Arbeitsmarkt | Slowenien

Hohe Arbeitskosten belasten Sloweniens Wirtschaft

Der Fachkräftemangel verschärft sich, Arbeitskräfte aus dem Ausland gewinnen an Bedeutung. Die Wirtschaft hofft auf flexiblere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen.

Kirsten Grieß

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

Sloweniens Wirtschaft verlor zuletzt an Dynamik. Nach Stellenkürzungen ging die Beschäftigung 2025 leicht zurück. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit niedrig, Fach- und Arbeitskräfte sind schwer zu finden. Offene Stellen werden immer häufiger mit Beschäftigten aus dem Ausland besetzt. Die Regierung erleichtert kontinuierlich die Arbeitsmigration aus Drittstaaten.

Der Personalmangel und höhere gesetzliche Vorgaben lassen die Arbeitskosten in Slowenien kräftig steigen. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und belastet die Unternehmen. Die neue Regierung unter Janez Janša stellt nun wiederum Entlastungen in Aussicht. Fragen zur Finanzierung und Umsetzung sind jedoch nach wie vor offen.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Hohes Bildungsniveau und gute Sprachkenntnisse
  • Starke Mitarbeiterbindung und geringe Mitarbeiterfluktuation
  • Arbeitskräftegewinnung und -erhalt werden staatlich gefördert

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Branchenübergreifender Fachkräftemangel
  • Stark ansteigende Lohn- und Arbeitskosten
  • Starres Arbeitsrecht, Überregulierung der Arbeitswelt

  • Die schwächelnde Konjunktur entspannt den Arbeitsmarkt kaum. Personal fehlt in Industrie und Tourismus. Slowenien erleichtert deshalb die Anwerbung aus dem Ausland.

    Nach der Coronakrise nahm die Beschäftigung in Slowenien stetig zu und erreichte 2024 mit 1,1 Millionen Erwerbstätigen einen Rekordwert. Laut Statistikamt ging die Beschäftigtenzahl 2025 erstmals um 0,4 Prozent zurück. Parallel schwächte sich die Konjunktur ab: Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich von 2,7 Prozent im Jahr 2022 auf 1,1 Prozent 2025.

    Slowenien im weltweiten Vergleich

    Slowenien im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Für 2026 erwartet die slowenische Nationalbank ein leichtes Beschäftigungsplus von 0,4 Prozent. Für den Zuwachs dürfte vor allem der öffentliche Sektor sorgen. Im Privatsektor bauen Unternehmen hingegen Stellen ab, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Die Industrie leidet unter der schwachen Auslandsnachfrage und stark gestiegenen Arbeitskosten. Dennoch blieb die registrierte Arbeitslosenquote 2025 mit 4,6 Prozent beziehungsweise rund 45.000 Personen auf dem Vorjahresniveau. Damit verharrt sie auf dem niedrigsten Stand seit 2001.

    Demografischer Wandel verschärft Personalmangel 

    Die schwächelnde Konjunktur dürfte daran wenig ändern: Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts IMAD wird die Arbeitslosigkeit auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Denn mit der Alterung der Bevölkerung schrumpft auch das heimische Arbeitskräfteangebot. Bis 2028 sei außerdem mit einer nie dagewesenen Pensionierungswelle zu rechnen, warnte zuletzt die Geschäftsführerin von Adecco Slowenien, Mirela Kurt.

    Seit Jahren verlassen mehr Menschen den slowenischen Arbeitsmarkt, als neu eintreten. Nach Angaben des slowenischen Rentenversicherungsamtes ZPIZ überstieg die Zahl der Arbeitsmarktabgänge die der Neueintritte seit 2024 um jeweils rund 13.000 Personen. Weil qualifizierte Arbeitskräfte schwer zu ersetzen sind, halten viele Arbeitgeber auch in konjunkturellen Schwächephasen an ihren Beschäftigten fest. Zusätzlich soll eine neue Kurzarbeitsregelung weitere Entlassungen vermeiden. Die Regierung von Ministerpräsident Janez Janša hat die 2025 gesetzlich verankerte Regelung im Juli 2026 erneut aktiviert. Sie gilt bis zum 20. Januar 2027.

