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Energiepreise und Importe belasten die polnische Chemieindustrie

Wie in anderen EU-Ländern steht auch Polens Chemieindustrie unter Druck. Unternehmen müssen wegen sinkender Umsätze Stellen streichen. Einige Probleme sind jedoch hausgemacht.

Von Christopher Fuß | Warschau

Ausblick der chemischen Industrie in Polen

Bewertung:

  • Hohe Energiepreise und Importe aus Drittstaaten belasten Hersteller von Grundchemikalien und Massenwaren.
  • Kampfhandlungen im Iran treiben Rohstoffpreise weiter nach oben.
  • Große Chemieunternehmen in Polen stellen Investitionsprojekte auf den Prüfstand.
  • Branchenverband rechnet mit leichter Erholung.
  • Weitere Entwicklung der Branche hängt vor allem von EU-Gesetzgebung ab.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026

  • Polens Chemie-Branchenverband fordert eine Kurskorrektur bei der Emissionspolitik der EU. Die polnische Regierung arbeitet gleichzeitig an eigenen Hilfsmaßnahmen für die Branche. 

    Der Abwärtstrend in Europas Chemieindustrie macht auch vor Polen nicht halt. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat sanken die Branchenumsätze 2025 um 1,7 Prozent. Es ist das dritte Jahr in Folge mit rückläufigen Verkaufszahlen.

    17,7 Prozent

    beträgt der Anteil der Chemieindustrie an den Umsätzen der gesamten Industrie in Polen.

    In nahezu allen Sparten der Chemieindustrie bleibt die Lage angespannt. Ein Blick auf die Produktionszahlen beim nationalen Statistikamt GUS (Główny Urząd Statystyczny) bestätigt diesen Befund. Zwar verzeichneten die Hersteller von Stickstoffverbindungen und die Produzenten einzelner Grundchemikalien einen leichten Anstieg beim Produktionsausstoß. Dennoch liegen die Volumina weiterhin unter dem Niveau vor Beginn der Energiekrise 2022.

    Ein spürbares Produktions-Plus zeigte sich 2025 lediglich bei Farben und Lacken. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der europäische Bausektor allmählich wieder in Schwung kommt.

    Neue Verwerfungen entstehen im Zuge der Luftangriffe der USA und Israel gegen den Iran. Großhandelspreise für Erdgas sind Anfang März 2026 nach iranischen Drohnenangriffen auf Katar und der Blockade der Straße von Hormus um über 40 Prozent gestiegen. 

    Polens größter Düngemittelhersteller, die Azoty Gruppe, kündigte an, vorerst keine neuen Bestellungen anzunehmen. Gas ist der zentrale Rohstoff der Düngemittelproduktion. Über 16 Prozent aller Erdgasimporte Polens stammen aus Katar. Das polnische Energieministerium betonte jedoch, die nationale Versorgungssicherheit sei aufgrund alternativer Bezugsquellen gewährleistet. Ob der bewaffnete Konflikt langfristige Folgen für die Chemiebranche hat, wird vor allem von der Länge der Kampfhandlungen abhängen.

    Erholung hängt von mehreren Faktoren ab

    In einer Prognose, die vor Beginn des Konflikts entstand, geht der Branchenverband der polnischen Chemieindustrie PIPC (Polska Izba Przemysłu Chemicznego) davon aus, dass die Geschäfte im Jahr 2026 insgesamt besser laufen werden. Chancen gäbe es laut den Branchenvertretern im Bereich der Gummi- und Kunststoffprodukte. Entscheidend sei, wie sich die Nachfrage in Deutschland entwickle, so der Verband in einem Interview mit der polnischen Nachrichtenagentur PAP (Polska Agencja Prasowa). 

    Für die strategisch wichtige Düngemittelindustrie Polens ist zudem relevant, dass die EU zum 1. Juli 2025 neue Zölle auf Importe aus Russland und Belarus eingeführt hat. Aufgrund niedrigerer Gaspreise sind Düngemittel aus diesen Ländern bislang günstiger. Die Zölle schmälern Russlands Einnahmen für den Krieg gegen die Ukraine und machen gleichzeitig europäische Waren konkurrenzfähiger.

