostat waren 5,8 Prozent aller Beschäftigten 2024 Leiharbeiter. Das ist mehr als das Doppelte des EU-Durchschnitts von 2,3 Prozent. Am häufigsten sind Leiharbeiter im verarbeitenden Gewerbe anzutreffen. Einer Teilzeitbeschäftigung gingen 8,8 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren nach.

    Eine Besonderheit des slowenischen Arbeitsmarktes ist die niedrige Erwerbsquote bei älteren Menschen (55- bis 64-Jährige), die mit 56,3 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 65,2 Prozent liegt. Bei 40 Beitragsjahren können Arbeitnehmer mit 60 Jahren in Rente gehen. Für alle anderen liegt die Altersgrenze nach mindestens 15 Beitragsjahren bei 65 Jahren. Der Entwurf eines neuen Rentengesetzes sieht die stufenweise Anhebung der Renteneintrittsalters um zwei Jahre vor. Das Gesetz setzt auch Anreize zur Verlängerung der Erwerbstätigkeit: Geplant sind etwa zusätzliche Rentenpunkte für weitere Arbeitsjahre.

    Slowenen verfügen über hohes Bildungsniveau

    Personalberater loben die hohe Qualität des slowenischen Bildungssystems und das Ausbildungsniveau lokaler Arbeitskräfte. Fast jeder Dritte im erwerbsfähigen Alter verfügte 2024 über einen Hochschulabschluss. Fremdsprachenkenntnisse in Englisch und Deutsch sind weit verbreitet. Das Ausbildungsprofil slowenischer Absolventen bilde insgesamt recht gut die Stärken der slowenischen Wirtschaft ab, meint der Geschäftsführer des im Land führenden Personaldienstleisters Kariera, Tilen Prah.

    Fehlendes Personal in der Produktion und im Tourismus

    Gleichwohl reicht der Arbeitskräftepool von rund 1 Million aktiven Erwerbstätigen nicht aus, um die Bedarfe der Wirtschaft zu decken. Fach- und Arbeitskräfte fehlen in so gut wie allen Berufen. Einer Umfrage des slowenischen Arbeitsamtes (ZRSZ) von Ende 2024 zufolge werden im 1. Halbjahr 2025 vor allem Lkw-Fahrer, Hilfskräfte im verarbeitenden Gewerbe, Verkäufer, Schweißer, Gesundheits- und Sozialarbeiter sowie Elektroinstallateure gesucht. Besonders schwer sei es für Unternehmen, Positionen auf Einstiegslevel zu besetzen, so Kariera-Chef Prah.

    Gerade im Einstiegsbereich müssen Unternehmen akzeptieren, dass es für bestimmte Positionen keine slowenischen Kandidaten gibt.

    Tilen Prah Executive Director / Procurator, Kariera

    Der Chef-Recruiter der Personalagentur Workforce, Boštjan Grobler, sieht bei produktionsfernen Branchen, etwa im Handel oder in der Informationstechnik durchaus noch Potenzial, inländische Arbeitskräfte zu finden. Schlecht stünden die Chancen aber im verarbeitenden Gewerbe. Bei der Suche nach Arbeitern in der Produktion sei man mittlerweile auf ausländische Bewerber angewiesen. Genauso wie im Tourismus. Besonders angespannt sei die Lage in der Hauptstadt Ljubljana, in den industriellen Zentren um Novo mesto und Maribor sowie in den touristisch geprägten Regionen Gorenjska und Goriška in Grenznähe zu Österreich und Italien.

    Erleichterte Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte

    Aktuell stammen 124.000 der rund 1 Million aktiven Beschäftigten in Slowenien aus Drittländern. Davon kommen über 93 Prozent aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Arbeitskräfte aus Asien und Afrika stellen momentan nur einen kleinen Teil ausländischer Beschäftigter. Und bei der Integration gebe es noch keine Probleme, berichtet Boštjan Grobler. Erklärtes Ziel der Regierung ist es, dass der Anteil ausländischer Arbeitskräfte aus Drittländern 20 Prozent der arbeitenden slowenischen Bevölkerung nicht überschreitet.

