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Spanische Flughäfen erweitern ihre Kapazitäten
Im Zeitraum 2027 bis 2031 gibt die Betreibergesellschaft 12,9 Milliarden Euro für ihr spanisches Flughafennetz aus – mehr als dreimal so viel wie im letzten Investitionszeitraum.
13.03.2026
Von Friedrich Henle | Madrid
Spaniens halbstaatlicher Flughafenbetreiber Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea (Aena) rechnet damit, dass im Jahr 2031 auf den Flughäfen des Landes 347 Millionen Passagiere ankommen und abfliegen werden. Das entspräche einem Anstieg von 8,1 Prozent gegenüber 2025. Um die Flughäfen für den Ansturm fit zu machen, soll weiter in deren Ausbau investiert werden. Hinzu kommen Renovierungen und Investitionen in Innovations- und Nachhaltigkeitsprojekte.
Aena hat Mitte Februar 2026 neben der Präsentation seines Jahresergebnisses 2025 auch dargelegt, wie die geplanten Investitionen für den Zeitraum 2027 bis 2031 aufgeteilt sind. Das Gros des Gesamtbudgets in Höhe von 12,9 Milliarden Euro soll in den Ausbau der beiden größten Airports Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat fließen.
Madrid und Barcelona profitieren am meisten
Mit 4,5 Milliarden Euro steht mehr als ein Drittel des Aena-Gesamtbudgets für die Erweiterung des Hauptstadtflughafens bereit. Die Terminals 4 und 4S, die die nationale Fluggesellschaft Iberia fast exklusiv nutzt, sollen in den kommenden Jahren mehr Flugsteige erhalten. Hinzu kommen die Modernisierung der Terminals 1, 2 und 3 sowie die Anbindung des Flughafens an das Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz (AVE). Die technische Kapazitätsgrenze des Madrider Airports wird durch die anstehende Erweiterung von aktuell 70 Millionen auf 90 Millionen Fluggäste pro Jahr steigen.
Der Flughafen Barcelona-El Prat erhält 1,8 Milliarden Euro im Planungszeitraum 2027 bis 2031. Er überschritt bereits 2025 mit 57,5 Millionen Passagieren seine Kapazitätsgrenze von 55 Millionen. Der geplante Ausbau auf 80 Millionen hat sich bisher verzögert, weil in Katalonien in den letzten Jahren kein politischer und gesellschaftlicher Konsens darüber bestand. Im Juni 2025 einigte sich die neue katalanische Regionalregierung schließlich mit Aena auf einen Erweiterungsplan. Kernstücke sind die Verlängerung der südlichen Start- und Landebahn, der Bau eines weiteren Terminals und dessen unterirdische Anbindung. Der Großteil der Bauarbeiten und damit der Gesamtkosten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro steht jedoch erst ab dem Jahr 2032 an, da zunächst weitere Planungen nötig sind.
Größere Projekte werden auch an den Flughäfen Málaga (1,5 Milliarden Euro) und Alicante (1 Milliarde Euro) realisiert, um deren Terminal-Infrastruktur zu verbessern. Laut entsprechendem Aena-Plan für den Zeitraum 2027 bis 2031 – Documento de Regulación Aeroportuario (DORA III) – sollen auch die Flughäfen Tenerife Sur und Norte, Lanzarote, Ibiza, Valencia und Bilbao modernisiert werden. Der Investitionsplan umfasst zudem Ausgaben über 1,5 Milliarden Euro in Technologie-, Innovations- und umweltbezogene Nachhaltigkeitsprojekte für alle Flughäfen. Diese sollen es ermöglichen, Aenas Ziel von Netto-Null-Emissionen beim Betrieb der Flughäfen im Jahr 2030 zu erreichen – 20 Jahre früher als es die globale Verpflichtung des Luftfahrtsektors eigentlich vorsieht.