    Trotzdem droht der Chemiebranche laut PIPC auch 2026 ein harter Wettbewerb durch Importwaren. Sie stammen insbesondere aus Ländern wie der Türkei und China, wo die Produktionskosten niedrigerer sind.

    Energiepreise bleiben der größte Knackpunkt

    Vor diesem Hintergrund fordert PIPC, dass die chemische Industrie weiterhin kostenlose Emissionszertifikate erhält. Laut den Plänen der Europäischen Kommission sinkt die Zahl der kostenfreien Zertifikate im Rahmen des EU-ETS Systems bis zum Jahr 2034 auf null. Dann müsste die Industrie für jede ausgestoßene Tonne Kohlenstoffdioxid bezahlen. Das aber würde chemische Produkte aus Polen und anderen europäischen Ländern unrentabel machen. Bislang gäbe es laut Verband für viele emissionsintensive Prozesse keine Alternative. 

    Zwar müssen Importeure seit 2026 für Chemikalien aus Ländern ohne Zertifikate-System eine Ausgleichsgebühr CBAM entrichten. Doch nach Ansicht des Verbands sei dieses Instrument nicht ausgereift. Importwaren hätten deshalb einen Wettbewerbsvorteil.

    Parallel zu dieser Diskussion arbeitet Polens Wirtschaftsministerium an einem subventionierten Industriestrompreis. Dadurch sollen die Kosten von energieintensiven Branchen sinken, auch in der Chemieindustrie. Polen bezieht sich dabei explizit auf vergleichbare Instrumente in Deutschland. Grundlage ist in beiden Ländern die europäische CISAF-Verordnung. 

    Laut Angaben des polnischen Wirtschaftsministeriums soll das Subventionsprogramm ab 2027 starten. Der Preis pro Megawattstunde ist noch nicht bekannt.

    Laut den jüngsten Daten von Eurostat hatte Polen im 1. Halbjahr 2025 mit 251,6 Euro je Megawattstunde den vierhöchsten Strompreis in der EU, inklusive Steuern, Umlagen und Netzkosten. Nur Irland, Italien und Dänemark waren teurer.

    Schließungen und Übernahmen

    Hohe Kosten und internationale Konkurrenz sorgen bereits für Schließungen. Der polnische Chemiekonzern Qemetica (ehemals Ciech) beendete 2025 die Produktion von Soda in einem Werk in Janikowo. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf billige Konkurrenzprodukte aus der Türkei. Am polnischen Standort verloren 350 Mitarbeiter ihre Stelle. Qemetica ist einer der größten europäischen Hersteller von Natrium-Verbindungen.

    Auch der deutsche Chemieriese Henkel schloss 2025 ein Werk im polnischen Racibórz. Das Unternehmen produzierte am Standort Haushaltschemikalien. Hintergrund der Schließung sei eine "Umstrukturierung des Geschäftsbereichs und eine Anpassung des Produktionsnetzwerks in Europa", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Consumer-Sparte von Henkel steht seit Jahren unter starkem Konkurrenzdruck.

    Zu den gesamteuropäischen Problemen der Chemieindustrie kommen eigene Fehlkalkulationen hinzu. Die Azoty Gruppe schreibt seit Jahren Verluste. Daran sind nicht nur die Preisschwankungen beim Erdgas Schuld, dem wichtigsten Rohstoff für die Düngemittelproduktion. Das Unternehmen wollte in der Stadt Police ein Werk für die Produktion des Kunststoffs Polyolefin bauen. Doch die Kosten explodierten wegen Planungsfehlern auf 1,4 Milliarden Euro. Bis heute ist die Anlage nicht voll einsatzbereit.

