Branche kompakt | Spanien | Chemische Industrie
Branchenstruktur
Der Fachverband Feique rechnet knapp 3.100 vorwiegend kleine Unternehmen der Chemiebranche zu. Basischemikalien und Arzneimittel erzielen die höchsten Verkaufszahlen.
13.03.2026
Von Friedrich Henle | Madrid
Spaniens Chemiebranche steht für etwa 6 bis 7 Prozent der Bruttowertschöpfung in der verarbeitenden Industrie und zählt etwa 105.000 Beschäftigte (ohne Pharma). Rechnet man die Arzneimittelhersteller hinzu, so sind laut nationalem Chemieverband Feique etwa 3.100 Unternehmen in der Branche aktiv. Diese erzielten 2024 einen Umsatz von 85,5 Milliarden Euro.
Chemische Grundstoffe bilden den Schwerpunkt der Produktion
Die höchsten Umsätze generieren weiterhin chemische Grundstoffe und Kunststoffe in Primärformen sowie Arzneimittel. Diese spielen sowohl bei den Verkäufen im Inland als auch bei den Exporten die Hauptrolle.
Der Fachverband Feique hat aus eigenen Daten, Angaben des Statistikamtes INE sowie Unternehmensbefragungen Zahlen zur sektoriellen Umsatzverteilung im Jahr 2024 zusammengestellt. Innerhalb der vierstelligen Untersegmente der spanischen Industrieklassifikation CNAE erzielen zwei Zweige besonders hohe Umsatzzahlen. Dabei handelt es sich um organische Chemie (CNAE 2014) mit 13,8 Milliarden Euro und Kunststoffe in Primärformen (CNAE 2016) mit 10,9 Milliarden Euro. Aufsummiert bilden auch Reinigungsmittel, Parfüm und Kosmetika (CNAE 204) mit 13,4 Milliarden Euro Umsatz einen Branchenschwerpunkt.
Sparte (CNAE) | Umsatz | Veränderung 2024/2023 | Marktanteil *) |
|---|---|---|---|
Chemische Erzeugnisse (20) | 58,61 | 3,6 | 100 |
Grundstoffe, Kunststoffe in Primärform (201) | 32,30 | 2,7 | 55,1 |
Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel, Desinfektionsmittel (202) | 1,28 | -5,9 | 2,2 |
Anstrichmittel, Druckfarben, Kitte (203) | 5,99 | 4,1 | 10,2 |
| Reinigungs- und Körperpflegemittel (204) | 13,41 | 3,5 | 22,9 |
| sonstige chemische Erzeugnisse (205) | 5,38 | -7,8 | 9,2 |
| Chemiefasern (206) | 0,24 | -6,5 | 0,4 |
| Arzneimittel (21) | 26,87 | 5,7 | 100 |
Katalonien ist das Zentrum der spanischen Chemiebranche
Bei einer regionalen Betrachtung zeigen sich klare Schwerpunkte. Die Region Katalonien ist mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent mit deutlichem Abstand führend. Katalonien profitiert davon, Standort des Clusters ChemMed in Tarragona zu sein und auch in der Provinz Barcelona viele Branchenunternehmen zu beherbergen.
Die Hauptstadtregion Madrid kommt auf einen Anteil von 16 Prozent am gesamten Chemieumsatz Spaniens. Die andalusische Hafenstadt Huelva ist ebenfalls ein Schwerpunkt der Chemieproduktion. Damit trägt sie erheblich dazu bei, dass Andalusien gemessen am Umsatz mit 11 Prozent die drittbedeutendste Region des Landes ist.
Deutsche Unternehmen sind ebenfalls mit Standorten präsent
Laut Feique verfügen 83 Prozent der Branchenunternehmen über weniger als 50 Beschäftigte. Am anderen Ende der Größenskala stehen lediglich 17 Unternehmen, die mehr als 1.000 Mitarbeiter haben. Mit dieser Verteilung ist die Chemieindustrie ein ungefähres Abbild der spanischen Gesamtwirtschaft. Diese ist ebenfalls von vielen Kleinunternehmen geprägt, während nur wenige sehr große Hersteller existieren.