    Die Zielmarke ist noch fern und die Anwerbung ausländischer Beschäftigter wird von staatlicher Seite gefördert. Etwa indem die Regierung seit Jahren sukzessive die Beschäftigungsvoraussetzungen von Ausländern aus Drittstaaten lockert. Zuletzt wurde die Anerkennung beruflicher Qualifizierungen ausländischer Arbeitskräfte gesetzlich erleichtert und die Anforderungen an das Gehaltsniveau heruntergesetzt. Die Regelungen für Saisonarbeit gelten künftig auch für Tätigkeiten im Tourismus und Gastgewerbe.

    Gleichzeitig sucht Slowenien im Ausland aktiv nach Arbeitskräften. Partnerland sind etwa die Philippinen. Mitte März 2025 eröffnete in Manila eine slowenische Botschaft, was von einer Jobmesse flankiert wurde. Auch ein bilaterales Beschäftigungsabkommen wird vorbereitet. 

    Darüber hinaus geraten Auslandsslowenen in den Fokus der Regierung: Die slowenische Arbeitsagentur kündigte im März 2025 gezielte Maßnahmen zur Rückgewinnung der slowenischen Diaspora an. Auswanderer sollen unter anderem durch steuerliche Anreize zurück ins Land gelockt werden.

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • Unternehmen sollten prinzipiell auf professionelle Personalvermittler zurückgreifen. Mit großzügigen Angeboten zur Work-Life-Balance sammeln Arbeitgeber Pluspunkte.

    Slowenien ist hoch industrialisiert, das verarbeitende Gewerbe trägt rund ein Fünftel zur inländischen Wirtschaftsleistung bei. Knapp 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird im Groß- und Einzelhandel, der Logistikbranche und im Tourismus erwirtschaftet. In diesen vier Wirtschaftszweigen waren 2024 mit rund 420.000 Beschäftigten über 40 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung tätig. Die Tendenz ist steigend. Gleichzeitig sind es Industriebetriebe, Logistiker und Tourismuseinrichtungen, die besonders stark unter chronischem Fach- und Arbeitskräftemangel leiden. Auch im Baugewerbe fehlen Facharbeiter.

    Externe Personalvermittler sind ein Muss

    Das hat die Arbeit der Personalabteilungen in den Unternehmen verändert. Marktkenner berichten, dass sich insbesondere in den letzten fünf Jahren – beschleunigt auch durch die Coronakrise – die Rahmenbedingungen für die Personalsuche in Slowenien maßgeblich verschoben haben. Innerbetriebliche Personalabteilungen sind heute mit der Betreuung der Belegschaft voll ausgelastet. Neue Mitarbeiter werden fast ausschließlich über externe Personalvermittler rekrutiert.

    Aber auch die Arbeit der Personalvermittler hat sich gewandelt: Vorbei sind die Zeiten der klassischen Personalsuche über Stellenanzeigen, Kandidatenlisten und Vorauswahlgespräche. Gezieltes Headhunting ist längst nicht mehr auf die Suche nach Führungskräften und Fachpersonal beschränkt, sondern muss heute für fast alle Positionen betrieben werden.

    Ich kenne keine Firma mit über 20 Beschäftigten, die ohne einen externen Personalvermittler arbeitet. Heutzutage muss man für so gut wie jede Position aktives Headhunting betreiben, auch für Reinigungskräfte.

    Boštjan Grobler Director Candidate Mobility, Workforce

    Personalvermittlung ist deutlich teurer geworden

    Für Personalvermittlung und -beratung, inklusive Headhunting, gibt es in Slowenien diverse Anbieter. Marktführer ist der Personaldienstleister Kariera, der gerade von deutschen Kunden geschätzt wird. Die Personalberatungsagentur Workforce ist in allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens sowie in Albanien aktiv und kooperiert mit Partnern in weiteren regionalen Märkten. Hinzu kommen Niederlassungen internationaler Personalvermittler wie Trescon, mit Hauptsitz in Österreich. Andere Agenturen wie etwa Kienbaum bearbeiten den Markt aus Österreich heraus. Die Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (AHK Slowenien) stellte ihre Dienstleistungen im Bereich Personalvermittlung hingegen ein.