    Die Erwerbsquote älterer Menschen soll steigen

    Um kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken, setzen slowenische Unternehmen auf Arbeitnehmerüberlassung. Besonders verbreitet ist Leiharbeit im verarbeitenden Gewerbe. Laut Eurostat waren 2025 rund 5,3 Prozent der Beschäftigten in Slowenien als Leiharbeitskräfte tätig. Damit lag der Anteil mehr als doppelt so hoch als der EU-Durchschnitt mit 2,2 Prozent.

    Ein weiteres Arbeitskräftepotenzial sind ältere Beschäftigte. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen lag 2025 mit 57,6 Prozent deutlich unter dem EU-Mittel von 66,4 Prozent. Eine 2025 beschlossene Rentenreform könnte die Lebensarbeitszeit indes verlängern. Zwischen 2028 und 2035 sollen die Altersgrenzen schrittweise von 60 auf 62 Jahre bei 40 Beitragsjahren und von 65 auf 67 Jahre bei mindestens 15 Beitragsjahren steigen. Das noch nicht in Kraft getretene, sogenannte Interventionsgesetz der neuen Regierung sieht weitere Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit vor.

    Gutes Bildungsniveau und passende Qualifikationen

    Personalberater bescheinigen dem slowenischen Bildungssystem eine hohe Qualität. Fast jeder Dritte im erwerbsfähigen Alter besaß 2025 einen Hochschulabschluss. Englisch- und Deutschkenntnisse sind weit verbreitet. Nach Einschätzung von Tilen Prah, Geschäftsführer der Personalagentur Kariera, decken die Ausbildungsprofile den Bedarf wichtiger Branchen weitgehend ab. Dazu zählen die Pharmaindustrie, Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Logistik.

    Arbeitskräfte fehlen in Industrie und Tourismus

    Gleichwohl betrifft der Personalmangel zahlreiche Branchen und reicht von einfachen Tätigkeiten bis zu qualifizierten Fachberufen. Laut einer Mitte 2026 veröffentlichten Umfrage des slowenischen Arbeitsamtes ZRSZ suchen Unternehmen im 2. Halbjahr vor allem Hilfskräfte im verarbeitenden Gewerbe, Verkäufer, Lkw-Fahrer sowie Reinigungs- und Servicekräfte. Auch Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sind gefragt. Besonders schwer zu besetzen sind Stellen mit eher geringen Qualifikationsanforderungen, berichtet Kariera-Chef Prah.

    Im Handel und in der Informationstechnik sieht Boštjan Grobler vom Personaldienstleister Workforce noch Chancen, inländische Bewerber zu finden. In Industrie und Tourismus ließen sich offene Stellen dagegen kaum noch ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland füllen. Als besonders angespannt gilt die Lage in Ljubljana, in den Industriezentren Novo mesto und Maribor sowie in den touristisch geprägten Regionen Gorenjska und Goriška an den Grenzen zu Österreich und Italien.

    Arbeitsmigration aus Drittstaaten wird erleichtert

    Im 1. Quartal 2026 waren in Slowenien rund 148.000 außerhalb der EU geborene Menschen erwerbstätig. Das entsprach etwa 15 Prozent aller Erwerbstätigen. Gut 91 Prozent von ihnen stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Bedeutung von Arbeitskräften aus jugoslawischen Nachfolgestaaten nimmt jedoch langsam ab: Ihr Zuzug geht zurück, während zunehmend Beschäftigte aus Asien nach Slowenien kommen.

    Der slowenische Staat erleichtert seit Jahren die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen. Schon unter der Vorgängerregierung wurde die Anerkennung beruflicher Qualifikationen vereinfacht und die Voraussetzungen für hochqualifizierte Beschäftigte gelockert. Saisonarbeit ist inzwischen auch im Tourismus und im Gastgewerbe möglich. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Janez Janša will die Anwerbung ausländischer Fachkräfte weiter erleichtern. 