    Die Rettung könnte ein Kaufangebot des Chemie- und Energiekonzerns Orlen sein. Das polnische Unternehmen will die Tochtergesellschaft Azoty Polyolefins übernehmen. Im Oktober 2025 präsentierte Orlen ein Angebot. Azoty reagierte im Dezember desselben Jahres mit einem Gegenvorschlag. Ein Knackpunkt bleibt, wer die Schulden des Police-Werks übernehmen wird. Sie belaufen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Azoty will den Verkauf im 1. Halbjahr 2026 abschließen. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
    Projekt

    Investitionssumme

    ProjektstandInvestor
    Petrochemie-Komplex Nowa Chemia (ursprünglich Olefiny III) in Płock

    8.095

    Projektdurchführung, Fertigstellung 2030Orlen
    Bau eines Werks für aktive Kathodenvorläufermaterialien (pCAM) in Opole

    1.600

    Planungsstadium, Fertigstellung 2031Ascend Elements
    Projekt Polvolt - Recycling-Komplex zur Rückgewinnung von Platinmetallen, Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer, Silber, Gold in Zawiercie

    714

    Projektdurchführung, Fertigstellung 2035Elemental Holding
    Ausbau und Modernisierung des Werks für Polypropylen-Folien (BOPP) in Oświęcim

    71

    Projektdurchführung, Fertigstellung 2028Alupol Films (Grupa Kęty)
    Bau eines Werks für Bauchemieprodukte in Dąbrowa Górnicza

    32

    ProjektdurchführungGrupa Atlas
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

    Gleichzeitig muss auch Orlen bei einer Großinvestition umstrukturieren. Das Unternehmen wollte in der Raffinerie in Płock eine Olefin-Produktion unter dem Namen Olefiny III aufbauen. Veranschlagt waren 3 Milliarden Euro. Nachdem sich eine Vervierfachung der Kosten abzeichnete, stoppte der Konzern das Projekt. Unter dem Namen Neue Chemie (Nowa Chemia) setzt Orlen das Vorhaben in abgespeckter Form mittlerweile fort. 

    Die Anlage wird Monomere und nach Bedarf Ethylenoxid und Glykole, Styrol und C4-Butadien herstellen. Bei der Butadien-Extraktion setzt Orlen auf eine Technologie-Lizenz des deutschen Chemiekonzerns BASF. Ein aktualisierter Investitionsplan erscheint im 1. Quartal 2026.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Die klassischen Geschäftsfelder der Chemieunternehmen Polens stehen unter Druck. Vor diesem Hintergrund entwickeln die Firmen neue Produkte, zum Beispiel für die Rüstungsindustrie.

    Charakteristisch für Polens Chemieindustrie ist die starke Rolle der Staatskonzerne. Das größte staatlich kontrollierte Unternehmen ist Orlen. Es produziert in den Raffinerien in Płock und Gdańsk petrochemische Erzeugnisse. Seine dominante Stellung verdankt Orlen einer Fusion mit dem Gasversorger PGNiG und der Übernahme des polnischen Ölunternehmens Lotos. Zudem betreibt Orlen ein Joint Venture mit dem saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco, der 30 Prozent an der Raffinerie in Gdańsk hält.

    Gleichzeitig expandiert der Chemie- und Energiekonzern in neue Geschäftsfelder. Seit 2025 verkauft das Unternehmen an mehreren polnischen Flughäfen den nachhaltigen Flugkraftstoff SAF (Sustainable Aviation Fuel). Er entsteht aus nachwachsenden Rohstoffen, Abfällen oder aus Wasserstoff. Derzeit importiert Orlen SAF aus den Niederlanden und aus Singapur. In Płock baut der Konzern eine Anlage, die den Kraftstoff aus Pflanzenölen gewinnen wird.

    Auch der zweite große staatliche Chemiekonzern des Landes, die Grupa Azoty, erschließt neue Geschäftsfelder. Das Unternehmen produziert vor allem Stickstoffdünger. Wegen wachsender internationaler Konkurrenz und einer gescheiterten Investition in die Kunststoffproduktion richtet sich Azoty neu aus. Gemeinsam mit Tochtergesellschaften des staatlichen Rüstungskonzerns PGZ (Polska Grupa Zbrojeniowa) will das Unternehmen künftig Sprengstoffe herstellen, darunter Nitrozellulose.

    Polen erweitert angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland die Produktion von Artilleriemunition. Davon profitiert der größte polnische Hersteller von Trinitrotoluol (TNT), das Unternehmen Nitro-Chem. Für Azoty bleibt es bislang bei Absichtserklärungen mit den PGZ-Tochterfirmen. Voraussichtlich wird das Unternehmen erst dann in die Rüstungsindustrie einsteigen können, wenn der Verkauf der verlustreichen Kunststoffsparte abgeschlossen ist.