    Der Wandel der Vermittlungspraxis für professionelle Recruiter schlägt sich in höherem Arbeitsaufwand und höheren Kosten nieder. Diverse Anbieter nahmen in den letzten Jahren massive Anpassungen ihrer Vermittlungspreise vor. Workforce berechnet für eine einfache Platzierung heute das 1,5-Fache des monatlichen Bruttoverdienstes der zu besetzenden Position. Im Jahr 2017 betrug der Preis noch den einfachen Bruttoverdienst bei gleichzeitig deutlich geringeren Löhnen. Für CEOs liegt die Vermittlungsgebühr beim Zwei- bis Dreifachen des monatlichen Bruttoverdienstes.

    Freizeit ist den Slowenen wichtig

    Einige Besonderheiten sind bei der Personalsuche in Slowenien zu beachten: Für slowenische Arbeitskräfte spricht, dass sie als sehr verlässlich und engagiert gelten. Die Arbeitskräftefluktuation ist gering. Die Kehrseite: Slowenische Arbeitnehmer sind nicht sonderlich mobil und ziehen ungern für einen Arbeitsplatzwechsel um – erst recht nicht ins Ausland. Die Lebensqualität in Slowenien wird aufgrund der natürlichen und sozialen Rahmenbedingungen als sehr hoch wahrgenommen.

    Für Büroangestellte und Fachkräfte werden weiche Faktoren immer ausschlaggebender bei der Wahl des Jobs. Und das sind vor allem Fragen der Lebensqualität: Work-Life-Balance mit großzügigen Homeoffice-Regelungen, flexible Arbeitszeiten, möglichst viele Urlaubstage bei nur wenigen Überstunden. Ein Großteil seiner Kunden spiele diese weichen Faktoren erfolgreich aus, berichtet Kariera-Chef Tilen Prah. Bei der Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittländern sei außerdem zu empfehlen, auch den benötigten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

    Für Slowenen ist Work-Life-Balance wichtig. Man arbeitet üblicherweise von 8 bis maximal 16:30 Uhr und dann geht es ab auf den Berg. Trotzdem wird die Arbeit geschafft, weil die Leute motiviert und loyal sind.

    Katja Stadler Stellvertretende Geschäftsführerin, Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (DESLO)

    Regionale Unterschiede bei der Personalsuche

    Bei Neuansiedlungen sollten auch regionale Unterschiede in den Blick genommen werden. Die Standortwahl spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Belegschaft, denn die Unterschiede in der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, bei Lohnkosten und dem Zugang zu erschwinglichem Wohnraum sind groß. In touristischen Küstenregionen, nahe Italien oder in den Julischen Alpen sind Wohnungen knapp und teuer. Das Gleiche gilt für die Hauptstadtregion. Dort sind auch die Löhne besonders hoch und Arbeitskräfte hart umkämpft. Selbst Kariera habe dort mittlerweile Probleme, eigenes Personal zu finden. Aber Slowenien ist nicht nur Ljubljana, sagt der Kariera-Chef. In lokalen Märkten könne man noch gut Mitarbeiter finden, zum Beispiel in Celje oder in Maribor.

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • In Slowenien sind die Lohnkosten deutlich höher als in anderen Transformationsländern. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Lohnnebenleistungen sind üppig.

    Die Bruttomonatslöhne lagen 2024 in Slowenien im Durchschnitt bei 2.395 Euro. Unter den Transformationsländern belegt Slowenien damit einen Spitzenplatz. Zwischen 2008 und 2024 stiegen die durchschnittlichen Lohnkosten um 95 Prozent. Eine Stunde Arbeit kostete 2024 im Mittel 27,10 Euro, was rund 80 Prozent des EU-Durchschnitts von 33,50 Euro entspricht. Das ist fast doppelt so hoch wie im benachbarten Ungarn mit 14,10 Euro Lohnkosten pro Stunde.