Diese Schwergewichte der Branche haben die Mittel, um größere Projekte umzusetzen. Beispielsweise erfinden sich die Petrochemiekonzerne Repsol und Moeve (ehemals Cepsa) neu und setzen verstärkt auf die Produktion von Biokraftstoffen. Repsol erhofft sich von der veränderten Situation in Venezuela eine deutliche Umsatzsteigerung. Nach Unternehmensangaben befinden sich 15 Prozent der eigenen Öl- und Gasreserven in dem südamerikanischen Land.
Unternehmen | Sparte | Umsatz 2024 |
|---|---|---|
| Moeve Chemicals | Petrochemie | 2.949 |
| Puig *) | Sonstige chemische Erzeugnisse, Kosmetika und Parfum | 2.620 |
| Repsol Química | Petrochemie | 1.756 |
| BASF Española | Chemische Erzeugnisse | 1.923 |
| Dow Chemical Ibérica | Kunststoffe | 1.424 |
| Interalco | Organische chemische Erzeugnisse | 903 |
| Bayer Hispania | Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse | 800 |
| Fertiberia | Düngemittel | 738 |
| Ercros | Anorganische Grundstoffe | 666 |
| Persan | Sonstige chemische Erzeugnisse, Reinigungs-und Körperpflegemittel | 604 |
Unter den umsatzstärksten Chemieunternehmen in Spanien befinden sich auch drei deutsche DAX-Konzerne. Bayer, BASF und Henkel gehören mit ihren lokalen Niederlassungen und Produktionsstätten zu den zentralen Branchenunternehmen.
Kurzinterview: Drei Fragen an Zschimmer & Schwarz España
"Hauptargument ist bei uns nicht der Preis"
Daniel Sardina leitet die spanische Niederlassung von Zschimmer & Schwarz in Castellón in der Region Valencia. Das deutsche Familienunternehmen aus der Spezialchemie ist seit 1998 in Spanien präsent - zuerst mit einem Vertriebsbüro, seit 2004 mit einer eigenen Produktion und seit 2016 mit Laboren. Am Standort arbeiten aktuell 58 Beschäftigte.
Herr Sardina, wie wichtig ist der Standort Spanien für Zschimmer & Schwarz?
Im Jahr 2025 entfielen 3,5 Prozent des Umsatzes der gesamten Unternehmensgruppe auf die spanische Niederlassung. Wir produzieren hier unter anderem Drucktinten und Additive für diverse Anwendungsgebiete. Die Keramikindustrie, die in Spanien eine gewisse Bedeutung hat, ist eine unserer wichtigsten Kundinnen. Wir wollen uns in Zukunft aber diversifizieren und mehr Aufträge auch aus anderen Branchen gewinnen. Für das Jahr 2026 erwarten wir insgesamt eine leichte Umsatzsteigerung.
Sind hohe Energiekosten und asiatische Wettbewerber für Sie ein Problem - wie bei anderen Chemieunternehmen auch?
Als Spezialchemiehersteller mit kleineren Chargen hat der Faktor Energie für uns ein geringeres Gewicht als bei Unternehmen der Basischemie. Die Stromkosten konnten wir signifikant senken, indem wir 2021 das Dach unserer Fabrikhalle mit einer Photovoltaikanlage bestückt haben. Diese deckt etwa ein Drittel unseres Stromverbrauchs ab.
Die Wettbewerber kommen bei uns nicht aus China, sondern eher aus Spanien oder anderen europäischen Ländern. Zum Teil konkurrieren wir bei Aufträgen auch innerhalb der Unternehmensgruppe. Das Hauptargument ist bei uns aber nicht der Preis. Es zählen mehr die Qualität und die Erfüllung spezieller Kundenanforderungen. Damit sind wir bisher gut gefahren.
Also läuft zurzeit alles rund?
Natürlich haben wir auch Herausforderungen. Als Belastung würde ich den bürokratischen Aufwand in Spanien nennen. Zusätzliche Kosten verursacht die seit 2023 geltende Plastiksteuer, die auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen erhoben wird. Unsicherheit entsteht auch durch die Preisentwicklung bei Rohstoffen, die wir einkaufen müssen. Wenn zum Beispiel Kobalt teurer wird, das wir für unsere blauen Drucktinten benötigen, schlägt sich das direkt auf die Marge nieder. Und die hat in den letzten Jahren tendenziell abgenommen.