    Chemiekonzerne suchen emissionsarme Energiequellen

    Alle Chemieunternehmen sehen sich mit steigenden Energiepreisen konfrontiert. Um Kosten zu senken, greifen die Firmen zu unterschiedlichen Ansätzen. Qemetica, einer der größten privaten Chemiekonzerne Polens, will in Inowrocław eine Müllverbrennungsanlage bauen. Die entstehende Energie soll die Produktion verschiedener Natriumprodukte unterstützen.

    Bislang erzeugt Qemetica den Strom in einem Kohlekessel. Die neue Anlage könnte diesen teilweise ersetzen. Seit November 2025 ist die Lidl-Tochter PreZero Partner bei dem Projekt.

    Auch die private Synthos-Gruppe, ein polnischer Hersteller synthetischer Kautschuke, will ihre Energiekosten senken. Sie setzt dabei auf kleine modulare Atomkraftwerke SMR (Small Modular Reactor). Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen ein Joint Venture mit Orlen gegründet. Beide Firmen wollen Reaktoren des amerikanischen Unternehmens GE Hitachi installieren.

    Nach anfänglicher Skepsis unterstützt mittlerweile auch die polnische Regierung das Vorhaben. Der erste Reaktor soll bis 2035 bei der Orlen-Tochter Anwil in Włocławek den Betrieb aufnehmen.

    Durchwachsene Perspektive für Wasserstoff

    Gleichzeitig investiert Orlen in emissionsfreien Wasserstoff. Der Konzern unterschrieb im Januar 2026 einen Vertrag mit den finnischen Unternehmen ABO Energy Suomi, Nordic Ren Gas und VolagHy Kuopio SPV. Gemeinsam wollen die Firmen Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff, E‑Methan und synthetischen Kraftstoffen errichten. Zuvor erhielt Orlen einen Zuschuss von rund 300 Millionen Euro aus einem Wasserstoff-Programm der Förderbank BGK (Bank Gospodarstwa Krajowego).

    Trotz staatlicher Unterstützung hat emissionsfreier Wasserstoff in Polen aber keinen einfachen Stand. Während Unternehmen wie Orlen neue Kapazitäten schaffen, ziehen sich andere Anbieter zurück. Der Polenergia-Konzern verkündete 2025 das Ende seiner beiden Wasserstoff-Projekte. Die Produktion sei zu teuer und die Nachfrage zu gering, erklärte das Unternehmen.

    Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in Polenin 1.000 Tonnen; Veränderung in Prozent gegenüber dem Vorjahr

    Sparte

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Stickstoffdünger

    1.859,9

    6

    Phosphordünger

    246,3

    9,6

    Kunststoffe, darunter:

    3.153,4

    0,1

      Polyethylen

    294,1

    -6

      Polyvinylchlorid (PVC)

    178,9

    -15,2

      Polypropylen

    364,1

    18,2

    Pestizide

    63

    9,5

    Farben und Lacke

    1.412,6

    29,2

    Gummiprodukte, darunter:

    904

    -0,8

     Reifen (1.000 Stück)

    51.830

    3,8

    Quelle: GUS 2026

     

    Konsolidierung und Internationalisierung

    Ein weiteres Standbein der polnischen Chemiebranche ist die Bauchemie. Hier kommt es angesichts der schwachen Baukonjunktur zu Konsolidierungen. Selena, einer der größten polnischen Bauchemiehersteller, übernahm 2025 die Unternehmen Izolacja-Jarocin und PHP TES. Dadurch erweitert der Hersteller sein Portfolio um neue Dämmstoffe. Das Unternehmen steht beispielhaft für die zunehmende Internationalisierung der polnischen Industrie. So übernahm Selena 2025 den französischen Vertriebspartner ACDIS.

    Auch andere Bauchemie-Hersteller investieren. Die Atlas-Gruppe kündigte im Februar 2026 den Bau einer neuen Fabrik in Dąbrowa Górnicza an. Dort sollen künftig Bauchemikalien auf Basis wasserbasierter Polymerharzdispersionen entstehen. Auslöser sei die steigende Nachfrage nach diesen Produkten, erklärte das Unternehmen.