    Das knappe Angebot auf dem slowenischen Arbeitsmarkt treibt seit Jahren die Löhne in die Höhe, vor allem im privaten Sektor. Dort stiegen die Verdienste 2024 gegenüber dem Vorjahr um nominal 7 Prozent. Im öffentlichen Sektor nahmen die Löhne um nominal 4,6 Prozent zu. Für 2025 rechnet das slowenische Wirtschaftsforschungsinstitut IMAD mit leicht schwächeren Lohnzuwächsen in der Privatwirtschaft. Immerhin wurde der gesetzliche Mindestlohn für Vollzeitbeschäftigte bereits Anfang 2025 um 1,9 Prozent auf 1.277,72 Euro brutto im Monat erhöht. Laut IMAD beziehen gut 11 Prozent der Beschäftigten ein Gehalt in Mindesthöhe.

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne für ausgewählte BranchenIn Euro, 2024
    Branche

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    2.395

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    2.018

    Verarbeitendes Gewerbe

    2.381

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    3.471

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    2.319

    Baugewerbe

    1.951

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    2.235

    Transport und Lagerhaltung

    2.151

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    1.757

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    3.200

    Finanz- und Versicherungswesen

    3.462

    Quelle: Statistisches Amt Sloweniens, April 2025

    Hohe Lohnkosten bei hoher Arbeitsproduktivität

    In Slowenien wurde 2013 als Krisenmaßnahme ein Einkommensteuerspitzensatz von 50 Prozent eingeführt. Anfang 2022 senkte die damalige Regierung den Spitzensatz auf 45 Prozent. Allerdings nur für kurze Zeit: Die Einkommensteuerreform wurde von der seit Juni 2022 amtierenden Regierung um Premierminister Robert Golob teilweise wieder zurückgenommen. Seitdem gilt erneut der Spitzensteuersatz von 50 Prozent.

    Laut internationalen Vergleichen gehört Slowenien zu den Ländern mit der höchsten steuerlichen Lohnbelastung. Wirtschaftsvertreter fordern seit Jahren, die Einkommensteuern und zusätzlichen Abgaben zu reduzieren. Doch auch im laufenden Jahr 2025 stiegen bereits die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse und ein neuer Pflegebeitrag steht zur Mitte 2025 an.

    Die im Vergleich zu anderen Transformationsländern hohen slowenischen Löhne gehen mit einer vergleichsweise hohen Produktivität einher. Laut Eurostat entsprach die Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem in Slowenien 2023 rund 85 Prozent des EU-Durchschnitts. Polen erreichte knapp 83 Prozent, die Slowakei 80 Prozent und Ungarn nur 73 Prozent.

    Ausländische Firmen zahlen bessere Gehälter

    Slowenien weist ausgeprägte regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft und im Einkommen auf. Nur in der zentralen Region Osrednjeslovenska mit der Hauptstadt Ljubljana sowie in der südlichen Region Jugovzhodna Slovenija mit dem Industriestandort Novo mesto lagen die Löhne 2024 über dem Landesdurchschnitt. Unmittelbar darunter befanden sich die Gehälter in der nordwestlich gelegenen Region Gorenjska sowie in der Küstenregion Obalno-kraška. Relativ hoch war die Vergütung auch in der zentral gelegenen Region Posavska und in der westlichen Region Goriška. Niedrigere Löhne werden vor allem im Osten des Landes gezahlt.

    Kollektivverträge werden in Slowenien zum Teil auf Landesebene, aber auch auf Branchen- oder Unternehmensebene abgeschlossen. Die Deckungsrate durch Kollektivverträge beträgt nach OECD-Angaben rund 79 Prozent. Einer älteren Erhebung der slowenischen Zentralbank zufolge lagen die Gehälter bei ausländisch geführten Unternehmen 2021 rund 10,6 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Generell zahlen ausländische Unternehmen mehr als inländische Firmen, bestätigt Katja Stadler von der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer (AHK Slowenien). Das gälte insbesondere für hochqualifizierte Arbeitnehmer und Führungskräfte. Das jüngste Gehaltsranking des Wirtschaftsportals Finance von 2024 führten Apotheken, IT- und Energieunternehmen an.