    Ein Schwerpunkt liegt auf den Philippinen. Dort eröffnete das Land im März 2025 erstmals eine Auslandsvertretung und veranstaltete eine Jobmesse. Zwischen beiden Ländern besteht inzwischen ein bilaterales Beschäftigungsabkommen. 

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • Personalvermittlung wird wichtiger und teurer. Gute Arbeitsbedingungen helfen, neue Beschäftigte zu finden. Je nach Standort gestaltet sich die Rekrutierung jedoch unterschiedlich.

    Sloweniens Industrie, Handel, Logistik und Tourismus beschäftigen einen Großteil der Erwerbstätigen. Das verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet rund ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts. Etwa 17 Prozent entfallen auf Handel, Logistik und Tourismus. Insgesamt arbeiteten in diesen vier Wirtschaftszweigen 2025 rund 413.000 Menschen. Die Unternehmen suchen indes weiter Personal. Auch im Gesundheits- und Bauwesen fehlen Fachkräfte.

    Anders entwickelt sich der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. Die Nachfrage nach entsprechendem Personal geht seit etwa einem Jahr zurück. Nach Einschätzung von Personalberatern tragen neben sinkenden Projektzahlen und der Abwanderung von Unternehmen auch KI und Automatisierung zum Rückgang des Personalbedarfs bei. Besonders betroffen sind Berufseinsteiger und Beschäftigte mit wenig Berufserfahrung. 

    KI und Automatisierung haben die Nachfrage nach jüngeren Mitarbeitern mit weniger Erfahrung und Fachkenntnissen reduziert, da eine erfahrenere Fachkraft mit KI heute genauso viel schafft wie zuvor ein ganzes Junior-Team.

    Klemen Primožič Leiter Tech-Recruiting Adittec

    Personaler setzen auf externe Vermittler

    Marktkenner berichten, dass sich die Mitarbeitersuche in Slowenien in den vergangenen fünf Jahren grundlegend verändert hat. Personalabteilungen sind vielfach mit der Betreuung und Bindung der bestehenden Belegschaft voll beschäftigt. Bei Neueinstellungen greifen Unternehmen deshalb regelmäßig auf externe Personalvermittler zurück.

    Auch deren Arbeit hat sich gewandelt. Eine erfolgreiche Vermittlung erfordert heute meist mehr als Stellenanzeigen, Kandidatenlisten und Vorauswahlgespräche. Die gezielte Direktansprache beschränkt sich längst nicht mehr auf Führungskräfte und hochqualifizierte Fachkräfte, sondern wird inzwischen für ein breites Spektrum von Positionen genutzt.

    Personalsuche wird teurer und aufwendiger

    Für Personalvermittlung und -beratung, inklusive Headhunting, gibt es in Slowenien diverse Dienstleister. Zu den führenden Anbietern zählt die Personalagentur Kariera, die auch deutsche Kunden betreut. Der Personaldienstleister Workforce ist in allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens sowie in Albanien aktiv und kooperiert mit Partnern in weiteren regionalen Märkten. Hinzu kommen Niederlassungen internationaler Personalvermittler wie der österreichische Anbieter Trescon. Andere Agenturen wie etwa Kienbaum bearbeiten den Markt aus Österreich heraus. 

    Der Wandel der Vermittlungspraxis für professionelle Recruiter erhöht den Arbeitsaufwand und treibt die Kosten nach oben. Viele Anbieter haben ihre Vermittlungspreise in den vergangenen Jahren deutlich angehoben. Workforce berechnet für eine einfache Vermittlung heute das 1,5-Fache des monatlichen Bruttogehalts der zu besetzenden Position. Im Jahr 2017 entsprach das Honorar noch einem Bruttomonatsgehalt. Bei der Besetzung von Geschäftsführungspositionen werden zwei bis drei Bruttomonatsgehälter fällig.