    E-Mobilität zieht neue Chemieinvestoren an

    Gleichzeitig gewinnt die Batterieproduktion als neuer Zweig der Chemieindustrie an Bedeutung. Unternehmen wie LG und Mercedes haben in Polen Werke zur Produktion von Batterien für E‑Fahrzeuge aufgebaut. Mittlerweile siedeln sich vermehrt Zulieferer von Chemikalien an.

    Das Volkswagen Joint Venture Ionway will 2026 in Nysa mit der Produktion von aktivem Kathodenmaterial (CAM) beginnen. Die Fabrik kostet rund 1,7 Milliarden Euro. Ein ähnliches Volumen hat die Investition des US-amerikanische Unternehmen Ascend Elements in Opole. Dort entstehen in Zukunft Ausgangsstoffe für die Produktion von Kathodenmaterial.

    Andere Unternehmen konzentrieren sich auf das chemische Recycling von Alt-Batterien. Die polnische Elemental Group investiert im Rahmen des Polvolt‑Projekts rund 780 Millionen Euro in einen Komplex zur Rückgewinnung von Lithium, Nickel, Kobalt und weiteren Materialien. Die Anlage in Zawiercie soll 2035 ihren Betrieb aufnehmen. Bereits jetzt verarbeitet Elemental am gleichen Standort verschiedene Elektroabfälle.

    Die Europäische Kommission hat Polvolt als strategisch wichtiges Vorhaben eingestuft. Die Entscheidung unterstreicht die wachsende Bedeutung von Batterien und Recycling für Polens Chemieindustrie.

     

    Wichtige Branchenunternehmen in Polen Umsatz 2024 in Millionen Euro

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 1)

    Orlen S.A.

    Mineralöl-/Energiekonzern

    68.497

    Grupa Azoty S.A.

    Stickstoff, Dünger

    3.029

    Synthos S.A.Chemieprodukte

    2.002

    Boryszew S.A.Kunststoffe, Chemieprodukte

    1.188

    BASF Polska Sp. z o. o.Chemieprodukte

    1.139

    Qemetica S.A.Chemieprodukte, Soda

    0.916

    Grupa Azoty Zakłady Azotowe Puławy S.A.Stickstoffdünger

    0.808

    Anwil S.A. (Orlen)PVC, Stickstoffdünger

    0.629

    Grupa Azoty Zakłady Chemiczne Police S.A.Dünger, Chemieprodukte

    0.577

    PCC Rokita S.A.Chemieprodukte

    0.452

    1 umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs 2024: 1 Euro = 4,3064 Złoty.Quelle: Liste der 500 umsatzstärksten Unternehmen Polens 2024 der Tageszeitung Rzeczpospolita 2025

     

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Obwohl Polen dem EU‑Chemikalienrecht folgt, gibt es für Chemieunternehmen einige nationale Besonderheiten zu beachten. Hierzu gehört etwa der kontrollpflichtige Warentransport.

    Die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Chemieindustrie in Polen werden maßgeblich von EU‑Vorgaben bestimmt. Zentrales Element ist die REACH‑Verordnung (EG Nr. 1907/2006). Sie gilt in Polen unmittelbar und regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Unternehmen, die Stoffe in Mengen ab einer Tonne pro Jahr herstellen oder importieren, müssen diese Erzeugnisse bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) registrieren.

    Die nationale REACH‑Anlaufstelle in Polen ist das Büro für chemische Substanzen (Biuro do spraw Substancji Chemicznych). Neben REACH gelten weitere EU‑Regelwerke in Polen, darunter die CLP‑Verordnung, die Seveso‑III‑Richtlinie (2012/18/EU) sowie Vorschriften zu Pflanzenschutzmitteln, Detergenzien und gefährlichen Stoffen. Polnische Behörden können die Einfuhr, Herstellung oder Nutzung chemischer Stoffe einschränken, wenn nach ihrer Bewertung Risiken nicht ausreichend kontrolliert werden.

    Auflagen für Produktion und Transport chemischer Güter

    Ein formelles Investitionsverbot für Chemieunternehmen besteht nicht. Einschränkungen ergeben sich jedoch aus europäischen und nationalen Gefahrstoffregelungen. Die polnischen Behörden setzen unter anderem die Ozon‑Verordnung, die F‑Gase‑Verordnung, die POP‑Verordnung sowie die PIC‑Verordnung über die Zollverwaltung durch.