Wie Unternehmen Aena-Ausschreibungen finden
Aena nutzt für die Suche nach Auftragnehmern die nationale Ausschreibungsplattform Contratación del Estado. Dort sind auch geplante Baumaßnahmen zu finden.
Auf einer unternehmenseigenen Internetseite werden Vergaben für betriebliche Aspekte der Flughäfen veröffentlicht, wie zum Beispiel die gastronomischen Angebote in den Terminals, das Gepäckhandling oder die Betankung von Flugzeugen.
Änderungen am Investitionsplan noch möglich
Der Verwaltungsrat von Aena hat den Investitionsplan DORA III am 17. Februar 2026 gebilligt. Das Budget fällt deutlich höher aus als in der laufenden Planungsperiode: Im Vergleich zu 2022 bis 2026 entspricht das vorgesehene Investitionsvolumen in Höhe von 12,9 Milliarden Euro mehr als einer Verdreifachung.
Dennoch ist der Plan noch nicht endgültig beschlossen. Im nächsten Schritt muss die spanische Netz- und Wettbewerbsbehörde Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia (CNMC) DORA III bestätigen. Anschließend haben zudem die oberste Flugaufsichtsbehörde sowie die Generaldirektion für Wirtschaftspolitik Mitspracherechte. Die endgültige Entscheidung liegt beim Kabinett der spanischen Regierung, das spätestens im September 2026 über den Plan befinden soll. Erst danach werden sämtliche Details der neuen Planungsperiode veröffentlicht.
Kritik kommt unterdessen bereits von den Fluggesellschaften. Sie bemängeln, dass der halbstaatliche Flughafenbetreiber die geplanten Ausgaben über höhere Flughafengebühren finanzieren will. Aena plant eine jährliche Gebührenerhöhung um 3,8 Prozent. Diese Mehrkosten würden letztlich die Passagiere über höhere Ticketpreise tragen. Auf diesem Weg sollen im Planungszeitraum 2027 bis 2031 rund 10 Milliarden der insgesamt 12,9 Milliarden Euro zusammenkommen. Vor allem Ryanair, aber auch der spanische Airline‑Verband ALA sowie der internationale Branchenverband IATA kritisieren die Pläne. Sie werfen Aena vor, mit zu niedrigen Passagierzahlen zu kalkulieren, und fordern stattdessen eine Senkung der Gebühren.
Aena betreibt fast alle spanischen Flughäfen
Aktuell ist Aena für den Betrieb von 48 Flughäfen in Spanien verantwortlich. Daneben existieren nur einige wenige Regionalflughäfen, die einen anderen Betreiber haben. Das börsennotierte Unternehmen besteht in seiner jetzigen Form seit 2014, als es teilprivatisiert wurde. Der spanische Staat hält weiterhin 51 Prozent der Aktien. Größere Aktienpakete besitzen unter anderem die Fonds BlackRock, Veritas und Goldman Sachs.
Aena ist in den letzten Jahren auch international gewachsen. Wichtigster Auslandsmarkt ist seit 2019 Brasilien, wo das Unternehmen aktuell 17 Flughäfen über ein Konzessionsmodell betreibt. Weiterhin bestehen Minderheitsbeteiligungen über Betreibergesellschaften in Mexiko und Jamaika. Im Vereinigten Königreich gehört der London Luton Airport seit 2013 mit einem Mehrheitsanteil von 51 Prozent zum Portfolio. Im Dezember 2025 unterzeichnete Aena einen Vertrag zum Erwerb von 51 Prozent der Anteile an der britischen InfraBridge. Das Unternehmen ist alleiniger Eigentümer des Flughafens Leeds und besitzt 49 Prozent der Anteile am Flughafen Newcastle.
Von den im Jahr 2025 erzielten Einnahmen von insgesamt knapp 6,4 Milliarden Euro entfielen 914 Millionen Euro auf die Aktivitäten von Aena im Ausland. Die Einnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 9,5 Prozent. Die Umsätze im Ausland legten sogar um knapp ein Viertel zu.