    Arbeitsbedingungen und Zusatzleistungen zählen

    Einige Besonderheiten sind bei der Personalsuche in Slowenien zu beachten: Slowenische Arbeitskräfte gelten als sehr verlässlich und engagiert. Insgesamt wechseln Beschäftigte nur selten den Arbeitgeber. Etwas höher ist die Fluktuation bei gering qualifizierten und ausländischen Beschäftigten. 

    Gleichzeitig sind slowenische Arbeitnehmer nicht sonderlich mobil und ziehen nur ungern für einen neuen Arbeitsplatz um. Ins Ausland wechseln sie noch seltener. Die Lebensqualität in Slowenien wird aufgrund der natürlichen und sozialen Rahmenbedingungen als sehr hoch wahrgenommen.

    Für Büroangestellte und Fachkräfte sind neben dem Gehalt zunehmend Arbeitsbedingungen und Lebensqualität entscheidend. Gefragt sind vor allem Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Urlaubstage und wenige Überstunden. Große Arbeitgeber bauen ihre Zusatzleistungen entsprechend aus. Lidl Slowenien nennt neben einer wettbewerbsfähigen Vergütung unter anderem zusätzliche Altersvorsorge sowie Angebote für Gesundheit und berufliche Entwicklung. Unternehmen, die Beschäftigte aus Drittstaaten anwerben, sollten Unterstützung bei der Wohnungssuche anbieten oder eigene Unterkünfte bereitstellen, empfiehlt Kariera-Chef Tilen Prah.

    Regionale Unterschiede bei der Personalsuche

    Bei Neuansiedlungen sollten Unternehmen die regionalen Arbeitsmärkte bereits in die Standortwahl einbeziehen. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie Löhne und Wohnkosten unterscheiden sich erheblich. In den touristischen Küstenregionen, nahe der italienischen Grenze und in den Julischen Alpen sind Wohnungen knapp und kostspielig. Laut Kariera ist die Personalsuche auch in der Hauptstadt Ljubljana inzwischen schwieriger. In regionalen Zentren wie Celje oder Maribor finden Unternehmen dagegen leichter geeignete Bewerber.

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • In Slowenien steigen Löhne und Arbeitskosten deutlich. Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Druck. Die neue Regierung stellt steuerliche Entlastungen in Aussicht.

    Die Bruttomonatslöhne erreichten 2025 in Slowenien durchschnittlich 2.536 Euro. Das ist unter den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas der Spitzenplatz. Auch die Arbeitskosten ziehen kräftig an: Zwischen 2008 und 2025 erhöhten sie sich um 114 Prozent, 2025 legten sie um 9,3 Prozent zu. Damit verzeichnete Slowenien einen der stärksten Arbeitskostenanstiege in der EU. Eine Arbeitsstunde kostete im Durchschnitt 29,70 Euro, rund 85 Prozent des EU-Mittels von 34,90 Euro. Im benachbarten Ungarn lagen die Arbeitskosten mit 15,20 Euro etwa halb so hoch.

    Das knappe Arbeitskräfteangebot hält den Lohndruck seit Jahren hoch. Im Jahr 2025 stiegen die Löhne im öffentlichen Dienst besonders stark. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut IMAD legten die Löhne im öffentlichen Sektor nominal um 9,4 Prozent zu, im privaten Sektor um 3,9 Prozent. Zum 1. Januar 2026 erhöhte sich zudem der gesetzliche Mindestlohn um rund 16 Prozent auf 1.481,88 Euro brutto im Monat.

    Hinzu kamen 2025 gesetzlich verursachte Kostensteigerungen und Abgaben: Der Beitrag zur Krankenversicherung wurde angehoben und zur Jahresmitte ein Pflegebeitrag eingeführt. Seit Ende 2025 müssen Arbeitgeber ein verpflichtendes Weihnachtsgeld zahlen. 