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne für ausgewählte PositionenIn Euro, 2023
    Position

    Monatslohn *)

    Führungskraft

    4.530

    Personal mit akademischer Ausbildung

    3.465

    Technikerin, Techniker

    2.879

    Unterstützende Bürokraft

    2.403

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    2.062

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    1.861

    Handwerkerin, Handwerker

    2.311

    Anlagen- und Maschinenbedienung, Montagekraft

    2.277

    Hilfskraft

    1.811

    * ILO-Erfassungsmethodik weicht von lokalen Quellen ab.Quelle: ILO, April 2025

    Weitere Lohnbestandteile

    Neben dem Bruttogehalt stehen dem Arbeitnehmer gesetzlich festgelegte Lohnzulagen zu. Hierzu gehört insbesondere die tägliche Verpflegungspauschale. Laut Arbeitsgesetz müssen Arbeitgeber den Arbeitnehmern während der Arbeitszeit einen Zuschuss zur täglichen Verpflegung gewähren. Gemäß der Verordnung zur Regelung von Lohnzulagen können pro Mahlzeit bis zu 7,96 Euro steuerfrei ausgezahlt werden.

    Hinzu kommt die Erstattung der Kosten für Fahrten zum und vom Arbeitsplatz, in der Regel in Höhe von bis zu 0,21 Euro pro Kilometer beziehungsweise 140 Euro im Monat. Auch die Kosten, die dem Arbeitnehmer bei der Ausübung bestimmter Aufgaben auf Dienstreisen entstehen, werden übernommen. In Kollektivverträgen festgelegt sind darüber hinaus Zusatzentlohnungen zum Beispiel für Nachtarbeit, Überstunden oder für Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

    Das 13. Monatsgehalt ist in Slowenien das Urlaubsgeld, nicht das Weihnachtsgeld. Es muss als Untergrenze dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen, macht jedoch in der Regel einen Monatsverdienst aus. Seit 2019 ist die Auszahlung in Höhe von bis zu 100 Prozent des durchschnittlichen Bruttomonatsgehalts von der Einkommensteuer und den Sozialversicherungsbeiträgen befreit. Nicht zuletzt zahlen viele slowenische Arbeitgeber ihren Beschäftigten am Jahresende ein 14. (Teil-)Monatsgehalt. Auch Geschenke oder Prämien sind nicht unüblich.

    Sozialversicherungsbeiträge 

    Mit 16,1 Prozent vom Bruttogehalt ist der Sozialbeitrag der Arbeitgeber niedriger als jener der Arbeitnehmer (22,1 Prozent). Auch zur Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung leisten die Beschäftigten mit 15,5 Prozent vom Bruttogehalt einen höheren Beitrag als die Arbeitgeber (8,85 Prozent). Der Arbeitgeber trägt hingegen die Kosten der Arbeitsunfallversicherung (0,53 Prozent) allein.

    Seit Anfang 2024 gilt ein neuer obligatorischer Krankenversicherungsbeitrag (OZP). Der Festbeitrag liegt aktuell bei 37,17 Euro monatlich und gilt für alle Personen, die auf Grundlage des Gesetzes über Gesundheitsfürsorge und Krankenversicherung (ZZVZZ) pflichtkrankenversichert sind. Ab Juli 2025 wird für alle Bürger ein neuer Langzeitpflegebeitrag eingeführt. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber beträgt der Pflegebeitrag jeweils 1 Prozent des Bruttogehalts. Rentner zahlen 1 Prozent ihrer Nettorente und Selbstständige 2 Prozent ihres Einkommens.