    Obwohl Polen Teil des EU‑Binnenmarktes ist, unterliegt der Warenverkehr verschiedenen mengen‑ und risikoorientierten Vorgaben. Für bestimmte Güter – darunter zahlreiche chemische Stoffe – gelten Mengengrenzen, Dokumentationspflichten oder der Nachweis, ob sie privat oder gewerblich genutzt werden.

    Ein wichtiges Instrument der polnischen Aufsichtsbehörden ist das SENT‑System, ein elektronisches Meldesystem für besonders überwachungsbedürftige Waren. Seit 2025 müssen sich auch Transportunternehmen aus EU‑Mitgliedstaaten registrieren, wenn sie bestimmte chemische Stoffe oder andere risikobehaftete Güter nach oder durch Polen transportieren. Der Empfänger in Polen muss vor Beginn der Beförderung eine SENT‑Erklärung abgeben und den Erhalt der Ware nach Lieferung bestätigen.

    Weitere Infos zu SENT und den betroffenen Waren veröffentlicht das polnische Finanzministerium auf der Plattform PUESC.

    Pfandsystem soll für mehr Rezyklat sorgen

    Polen führt zudem mehrere Maßnahmen ein, die auf eine Reduzierung des Kunststoffverbrauchs, höhere Recyclingquoten und eine stärkere Kreislaufwirtschaft abzielen. Ein zentraler Bestandteil ist das landesweite Pfandsystem, das am 1. Oktober 2025 startete. Es umfasst Einweg‑PET‑Flaschen bis 3 Liter, Metallgetränkedosen bis 1 Liter sowie Mehrwegglasflaschen bis 1,5 Liter. Ein Ziel des Pfandsystems lautet, mehr hochwertiges Rezyklat zu erhalten. Das ist vor allem für Hersteller von Kunststoffverpackungen relevant.

    Parallel dazu tritt ab August 2026 die EU‑Verpackungs‑ und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) in Kraft. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, das Aufkommen von Verpackungsabfällen im Vergleich zu 2018 schrittweise zu reduzieren. Ab 2030 müssen alle Verpackungen auf dem EU‑Markt recyclingfähig gestaltet sein. Darüber hinaus dürfen Lebensmittelkontaktverpackungen spätestens 18 Monate nach Inkrafttreten der PPWR keine Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) mehr enthalten.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Polen

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerstwo Ministerstwo Rozwoju i Technologii

    Ministerium für Entwicklung und Technologie
    Ministerstwo Klimatu i ŚrodowiskaMinisterium für Klima und Umweltschutz

    Ministerstwo Rolnictwa i Rozwoju Wsi

    Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung
    Instytut Ochrony ŚrodowiskaUmweltschutzinstitut, beurteilt Dünge-, Pflanzenschutzmittel
    Narodowe Centrum Badań i  Rozwoju Forschung und Entwicklung-Institut; Förderung

    Polska Izba Przemysłu Chemicznego (PIPC)

    Polens führender Chemieverband
    Polski Związek Przetworców Tworzyw SztucznychVerband der Kunststoffverarbeiter in Polen

    Polskie Stowarzyszenie Ochrony Roślin (PSOR)

    Polnische Pflanzenschutzvereinigung
    Polska Organizacja Przemysłu i Handlu NaftowegoVerband für Erdölprodukte
    Polska Izba OpakowańVerband der Verpackungsindustrie
    Polski Związek Przemysłu Oponiarskiego (PZPO),Reifenverband
    ChemTec Poland (Warszawa), MesseMesse für Chemietechnologien, nächste 16.-18.06.2026

    Plastpol (Kielce), Messe

    Messe für Kunststoffe und Gummi, nächste 19.-22.05.2026
    Budma (Poznań), MesseMesse für die Bauwirtschaft, jährlich im Frühjahr
    Packaging Poland (Warszawa), MesseMesse für Verpackungen, nächste: 17.-19.11.2026

    Chemia i Biznes

    Fachportal für die Chemieindustrie
    Kierunek ChemiaFachportal für die Chemieindustrie
    Tworzywa.plFachportal für die Kunststoffindustrie

     

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