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne für ausgewählte Branchen im Jahr 2025In Euro
    Branche *)

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    2.536

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    2.097

    Verarbeitendes Gewerbe

    2.467

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    3.555

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    2.417

    Baugewerbe

    2.035

    Groß- und Einzelhandel

    2.320

    Transport und Lagerhaltung

    2.240

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    1.845

    Telekommunikation, Softwareentwicklung und Informationsleistungen

    3.475

    Finanz- und Versicherungswesen

    3.527

    * laut der neuen EU-weiten Klassifikation der Wirtschaftszweige NACE Rev. 2.1.Quelle: Statistisches Amt Sloweniens, August 2026

    Steigende Arbeitskosten gefährden den Standort

    In einer Umfrage der slowenischen Wirtschaftskammer GZS bewerteten 87 Prozent der Unternehmen den jüngsten Arbeitskostenanstieg als den höchsten der letzten Jahre. Mehr als 90 Prozent berichteten von negativen Folgen für Rentabilität oder Auftragslage. Nach Einschätzung der GZS wurden die Kostensteigerungen nicht durch Produktivitätszuwächse ausgeglichen. Die steigenden Arbeitskosten schwächen damit zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit der slowenischen Wirtschaft.

    Auch deutsche Unternehmen bewerten den Standort schlechter. In der Frühjahrsumfrage der AHK Slowenien gaben nur 59 Prozent der Befragten an, erneut in Slowenien investieren zu wollen. Ein Jahr zuvor waren es 80 Prozent. Die Lohnkosten stehen seit Jahren an der Spitze der Geschäftsrisiken. Die neue Regierung will die Rahmenbedingungen nun verbessern. Erste Entlastungsmaßnahmen enthält das bereits beschlossene Interventionsgesetz. Doch dessen Inkrafttreten verzögert sich, da die Opposition ein Referendum dazu plant. 

    Finanzierung der Steuerentlastung bleibt ungeklärt 

    Zur hohen Kostenbelastung trägt auch das slowenische Steuer- und Abgabensystem bei. Der Einkommensteuerspitzensatz liegt bei 50 Prozent. Wirtschaftsvertreter fordern seit Jahren, die Besteuerung von Arbeit und zusätzliche Abgaben zu senken. Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung sieht eine Senkung des Spitzensteuersatzes auf 40 Prozent, höhere Freibeträge und ein neues Modell der Familienbesteuerung vor. Wie die Reformen finanziert werden sollen, ist offen.

    Die deutschen Unternehmen möchten gute Beschäftigte gut bezahlen. Dafür müssen Löhne und Boni vernünftiger besteuert werden.

    Katja Stadler Stellvertretende Geschäftsführerin AHK Slowenien

    Slowenien weist starke regionale Unterschiede im Lohnniveau auf. Allein in der Hauptstadtregion Osrednjeslovenska lagen die Bruttomonatslöhne 2025 mit durchschnittlich 2.782 Euro klar über dem Landesmittel von 2.536 Euro. Die Region Jugovzhodna Slovenija mit dem Industriestandort Novo mesto erreichte nahezu den Landesdurchschnitt. Vergleichsweise hoch waren die Gehälter auch in Gorenjska, Posavska und der Küstenregion Obalno-kraška. Vor allem im Osten des Landes lagen die Löhne deutlich niedriger.

    Ausländische Firmen zahlen höhere Gehälter

    Nach einer Erhebung der slowenischen Zentralbank lagen die Gehälter in ausländisch geführten Unternehmen 2021 durchschnittlich 10,6 Prozent über dem Landesmittel. Dass ausländische Firmen in der Regel besser zahlen als heimische Unternehmen, bestätigt auch Katja Stadler von der AHK Slowenien. Dies gelte besonders für hochqualifizierte Beschäftigte und Führungskräfte. Generell standen 2025 Apotheken sowie Unternehmen aus der IT- und Energiebranche im Gehaltsranking des Wirtschaftsportals Finance ganz oben.