    Sozialbeiträge 2025In Prozent des Bruttoverdienstes
     

    Arbeitgeber

    Arbeitnehmer

    Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung

    8,85

    15,50

    Krankenversicherung

    6,56

    6,36

    Langzeitpflegebeitrag 1)

    1,00

    1,00

    Arbeitslosenversicherung

    0,06

    0,14

    Elternschutzversicherung

    0,10

    0,10

    Arbeiterunfallversicherung

    0,53

    0

    Insgesamt

    17,10

    23,10

    zusätzlicher Krankenpflichtversicherungsbeitrag (OZP) 2) 

    -

    37,17 Euro/ monatlich

    1 Ab 1. Juli 2025 in Kraft; 2 seit Januar 2024 in Kraft, wird einmal jährlich an das Wachstum des durchschnittlichen Bruttogehalts angepasst.Quelle: Finanzamt der Republik Slowenien (FURS), April 2025

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • Das slowenische Arbeitsrecht weist einige Besonderheiten auf, vor allem in Bezug auf die Vergütung. Die Verjährungsfrist für arbeitsrechtliche Ansprüche beträgt fünf Jahre.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Wird durch Kollektivverträge geregelt
    Mindestlohn: 2025: 1.277,72 Euro/Monat
    Arbeitsstunden pro Woche: Mindestens 36 und höchstens 40 Stunden 1)
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: 8 Stunden/Woche; 20 Stunden/Monat; 170 Stunden/Jahr 2)
    Bezahlte Feiertage: 12
    Bezahlte Urlaubstage: 20 (bei 5-Tage-Woche) plus einen zusätzlichen Urlaubstag für jedes Kind unter 15 Jahren
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen: Urlaubsgeld (13. Monatsgehalt)
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: 7 Werktage im Jahr
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Bis zu 30 Werktage pro Krankheit; die Lohnfortzahlung seitens des Arbeitgebers ist insgesamt auf 80 Werktage im Kalenderjahr begrenzt
    Probezeit: Grundsätzlich bis zu 6 Monate
    1 inklusive täglicher bezahlter Pause von 30 Minuten; 2 Tagesarbeitszeit darf 10 Stunden nicht überschreiten, Jahresüberstundenzahl kann mit schriftlicher Zustimmung des Arbeitnehmers auf bis zu 230 Stunden/Jahr erhöht werden.Quelle: Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (AHK/DESLO) 2024

    Rechtsgrundlagen

    Seit dem Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union (EU) 2004 sind freie Einreise und freier Aufenthalt im Land garantiert. Für die Aufnahme einer Tätigkeit benötigen EU-Bürger keine Arbeitsgenehmigung. Allerdings muss der Arbeitgeber das Beschäftigungsverhältnis bis zum achten Tag der Arbeitsaufnahme registrieren lassen.

    Rechtsgrundlage des slowenischen Individualarbeitsrechts ist in erster Linie das Gesetz über die arbeitsrechtlichen Beziehungen (Zakon o delovnih razmerjih, ZDR-1). Weitere Grundlage ist das Gesetz zur Regelung des Arbeitsmarktes (Zakon o urejanju trga dela, ZUTD-G). Beschäftigungsverhältnisse von Ausländern regelt teilweise auch das Gesetz über die Beschäftigung und Arbeit von Ausländern (Zakona o zaposlovanju, samozaposlovanju in delu tujcev, ZZSDT).

    Die Einkommensteuer ist in Slowenien durch das Einkommensteuergesetz (Zakon o dohodnini, ZDoh-2) geregelt, zuletzt geändert durch die Veröffentlichung im Amtsblatt der Republik Slowenien, Nr. 104/2024 vom 10. Dezember 2024.

    Besonderheiten

    Das slowenische Arbeitsrecht unterscheidet sich vor allem im Bereich der Vergütung von deutschen gesetzlichen Vorgaben: Für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit erhält ein Arbeitnehmer eine Lebensarbeitszeitzulage. Das Bruttomonatsgehalt erhöht sich dadurch jährlich um 0,5 Prozent. Dem Arbeitnehmer steht eine Verpflegungspauschale in der durch eine spezielle Verordnung festgelegten Höhe (derzeit 7,96 Euro pro Arbeitstag) zu. Darüber hinaus hat er Anspruch auf die Erstattung der Fahrtkosten zum Arbeitsplatz sowie auf einen besonderen Zuschlag zum Gehalt für Fälle, in denen er im Homeoffice tätig ist.