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne für ausgewählte Positionen im Jahr 2024In Euro
    Position

    Monatslohn *)

    Führungskraft

    4.871

    Personal mit akademischer Ausbildung

    3.834

    Technikerin, Techniker

    3.163

    Unterstützende Bürokraft

    2.582

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    2.208

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    2.227

    Handwerkerin, Handwerker

    2.594

    Anlagen- und Maschinenbedienung, Montagekraft

    2.536

    Hilfskraft

    1.989

    * ILO-Erfassungsmethodik weicht von lokalen Quellen ab.Quelle: ILO, August 2026

    Weitere Lohnbestandteile

    Neben dem Bruttogehalt müssen Arbeitgeber weitere gesetzlich vorgeschriebene Leistungen berücksichtigen. Dazu zählt ein Verpflegungszuschuss während des Arbeitstags. Bis zu 7,96 Euro pro Mahlzeit können steuerfrei ausgezahlt werden.

    Arbeitgeber erstatten außerdem die Kosten für den Arbeitsweg. Je nach Berechnungsgrundlage können bis zu 0,21 Euro pro Kilometer oder 140 Euro im Monat angesetzt werden. Kollektivverträge regeln Zuschläge für Nachtarbeit, Überstunden sowie für Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

    Eine weitere Besonderheit ist das gesetzlich verankerte Urlaubsgeld. Es muss mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen, liegt in der Praxis häufig darüber. Bis zur Höhe des zuletzt bekannten durchschnittlichen Bruttomonatslohns ist die Auszahlung von Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträgen befreit.

    Seit Ende 2025 müssen Arbeitgeber zusätzlich ein Weihnachtsgeld zahlen. Es beträgt 50 Prozent des jeweils geltenden Mindestlohns. Für 2025 waren das 638,86 Euro. Die Auszahlung ist bis zur gesetzlichen Mindesthöhe steuer- und beitragsfrei und muss bis spätestens zum 18. Dezember des Jahres erfolgen.

    Sozialversicherungsbeiträge 

    Die regulären Sozialversicherungsbeiträge belaufen sich für Arbeitgeber auf 16,1 Prozent des Bruttogehalts, für Arbeitnehmer auf 22,1 Prozent. Den größten Anteil bildet die Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Dafür zahlen Beschäftigte 15,5 Prozent und Arbeitgeber 8,85 Prozent des Bruttogehalts. Den Beitrag zur Arbeitsunfallversicherung von 0,53 Prozent tragen die Arbeitgeber allein.

    Hinzu kommt der 2024 eingeführte obligatorische Krankenversicherungsbeitrag OZP. Er beträgt seit März 2026 monatlich 39,36 Euro und wird bei Beschäftigten direkt vom Lohn einbehalten. Seit Juli 2025 zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber außerdem jeweils 1 Prozent des Bruttogehalts in die neue Langzeitpflegeversicherung ein. Für Selbstständige beträgt der Beitrag 2 Prozent des Einkommens.

    Das noch nicht in Kraft getretene Interventionsgesetz sieht erstmals eine Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 7.500 Euro vor. Oberhalb dieses Bruttogehalts sollen keine weiteren Sozialversicherungsbeiträge anfallen. 

    Sozialbeiträge 2026In Prozent des Bruttoverdienstes
     

    Arbeitgeber

    Arbeitnehmer

    Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung

    8,85

    15,50

    Krankenversicherung

    6,56

    6,36

    Langzeitpflegebeitrag 1)

    1,00

    1,00

    Arbeitslosenversicherung

    0,06

    0,14

    Elternschutzversicherung

    0,10

    0,10

    Arbeiterunfallversicherung

    0,53

    0

    Insgesamt

    17,10

    23,10

    zusätzlicher Krankenpflichtversicherungsbeitrag (OZP) 2) 

    -

    39,36 Euro/ monatlich

    1 ab 1. Juli 2025 in Kraft; 2 seit Januar 2024 in Kraft, wird einmal jährlich an das Wachstum des durchschnittlichen Bruttogehalts angepasst.Quelle: Finanzamt der Republik Slowenien (FURS), August 2026

    Von Kirsten Grieß | Ljubljana

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  • Das slowenische Arbeitsrecht weist einige Besonderheiten auf, vor allem in Bezug auf die Vergütung. Die Verjährungsfrist für arbeitsrechtliche Ansprüche beträgt fünf Jahre.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Wird durch Kollektivverträge geregelt
    Mindestlohn 2026: 1.481,88 Euro/Monat
    Arbeitsstunden pro Woche: Mindestens 36 und höchstens 40 Stunden 1)
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: 8 Stunden/Woche; 20 Stunden/Monat; 170 Stunden/Jahr 2)
    Bezahlte Feiertage: 12
    Bezahlte Urlaubstage: 20 (bei 5-Tage-Woche) plus einen zusätzlichen Urlaubstag für jedes Kind unter 15 Jahren
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen: Urlaubsgeld (13. Monatsgehalt), Weihnachtsgeld in Höhe von mindestens 50% des gesetzlichen Mindestlohns
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: 7 Werktage im Jahr
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Bis zu 30 Werktage pro Krankheit; die Lohnfortzahlung seitens des Arbeitgebers ist insgesamt auf 80 Werktage im Kalenderjahr begrenzt
    Probezeit: Grundsätzlich bis zu 6 Monate
    1 inklusive täglicher bezahlter Pause von 30 Minuten; 2 Tagesarbeitszeit darf 10 Stunden nicht überschreiten, Jahresüberstundenzahl kann mit schriftlicher Zustimmung des Arbeitnehmers auf bis zu 230 Stunden/Jahr erhöht werden.Quelle: Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (AHK/DESLO) 2026

    Rechtsgrundlagen

    Seit dem Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union (EU) 2004 sind freie Einreise und freier Aufenthalt im Land garantiert. Für die Aufnahme einer Tätigkeit benötigen EU-Bürger keine Arbeitsgenehmigung. Allerdings muss der Arbeitgeber das Beschäftigungsverhältnis bis zum achten Tag der Arbeitsaufnahme registrieren lassen.

    Rechtsgrundlage des slowenischen Individualarbeitsrechts ist in erster Linie das Gesetz über die arbeitsrechtlichen Beziehungen (Zakon o delovnih razmerjih, ZDR-1). Weitere Grundlage ist das Gesetz zur Regelung des Arbeitsmarktes (Zakon o urejanju trga dela, ZUTD-I). Beschäftigungsverhältnisse von Ausländern regelt teilweise auch das Gesetz über die Beschäftigung und Arbeit von Ausländern (Zakona o zaposlovanju, samozaposlovanju in delu tujcev, ZZSDT).

    Die Einkommensteuer ist in Slowenien durch das Einkommensteuergesetz (Zakon o dohodnini, ZDoh-2) geregelt, zuletzt geändert durch die Veröffentlichung im Amtsblatt der Republik Slowenien, Nr. 104/2024 vom 10. Dezember 2024.

    Besonderheiten

    Das slowenische Arbeitsrecht unterscheidet sich vor allem im Bereich der Vergütung von deutschen gesetzlichen Vorgaben: Für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit erhält ein Arbeitnehmer eine Lebensarbeitszeitzulage. Das Bruttomonatsgehalt erhöht sich dadurch jährlich um 0,5 Prozent. Dem Arbeitnehmer steht eine Verpflegungspauschale in der durch eine spezielle Verordnung festgelegten Höhe (derzeit 7,96 Euro pro Arbeitstag) zu. Darüber hinaus hat er Anspruch auf die Erstattung der Fahrtkosten zum Arbeitsplatz sowie auf einen besonderen Zuschlag zum Gehalt für Fälle, in denen er im Homeoffice tätig ist.