    Zusätzlich ist insbesondere zu erwähnen, dass die Arbeitszeit einschließlich der Pausen zu beachten ist (die Pausen sind in die Arbeitszeit einzurechnen). Die täglichen Arbeitszeiten müssen dokumentiert werden. Das slowenische Arbeitsrecht kennt nur einen einheitlichen Urlaubsanspruch; eine Unterscheidung zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub existiert nicht.

    Für Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis gilt eine Verjährungsfrist von fünf Jahren.

    11.06.2025 Interview | Slowenien | Arbeitsmarkt
    "Wir wünschen uns weniger Bürokratie"

    Die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen in Slowenien sind sehr arbeitnehmerfreundlich, Vorsicht ist bei Kündigungen geboten. Das sagt Katja Stadler im GTAI-Interview. 

    Vertragsabschluss 

    Arbeitsverträge bedürfen der Schriftform. Sie sind grundsätzlich unbefristet abzuschließen. Der Abschluss mehrerer befristeter Arbeitsverträge, die einen Zeitraum von zwei Jahren überschreiten (Kettenarbeitsverträge), ist grundsätzlich unzulässig.

    Die Probezeit umfasst maximal sechs Monate.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Die volle Wochenarbeitszeit beträgt in der Regel 40 Stunden und darf 36 Stunden nur bei hohem Gesundheitsrisiko unterschreiten. Für Überstunden, Nachtarbeit und Arbeit an Sonn- und Feiertagen sind Zuschläge zu zahlen. Die Arbeitszeit darf eine bestimmte Anzahl an Überstunden nicht überschreiten.

    Im Krankheitsfall erhalten Arbeitnehmer bis zum 30. Werktag (maximal für 80 Werktage im Kalenderjahr) eine Lohnfortzahlung in Höhe von 80 Prozent ihres letzten Monatsgehalts von ihrem Arbeitgeber. Danach haben sie einen sozialversicherungsrechtlichen Anspruch auf Krankengeldzahlung ihrer Krankenkasse in Höhe von 80 Prozent ihres Durchschnittseinkommens.

    Mutterschutz und Elternurlaub werden in Slowenien im Normalfall zusammen für ein Jahr gewährt.

    Vertragsbeendigung 

    Das slowenische Arbeitsrecht kennt die ordentliche und die außerordentliche Kündigung. Die Kündigungsfrist eines Arbeitnehmers beträgt 15 Tage, wenn das Arbeitsverhältnis weniger als ein Jahr bestand. Andernfalls liegt sie bei 30 Tagen. Eine längere Kündigungsfrist (bis maximal 60 Tage) kann vereinbart werden.

    Bei einer Arbeitgeberkündigung aus betrieblichen Gründen oder wegen Arbeitsunfähigkeit sind je nach Beschäftigungsdauer die Mindestfristen von 15 bis zu 80 Tagen zu beachten. Bei einer Kündigung wegen schuldhafter Pflichtverletzung sind es 15 Tage.

    Bei einer ordentlichen Kündigung durch den Arbeitgeber aus betrieblichen oder persönlichen Gründen erhalten Arbeitnehmer eine Abfindung. Diese ist von der Dauer des Arbeitsverhältnisses abhängig und wurde per Gesetzesnovelle pro Beschäftigungsjahr auf ein Fünftel bis ein Drittel des durchschnittlichen Monatsgehalts verringert.

    Von Katja Stadler (Geschäftsführerin Deslo – AHK, poslovne storitve d.o.o.) | Ljubljana

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Bundesverwaltungsamt, Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige

    Praktische Hinweise für Expatriates, wie Informationen zu Bildungseinrichtungen, medizinischer Versorgung und Lebenshaltungskosten

    Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (DESLO)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerium für Arbeit, Familie, Sozialangelegenheiten und Chancengleichheit

    Fachministerium

    Arbeitsamt der Republik Slowenien

     

    Amt für Renten- und Invaliditätsversicherung

     

    Krankenversicherungsamt

     

    Kariera d.o.o. 

    Personalvermittlung

    Manpower d.o.o.

    Personalvermittlung

    Adecco H.R. d.o.o.

    Personalvermittlung

    Workforce d.o.o.

    Personalvermittlung

    Moje Delo; Optius.com

    Stellenbörsen