    Zusätzlich ist insbesondere zu erwähnen, dass die Arbeitszeit einschließlich der Pausen zu beachten ist (die Pausen sind in die Arbeitszeit einzurechnen). Die täglichen Arbeitszeiten müssen dokumentiert werden. Das slowenische Arbeitsrecht kennt nur einen einheitlichen Urlaubsanspruch; eine Unterscheidung zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub existiert nicht.

    Für Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis gilt eine Verjährungsfrist von fünf Jahren.

    Vertragsabschluss 

    Arbeitsverträge bedürfen der Schriftform. Sie sind grundsätzlich unbefristet abzuschließen. Der Abschluss mehrerer befristeter Arbeitsverträge, die einen Zeitraum von zwei Jahren überschreiten (Kettenarbeitsverträge), ist grundsätzlich unzulässig.

    Die Probezeit umfasst maximal sechs Monate.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Die volle Wochenarbeitszeit beträgt in der Regel 40 Stunden und darf 36 Stunden nur bei hohem Gesundheitsrisiko unterschreiten. Für Überstunden, Nachtarbeit und Arbeit an Sonn- und Feiertagen sind Zuschläge zu zahlen. Die Arbeitszeit darf eine bestimmte Anzahl an Überstunden nicht überschreiten.

    Im Krankheitsfall erhalten Arbeitnehmer bis zum 30. Werktag (maximal für 80 Werktage im Kalenderjahr) eine Lohnfortzahlung in Höhe von 80 Prozent ihres letzten Monatsgehalts von ihrem Arbeitgeber. Danach haben sie einen sozialversicherungsrechtlichen Anspruch auf Krankengeldzahlung ihrer Krankenkasse in Höhe von 80 Prozent ihres Durchschnittseinkommens.

    Mutterschutz und Elternurlaub werden in Slowenien im Normalfall zusammen für ein Jahr gewährt.

    Vertragsbeendigung 

    Das slowenische Arbeitsrecht kennt die ordentliche und die außerordentliche Kündigung. Die Kündigungsfrist eines Arbeitnehmers beträgt 15 Tage, wenn das Arbeitsverhältnis weniger als ein Jahr bestand. Andernfalls liegt sie bei 30 Tagen. Eine längere Kündigungsfrist (bis maximal 60 Tage) kann vereinbart werden.

    Bei einer Arbeitgeberkündigung aus betrieblichen Gründen oder wegen Arbeitsunfähigkeit sind je nach Beschäftigungsdauer die Mindestfristen von 15 bis zu 80 Tagen zu beachten. Bei einer Kündigung wegen schuldhafter Pflichtverletzung sind es 15 Tage.

    Bei einer ordentlichen Kündigung durch den Arbeitgeber aus betrieblichen oder persönlichen Gründen erhalten Arbeitnehmer eine Abfindung. Diese ist von der Dauer des Arbeitsverhältnisses abhängig und wurde per Gesetzesnovelle pro Beschäftigungsjahr auf ein Fünftel bis ein Drittel des durchschnittlichen Monatsgehalts verringert.

    Von Katja Stadler (Geschäftsführerin Deslo – AHK, poslovne storitve d.o.o.) | Ljubljana

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Bundesverwaltungsamt, Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige

    Praktische Hinweise für Expatriates, wie Informationen zu Bildungseinrichtungen, medizinischer Versorgung und Lebenshaltungskosten

    Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (DESLO)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und SportFachministerium, das für das Arbeitsrecht, die Beschäftigung und Berufsausbildung zuständig ist.
    Ministerium für Demografie, Familie und Soziale Angelegenheiten

    Fachministerium

    Arbeitsamt der Republik Slowenien

     

    Amt für Renten- und Invaliditätsversicherung

     

    Krankenversicherungsamt

     

    Kariera d.o.o. 

    Personalvermittlung

    Manpower d.o.o.

    Personalvermittlung

    Adecco H.R. d.o.o.

    Personalvermittlung

    Workforce d.o.o. (Teil der WHC-Gruppe)

    Personalvermittlung

    Moje Delo; Optius.com

    Stellenbörsen